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AnthoAlice – 2. Finale „Erinnerungen“

Wow, der Monat ist rum und ich habe 33 Beiträge von euch bekommen. Wunderschöne Erinnerungen, toll beschrieben. Ich danke  tausend mal für diese Bereitschaft, so viel – auch persönliches – von euch preiszugeben.

Und hier die Ergebnisse. An die Autoren: Überprüft bitte die Links und schaut, ob ich keinen vergessen habe, ansonsten bitte schreien.

In diesem Monat entstanden folgende wunderbare Beiträge:

Karl mit Erinnerung 2, Erinnerung 3, Erinnerung,

Piri mit Fräulein Drost,

Meine Wenigkeit mit Der Morgen, Heile, Heile Segen, Dunkle Zeiten 1, Dunkle Zeiten 2, Prinzessin,

Jeraph mit Erinnerungen, Erinnerungen 2, Meine Erinnerungen, Götter in Weiß, Karfreitag, Die Kuh, Eine Reihe der Erinnerungen, Zweiter Teil der Erinnerungsreise, Weiter geht’s, Der Vierte und Vorletzte Teil, Der heutige Stand, oder doch nicht?, Wasserschloss Werdringen, Ein Fremder, Der Abend, der mein Leben veränderte, Ich bring das Chaos und du den Stern, abgemacht?,

Werner mit In Kölle am Rhing ben ich gebore, Ping? Pong…oder wat?, Ferien bei Oma/Ausflug an den Bodensee, Jim Knopf und Lucas der Lokomotivführer, Melanie,

Brigwords mit Mohamed,

Caroline mit So viele Ostern,

Katha mit Man lebt zweimal,

Alexander mit Hierher möchte ich nie wieder zurück,

Aber damit gebe ich natürlich keine Ruhe. Die dritte Runde startet heute und geht bis zum 15.06.19.

Mitmachen darf jeder, der mag, auch gerne mit mehreren Beiträgen. Zu den (wenigen) Regeln. Ich gebe ein Thema vor und es darf bearbeitet werden, wie man es möchte. Texte, egal welcher Textform (Begrenzung auf ca. 400 Wörter), Fotografien, Bilder von Skulpturen, Schnitzereien oder was auch immer gerade zu dem Thema vor eurem inneren Auge auftaucht.

Euren Beitrag verlinkt ihr bitte mit diesem hier und setzt euren Link in die Kommentare. Das ist ganz wichtig, damit nichts verloren geht. (Das Ping funktioniert mal, dann auch wieder nicht)

Die Laufzeit ist einen Monat, jede Woche mache ich eine kleine Zwischenbilanz mit allen bisher eingetrudelten Beiträgen.

Das neue Thema ist „Utopie“

Schaut nach vorne, in die Zukunft, lasst euch darauf ein und erzählt mir, was ihr wahrnehmt, erwartet, befürchtet.

Ich freue mich darauf 🙂

Alice



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AnthoAlice – Erinnerung – 2. Zwischenstand

Die zweite Woche ist längst rum und es wird höchste Zeit für den Zwischenstand. Wie ihr vielleicht gemerkt habt, habe ich mich ein wenig rar gemacht, höchstens mal vom Tablet aus etwas geschrieben. Deshalb die Verspätung.

Ich freue mich riesig, dass ihr das Thema „Erinnerungen“ so phantastisch annehmt, bisher sind es 26 Beiträge!!!. Ich bin begeistert.

Wer neu dazu kommt, lausche bitte nun. Zum neuen Thema „Erinnerungen“ habt ihr einen Monat Zeit (also hier jetzt noch bis zum 15.5.19) Beiträge jedwederArt zu verfassen. Ob Fotografie, Audio, Video, Text (max. ca. 400 Wörter). Euren Eintrag verlinkt ihr bitte hiermit und setzt euren Link noch in die Kommentare hier. Es pingt leider nicht immer, wie es soll. Und es wäre schade, wenn es verloren ginge.

In den ersten zweieinhalb Wochen entstanden folgende wundervolle Beiträge:

Karl mit Erinnerung 2, Erinnerung 3, Erinnerung,

Piri mit Fräulein Drost,

Meine Wenigkeit mit Der Morgen, Heile, Heile Segen, Dunkle Zeiten 1, Dunkle Zeiten 2, Prinzessin,

Jeraph mit Erinnerungen, Erinnerungen 2, Meine Erinnerungen, Götter in Weiß, Karfreitag, Die Kuh, Eine Reihe der Erinnerungen, Zweiter Teil der Erinnerungsreise, Weiter geht’s, Der Vierte und Vorletzte Teil, Der heutige Stand, oder doch nicht?,

Werner mit In Kölle am Rhing ben ich gebore, Ping? Pong…oder wat?, Ferien bei Oma/Ausflug an den Bodensee, Jim Knopf und Lucas der Lokomotivführer,

Brigwords mit Mohamed,

Caroline mit So viele Ostern,

Mal wieder habe ich das Gefühl, es sei mir was durchgegangen. Wenn ja, geschah das sicher nicht mit böser Absicht, also bitte melden 🙂

Und jetzt freue ich mich auf die dritte Woche mit vielleicht weiteren tollen oder nachdenklich stimmenden Erinnerungen.

Alice

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AnthoAlice – Prinzessin

Zur Blogparade bei mir. Thema sind „Erinnerungen“.

Ich wuchs am Niederrhein auf und auch, wenn ich dem Münsterland landschaftlich einiges abgewinnen kann, für mich ist es Deutschlands schönster Landstrich. Das liegt natürlich daran, dass es so vertraut ist. Aber das reicht mir für eine Bewertung, es ist ja nur meine Meinung.

Abgesehen vom Sommerurlaub, für den wir alle zwei Jahre nach Österreich düsten, immer in dieselbe Pension im wunderschönen Oberösterreich, machten wir wenige Ausflüge. Jede gemeinschaftliche Aktion außer Haus war mit Stress verbunden. Meine Mutter war mit den Nerven fertig, schmierte Berge an Broten, die keiner aß, kochte literweise Kaffee, den nur sie trank und war schon Tage vorher durch den Wind. Spontan ging nicht bei uns, dann wäre alles eskaliert. Mein Vater war gerne unterwegs, konnte aber seinen Perfektionsanspruch selten mit der Realität in Einklang bringen. Wurde zusehends nervöser, weil wir Kinder noch nicht oder viel zu früh fertig waren, der alte Kadett noch zu betanken war, das Wetter schlecht werden sollte. Irgendwann explodierte auch er, schrie rum, sagte uns, wie Scheiße wir alle sind und verzog sich rauchend ins Wohnzimmer. Mutter weinte dann und schmierte weiter Butterbrote, die sie nicht salzen musste, weil sie voller Tränen waren. Mein Bruder und ich warteten dann verunsichert, was denn nun geschehen würde.

Zur geplanten Abfahrtszeit stand mein Vater dann in der Tür, raunzte uns an, dass wir jetzt doch endlich und wir fuhren los.

Einmal ging es zum Schloss Moyland, quasi um die Ecke. Damals hatte sich noch keine Organisation darum bemüht, dieses alte Wasserschloss zu restaurieren, es war eine Ruine. Ich erinnere mich an moosbewachsene Steine, hohe Zinnen, efeuberankte Mauern und die Hand meiner Mutter, die mich fest umklammend, mindestens mit zehn Meter Abstand vom Wassergraben fern hielt. Das Wetter war wie heute, kühl und bedeckt, die Sonne zeigte sich selten. Vom Wassergraben stieg leichter Nebel auf , alles war ein wenig düster, ein wenig verwunschen. Ich war begeistert. Ich stand vor einem echten Märchenschloss. Ganz sicher würde hinter diesen hohen dunklen Mauern Dornröschen schlafen. Und wenn dem nicht so wäre, würde ich dort einziehen, als Prinzessin dort leben.

Mein Vater lachte mich aus, nannte mich den Rest des Tages Pummelprinzessin und zog mir den Zahn mit dem Prinzen und dem weißen Pferd. Meine Mutter schwieg, was ich als Verrat empfand. Irgendwann fuhren wir nach Hause. Prinzessin wollte ich nicht mehr werden, auch nicht zu Karneval. Pirat wäre eine gute Idee, der trägt wenigstens einen Degen.

Alice

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AnthoAlice – Dunkle Zeiten – Teil 2

Zur Blogparade bei mir. Thema sind Erinnerungen.

Zur Warnung! Nichts für zarte Seelen. Es ist wichtig für mich, das hinauszuschreien.

Eine unerträgliche Situation. Ein Mann mit einer schwangeren Affäre, eine gedemütigte Frau, die sich von einem Prinzen retten lassen will. Ein Narzist kann das, was ihm gehört nicht freigeben, also droht er mit dem Freitod. Und verspricht, dass alles besser wird. Sie zeugen ein zweites Kind, geplant und ganz bewusst. Es soll ihre Ehe retten, das ist seine Aufgabe.

Die schwangere Affäre verschwindet, bringt irgendwo ihr Kind zur Welt und ein halbes Jahr später wird in dem Haus ein Mädchen geboren. Alle freuen sich, hoffen auf den kleinen Menschen, der sich dieser großen Aufgabe nicht bewusst ist. Die Großmütter helfen, pflegen beschützen die Kinder, halten die Verantwortung von den unreifen Eltern fern.

Doch dann stirbt die eine, die wichtige, die starke und alles bricht zusammen. Die Mutter kann und will nicht alleine, entwickelt Ängste, Panik, sucht Halt bei ihrem Mann und greift ins Leere. Der Vater, inzwischen cholerisch, baut seinen Druck in gigantischen Wutanfällen ab, will kein Vater sein, will, dass die Kinder funktionieren, will, dass das Mädchen endlich das tut, für das es in die Welt gesetzt wurde.

Die Kinder leben zwischen Wutanfällen und einer panischen, handlungsunfähigen Mutter. Wie unter einem Damoklesschwert sitzend, wissen sie nie, wann es wieder zuschlägt. Manchmal ist es dennoch lustig, wenn der Vater weg ist, arbeitet oder in Kur. Dann entspannt die Mutter und es wird gelacht und Blödsinn gemacht. Aber an dunklen Tagen braucht sie Halt, hält sich an dem kleinen Mädchen fest, klagt ihr das Leid und ihre Angst und hofft auf Trost und Halt. Die Last ist schwer für das Kind, viel zu schwer. Es wird erwachsen, viel zu früh, sorgt sich, erlaubt sich keine Fehler, versucht den Vater zu besänftigen und die Mutter glücklich zu machen. Doch oft gelingt das nicht und sie steht zwischen den schreienden und weinenden Eltern. Und da sie es nicht schafft, die zu sein, die die Eltern gerne hätten, wird sie gedemütigt, klein gemacht.

Sie versucht die zu sein, die gewünscht wurde, doch sie ist zu pummelig, zu grob, zu frech, zu ehrlich. Sie ist nicht wie das Nachbarsmädchen, das ihre Mutter so toll findet und sie ist zu stark, als dass ihr Vater sie ertragen kann.

Als die Mutter endlich den weißen Ritter findet, ist das Mädchen groß. Die Eltern sind froh, dass sie eine Beziehung hat und auszieht. Endlich frei von jeder Verantwortung, gehen sie auseinander, überlassen die Kinder ihrem Leben und stürzen sich in ihr neues, dass sie sich ja auch verdient haben.

Alice

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AnthoAlice – Dunkle Zeiten – Teil 1

Zur Blogparade bei mir, Thema sind Erinnerungen.

Seid gewarnt, Erinnerungen sind ein heikles Thema für mich. Diese hier sind nicht schön. Sie sind hart, aber sie sind wichtig für mich. Es ist wichtig, mich ihnen zu stellen, sie in die Welt hinauszuschreien, damit sie ihre Macht über mich verlieren.

Es gibt Eltern, die sollten keine Kinder bekommen. Manche möchten auch gar nicht – und es passiert dennoch.

Die Kombination meiner Eltern hätte nicht schlimmer sein können. Ein Narzisst und eine emotional instabile Frau treffen sich, meinen sich im Gegenüber zu erkennen und zeugen unerwartet und sehr jung ein Kind. Total überfordert mit dem kleinen Stück Mensch, was da auf die Welt gekommen ist und kreisend um die eigenen Bedürfnisse, die ja nun zurückgestellt werden müssen, verlassen sie sich auf die präsenten Großeltern. Die geben Rückhalt mit Erfahrung und Ruhe, unterstützen, reden gut zu, halten aus. Die beiden Eltern ergeben sich in ihr Schicksal. Der Vater gibt die Seefahrt auf und arbeitet in einer Brotfabrik, die Mutter bleibt zu Hause, kümmert sich nicht um ihre Ausbildung, schreibt ihre Träume in den Wind.

Sie leiden untereinander, unter der Unzufriedenheit des anderen, unter der Verpflichtung, sich ungeplant um ein Menschlein kümmern zu müssen. Glücklicherweise sind die Babysitter im haus, so dass sie auch mal ausgehen können, weglaufen vor dem, was sie nicht wollten.

Da stirbt ihr Vater, alt geworden und sie beschließen mit der Mutter und dem Kind zu der anderen, seiner Mutter zu ziehen. Die hat ein Haus und Platz.

Sie wechseln den Wohnort, finden sich ein in die neue Umgebung, schließen Freundschaften. Doch Narzissten brauchen Anerkennung, also sucht er sie und findet sie bei anderen Frauen. Eine folgt auf die andere, es wird nichts verheimlicht, seine Affären sind omnipräsent. Die Mutter leidet darunter, findet Rückhalt bei ihrer Mutter, Ausgleich im Gespräch mit Freundinnen. Doch sie handelt nicht. Immer kleiner wird sie, immer mehr zum Kind, das tut, was man ihm sagt und ansonsten brav schweigt.

Er, aufbrausend von Natur aus, wütet von Zeit zu Zeit. Schreit das Kind an, schlägt es. Sie steht daneben, hält es aus, tut nichts.

Da taucht ein Mann auf, gerade als es am Schlimmsten ist und verspricht ihr Besserung. Sie überlegt wegzugehen, den Rettungsanker zu nehmen, aus der einen in die neue Abhängigkeit zu flüchten. Er, der gerade seine Affäre schwängerte, kann, will sie nicht gehen lassen. Und so schmiedeten sie einen Plan.

Alice

PS…. wie ich befürchtete ist der Text zu lang, also mache ich hier einen Schnitt. Wer es erträgt, lese Teil 2

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AnthoAlice – Heile, Heile, Segen

Zur Blogparade bei mir. Thema sind Erinnerungen.

Als Kind bin ich oft auf die Nase gefallen, von Bäumen gestürzt, habe mir den Kopf an widerspenstigen Pfeilern blutig gekratzt und jedes gerade verheilte Knie bedurfte einer sofortigen Erneuerung der Schürfwunde. Eine gesunde Kindheit, sagt ihr jetzt? In den Siebzigern Kind gewesen zu sein, bedeutete Frischluft und Bewegung, rennen, klettern, toben.

Dass ich im Moment der Niederlage nicht so begeistert war, könnt ihr euch vorstellen. Jede Schramme wurde nach Hause getragen und verpflastert. Meine Oma Goch, die, die ich noch richtig erlebte, die aber ein alter Drachen war, hat mir dann immer vorgesungen. „Heile Heile Segen“ ging der Kinderreim. Das war nett von ihr, genauso wie der Spontankuchen, den sie zusammenrührte, wenn meine Eltern tanzen waren und ich bei ihr übernachtete. Der war fettig und schmeckte wie Keksteig, aber das war egal. Ihre sonst übel müffelnde Bude, duftete dann und ich fühlte mich fast wohl. Außerdem hat sie in einem Jahr all meine Puppen vor Weihnachten entführt – und das waren eine Menge. Sie hat jeder davon ein Häkelkleid beschert, eigenhändig gefertigt, angepasst und Heilgabend saßen sie dann alle in ihrem miefigen Wohnzimmer, auf dem Sofa aufgereiht. Da hatte ich sie fast lieb.

Als Kind dachte ich, dass der Mann, der bei ihr lebte, mein Opa wäre. War er aber nicht, deshalb hieß sie auch nicht wie ich. Ihr erster Mann war im Krieg gefallen, mit 26 Jahren im Kessel von Königsberg. Dass er für die Bösen kämpfte, habe ich ihm nie nachgetragen. Er starb früh, das sollte Strafe genug sein. So stand sie dann da, 29 Jahre alt, ein dreijähriges Kind an der Hand, ein berechnet knappes Erbe ihrer wohlhabenden Schwiegereltern in der anderen. Sie gab sich zufrieden, klagte nicht sondern baute in dem Trümmerfeld ein Haus für sich und ihren Sohn.

Und sie suchte sich eine Arbeit in der örtlichen Industrie, als es wieder was zu produzieren gab. Eine Firma für Kartoffelpüree und Babymilch stellte sie als Telefonistin ein. Ich kann sie mir gut vorstellen, wie sie die Strippen steckte, den einen Warten ließ, den anderen bevorzugte. Und das machte sie so gut, dass sie erst zweite, später erste Sekretärin des Chefs wurde. Sie gewöhnte sich einen Hang zum Vornehmen an, wäre gerne aus einem besseren Stall gekommen, nicht aus dem armen Haus mit dreizehn Geschwistern, die Eltern trinkend und verzweifelt. Dass einem Cousin von ihr ein Stolperstein gewidmet wurde, weil er so gar nicht in das Raster der Menschen damals passte, wohl homosexuell war, habe ich erst vor Kurzem durch Zufall erfahren. Das fehlende Vornehme wurde ihr auch bei der Eheschließung zum Verhängnis. Der Sohn aus reichem Hause, der sich das arme Mädchen nimmt, ist nur im Film ein hübsches Klischee. Es muss hart gewesen sein, so abgelehnt und nach dem Tod des Mannes mit einer kleinen Zuwendung aus allen Erbschaftsansprüchen herausgeschrieben zu werden.

Sie baute sich was auf, brachte den Jungen bei Verwandten unter und verlor sich dabei in ihrem Wahn, etwas Besseres sein zu wollen.

Ich glaube, sie hätte auch manchmal jemanden gebraucht, der sie in den Arm nimmt und für sie „Heile, Heile, Segen“ singt.

Alice

Veröffentlicht in AnthoAlice

AnthoAlice – Der Morgen

Zur Blogparade bei mir 🙂 Texte, Bilder, Gesprochenes zum Thema Erinnerungen.

Eine alte Erinnerung, eine alte Wunde, die nachwirkte über Jahre, geht mir nicht aus dem Kopf. Es war früh an jenem Morgen und ich war klein. Meine Mutter trug mich, legte mich ins Bett zu meiner Oma, die noch schlief. Sie trug noch ihre Brille, vergaß sie oft abzunehmen. Es war eine dicke Alteleutehornbrille, oben ein wenig dunkler als unten, das Kassengestell, wie man es in den Siebzigern liebevoll nannte. Das Bett stand in meinem späteren Kinderzimmer. Die Morgensonne schien kühl durch das große Fenster, ein wenig gedämpft durch halblange Gardinen mit Spitzenkante. Auf einem Stuhl lag ihre Kittelschürze, die Schuhe ordentlich davorgestellt.

Ich zog mich an ihrer Schulter hoch, blickte in das faltige vertraute Gesicht. Die dicke Goldcreole, die durch ihr Gewicht das Ohrläppchen gedehnt hatte, faszinierte mich. Ich zog daran, doch sie erwachte nicht.

Ich muss angefangen haben zu weinen, die Tür ging auf und meine Mutter trug mich woanders hin.

Ein kurzes Fragment, meine älteste bewusste Erinnerung. Ich kann damals kaum über eineinhalb Jahre gewesen sein, denn meine Oma starb an jenem Tag. Danach war alles anders, eine Zäsur in meinem Leben, die mir damals nicht bewusst, in ihren Ausmaßen nicht klar war. Was wäre gewesen, hätte sie länge ihre starke Hand über mich gehalten? Ich weiß es nicht. Niemand weiß, was anders gelaufen wäre, wenn die Erinnerung andere Bilder zeigen würde, man andere Wege hätte wählen können, wenn dunkle Geschichten nicht passiert, Unfälle hätten vermieden werden können, das Leben andere Weichen gestellt hätte.

Sich erinnern zu können, ist wundervoll, darin zu versinken tückisch und gefährlich. Denn es war so und es ist so und egal, was man versucht, man kann die Zeit nicht zurückdrehen, Schuld tilgen, verhindern, vermeiden, verändern.

Ich lebe jetzt und ich bin dankbar, dass ich eine lebendige Erinnerung an die Frau habe, die zu mir sagte „mein Mädchen“.

Alice

Veröffentlicht in AnthoAlice, Schreiben

AnthoAlice – Das erste Finale: Beobachtungen

SW-Foto, meine Oma mit mir. Da war ich etwa 9 Monate alt

Ich bin geflasht! Die erste Runde meiner Blogparade ist soeben zuende gegangen und es sind 19!!! Beiträge eingegangen. Vielen Dank an alle, die mitgemacht haben!

Weiter unten seht ihr die Beiträge. Überprüft bitte die Links und schaut, ob ich keinen vergessen habe, ansonsten bitte schreie.

Aber damit gebe ich natürlich keine Ruhe. Die zweite Runde startet heute und geht bis zum 15.05.19.

Mitmachen darf jeder, der mag, auch gerne mit mehreren Beiträgen. Zu den (wenigen) Regeln. Ich gebe ein Thema vor und es darf bearbeitet werden, wie man es möchte. Texte, egal welcher Textform (Begrenzung auf ca. 400 Wörter), Fotografien, Bilder von Skulpturen, Schnitzereien oder was auch immer gerade zu dem Thema vor eurem inneren Auge auftaucht.

Euren Beitrag verlinkt ihr bitte mit diesem hier und setzt euren Link in die Kommentare. Das ist ganz wichtig, damit nichts verloren geht. (Das Ping funktioniert mal, dann auch wieder nicht)

Die Laufzeit ist einen Monat, jede Woche mache ich eine kleine Zwischenbilanz mit allen bisher eingetrudelten Beiträgen.

Das neue Thema ist „ERINNERUNGEN“

Ich wünsche euch ganz viel Spaß dabei und bin sehr gespannt auf eure Beiträge!

Voller Worte mit „Ganz kurz vor dem Abend

Wortman mit „Aufwachen

Elli dichtet mit „Ein=Kein Gedicht

Dergl mit „Alana

Meine Wenigkeit mit „Die Verabredung“ und „Ein dicker Frühlingsbote“ , Frühlingsgewitter und Klare Farben

Corly mit Eine Welt unter mir

Jeraph mit Allein in einer Familie und Von Schmetterling und Wirbelsturm

Rejekblog mit 8 Minuten

Karl mit Werden und Im Einkaufszentrum

Lydia mit einem wichtigen Anliegen, das hervorragend zum Thema Beobachtungen passt Bilder für Blinde zugänglich machen und Beobachtungen -Nicht nur eine Augensache

Anja mit dem Beitrag Beobachtungen

Katharina mit Von der Wand

Und Veronika mit Schilder, Schilder, Schilder

Alice

Veröffentlicht in AnthoAlice

AnthoAlice – 3. Zwischenbilanz

Schwarz-Weiß-Doppelbelichtung, Portrait eines Mannes und winterlicher Baum

Ich freue mich, die dritte Zwischenbilanz meiner Blogparade zusammenfassen zu dürfen.

Es geht darum, Beiträge, egal welcher Art zu meinem ersten, vorgegeben Thema zu verfassen. Es dürfen Fotografen, Dichter, Geschichtenerzähler, Podcasts mitmachen. Die beiden einzigen Regeln sind ein Bezug zum Thema und die Einschränkung bei schriftlichen Beiträgen auf ungefähr 400 Wörter.

Wer sich noch anschließen möchte ist herzlich willkommen. Das Thema lautet „BEOBACHTUNGEN“ und Beiträge können noch bis zum 15.4.19 verlinkt werden. Wenn ihr also eine Geschichte für mich habt, oder einen Song, ein Gedicht eine Skulptur, verlinkt es bitte mit dieser Seite AnthoAlice und schreibt ZUSÄTZLICH den Link zu eurem Beitrag in die Kommentare bei mir.

In den ersten drei Wochen haben mit ganz wunderschönen Beiträgen teilgenommen:

Voller Worte mit „Ganz kurz vor dem Abend

Wortman mit „Aufwachen

Elli dichtet mit „Ein=Kein Gedicht

Dergl mit „Alana

Meine Wenigkeit mit „Die Verabredung“ und „Ein dicker Frühlingsbote“ , Frühlingsgewitter und Klare Farben

Corly mit Eine Welt unter mir

Jeraph mit Allein in einer Familie und Von Schmetterling und Wirbelsturm

Rejekblog mit 8 Minuten

Karl mit Werden und Im Einkaufszentrum

Lydia mit einem wichtigen Anliegen, das hervorragend zum Thema Beobachtungen passt Bilder für Blinde zugänglich machen

Anja mit dem Beitrag Beobachtungen

Ich freue mir gerade ein Loch in den Bauch über die tollen Beiträge. Ich hoffe sehr, dass ich alle mitbekommen habe, sonst bitte einfach melden.

Diese erste Runde geht bis zum 15.4.19, da ist noch etwas Zeit. Zwischenstände mache ich am Wochenende, so wie jetzt 🙂

Ich bin schon sehr neugierig auf die letzte Woche.

Alice

Veröffentlicht in AnthoAlice, Gedichte, Schreiben

AnthoAlice – Klare Farben

Feuerlicht auf Gesichtern
zaubert dunkle Schatten,
teilt  Antlitze
in schwarzbunte Larven.

Sterne stehen über Köpfen,
überziehen den Himmel
leuchten neben Augen
greifbar nah.

Stimmengewirr
verwandelt in Musik
Rhythmus
pocht in meinem Kopf
kein Wort zu verstehen.

Ein Lachen
erschreckt mich
die eigene Stimme
klingt fremd
so froh.

Alice

Zu meiner Blogparade bei AnthoAlice – The Beginning. Wer mitmachen möchte, ist herzlich willkommen. Schreibt einen Text, Genre egal (Umfang bis so um die 400 Wörter), postet Fotos, Audiodateien… oder, oder…

Es sollte Bezug zum Thema „BEOBACHTUNGEN“ haben. Verlinkt Euren Beitrag hier und schreibt bitte zusätzlich einen Link zu eurem Beitrag in die Kommentare. Zusammengefasst wird immer am Wochenende, das Thema „Beobachtungen“ geht vom 15.3.19 bis 15.4.19. Ich würde mich freuen 🙂