Tag 296/365 – wunderlich

Ich wundere mich, wenn ich in den Spiegel schaue. Die Dame ist mir fremd, doch nicht so arg, dass ich es rückgängig machen möchte. Zur Not steht sowieso immer Farbe im Schrank. Die Dusche musste heute morgen warten, da der Sohn mitternächtlich das heiße Wasser verbraucht hatte. Dafür ist die Küche jetzt takko und da…

Tag 295/365 – Nachbereitung

Ich bin mir nicht sicher, wie es wäre, wenn es mein Hauptberuf wäre, ich es also müsste, um meinen Lebensunterhalt zu finanzieren. Doch das Shooting gestern mit der Künstlerhofkollegin hat zum einen so viel Spaß gemacht, dass es ruhig noch hätte länger gehen dürfen. Nur unsere beiderseitige Erschöpfung hat das Zusammenspiel begrenzt. Und außerdem haben…

Tag 294/365 – Generalstreik

Es fing damit an, dass der Mann immer noch Daumen hat. Also eine Nagelbettentzündung, genauer gesagt. Jetzt wurde der Chirurg bemüht, der auch nichts fand, außer einem inzwischen dauergelben Daumen und lediglich empfahl, von Tunke auf Tunkenverband umzustellen. (Wem das zu kryptisch klingt, es geht um eine gelbfärbende entzündungshemmende Salbe/Tunke) Ich hatte meinen Tag mit…

Tag 293/365 – Planungskomitee

Es wurde ruhiger. Dem Sohn ging es besser und mir demnach auch. Ich kenne diese Situationen zu gut und ich hoffe, dass sie sich irgendwann auswachsen. Wobei auch ich immer noch so bin wie er. Doch ich trage es allein, was schwer ist. Da bin ich froh, dass ich da bin, wenn er hadert. Der…

Tag 292/365 – Nervenprobe

Meine Akkus sind nicht vollständig gefüllt, noch nicht einmal annähernd. Das merke ich immer dann, wenn ich ran muss, wenn einer der Söhne ein Tief hat und ich gefragt bin mit Beratung, Trost und Kraft geben. Das ist nicht schlimm, das gehört zum Mutterdasein dazu. Doch in solchen Momenten spüre ich, wie kraftlos und müde…

Tag 291/365 – Tomatensuppe

Lange geschlafen, nachdem ich den Mann, der heute wieder los musste, verabschiedet hatte. Küche gemacht, aus den letzten Tomaten des Gartens eine Tomatensuppe gezaubert (sie hatten Stellen und mussten ganz schnell verarbeitet werden), eine Tasse davon gefrühstückt, weil Tomatensuppe bei mir immer geht, doch noch eine Kopfwehtablette genommen und über den Traum nachgedacht, in dem…

Tag 290/365 – Platz für die Kunst

Um es vorweg zu nehmen, ich verstehe mich nicht als Künstlerin. Vielleicht als eine in Ausbildung, eine, die sich auf den Weg gemacht hat. Um eine zu werden, müsste ich diese innere Sperre überschreiten, die mich davon abhält, mich zu spüren, zu erfühlen, wer ich bin und was ich will. Ich dümple unterster Oberfläche meiner…

Tag 289/365 – Zeit nehmen

Zeit ist immer zu wenig da. Das wird mir schmerzlich bewusst, wenn ich im Hospiz war und auch, wo ich jetzt erfahren habe, dass die Frau eines lieben Bekannten schwer erkrankt ist. Und das gerade, wo sie gemeinsam in den Ruhestand eintauchen wollten. Ungerecht fühlt sich das an und macht wütend auf Schicksalsschläge und dankbar,…

Tag 288/365 – Immer wieder Farbenspiel

Der Mann hat immer noch Däumchen und badet fleißig in Rivanol, was den Finger gelb werden lässt auf eine ungesunde Art. Dafür sind die Haare jetzt lila, also meine. ich mochte das grau nicht mehr und abgesehen von dem Teufelszeug, das alles anfärbt, womit es in Berührung komme inklusive Spiegelglas und Ohren, bin ich zufrieden…

Tag 287/365 – Auf einmal

Manchmal passiert ganz wenig. Dann überlege ich, warum ich mir überhaupt diese sündhaft teure Kamera gekauft habe. Die andere tat es doch noch. Und überhaupt, was bilde ich mir ein. Und dann ist es ganz still um mich herum und ich denke über ein neues Hobby nach. Wenn nichts zu fotografieren da ist, dann muss…