Veröffentlicht in 365 Tage, Mal über mich

Tag 365/365 – Das war’s

Okay, an dieser Stelle könnte jetzt der Jahresrückblick stehen, eine Bilanz, gelernt, verstanden, verloren, gewonnen.

Ich könnte darüber schreiben, wie spannend es war, mich hier zu bewegen, jeden Tag über irgendein ,bei mir aktuelles, Thema zu schreiben. Ich könnte berichten, wie viele nette, wertschätzende Menschen ich hier virtuell erleben durfte, was für spannende und ergreifende Texte ich lesen dürfte, wie oft ich gelacht habe und wie oft geweint.

Ich könnte über hochfliegende Pläne und gescheiterte Vorhaben schreiben, Gelungenes, Erfolge und Desaster. Über die Unmengen, die ich über mich gelernt habe und das Viele, was ich immer noch nicht verstanden habe.

Ich könnte erzählen, dass ich nicht der Mensch bin, für den ich mich immer hielt, dass die Realität anstrengend und aufreibend ist, doch ich mich daran gewöhne.

Ich könnte berichten, dass ich keinen Plan habe, wie es weiter geht und dass das gut ist. Dass ich offen bin für Neues und bereit bin, Altes loszulassen. Dass das Jahr schon irgendwie laufen wird, das tut es immer.

Und vor allem, dass jeden Tag etwas Neues beginnt und nicht nur am 1. Januar.

Und an Euch. Danke, für ein tolles Jahr. Zieht Bilanz, aber nicht zu viel, startet durch, bleibt gesund, werdet gesund, genießt das, was ihr habt und macht Pläne für aufregende Projekte. Liebt eure Leute und sagt es ihnen, seid großzügig mit Umarmungen und Küssen.

Bleibt aufmerksam und bei euch, es ist euer Leben und niemand nimmt euch die Verantwortung ab.

Alice

Veröffentlicht in 365 Tage, Mal über mich

Tag 364/365 – Geheimnisse

Angeregt durch einen französischen Film, den wir gestern Abend sahen ( ich weiß den Titel nicht mehr, gucke aber bei Wunsch gerne nach), überlege ich, wie viel wir voneinander wissen müssen, um Beziehungen führen zu können.

Basis des Films war ein Spiel, in dem bei einem Abendessen mit Freunden, die Handys auf dem Tisch lagen und jede Nachricht öffentlich vorgelesen wurde. Natürlich führte das zu Peinlichkeiten und Dramen. Jeder hatte irgendwas am Laufen mit irgendwem, was der Partner nicht wissen durften .

Das war natürlich grenzenlos übertrieben, doch einen wahren Kern hatte diese Geschichte auch. Wer hat noch nie mit jemandem gechattet neben der Beziehung und ist ein wenig zu weit gegangen, vielleicht weil die Beziehung gerade nicht so lief. Wer hat noch nie geschwärmt, sich Bildchen angeguckt, sich in Welten bewegt, von denen Partner und Familie nichts wissen sollten? Harmlos ist das Meiste, eine kleine Flucht, ein fehlender Kitzel, den man sich ohne den Hintergedanken, es tatsächlich in die Tat umzusetzen, gönnt, um sich attraktiv und begehrt zu fühlen.

Wir haben alle unsere Geheimnisse, hatten wir auch vor Handy und Co. Die Medien, die genutzt wurden , waren lediglich andere. Ob das versteckte Pornoheftchen oder die heimlichen Telefonate mit dem „besten Freund“, das Tragen der Bluse mit dem tiefen Ausschnitt, um einen Kollegen zu beeindrucken oder der heimliche Kaffee in der Pause mit der hübschen Kollegin aus der dritten Etage.

Verwerflich? Ja, wahrscheinlich. Es würde mir nicht gut damit gehen, weder in der einen noch in der anderen Rolle. Auf der anderen Seite ist es auch meine Privatsache, wenn ich nicht zu weit gehe, ein Kopfkino, das den Alltag ein wenig prickelnder macht.

Die Leichtigkeit, mit der es durch die neuen Medien möglich ist, Kontakte zu verheimlichen, führt zu mehr Geheimnissen, davon bin ich überzeugt.

Auf der anderen Seite ist es zweifellos so, dass die Menschen da draußen mehr über jeden von uns, die wir uns auf den sozialen Medien herumtreiben, wissen. Da werden Informationen veröffentlicht, die man teilweise noch nicht seinen besten Freunden erzählt hat. Ein Livemitschnitt des Weihnachtsabends, ein Miterleben des Urlaubs, Fotos vom Weihnachtsbraten und Tante Lissis neuem Lover, bin in einer Beziehung, es ist kompliziert, und das Aus. Alles zeitnah und hochpersönlich.

Ich nehme mich da nicht raus. Auch wenn ich kein Foto unserer schwarzen Plastiktanne veröffentlicht habe, gebe ich hier doch genug Persönliches preis.

Es scheint fast so, als würde das Tragen des eigenen Lebens in die Öffentlichkeit als Gegengewicht mehr Geheimnisse nach sich ziehen. So als müsste man zumindest ein virtuelles Kleidungsstück anbehalten, um der freiwilligen vollständigen Entblößung entgegenzuwirken.

Und auch ich habe Geheimnisse, wie jeder Mensch. Keine, mit denen man mich erpressen könnte, keine, die meine Beziehung gefährden, aber schon so Einiges, über das ich nicht reden möchte und das ich für mich behalte.

Ein letzter Schatz, eine kleine Kiste, die nur mir gehört und auf die nur ich Zugriff habe.

Es ist rechtens und das muss auch so sein. Bei all dem, was wir von uns preisgeben, was wir zeigen, was wir darstellen, brauchen wir einen Rückzugsort, der nur uns gehört.

Was bei mir die Frage aufwirft, warum wir so viel in die Öffentlichkeit tragen?

Und das ist die Sache, zu der ich keine Antworten habe.

Alice

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Tag 363/365 – Leere Herzen

Es braucht manchmal einen kleinen Ausflug aus sich selbst heraus, um die Zusammenhänge klarer zu sehen. Die angedachte Familienaufstellung arbeitete in mir und als die Gegenwehr lahm gelegt wurde, verstand ich.

Ich hätte es schon tausend Mal gelesen und immer nur gedacht, dass das ja klar ist, nichts neues. Verstanden oder gefühlt habe ich es nie. Ich sah etwas von mir, was ich nicht gerne sehen wollte und was unschön ist.

Kinder werden von ihren Eltern mit Liebe gefüllt. Doch was noch viel wichtiger ist, sie lernen sich selbst mit Liebe zu füllen. Bleibt das aus, weil die Eltern es selbst nie gelernt haben, bleiben die Herzen leer. Und ein leeres Herz kann nicht geben.

So einfach ist das und so unendlich kompliziert.

Die, deren Herzen leer sind, bleiben hungrig. Sie suchen überall Liebe und Anerkennung, schlucken, fressen und werden niemals satt. Sie saugen aus, lutschen das letzte bisschen heraus, achten sorgfältig darauf, dass alles, was sie geben auch entsprechend vergolten wird, werden zickig, wenn sie zu wenig bekommen, dabei ist es immer zu wenig, nie genug.

Das klingt schrecklich und das ist es auch. Für den Menschen und alle um ihn herum.

Mein Herz ist leer. Ich kann es nicht selbst füllen, das habe ich bisher nicht gelernt. Meine Eltern konnten es auch nicht. Leere Herzen werden vererbt, wenn zwischendurch nicht einmal jemand aufwacht und entscheidet, es sich selbst beizubringen.

Die Erkenntnis tat weh und doch auch wieder nicht. Ich verstand auf einmal, was bisher abgelaufen ist, warum ich so bin, wie ich bin.

Was ich damit anfange? Ein richtiger Plan ist noch nicht da. Vielleicht schaue ich mir an, wie sowas geht bei Menschen, die es bereits können. Oder ich lese darüber.

Vielleicht gehe ich auch einfach in den Wald und bade ein wenig in Licht und Bäumen, das könnte schon ein Anfang sein.

Alice

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Tag 362/365 – Letzte Tage, Pläne und Sonstiges

Wir müssen einkaufen, leider. Es ist zwar noch einiges in der Froste, doch ein paar frische Lebensmittel müssen noch ins Haus. Lust hab ich keine und, wenn ich richtig mutmaße, darf ich auch Montag noch mal los.

Die letzten Tage meines persönlichen Tageskalenders sind angebrochen und so ganz langsam muss ich mir überlegen, wie es weitergeht. Ich habe verflixt viel geschrieben, einiges gelernt und noch mehr verstanden. Eine fette Hürde kristallisierte sich heraus, während eine neue Idee in meinem Kopf Platz nahm, die Muse knutschte und ich mir Gedanken über Urheberrechte und Ähnliches machte.

Sie tobte die ganze Nacht in meinem Kopf und scheint unüberwindlich, bescheidene Erinnerungen füllten den Schädel und ich stehe vor dem großen Tor, das außer mir niemand öffnen kann. Ob ich es im nächsten Jahr schaffe? Ich weiß es nicht, doch ich hoffe es inständig, denn alles andere ist nur Makulatur, weiße Tapete über rottes Gestein geklebt. Was für ein Familienerbe.

Es gibt eine Angst, anders zu sein als die Familie, als das, was man eingebläut bekommen hat. Eine Familienaufstellung muss her, ich möchte es seit Jahren, doch habe es immer verschoben. Jetzt ist Zeit, das spüre ich. Eine Lösung kann nur über die Konfrontation geschehen und das ist wichtig.

Es liegt ein Gurt um meine Brust, der mich immer bremst, wenn es gut zu werden scheint, wenn ich Leidenschaft entwickle. Kannst es ja doch nicht, bist nicht gut genug, dröhnt es. Der Kopf weiß, dass ich nicht schlecht bin, das Herz will nichts davon hören.

Kleine Lobe halten mich über Wasser, doch es ist nichts, was meine Einstellung zu mir verändert, es lindert nur den Schmerz.

Das ist die Großbaustelle für das nächste Jahr, tief zu atmen, mir Zeit zu nehmen und zu lernen, dass ich wer bin, selbst, wenn ich nichts könnte. Und das, was ich kann, zu verteidigen und an mich zu glauben.

Große Pläne? Oja, und schwer, doch nicht unmöglich.

Der Mann drängelt und ich sitze noch im Bademantel.

Habt einen guten Tag ohne Stress.

Alice

Veröffentlicht in 365 Tage, Fotografie, Natur

Tag 361/365 – Nachwehen und Dopplungen

Am zweiten Feiertag wird gewichtelt mit der Familie. Nicht meine Tradition, doch trotzdem lustig. Es ist laut und feuchtfröhlich und wenn ganz am Ende der harte Kern übrig bleibt, ist der Absturz gesichert.

Die Waghalsigkeit brachte mir einen (wahrscheinlich) angebrochenen kleinen Finger ein, die Vernunft (irgendwann kein Wein mehr) führte zu einem mäßigen Katerchen. Das Haus schläft, das Wohnzimmer sieht aus wie ein Handgranatenwurfstand, der erste Kaffee tut seine Wirkung.

Trotz des Durcheinanders und des zweiten Feiertages, habe ich eine weitere Kamera aus meiner Weihnachtskiste getestet. Recht modern, kommt die Eos500 mit ein paar netten Gimmicks um die Ecke, unter anderem Doppelbelichtungen.

Im Garten wurde also fleißig verdoppelt, bevor das Licht wegblieb und auch, wenn die Bilder (weil eben nur Garten) recht unspektakulär sind, sie tut es und das sogar sehr gut.

Alice

Veröffentlicht in 365 Tage, Mal über mich

Tag 360/365 – Unrast

Seit ich in Berlin war, habe ich Reisefieber, ununterbrochen. In den letzten Jahren war ich zu wenig unterwegs. Mit Agoraphobie sind Ausflüge eine Herausforderung, selbst die Fahrt zum Supermarkt kann einen an die Grenze bringen.

Doch es ist inzwischen besser und jetzt sitze ich hibbelig da und möchte weg.

Gut, das kann auch andere Gründe haben. Gerade fallen mir so einige ein, die mich aktuell aus dem Haus jagen. Abgesehen vom der Unzufriedenheit und Grantigkeit, die sich hier breit macht und die ich nicht verstehe, zieht es den Nachwuchs aus dem Haus.

Es ist normal, ich weiß und es ist auch gut so. Nur, wie soll ich sie beschützen, wenn sie unterwegs sind? Eine blöde Frage, ich weiß. Gar nicht, ist die Antwort. Sie können es alleine. Dafür habe ich sie erzogen, deshalb habe ich all das getan, was ich in den letzten 23 Jahren gemacht habe.

Ich schlief schlecht ein gestern und erst nach gefühlten hundert Hinundherwälzvorgängen könnte ich mich entspannen und mir endlich sagen, dass es gut ist, wie es ist und gut, wie es war.

Es kommt ein Freiheitsgrad auf mich zu, der mir gut tun wird. Ich kann weg, mich frei bewegen. Es ist fast so wie damals, als ich das erste Mal alle Kinder beim Einkauf zu Hause lassen konnte. Was für ein Genuss, nicht mehr nach dem Nachwuchs schauen zu müssen, während man den nervigen Wocheneinkauf hinter sich bringt. Oder noch besser, kein Kind mehr mit in die Umkleide mitnehmen zu müssen.

Es fühlt sich ähnlich an, nur ein wenig Wehmut ist dabei. Ein wenig Angst, ob alles so klappt, wie sie es sich wünschen. Ob und wie alles gut geht.

Loslassen ist so eine Sache für sich. Sie lernen nie fliegen, wenn ich sie weiterhin auf meinen Schultern trage. Und ich werde krumm dabei. Doch die Sorge fliegt mit.

Wir Menschen können uns an fast alles gewöhnen. Auch ich werde mich daran gewöhnen, dass die gemeinsamen Weihnachten bald enden. Und die Fernsehabende, die sowieso die Ausnahme sind. Und die gemeinsamen Mahlzeiten, die fast nie mehr vorkommen. Das bald anbrechende Jahrzehnt wird große Veränderungen bringen, die natürlich und notwendig sind.

Was bleibt für mich zu sagen? Ich bin gerne Mutter und ungern Glucke, auch wenn es mir schwer fällt, das abzustreifen. Mein Leben ist nicht leer, auch wenn ich nicht mehr in dem Maße gebraucht werde, wie es früher einmal war.

Ich habe mehr Raum für mich, kann endlich riskieren, meine Wünsche in den Mittelpunkt zu stellen. Es fühlt sich fremd an und eine Portion Angst ist dabei.

Ich werde es lernen, können andere ja auch.

Alice

Veröffentlicht in 365 Tage, Mal über mich

Tag 359/365 – Es weihnachtet

Was soll man dazu sagen, es ist wie jedes Jahr. Manche lieben es, andere verabscheuen es und erdulden es nur wegen der freien Tage.

Ich hoffe, dass alle eine gute Zeit haben. Aber das beschränkt sich nicht auf diese wenigen Momente. Genauso, wie ich eben nicht nur an Weihnachten gerne schenke. Dieses zwanghafte Geschenkesuchen, damit man was hat, finde ich eher belastend und unnötig.

Ich bin froh, dass die Tage wieder länger werden, auch wenn es erstmal kaum spürbar ist. Und nach gestern abend weiß ich zu 100 Prozent, dass ich nächstes Jahr in einer Hütte sitze. Nicht noch einmal, nie wieder.

Manche Traditionen müssen gebrochen werden. Zum Selbstschutz und für den der anderen.

Ein Unfriedenstifter musste gestern angerufen werden. Nun gut, es hätte auch ein wenig später sein dürfen, es hätte keinen Unterschied gemacht. Ich sprach nicht damit, verkneife mir den Kontakt seit Jahren, doch die Söhne sollten Danke sagen, was auch nicht meine Idee war.

Die Saat wurde geschickt platziert, ging spontan auf und trug Früchte. Ich weinte im Wohnzimmer, überlegte zu flüchten, egal wohin, nur raus aus dem Irrsinn. Nur das geht natürlich nicht.

Meine Gefühle waren wenig weihnachtlich, doch daran bin ich gewöhnt.

Die Stimmung fing sich wieder, zumindest weitgehend. Wir sangen den Rest des Abends Karaoke, was gut war und mein Gleichgewicht wieder herstellte. Der Wein tat ein Übriges, der Kater ist inzwischen abgeflaut.

Der heutige Tag steht unter dem Motto der Pute und des Rummgammelns. Morgen wird noch einmal stressig, dann ist es geschafft.

Ich gehe jetzt eine Hütte suchen. Entweder was mit Meer oder mit Schnee, Hauptsache weit weg und ohne Telefon.

Alice

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Tag 358/365 – Dieses Jahr

Ich bin kein Freund von Traditionen, mag nicht das tun, was ich immer getan habe. Ich ändere gerne den Weg zur Arbeit und die Position der Möbel. Ich mag keine fest gezurrten Abläufe, Regeln, die von selbst entstanden sind.

Weihnachten ist Tradition. Auch, wenn die innere Bedeutung des Festes für einen selbst keine Rolle spielt, es werden Routinen abgearbeitet, Abläufe beschritten. Es gibt das Traditionsfrühstück, die angemessene Wartezeit, den Kirchgang, Würstchen mit Kartoffelsalat oder die Weihnachtsgans. Jede Familie hat ihren Rhythmus, in dem sie sich wohl fühlt.

Jedes Jahr plane ich, zu flüchten. Es ist nicht so schlimm, wie beim Karneval, aber auch nicht viel besser. Der Kommerz macht mit fertig und ebenso der Ablauf. Die Hütte am Meer ist immer noch leer und ich bin hier, werde mich gleich mit der Familie an den Tagesablauf setzen und ihn abarbeiten.

Im letzten Jahr hatten wir uns zumindest im Außen abgekapselt, haben Unverständnis geerntet, es war auch nicht besser. Dieses Jahr kneifen wir uns nur das Essen im überfüllten Lokal, das ein Schweinegeld kostet und die Atmosphäre einer Jugenherbergsküche hat. Da koche ich lieber selber.

Es ist auch Schönes an diesen Wiederholungen, ich weiß, worauf ich mich einstellen kann. Doch, ich muss gestehen, dass ich mich lieber überraschen lasse vom Leben. Es ist so kurz, wenn man genau hinschaut.

Vor zwei Tagen habe ich mit meinem Mann einen absolut kitschigen Weihnachtsfilm gesehen, irgendwas mit Coopers, einer gut gealterten Diane Keaton und John Goodman. Alan Arkin spielte den Großvater und es lag eine Menge Schmalz in der Luft.

Der zentrale Punkt war eine Reise, die lange versprochen und immer wieder verschoben wurde. Die Ehe drohte an dem Zwiespalt zwischen Abenteuer und Bleiben zu zerbrechen. Neue Wege wollten gegangen werden, da die alten keinen Sinn mehr ergaben. Doch die Angst hielt sie davon ab, so wie immer, ist sicher und berechenbar.

Mehr als der Blick in den Spiegel, nehme ich mein Altern an den Schauspielern war. Michael Douglas ist über 80, bei den Straßen von San Francisco war er doch noch so jung, ist das schon so lange her?

Mir fällt Seneca ein und das Buch, das ich von ihm las. Über die Kürze des Lebens, der Wimpernschlag im Universum, der unsere Lebensspanne umfasst.

Mein Fazit aus diesen wirren Gedanken?

Das Leben ist schön, auch wenn es hart sein kann – und es ist kurz. Haltet eure Traditionen hoch, aber vergesst das Abenteuer nicht. Seid mutig mit Gewohnheiten zu brechen, wenn sie nicht mehr passend sind und neu zu beginnen, wenn es für euch wichtig ist.

Habt ein wundervolles Weihnachtsfest, genießt die Ruhe und lasst es euch gut gehen. Nehmt das Leben als das größte Geschenk und die Chancen, die es bereit hält. Ich wünsche euch Mut und Kraft für die nächsten 12 Monate und darüber hinaus, viele Stunden voller albernem Gelächter und tiefen Gesprächen.

Die Hütte am Meer steht immer noch leer. In der nächsten Woche werde ich buchen.

Alice

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Tag 357/365 – Schweigen ist Gold

Manches Mal ist weniger mehr. Ich muss zugeben, dass ich nicht der große Kommentator bin, lese gerne und lasse die Likes nicht da, damit bei mir gelesen wird, sondern weil ich es würdige, dass jemand seinen Gedanken Form gibt.

Habe ich eine Meinung, muss ich sie nicht zwingend loswerden, halte auch andere Sichtweisen für gerechtfertigt. Ich gehe nicht jeden Standpunkt und jede Lebenseinstellung mit, muss ich auch nicht, denn ich weiß nicht, was Menschen dazu bringt, bestimmte Lebenswege einzuschlagen. Alle – ausnahmslos – tragen irgendwie geartete Verletzungen und böse Erinnerungen mit sich herum. Das perfekte Leben gibt es nicht.

Wenn ich hier erzähle, dann rede ich über mich, mein Leben. Das ist so, weil es auf eine bestimmte Art gelaufen ist, weil eins zum anderen führte und ich, so wie ich bin, am Ende herauskam – und das ist kein perfekter Mensch.

Wenn ich über Erziehung schreibe und ganz normale Alltagsprobleme, dann weiß ich, dass ein Teil von Euch das kennt, vielleicht selbst erlebt hat, so oder ähnlich mit Pubertieren verfährt. Andere haben anders gehandelt, vielleicht gar keine Kinder oder schon welche, die komplett anders waren, als meine es sind.

Es läuft gut bei uns, meistens. Die Jungs sind zufrieden, zumindest häufig. Ich schenke ihnen meine Liebe und Aufmerksamkeit, manchmal zu viel, manchmal zu wenig, ist so. Meine Erfahrung als Mutter, meine Erfahrung als Kind (denn das war ich auch), meine Erfahrung als Pädagogin fließen in alles ein, was ich mit ihnen erlebe. Und jetzt kommt etwas, was ich ungern schreibe, dennoch mal loswerden möchte. Ich brauche tatsächlich keine Erziehungsratschläge. Wenn es zwischen meinen Söhnen und mir knallen sollte, dann rede ich darüber. Ebenso, wenn die Kommunikation hakt oder es kriselt. Das ist normal, das gehört dazu. Doch niemand, der uns nicht ganz genau kennt, kann mir da Tipps geben (oder mir durch die Blume Vorwürfe machen).

Ich komme dann in Erklärungsnot, habe manchmal das Gefühl, ich müsse mich rechtfertigen. Muss ich aber nicht, denn so , wie es bei uns läuft, ist es okay.

Schweren Herzens werde ich ein wenig den Deckel auf mein/unser Privatleben machen. ich werde Geschichten erzählen (kommt sowieso viel zu kurz) und meine Bilder zeigen, vielleicht ein wenig Unverfängliches berichten und das muss dann reichen.

Alice

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Tag 356/365 – Erpressungsversuche

Ich bin grantig, nicht so richtig sauer, aber ein wenig angepisst und frage mich, ob das berechtigt ist. Denke ich an meine Jugend zurück, war ich mit 17 schon fast ausgezogen, lebte nicht ohne Grund an vier von fünf Tagen bei meinem Freund.

Jetzt ist mein Jüngster 17 und hat seinen Freundeskreis schulbedingt in der Nachbarstadt. Es sind keine zehn Minuten mit der Bahn, so sie denn fährt. Und da er nachts nicht unterwegs sein soll, ist es okay, wenn er da übernachtet.

Sie schauen dann Filme, zocken und trinken das eine oder andere Bier. Es ist für mich okay, ab und an soll er sich mal kurz melden, so als eine Art virtueller Alkoholtest, dann ist es für mich in Ordnung.

Gestern schrieb er mich an, dass er noch einen Tag länger bleiben möchte, sie das Treffen auf einen anderen Haushalt ausdehnen wollen und das ärgerte mich.

Meine Argumente, doch wenigstens kurz vorbei zu schauen, zu duschen(!!!) Und dann wieder los zu können, würden in den Wind geschlagen, es sei zu weit!

Ich kann es verstehen, wenn er Zeit mit seinen Leuten verbringen möchte, das gehört dazu. Doch dieses VorvollendetTatsachenstellen nervt mich.

Klar hätte ich ihn nach Hause zitieren können. Nur was hätte das gebracht, außer Stress und Machtspielchen? Wir hätten eine schlechte Stimmung gehabt und wenn ich an meine Jugend denke, ich war viel schlimmer.

Jetzt wird er heute Mittag auflaufen und ich überlege, wie ich ihm klar mache, dass Absprachen eben Absprachen und solche Erpressungen aus der Ferne einfach Scheiße sind. Den Spaß will ich ihm nicht verderben, seine Leute scheinen okay zu sein. Aber die Rolle als kontrollierende A*****mutter im Hintergrund passt mir nicht.

Alice