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Als es vorbei war

Als es vorbei war, öffnete der Supermarkt später. Erschöpfte Kassiererinnen krochen über den Steinboden, kratzten Markierungen mit Glaskeramikschabern von hubbeligem Granit. Kunden standen Schlange, abstandhaltend, hielten sie desinfizierte Chips in behandschuhten Händen. Ihr erster Weg führte wie immer zum Klopapier und an den Mehlpackungen vorbei. Es war genug da, doch jeder griff nur das, was er brauchte.

Als es vorbei war, stellte der Eisdielenbesitzer an einem sonnigen Morgen seine Tische vor die Tür und spann die Schirme auf. Einzelne Menschen gingen durch die ruhige Innenstadt, hielten Abstand, gingen aus dem Weg, grüßten und lächelten. Wenige verirrten sich in sein Café, nur jeder zweite Tisch wurde besetzt. Die Allergikerin, deren Nase durch die blühenden Geranien juckte, nieste wohlerzogen in den Ellenbogen, putzte sich die Nase, stand auf und warf das Taschentuch in eine öffentliche Mülltonne.

Als es vorbei war, schloss der Hausarzt seine Praxis für einen halben Tag. Er nahm seine Frau bei der Hand, öffnete eine Flasche Sekt und tanzte mit ihr, bis die Sonne unterging.

Als es vorbei war, war es ungewöhnlich ruhig im Lehrerzimmer. Leise Gespräche, unterbrochen vom sanften Surren des Kopierers. In den Klassenräumen blieben die Kinder diszipliniert auf ihren Plätzen, fanden Lösungswege alleine, entwickelten, präsentierten, erarbeiteten.

Als es vorbei war, umarmte sie ihre Freunde. Es dauerte einen Moment bis beide Seiten sich entspannten. Sie aßen zusammen, tranken und feierten die halbe Nacht. Und ihnen wurde klar, dass es nie wieder wie früher sein würde.

Alice

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Schreiben bei Jutta Reichelt – Tag 6: Erfinde eine Figur und bringe sie in Schwierigkeiten

Seit fast einer Woche mache ich bei der virtuellen Schreibwerkstatt von Jutta Reichelt mit. Es ist ungeheuer interessant, welche Übungen und Blickwinkel es gibt. Bisher habe ich immer drauflosgeschrieben, besitze zwar den einen oder anderen Schreibratgeber, doch durchgelesen habe ich sie noch nie. Ich bin immer eher praktisch orientiert, lerne lieber durch machen als durch lesen.

Er hatte für einen Moment nicht nachgedacht, als er den Hörer in die Hand nahm und die Nummer wählte, die auf dem Kaugummipapier stand. Sie hatte es ihm zugesteckt, vor einer Woche schon und seitdem trug er es mit sich herum. Sie war hübsch, ohne Frage und mindestens zwei Klassen über ihm, da machte er sich keine Illusionen. Eine Frau mit dieser Ausstrahlung und diesem Körper, was wollte die von einem pummeligen Automechaniker mit Brille.

Hätte er also nachgedacht, wäre das gekaute Kaugummi in genau dieses Papierchen gewandert und er hätte beide in die ölverschmierte Tonne neben dem Batterieladegerät geworfen. Hatte er nicht. Und auch nicht über die Folgen nachgedacht, als er leicht angetrunken und ermutigt vom zweiten Feierabendbier, die silbrig schillernde Einladung in die Hand nahm und ihre Nummer wählte.

Sie meldete sich nach dem vierten Klingeln. Als es in der Leitung knisterte, erwartete er ihre Mailbox, wollte bereits auflegen, aufgeben. Sie klang kurzatmig, als wäre sie gelaufen und für einen Moment wünscht er sich, sie wäre seinetwegen gerannt, hätte gewusst, dass er am anderen Ende des Telefons ist und sich beeilt. Die blonden Locken zerzaust, das Gesicht gerötet, er spürte, wie seine Hände schwitzig wurden.

Für einen Moment schwieg er, nachdem sie ihren Namen sagte mit dem kleinen Fragezeichen am Ende. Was sollte er ihr sagen? Dass er der Dicke aus der Werkstatt sei und anrufe, weil er sie nicht aus dem Kopf bekomme? Oder sollte er vielleicht noch eine wichtige Inspektion erfinden, irgendein Rädchen, dass noch nachgestellt, festgezogen, überprüft werden muss und weswegen sie unbedingt noch einmal vorbeischauen müsste?

Er räusperte sich. Am anderen Ende war es still. Er druckste ein wenig herum, brachte mit einem leichten Zittern in der Stimme seinen Namen raus und erinnerte sie an die Nummer, die sie ihm zusteckte. Sie erinnerte sich sofort, lachte hell und fragte ihn unumwunden, ob sie zusammen einen Kaffee trinken könnten.

Er war sprachlos. Hatte Fortuna ein Einsehen und ihm dieses große Los zugespielt? Seine bisherigen Erfahrungen mit Frauen waren armselig, ein besseres Wort fiel ihm nicht ein. Sie beschränkten sich auf ein paar Dates mit der Nachbarstochter, die in einem peinlichen Gefummel im Auto endeten und diversen Bordellbesuchen. Er machte sich keine Illusionen über seine Attraktivität. Doch vielleicht sah sie etwas anderes in ihm, etwas Schönes in seiner Seele, was ihn für sie interessanter machte als all diese Schönlinge.

Er sagte zu.

Sie trafen sich in dem kleinen Diner an der Straßenecke und es lief so reibungslos, wie er es sich nie hätte vorstellen können. Sie aßen, tranken und lachten und als die Bedienung schließen wollte, war er überrascht, wo die Zeit geblieben war. Sie verabredeten etwas neues. Nicht am nächsten Tag, weil das zu viel gewesen wäre, doch für das Wochenende. Sie gingen essen und etwas trinken und als er sie nach Hause brachte, ließ sie zu, dass er sie küsste. Sie erwiderte die etwas linkische Berührung seiner Lippen sogar, gerade so viel, dass er sich Hoffnungen auf mehr machte und gerade so zurückhaltend, dass er den Respekt vor ihr behielt. Sie war perfekt.

Ihre Treffen häuften sich, nahezu jeden zweiten Abend verbrachten sie miteinander, hielten Händchen, küssten sich ab und zu und er hoffte, dass es mehr werden könnte. Er lud sie zu sich ein, wollte kochen, einen Film schauen und danach vielleicht ins Schlafzimmer wechseln, um endlich das zu tun, wovon er seit dem ersten Anruf träumte.

Er bereitete den Abend sorgfältig vor, holte sich Kochtipps von seiner Mutter, lieh den neusten Liebesfilm aus, besorgte Wein und auch was Stärkeres, wechselte die Bettwäsche, räumte auf und putzte, bis er sein kleines Appartement kaum wiedererkannte.

Sie war pünktlich, hatte ein Sixpack Bier dabei und begrüßte ihn mit einem langen Kuss. Sie aßen, öffneten das Bier und wechselten auf die Couch, wo sie den Liebesfilm aneinandergekuschelt ansahen, unterbrochen von kleinen Küssen und zarten Berührungen.

Gegen Ende des Films, gerade als absehbar wurde, dass der Held die Schönheit für sich gewinnen konnte, ging er zum Angriff über. Ihre Signale waren eindeutig gewesen, das, was jetzt kommen musste, war überfällig. Doch als seine Hand ihre Brust umfassen wollte, schreckte sie zurück, schob seine Hand an die Seite und begann bitterlich zu weinen.

Er war verwirrt und frustriert, sein ganzer Körper hatte sich bereits massiv auf ein Miteinander eingestellt und sie wies ihn zurück. Doch er fing sich, streichelte vorsichtig ihre Schulter, flüsterte tröstende und entschuldigende Worte und hakte vorsichtig nach, was denn an dem, was er wollte, verkehrt sei.

Sie schluchzte noch eine Weile, nahm das Taschentuch aus seinen Händen, betupfte die Tränen und begann zu erzählen.

Sie sei nicht alleine, da sei ein Mann, mit dem sie vor langer Zeit zusammengekommen sei. Am Anfang sei es gut gelaufen, traumhaft sogar. Doch irgendwann war die Stimmung umgeschlagen und er hatte sie zu seinem Besitz gemacht. Sie hatte versucht, Schluss zu machen, doch das akzeptiere er nicht. Seit sie sich mit ihm hier traf, bedrohe er sie, rief immer wieder an, schickte Rosen oder Drohbriefe, je nach Laune und sie habe langsam Angst. Er wolle sie töten, sollte sie mit einem anderen schlafen, habe er ihr heute morgen auf die Mailbox gesprochen.

Sie wollte ihn nicht hineinziehen in ihr Dilemma und wenn sie bei ihm sei, wäre es so wunderschön, dass sie alles vergesse, doch bevor sie sich ihm hingebe – und dabei sah sie ihm ganz lange in die Augen – müsse das Problem mit ihrem Ex aus der Welt.

Er schwieg und dachte nach. Sie hatte inzwischen ihre Tränen getrocknet, hielt seine Hand und wartete.

Er schlug vor, mit ihm zu reden, um ihn zur Vernunft zu bringen oder zur Polizei zu gehen mit den Beweisen, die sie hatte, doch sie schüttelte immer nur den Kopf.

Die ganze Nacht saßen sie nebeneinander und redeten. Gegen Morgengrauen stand eine Idee im Raum. Er konnte sich nicht erinnern, wer sie hereingelassen hatte. Er schreckte zurück, als er sie betrachtete, doch es schien die einzige Lösung aus diesem Dilemma zu sein und die letzte Chance auf eine Beziehung mit dieser wunderbaren Frau.

Ihre Stimme wurde kälter, als sie ihm über die Routinen des Mannes berichtete, erzählte, wann er wo üblicherweise sei. Und sie schlug ihm einen Ort und eine Zeit vor, fast als hätte sie diesen Plan schon lange in ihrem Kopf gewälzt. Eine Waffe, die sie natürlich nur zum Selbstschutz habe, wanderte aus ihrer Handtasche in seine schweißfeuchten Hände.

Sie küsste ihn, als er nickte und bat ihn, sie anzurufen, wenn es erledigt sei.

Dann ging sie.

Alice

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ABC-Etüden – Vergessen

Zu den Etüden bei Christiane. Die Wortspende kommt von Ludwig Zeidler und schreit geradezu nach eine Coronaquarantäeetüde, ich werde versuchen es zu vermeiden.

Er drückt sorgfältig die Tür hinter sich zu und zieht seine Jacke aus. Der Mantel seiner Frau hängt nicht an seinem Platz. Sie scheint noch unterwegs zu sein, auch wenn er nicht weiß, warum. Vor zwei Stunden hatte sie Feierabend und das ist nicht ihre Art, ohne Ankündigung zu spät zu kommen.

Er hat sich auf den Kaffee gefreut, der normalerweise bereitsteht und das Stück Kuchen, das sie auf dem Heimweg für ihn organisiert. Käse-Sahne oder Apfel, am liebsten mit Sahne.

Er leckt sich die Lippen und betritt die Küche. Es ist ungewöhnlich unordentlich. Die Tassen sind nicht gespült, auf dem Tisch liegen noch die Krümel von den Frühstücksbrötchen. Die Kühlschranktür ist nicht anständig geschlossen und der Müll stinkt. „Das wird Ärger geben“, denkt er und „Hier sieht es aus wie in einer Rumpelkammer!“

Der Stapel Zeitschriften wandert vom Stuhl auf die Anrichte neben die leeren Konservendosen und er setzt sich. Mit spitzen Fingern zieht er einen trockenen Keks aus der zerknitterten Packung und beißt hinein.

Was hatte sie heute morgen noch gesagt? Irgendetwas von so einem seltsamen Guru, dessen Bücher sie in der letzten Zeit verschlingt. Sei mutvoll und liebestrunken, glaube an die Kraft der Zusammenkunft. Er schüttelt den Kopf. Von Worten kann man nicht lange zehren. Ordnung und Klarheit ist das, was zählt.

Er schaut auf die Uhr. Jetzt ist sie drei Stunden überfällig. Mit einem lauwarmen Bier geht er verärgert ins Wohnzimmer und schaltet der Fernseher ein.

Ihr Brief liegt halb unter einem fettigen Pizzakarton verborgen. Er hat ihn so oft gelesen, dass er an den Knicken schon zerfällt.

Alice

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Schreiben bei Jutta Reichelt – Tag 4: Wartezeit

Seit vier, eigentlich drei Tagen nehme ich an der Schreibwerkstatt bei Jutta Reichelt teil. An diesem Tag geht es um das Schreiben zu einem Bildvorschlag. Die Inspirationsquelle ist ein Bild von Edward Hopper namens Cape Cod Morning. Ich kenne natürlich Boulevard of Broken Dreams, das auch ganz oft kopiert und verändert wurde von anderen Malern.

Ein Kunstdruck des Originals hing in meiner Studentenbude, wahrscheinlich bei Ikea erstanden und ziemlich klein. Ich mag seine Art, Menschen darzustellen. Mein Horizont erweiterte sich mit den Jahren, auch wenn ich mir die Namen seiner Werke nicht gemerkt habe. Auch dieses Bild kam einmal vorbei. Ich weiß nicht, wo ich es zuerst gesehen habe. Es gefällt mir wie die meisten von Hoppers Werken. Ich mag die überlegt nachlässige Art seiner Darstellungen, das detailliert skizzenhafte, die Auswahl der Farben, den groben Strich und den genauen Blick auf die Personen.

Sie öffnet das Fenster und beugt sich vor, um die ganze Straße zu überblicken. Er sollte längst da sein, hat versprochen, sofort zu ihr zu fahren, wenn er es hinter sich gebracht hat. Seit sie telefoniert haben, sind zwei Stunden vergangen. Der Weg zu ihr dauert eine. Sie rechnet. Eine halbe Stunde, um zu sich nach Hause zu fahren. Um es endlich zu klären vielleicht zwanzig Minuten. Sollte sie weinen und betteln, eine halbe Stunde, höchstens. Er kann sehr hart sein, sie hat ihn schon fast brutal konsequent erlebt. Als er den Laufburschen entlassen musste. Da war er kurz und knapp gewesen. Hatte ihm die Papiere fast vor die Füße geworfen. Seine Stimme war wie Stahl gewesen. Kein Widerspruch, seine Entscheidung. Sie hatte vom Vorzimmer aus zugehört und gestaunt, wie gefährlich er klingen kann, wenn er seinen Willen bekommen möchte. Oder als sein Vater starb und der Bruder ihn aus der Firma schmeißen wollte. Die Gespräche mit den Anwälten, die Verhandlungen, der Bruch mit allen, die ihm was bedeutet hatten. Hart war er gewesen. Und unnachgiebig. Sie hatte gestaunt, wie eiskalt er mit der eigenen Mutter sprach.

Das Gespräch sollte nicht lange dauern. Vielleicht auch nur zehn Minuten.

Sie schaut auf die Uhr. Zwei Stunden zwanzig. Sie schaut die Straße herunter. Es ist nichts zu sehen.

Dann müsste er packen. Was braucht er wohl? Seine Anzüge, damit er morgen ordentlich in die Firma gehen kann. Ein bisschen hat er bei ihr. Zwei Hemden, Unterwäsche und Socken. Ob er seine Golfsachen mitbringt? Mittwochs geht er immer mit Miller aus der Personal zum Golfen, sollte er nicht auftauchen, wird das auffallen. Und seine ganzen Schuhe. Sie lächelt. Er hat mehr Schuhe als sie und teurere. Maßgeschneidert auf einem eigens angefertigten Leisten in London. Feinstes Leder, immer auf Hochglanz poliert. Sie darf nicht vergessen, Schuhputzzeug zu organisieren. Er wird auch ein paar seiner Bücher mitbringen und die Schallplatten.

Sie erinnert sich an ihren ersten Tanz. Auf der Weihnachtsfeier hatte er ihre Hand genommen und sie auf die Tanzfläche gezogen. Wie klischeehaft, denkt sie. Und da hatte es angefangen. Er und sie und Überstunden im Büro, ein Absacker in der kleinen Bar an der Ecke, wo der Wirt ihn mit Handschlag begrüßte und ihnen eine ruhige Nische gab, die man von der Straße aus nicht sehen konnte. Das karierte Tischtuch und die billige tropfende Kerze. Und seine Hand auf ihrer. Seine Blick in ihre Augen, sein Geständnis und dann ging er mit zu ihr. So fing es an und jetzt steht sie hier und schaut auf die Uhr.

Zwei Stunden vierzig. Die Dämmerung bricht herein. Sie hört ein Auto auf der Straße und ihr Herz schlägt schneller. Doch es biegt ab.

Er müsste längst unterwegs sein. Im Radio haben sie von einem Stau auf der Autobahn gesprochen. Da wird er drinstehen. Sie öffnet eine Flasche Wein und schenkt sich einen Schluck ein. Er röte so schön ihre Wangen, sagte er immer. Sie dreht das Radio lauter und beschließt, sich keine Sorgen zu machen. Mit dem Glas in der Hand tanzt sie durchs Wohnzimmer, freut sich auf ihn.

Das Lied wird durch eine Verkehrsdurchsage unterbrochen. Ein Unfall ist passiert. Der Stau wächst auf mehrere Kilometer.

Wie ärgerlich, er könnte längst hier sein, wenn die anderen vernünftig fahren würden. Er fährt sehr gut Auto, sie liebt es, neben ihm zu sitzen und ihre Haare im Fahrtwind des Cabrios flattern zu lassen. Vielleicht sollte sie sich Tücher kaufen, die sie sich um den Kopf schlingt, damit sie nach der Fahrt nicht so verzottelt aussieht. Aber ihn stört es nicht. Er lacht und streicht ihr die vorwitzigen Locken aus den Augen, wenn sie zu ihrer Stelle in den Wald fahren.

Und wenn er einen Unfall hatte und deshalb noch nicht da ist. Auf einmal zittern ihre Hände und der Wein schwappt aus dem Glas auf ihre Füße. Sie stürzt zum Fenster. Inzwischen ist es stockdunkel. In der Ferne ziehen Lichter vorbei. Sie hört die Motoren leise rauschen. Ob sie im Krankenhaus anruft? Was soll sie sagen? Sie ist nicht seine Frau? Dürfen sie ihr überhaupt was sagen?

Sie lässte sich auf den Hocker sinken und schaut auf die Uhr.

Drei Stunden fünfzig.

Er ist tot. Oder schwer verletzt. Ihre Augen blicken ins Leere, sie sieht sich ganz hinten bei der Trauergesellschaft stehen, darf nur höflich der Witwe kondolieren, nicht mehr zu ihm, nicht Abschied nehmen. Muss seiner Frau in die Augen sehen, die weiß und weiß, dass sie weiß. Und nichts sagt. Und kalt lächelt hinter den Tränen, die ihr nicht zustehen.

Vier Stunden.

Die Uhr in der Diele schlägt Mitternacht. Sie weiß nicht, was sie tun soll. Geht sie ins Bett und er steht in der Tür, könnte er denken, sie hätte nicht gewartet, wäre egoistisch. Bleibt sie auf, wirkt sie verzweifelt.

Das Telefon klingelt. Für einen Moment scheint der schrille Klang weit weg. Sie kommt nur langsam zu sich, bringt das störende Geräusch mit einem Anruf zusammen. Sie stürzt in die Küche, reißt den Hörer an ihr Ohr und lauscht atemlos.

Für einige Minuten steht sie ganz still. Lauscht nur. Und so bleibt sie noch, als das Gegenüber längst aufgelegt hat. Irgendwann legt auch sie langsam den Hörer zurück.

Dann geht sie von Raum zu Raum, schließt die Fenster, löscht das Licht. Für einen Moment bleibt sie am Fuß der Treppe stehen, bevor sie ins Bett geht.

Alice

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Fatale Experimente

Als sie ihn fanden, war er bereits vollständig mumifiziert. Die leichte Brise, die durch zwei gegenüberliegende geöffnete Fenster blies und die lauen, vorösterlichen Temperaturen hatten die Verwesung verhindert und den Körper gleichmäßig getrocknet.

Er saß am Pult, hielt in der einen Hand noch das Smartphone, das mittlerweile natürlich leer, wieder geladen und geöffnet aber die Zugang zu einem Unterrichtschat übertrug. Die befragten Schüler hätten nichts gemerkt, sagten sie, sich lediglich über das pünktliche Ende der Stunde gewundert. Auch als eine festgesetzten Lektion ausblieb, hatten sie sich lediglich gefreut.

Die Pathologen standen vor einem Rätsel. Die und der Kreis. Während der Krise war das Betreten der heiligen Hallen verboten gewesen. Selbst mit ausreichendem Sicherheitsabstand zu nicht anwesenden Mitarbeiten, war es eine verbotene Zone geworden. Und doch war er hier. Hatte sich ohne Auslösen des Alarms in seinen Raum geschlichen.

Die Forensiker nahmen ihn mit, hoben den inzwischen federleichten Körper in seiner leicht gekrümmten Sitzhaltung auf die Trage, bedeckten ihn aus Pietätsgründen mit einem Tuch, das aber aufgrund seiner mangelhaften Abmaße die ehemals um das Handy gekrallte Hand nicht bedeckte, so dass die braunen Finger im Vorbeifahren anklagend auf die trauernde Schulleitung wies.

Die Mumie wurde aus Überforderungsgründen weitergereicht. war man in der Kleinstadt, wo sie gefunden wurde, nicht passend ausgerüstet, hatte auch die Kreisstadt keine passenden Gerätschaften vorrätig, vom Personal ganz zu schweigen.

Es meldete sich zwar ein dubioser Bestatter, der, so sagte man, ein großer Fan einschlägiger Kriminalliteratur war und in seinem Garten mit Kleintieren eine Art münsterländische Leichenfarm angelegt hatte, was ihm regelmäßige Anzeigen der Nachbarn einbrachte, doch man ignorierte sein Ansinnen und wendete sich an die Landeshauptstadt. Die fühlte sich nicht zuständig, hatte gerade genug zu tun und packte den nun leicht zerfledderten Körper in eine Kiste, die in die Bundeshauptstadt zum zentralen Institut gehen sollte.

Dort landete sie auf dem Tisch eines jungen Nachwuchspathologen, der in seinem früheren Leben, sofern man davon reden kann, ein paar Semester Archäologie studierte. Ihm waren die Erdschichten zu viel geworden und er verliebte sich in die Knochen, träumte gar von einer Karriere in der forensischen Anthropologie.

Er zog alle Register, die sein Arbeitsplatz hergab. Kochte, zerlegte, untersuchte, schnitt und schnipselte, untersuchte Proben und Pröbchen und fand nach langem Suchen eine kleine feine verbrannte Stelle in der Handfläche. Alles deutete auf die fatalen Wirkungen von elektrischem Strom hin, also griff er zum Telefon. Wurde erst zum Landesinstitut, dann zur zentrale des Kreisinstituts weitergeleitet, wo es etwas dauerte, weil niemand sich erinnern wollte und der betreffende Kollege zum Mittag war, was auch immer das morgens um 10 Uhr heißen sollte.

Am Ende landete er bei dem lokalen Krankenhaus, das ihm nach vielem hin und her und Datenschutzproblemen den Arbeitsplatz nannte und ihn zum Hausmeister der Schule durchstellte.

Der nutzte die gerade leeren Räume, um über die Haussprechanlage Metal laufen zu lassen und mit seinem neuen Fahrrad Kunststücke im leergefegten Foyer auszuprobieren. Der Anruf unterbrach die Musik und seine Konzentration woraufhin er das Gleichgewicht verlor und beinahe lang hinschlug. Mit einem Fluch nahm er das Gespräch entgegen, antwortete nicht uninteressiert, da er schließlich der Auffinder gewesen war, doch einsilbig und schilderte exakt, was er auf dem Tisch des Kollegen vorgefunden hatte.

Sogar eine Fotografie hatte er irgendwo auf seinem Handy, auf dem die Kabel und Schaltungen zu sehen waren, die inzwischen längst wieder in einem Karton in der Elektrotechnikabteilung ruhten.

Der junge Pathologe nahm die Bilder, legte sie seinem schwulen Mitbewohner vor, der seinerseits Elektrotechnik studiert hatte, nun aber als Fußmodel für Wanderschuhe seinen Lebensunterhalt fristete und nebenbei mehr verdiente als der junge Arzt mit Nachtschichtzulage. Er identifizierte die Schaltung als den Kugelfisch unter den Schulexperimenten, dramatisch meist nur für den Lehrer, der beim kleinsten Fehler oder bei alterschwachen Sicherungen mit dem Leben bezahlen musste.

Zufrieden tippte er noch in der Nacht den Bericht und schickte ihn an sein Institut. Das leitete ihn mit Verzögerung an das zuständige Landesinstitut weiter, wo es erst einmal für ein paar Wochen verschwand, wieder auftauchte, gelesen, bestempelt, wieder verlegt und am Ende beim Aufräumen unter dem Schreibtisch des frisch berenteten Kollegen gefunden und weitergegeben wurde an das Kreiskrankenhaus.

Da man dort mit den Informationen nichts anfangen wollte, tütete eine Sekretärin die Lösung ein und schickte sie an die Schule, wo sie auf dem Tisch des Hausmeisters landete.

Er las den Text, googelte Fachbegriffe, las ihn ein zweites Mal und stand auf, um das Stück Kaugummipapier aus dem Sicherungskasten für die zweite Etage zu entfernen.

Alice

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Schreiben bei Jutta Reichelt – Tag 1 : Lottchen

Es soll um eine kleine Lockerungsübung gehen, schreiben nach Reizwörtern. Ich mochte das – ehrlich gesagt – schon in der Schule und da ich bei Christiane regelmäßig bei den Etüden mitmache, ist es nicht wirklich etwas Neues für mich. Die Schreibwerkstatt von Jutta Reichelt entdeckte ich bei Vielen, die ich abonniert habe und wurde neugierig.

In letzter Zeit schreibe ich zu wenig Geschichten. Das mag der Zeit geschuldet sein oder aber einem irgendwie gearteten Rhythmus bei mir folgen.

„Lotte, mach kein Quatsch!“, dröhnte blechern aus den verwitterten Lautsprechern. Seeluft war für nix gut, stellte sie fest und erinnerte sich an die Vorlesungen, in denen sie Pflichtzeiten abgesessen hatte. Korrosion, Verrottung, ausgelöst von Salz und Wasser, vermeidbare Metallverwesung, sie hatte lieber in anderen Bereichen geforscht.

Sulke ging ihr auf den Keks. Sie hatte das Lied schon in den 80ern gehasst. Die blöden Sprüche auf jeder Party, die von Mitschülern nachgenäselten Schnulzlaute klangen ihr immer noch in den Ohren.

Ausgerechnet hier, ausgerechnet jetzt empfand sie die Erinnerung an ihr damaliges Leid fast unerträglich. Ihre momentane Situation, ihr Plan ließ keine melancholische Rückschau zu. Sie war im Aufbruch, begann etwas Neues, etwas Schönes. Sie traute sich endlich, das hinter sich zu lassen, was ihr nicht passte.

Ihr Vater bog um die Ecke, in jeder Hand einen Becher, aus dem es in der kalten Luft dampfte. „Ich hab dir auch einen Kaffee mitgebracht, Lottchen.“ Er reichte ihn ihr und ließ sich neben sie auf die Holzbank plumpsen. „Sind das alles deine Taschen?“ Sie grinste: „Nö! Das hättest du wohl bemerkt, oder? Die gehören der Familie da vorne. Sie sind kurz winken gegangen.“ Sie wies mit dem Kopf in Richtung Reling, wo zwei Erwachsene und eine nicht abzuschätzende Zahl Kinder hin und her sprang, winkte, weinte, rief und offensichtlich Abschied nahm. Sie hatte niemanden zum Winken. Noch nicht. Der Vater begleitete sie die erste Etappe. Das Weinen war vorerst nicht nötig.

„Ich erinnere mich an deine erste Klasse. Du hattest immer Angst, etwas zu Hause zu vergessen. Dein Tornister wog mindestens eine Tonne, doch du weigertest dich standhaft, etwas davon zu Hause zu lassen. Die Lehrer nannten dich die schwerbepackte Lotte. Du warst so niedlich mit deinen Zöpfen und dem Koloss von Ranzen auf deinem schmalen Rücken.“ Er lächelte, doch sie sah eine Träne in seinem Augenwinkel aufblitzen.

„Zu früh“, dachte sie und spürte einen Kloß im Hals. Sie nahm dem Vater eine der Tassen aus der Hand und nahm einen großen Schluck. Das war besser. Für eine Weile schwiegen sie. Es war nicht der Ort, Erinnerungen auszugraben. Dafür war später noch Zeit, wenn tausende Kilometer sie trennten und man alleine weinen konnte.

„Wollen wir ein bisschen laufen?“ Der Vater erhob sich und reichte ihr den Arm. „In zwanzig Minuten sind wir da. Zeit , ein bisschen über das Schiffsdeck zu flanieren. Allzu oft kommen wir nicht in den Genuss der Schifffahrt!“

Sie grinste und nahm seinen Arm. Die Familie saß wieder beim Gepäck und würde nun auf ihre Taschen achten. Eine Möwe schrie, als sie mit ihm gleichzeitig den ersten Schritt machte. Sie nahm es als böses Omen.

Ein Hafen erschien am Horizont. Dort ging es auf ein großes Schiff. Dieses Mal ohne Begleitung.

„Möchtest du, dass ich winke?“

Alice

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Extraetüden im März – Rückschritt

Zu den Etüden bei Christiane.

Bei Sonnenuntergang klang die Glocke vom Turm und die Kinder liefen zusammen. Die Ältesten hatten die Feuer entzündet und standen beieinander, bis alle einen Platz gefunden hatten. Dann setzten auch sie sich, dazwischen und alle reichten sich die Hände.

Die Jüngeren waren bereits in den Häusern, bereiteten warme Mahlzeiten zu. Ein paar Schwalben flogen vorbei, eins der Kinder brach einen Zweig von der Forsythie und zupfte gedankenverloren wartend die gelben Blüten ab. Es wurde still und nur das Feuer knisterte in der einbrechenden Dunkelheit.

Aus den Häusern drangen angenehme Düfte und es war leises Magenknurren zu hören. Nicht mehr lange und große Töpfe würden in den Kreis getragen werden, blankgeputzte Schalen verteilt und hungrige Mäuler gestopft. Der Tag war lang gewesen und die Arbeit hart. Schon die Jüngsten gingen mit in die Felder, sammelten auf, was die Großen übersahen. Die Alten gaben ihre Erfahrungen weiter, erzählten und lehrten. Manchmal wurde gelacht, doch meistens waren alle ruhig und konzentriert.

Das Leben war langsam und gemeinsam geworden. Streit war selten, es lohnte sich nicht, die Kraft in Gehässigkeiten zu verschwenden.

Er trat vor die Tür und betrachtete die Szenerie. Die dritte Generation, dachte er und lächelte. Er hatte es prophezeit, damals, als alles auf einmal anders wurde. Und sie hatten ihn öffentlich lächerlich gemacht, seinen Namen in den Schmutz gezogen, ihn bedroht.

Bald würden die letzten sterben, die das alte Leben noch kannten. Sie würden ihr Wissen mit ins Grab nehmen. Er hoffte, dass es lange dauern würde, bis sie wieder dort ankamen.

Es erschien ihm unausweichlich.

Alice

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ABC-Etüde – Ungelb

Zu den Etüden bei Christiane. Die Wortspende kommt von Elke H. Speidel.

Der Biene ist es egal. Ihr schmecken die Pfirsichblüten ganz ausgezeichnet. Die Hummel macht zuerst einen kleinen Bogen um die grellrosa Schalen, doch dann lässt auch sie sich vom süßen Duft überzeugen.

Sie sitzt auf der Bank und hat alles im Blick. Der Garten ist im Aufbruch, so nennt sie es , wenn ES losgeht. Zu Beginn ist es nur ein leichtes Kribbeln, nicht mehr als ein vergessener Mückenstich des letzten Sommers. Und jeder Sonnenstrahl, der durch noch regenbeladene Wolken blitzt, verstärkt es.

Irgendwann kann sie nicht mehr an sich halten. Dann will sie, dann muss sie raus. Es zieht sie in die Gartenhütte und in das Winterquartier ihrer mediterranen Kinder. Immer hat sie Angst, dass sie erfrieren, dabei weiß sie, dass das lächerlich ist. Viel zu gut passt sie auf sie auf.

Dann muss sie durch ihre Beete streifen und nach ersten Anzeichen suchen. Sie muss die Bau- und Gartenmärkte stürmen und frische Pflanzen kaufen. Jedes Jahr ein neues Farbkonzept, jedes Jahr ihr neuer Trend.

Für dieses Jahr hat sie sich etwas Besonderes vorgenommen. Ihr Garten wird ungelb. Ob die Forsythie schon was ahnt? Sie schaut ganz seltsam herüber.

Alice

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Im Kompost

Die Sonne scheint und es zieht sie nach draußen. Sie hat lange gewartet. Es waren immer andere Dinge wichtiger. Heute hat sie Zeit. Und heute hat sie Lust.

Sie sucht ihre Gartenhandschuhe heraus und die alten Gummistiefel. Ein richtiger Gartentag, sie freut sich seit Wochen darauf.

Die Narzissen sind schon fast verblüht in dem kleinen Beet vor dem Haus. Die Forsythien geben alles und sogar der Pfirsich hat seine pinkfarbenen Schalen geöffnet.

Die Hochbeete brauchen neue Erde. Der Kompost liegt seit zwei Jahren unangetastet und sie beschließt, die geplante Symbiose umzusetzen. Das Sieb ist schnell gefunden, der Schubkarrenreifen ist luftlos, doch das kann sie kompensieren. Der erste Anstich mit der kleinen Schaufel weht ihr würzigwarmen Erdgeruch in die Nase. Sie hat auch ihn vermisst.

Die Sonne steht hoch und auch, wenn der Wind noch kühl ist, beginnt sie bald zu schwitzen. Eins, zwei, drei Karren füllen sich und werden auf den bereinigten Beeten verteilt. Ab und an zieht sie die Handschuhe aus und gräbt ihre Finger in die warme Erde. Das ist Wahrheit, das ist Leben, denkt sie und freut sich.

Den Femur, der vorwitzig seinen Kopf durch die warme Erde steckt, belächelt sie. Sorgfältig nimmt sie ihn heraus, legt ihn in eine leeren Blumentopf und macht unbeirrt weiter. das Tibia gesellt sich zu ihm, ebenso die Patella und diverse Ossa metatarsalia.

Sie gräbt und siebt, trennt Erde von zu großen Holzstücken und Knochen. Drei Kübel stehen vor ihr und es erfüllt sie mit Zufriedenheit, wie sie sich füllen und vervollständigen. Das Cranium findet sie zum Schluss. und sie deponiert es auf den Wirbelkörpern.

Den gesiebten Kompost füllt sie in das erste Beet, streicht ihn glatt und sät die ersten Kräuter aus. Dann wendet sie sich den glatten Knochen zu.

„Da warst du also die ganze Zeit“, flüstert sie, als sie den fast verheilten Bruch an der Ulna erkennt. „Ich werde wirklich vergesslich. Ich dachte immer, du lägst unter den Tulpen.“

Alice

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ABC-Etüde – Gelobte Besserung

Zu den Etüden bei Christiane. Die Wortspende kommt von Elke H. Speidel.

Mit einem Ächzen schwingt sie die Schaufel ein letztes Mal. Klopft danach sorgfältig die Erde platt und wischt sich den Schweiß von der Stirn.

„Dass es schon wieder so warm ist. Unfassbar. Vor zwei Wochen dachte ich noch, ich müsste erfrieren.“

„Meinst du, der Platz ist okay?“ Er sitzt auf der Schubkarre und zündet sich eine Zigarette an. Die Ärmel sind hochgekrempelt, doch die Fingernägel blitzsauber. Gespieltes Engagement, fotogen zerzauste Haarsträhnen, praktisch ist er zu nichts zu gebrauchen.

„Eine Haselnuss ist so brauchbar wie jeder andere Busch. Sie wird sich über den Extradünger freuen.“ Sie wirft die Schaufel knapp an ihm vorbei in die Karre. „Ich dachte, du wolltest mir helfen?“

„Ach, jetzt sei nicht lächerlich. Du machst das prima. Ich bin halt nicht so handwerklich.“ Sein Zahnpastalächeln blitzt durch den Pseudoholzfällerbart während er ein paar Erdkrümel von der Designerjeans pult.

Sie schiebt ihn zur Seite und fährt das Werkzeug ein paar Meter weiter. „Wäre trotzdem schön, wenn du mit anfassen würdest. Du hattest es versprochen.“

„Ach Honey, du weißt doch, wie das ist. Der Job und überhaupt, ich hab einfach zwei linke Hände.“

Lange schaut sie ihn an. Dann beginnt sie zu graben.

Mittlerweile steht die Sonne hoch am Himmel, ihr Shirt ist vom konzentrierten Schaufeln durchgeschwitzt.

Sie schaut ihn an. „Magst du Forsythien?“

Ob da jetzt einer oder zwei unter den Büschen liegen, spielt eigentlich keine Rolle, denkt sie und klopft die Erde platt.

Alice