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Veröffentlicht in AnthoAlice, Schreiben

AnthoAlice – Das erste Finale: Beobachtungen

SW-Foto, meine Oma mit mir. Da war ich etwa 9 Monate alt

Ich bin geflasht! Die erste Runde meiner Blogparade ist soeben zuende gegangen und es sind 19!!! Beiträge eingegangen. Vielen Dank an alle, die mitgemacht haben!

Weiter unten seht ihr die Beiträge. Überprüft bitte die Links und schaut, ob ich keinen vergessen habe, ansonsten bitte schreie.

Aber damit gebe ich natürlich keine Ruhe. Die zweite Runde startet heute und geht bis zum 15.05.19.

Mitmachen darf jeder, der mag, auch gerne mit mehreren Beiträgen. Zu den (wenigen) Regeln. Ich gebe ein Thema vor und es darf bearbeitet werden, wie man es möchte. Texte, egal welcher Textform (Begrenzung auf ca. 400 Wörter), Fotografien, Bilder von Skulpturen, Schnitzereien oder was auch immer gerade zu dem Thema vor eurem inneren Auge auftaucht.

Euren Beitrag verlinkt ihr bitte mit diesem hier und setzt euren Link in die Kommentare. Das ist ganz wichtig, damit nichts verloren geht. (Das Ping funktioniert mal, dann auch wieder nicht)

Die Laufzeit ist einen Monat, jede Woche mache ich eine kleine Zwischenbilanz mit allen bisher eingetrudelten Beiträgen.

Das neue Thema ist „ERINNERUNGEN“

Ich wünsche euch ganz viel Spaß dabei und bin sehr gespannt auf eure Beiträge!

Voller Worte mit „Ganz kurz vor dem Abend

Wortman mit „Aufwachen

Elli dichtet mit „Ein=Kein Gedicht

Dergl mit „Alana

Meine Wenigkeit mit „Die Verabredung“ und „Ein dicker Frühlingsbote“ , Frühlingsgewitter und Klare Farben

Corly mit Eine Welt unter mir

Jeraph mit Allein in einer Familie und Von Schmetterling und Wirbelsturm

Rejekblog mit 8 Minuten

Karl mit Werden und Im Einkaufszentrum

Lydia mit einem wichtigen Anliegen, das hervorragend zum Thema Beobachtungen passt Bilder für Blinde zugänglich machen und Beobachtungen -Nicht nur eine Augensache

Anja mit dem Beitrag Beobachtungen

Katharina mit Von der Wand

Und Veronika mit Schilder, Schilder, Schilder

Alice

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Veröffentlicht in KeepWriting

KeepWriting

Ihr alle seid herzlichst eingeladen, an meinem neuen Projekt teilzunehmen. Es geht um eine Fortsetzungsgeschichte der besonderen Art, an der ihr alle mitschreiben könnt.

Grundidee:

Ich gebe einen kurzen Anfangsplot vor , in dem ich relativ offen einen Einstieg in die Geschichte gebe. (Der folgt ganz am Ende dieses Textes)

Jeder, der sich berufen fühlt, darf eine Fortsetzung schreiben. Regel : exakt 100 Wörter und wenn es mitten im Satz endet, dann ist das eben so. Abgeladen wird der Beitrag unter Menü -> Projekte -> KeepWriting -> 1. Fortsetzung in den Kommentaren als LINK!

Wer sich aus den Fortsetzungen eine rauspickt, schreibt bitte ebenfalls genau 100 Wörter und speichert es unter dem Beitrag Menü -> Projekte -> KeepWriting -> 2. Fortsetzung in den Kommentaren als LINK!

Und so weiter!

WICHTIG!!! Es kann und wird (hoffentlich!) eine Baumstruktur entstehen. Das macht UNBEDINGT (Jaja, ich schreie!) erforderlich, dass ihr den Beitrag, den ihr fortsetzt ganz zu Beginn eures Textes als Link darstellt. 

Ein Beispiel:

Überschrift
Link zu meinem Ausgangsbeitrag
Link zur ersten Fortsetzung
Link zur zweiten Fortsetzung

EuerText

Derjenige, der Euren Text weiterschreibt, übernimmt einfach die bisherigen Links. Die Arbeit hält sich also in Grenzen.

Als Zeitrahmen gebe ich mal zwei Monate vor, das heißt, ein Abschlussbeitrag mit allen Geschichten (achso, wer ein Ende schreibt, schubst den Link zu seinem Beitrag bitte unter den Menüpunkt „Komplett“!!!)  wird am 06.06.19 veröffentlicht. 

Ich bin sehr gespannt, wie viele Geschichten entstehen werden und freue mich riesig auf das Ergebnis!

Der Anfangsplot:

Es war eine lauer Frühlingsabend, die Sonne war gerade hinter den Bergen untergegangen. Der Duft von blühenden Kirschbäumen hing in der Luft und irgendwo zwitscherten ein paar Amseln ein Abendlied. Sie saß im schwindenden Licht auf der Bank vor dem Haus und schloss das Buch, das sie gerade gelesen hatte. Es hatte ihr gut gefallen, leider war die Realität anders. Etwas mühsam erhob sie sich und machte sich auf den Weg in die Küche. Die Tiere mussten noch gefüttert werden und ihr knurrte auch der Magen. Der Kater näherte sich. Sie lächelte und öffnete die Dose Katzenfutter. Das Telefon klingelte…

Und jetzt wünsche ich ganz viel Spaß und viele kreative Ideen.

Auch noch wichtig! Ihr könnt jederzeit einsteigen, euch irgendeinen fortgesetzten Text nehmen und da weitermachen, außer den 100 Wörtern und der Ordnung beim Ablegen gibt es keine Regeln !

Alice

Veröffentlicht in Mal über mich, Schreiben

Man reiche ihm die Harke

Kopfschütteln ist angesagt, mal wieder. Es gibt sie so sicher, wie das Amen in der Kirche, vor der sich soeben besagte Szene abspielte. Ein Mann, für Gartenarbeit in den besten Jahren, hantiert mit einem Laubsauger herum. Dicke Mickymäuse auf den wahrscheinlich schon schwerhörigen Ohren, in modischer Neonkluft, trägt er tapfer den benzinbetriebenen Kompressorrucksack, läuft mal nach links, mal nach rechts, sucht dürre Blättchen im kurzgeschnittenen Gras. Pustet sie dabei hin und her, weiß nicht genau, wo er sie zusammentreiben soll. Manche landen unter den Büschen, andere verwirbeln im Sonnenlicht, vermischen sich mit der Abgaswolke, die ihm folgt wie ein treuer Hund.

Keine Panik, es ist nicht der Herbst ausgebrochen, der, einfach mal den Sommer überspringend, seine kalten Finger nach dem jungen Laub ausstreckte. Der frühlingshafte Wind der letzten Tage hat ein wenig nach unten gepustet, aufgeräumt, was die letzten Winterstürme nicht geschafft haben. Wenig, aber offensichtlich ausreichend, um seit inzwischen zwei Stunden in Schlangenlinien den Kirchhof abzulaufen und Blättchen von Alpha nach Omega zu pusten.

Ich habe nichts gegen ordentliche Gärten, auch wenn unserer eben ein Naturgarten ist und ich mich erst im Frühjahr um die Berge herabgefallenen Laubes kümmere, die dann zusammengerecht und unter den Büschen verteilt werden. In Zeiten der Klimaerwärmung sollte man aber den Einsatz elektrischer oder bezinbetriebener Werkzeuge auf das notwendige Maß schrauben. Ich glaube ich gehe nach draußen und reiche ihm eine Harke. Mal sehen, ob er den Schalter findet.

Alice

Veröffentlicht in 365 Tage, Geschichten... auch ein bisschen länger, Kurzgeschichten, Schreiben

Tag 114/365 – Die Fototapete

– danke für die Idee Wildgans

Mein Vater schleppte sie eines Tages an, hatte sie über einen Kollegen günstiger bekommen. Das Wohnzimmer sollte schon längst renoviert werden. Keiner von uns konnte noch länger die Blümchentapete ertragen. Da kam er mit den fünf dicken Rollen gerade recht. Eine Fototapete, Dschungel im Wohnzimmer. Wir Kinder waren begeistert, meine Mutter reagierte leicht verhalten. Allerdings hatte die wohlhabende und leicht überkandidelte Nachbarin von gegenüber eine im Salon und man munkelt sogar, eine im Schlafzimmer, was meiner Mutter dann doch zu verrucht war.

Was folgte, war anstrengend. Gemeinsam schleppten wir die Möbel aus dem Weg, breiteten große Papierbahnen entlang der Wände aus, um den Teppich zu schonen und machten uns an den Abriss der alten Wandbespannung. Den Schwamm mit der Seifenlösung in der einen, den Spachtel in der anderen Hand, kratzten wir zentimeterweise die Blümchen von den Wänden. Es dauerte den ganzen Tag. Abends holte mein Vater was von der Pommesbude, wir picknickten im leeren Wohnraum vor kahlen Wänden. Es war ein Fest.

Nachts träumte ich unruhig von sich bewegenden Wänden und trockener, schuppiger Haut. Ich erwachte schweißgebadet und schob es auf die ungewohnte Arbeit.

Am nächsten Tag wurde geklebt. Fünf Bahnen mussten gerade und ohne sichtbaren Übergang aneinandergekleistert werden, eine Arbeit für einen gelernten Tapezierer, wie wir bald merkten. Mittags waren alle mit den Nerven am Ende. Die zweite Bahn hatte schon den ganzen Vormittag gedauert, hing nun aber glatt und fein an der ersten – die ja ganz leicht gewesen war – und verschaffte uns ein erstes Gefühl für die zukünftige Fernsehabendstimmung. Es war grün und saftig. Die hohe Luftfeuchtigkeit im Raum durch den Kleister tat ein Übriges. Ich meinte Affen zu hören, aber wahrscheinlich war das nur mein Bruder, der eine kleine Pause nutzte und in der Küche das Radio angemacht hatte.

Die dritte Bahn war eine große Herausforderung. Meine Mutter stand auf der Leiter, hielt den klebrignasse Papierbogen oben fest, während mein Vater versuchte ihn gerade und ohne Übergang an die unebene Altbauwand zu pappen. Die Übergänge wollten nicht gelingen, das Papier zog sich, dehnte sich an den falschen Stellen und war an anderen zu kurz. Wellen und Beulen erschienen, wurden glatt gebürstet. Gegen fünf Uhr nachmittags gaben sowohl Tapete als auch meine Mutter auf. Ein leises Ritsch kündigte das Drama an. Ein kleiner Riss tat sich auf, durchzog ein Palmenblatt, wurde mühsam gekittet, überkleistert, wegdiskutiert, da dort ja das Sofa stünde, wobei das nur halb stimmte.

Mein Vater, zusehends nervöser, stand kurz vor einem Wutanfall, rauchte Zigarette um Zigarette in dem feuchten Raum, der nach trocknendem Kleister und frischem Papier roch.

Die nächste Bahn gelang leichter und wir alle atmeten auf. Gegen acht machte meine Mutter Butterbrote, die ein wenig nach Kleber schmeckten. Dann schickte sie meinen Bruder nach oben und meinen Vater ins Bett. Sie schaute mich an und nickte mir auffordernd zu. Ich hatte auch keine Lust, heuchelte aber Begeisterung ob der anstehenden Nachtschicht. Ich kannte sie zu gut, bis zum nächsten Tag würde sie das nicht liegen lassen. Also kochte ich Kaffee für uns beide und ergab mich meinem Schicksal.

Gegen Mitternacht hing sie dann auch, die letzte, die fünfte Bahn. Wir könnten uns kaum satt sehen an den dicken dunkelgrünen Palmwedeln, den dicken Baumstämmen, die im Wohnzimmerboden zu entspringen schienen und durch die Decke nach oben zu wachsen schienen, dem dämmrigen Licht. Die Luftfeuchtigkeit war unerträglich, der Kleister durfte noch keine Frischluft bekommen. Ich hörte Zweige knacken und ein Vogel schrie. Ich schob es auf meine Erschöpfung.

Endlich durfte ich ins Bett, meine Mutter würde noch aufräumen und sauber machen. Ich träumte wieder schlecht, sah gelbschwarze Streifen, spürte warmes, hartes Fell unter meinen Fingern und einen heißen, stinkenden Atem im Gesicht.

Gefrühstückt wurde im Wohnzimmer. Die Qual der letzten beiden Tage war vergessen und wir saßen einträchtig vor dem riesigen Wandbild, betrachteten unsere Leistung glücklich. Der Riss war trotz des Sofas zu sehen, aber wir machten uns nichts draus. Endlich durfte gelüftet werden. Eine leichte Brise trug den Renovierungsgestank aus dem Zimmer. Dafür durchzog ein anderer Geruch den Raum. Da war etwas Erdiges, Pilziges. Wir schoben es auf das neue Papier und ließen den ganzen Tag die Terrassentür offen.

Für den Abend hatte mein Vater einen Videofilm ausgeliehen. Wir wollten ein wenig feiern. Gemeinsames Abendessen im Dschungel sozusagen. Passenderweise handelte der Film von einem Dschungelabenteuer, ein bisschen Indiana Jones. Während des Filmes kreischte meine Mutter einmal, meinte, sie hätte was im Rücken gespürt. Wir lachten, ihre Angst vor Schlangen war legendär und die dicke Anakonda, die soeben gegen den Helden gekämpft und verloren hatte, hatte wahrscheinlich diesen Effekt gehabt. Spät gingen wir alle ins Bett.

Ich träumte schlecht in dieser Nacht. Da waren Insekten, groß wie Handflächen, die über meine Decke spazierten. Ich spürte krabbelnde Beinchen auf meinem Gesicht, erwachte schweißgebadet und konnte nur bei Licht schlafen. Der Film bekam die Schuld.

Wir gewöhnten uns an den Dschungel im Wohnzimmer, allerdings wunderten wir uns, dass auch nach mehreren Tagen die Luft immer noch warm und feucht war. Selbst dauerndes Lüften brachte keine Abhilfe. Der Raum begann erdig zu riechen, manchmal meinte ich Moos in den Ecken zu sehen, was sich freilich beim genauen Hinblicken als Illusion herausstellte. Die Fernsehabende fingen an ungemütlich zu werden. Die Wärme, die von der Wand auszugehen schien, verwirrte uns. Manchmal fuhr ich mit dem Finger über den kleinen Riss und er gab leicht nach, als wäre ein kleines Loch dahinter, das wir zuzuspachteln vergaßen.

Ich schlief immer noch schlecht, manchmal bevölkerten Affen meinen Traum, gelegentlich exotische Vögel, in schlimmen Nächten suchten Spinnen mich heim und ich erwachte schreiend. Den anderen schien es nicht besser zu gehen, beim Frühstück waren sie sehr still und wir alle hatten bald dunkle Ringe unter den Augen.

War ich alleine im Wohnzimmer , was ich zunehmend vermied, hörte ich knackende Zweige und Vögel, die in der Ferne schrien. Einmal meinte ich gelbschwarze Streifen zwischen den Blättern zu sehen, schob es aber auf Lichtreflexe. Die Fernsehabende verliefen in tiefen Schweigen. Wir saßen auf der vorderen Sofakante, lehnten uns nicht mehr an, horchten unentspannt nach hinten und gingen früher ins Bett als gewohnt.

Zwei Tage später hörte ich meine Mutter schreien. Als ich zu ihr rannte, stand sie mit einem Besen bewaffnet vollkommen aufgelöst auf dem Sessel, weinte und erzählte etwas von einer Schlange, die zwischen Sofa und Tisch gelegen haben soll, groß und grau mit einem schmalen Kopf und wachsamen Knopfaugen.

Danach mieden wir das Zimmer.

Am Wochenende fuhr mein Vater mit meiner Mutter in den Baumarkt. Als sie wiederkamen, hatte er fünf Rollen Blümchentapete im Arm und die Telefonnummer von einem Tapezierer.

Wir überließen ihm das Feld, saßen in der Küche und hörten dem reißenden Geräusch zu, als die Fototapete abgelöst wurde. Manchmal hörten wir ihn fluchen, einmal kreischte er kurz. In der Kaffeepause saß er schweigsam in der Küche und rieb sich eine schmerzende Stelle an der Hand. Wir hätten eine Wespe im Wohnzimmer, sagte er. Am nächsten Tag war wieder alles beim Alten. Die Tapetenreste hat mein Vater verbrannt. Nur die kleine blaue Feder, die ich Tage später auf dem Bücherregal fand, habe ich aufgehoben.

Alice

Veröffentlicht in Mal über mich, Psychokram

Gutenachtgedanken – Ertappt

Wenn mich ein Lied bei einem Gedanken ertappt, mir antwortet, es fortführt, ich mich auf einmal aufgehoben und verstanden fühle, nur weil irgendsoein Sänger irgendsoein Lied singt. Und er spricht meine Worte, die ich mich nicht zu sagen traue und er hat meine Gefühle die ich in den Keller sperrte, weil sie da so prima aufgehoben sind. Und er holt sie hervor und zeigt sie allen, zeigt sie mir, sagt „Sieh her, so bist du“, dann fühle ich mich ertappt.

Dann schlucke ich die kleine Träne ganz schnell runter, lache laut darüber, zeige mein Gesicht nicht weil die, die mich kennen, oder zu kennen glauben, Angst bekommen könnten, dass da noch was lauert tief in mir, was Großes, was raus möchte. Und dann kneife ich die Augen ganz fest zu, sauge das Wasser zurück in den Kanal und lächle tapfer und singe ganz laut mit, dass ich das ja gar nicht kenne, behaupte, dass die Melodie toll ist und mich mitreißt. Der Text aber, den verstehe ich nicht.

Und alle lachen und tanzen mit, beruhigt, zufrieden. Und wenn das Lied aus ist, dann fühle ich mich leer, dann fehlt das Erkennen und ich spüre, wie gerne ich ertappt werden möchte bei den tiefen Gefühlen, bei der großen Trauer. Wie gern ich es gehabt hätte, hätten alle meine Tränen gesehen, hätte ich weinen können, wie damals als Kind, als es noch so einfach war. Oder auch nicht einfach, aber anders. Als die Gefühle noch näher waren, ich noch keinen Kellerraum für sie hatte, das Schloss noch fehlte.

Es wird Zeit, die Schlösser aufzubrechen, die Lieder selbst zu singen, mich selbst zu ertappen, wie ich die Texte spreche und sage „so war es und so darf es nie wieder sein“.

Alice

Veröffentlicht in 365 Tage, Mal über mich, Schreiben

Tag 113/365 – Vom Erfahren

Da kommt etwas auf sie zu, etwas komplett Neues. Sie ist so aufgeregt und zappelig, endlich wird sie es sehen. Den ganzen Tag tapert sie durchs Haus, schaut dauernd auf die Uhr, rennt dann ans Fenster, schaut auf ihre Notizen, ob sie sich auch nicht vertan hat.

Die Sekunden dehnen sich zu Minuten, die Minuten zu Stunden. Sie kocht sich einen Tee, vergisst ihn dann, trinkt ihn kalt. Dann schaltet sie das Radio an. Hört den Nachrichten zu, tanzt zu einem Lied und hört mittendrin auf, weil sie sich dumm vorkommt. Greift das Strickzeug, vertut sich, ribbelt auf, verliert eine Unzahl Maschen und schmeißt es entnervt in die Ecke.

Die Zeit schleicht, dabei möchte sie es doch so gerne endlich erfahren.

Mit einer Decke wirft sie sich aufs Sofa, versucht die letzte halbe Stunde zu verschlafen. Doch die Gedanken kreisen, lassen sie nicht zur Ruhe kommen. Irgendwann nickt sie ein. Die Türklingel lässt sie hochschrecken. Sie fährt hoch und ordnet ihre zerzausten Haare, streicht den Rock glatt, steht unschlüssig vor der Tür und atmet tief durch. Jetzt endlich wird sie es erfahren.

Erfahren, welche Farbe das Chamäleon hat.

Alice

Veröffentlicht in AnthoAlice

AnthoAlice – Erinnerung – 1. Zwischenstand

Die erste Woche ist rum und es wird Zeit für den Zwischenstand. Ich freue mich riesig, dass ihr das Thema „Erinnerungen“ so phantastisch annehmt, bisher sind es 16 Beiträge!!!. Ich bin begeistert.

Wer neu dazu kommt, lausche bitte nun. Zum neuen Thema „Erinnerungen“ habt ihr einen Monat Zeit (also hier jetzt noch bis zum 15.5.19) Beiträge jedwederArt zu verfassen. Ob Fotografie, Audio, Video, Text (max. ca. 400 Wörter). Euren Eintrag verlinkt ihr bitte hiermit und setzt euren Link noch in die Kommentare hier. Es pingt leider nicht immer, wie es soll. Und es wäre schade, wenn es verloren ginge.

In der ersten Woche entstanden folgende wundervolle Beiträge:

Karl mit Erinnerung 2, Erinnerung 3, Erinnerung,

Piri mit Fräulein Drost,

Meine Wenigkeit mit Der Morgen, Heile, Heile Segen, Dunkle Zeiten 1, Dunkle Zeiten 2,

Jeraph mit Erinnerungen, Erinnerungen 2, Meine Erinnerungen, Götter in Weiß, Karfreitag,

Werner mit In Kölle am Rhing ben ich gebore,

Brigwords mit Mohamed,

Caroline mit So viele Ostern,

Trotzdem habe ich das Gefühl, mir seien ein oder gar zwei Beiträge durchgegangen. Zwar habe ich die anderen Kommentare durchsucht… dennoch.. Meldet euch bitte, solltet ihr nicht auf der Liste stehen! Und die, welche drauf stehen, überprüft bitte eure Links:) Vielen Dank

Und jetzt freue ich mich auf die zweite Woche mit vielleicht weiteren tollen oder nachdenklich stimmenden Erinnerungen.

Alice

Veröffentlicht in Gedichte

Masken

Wenn Larve
um Larve fällt
man sich pellt
wie eine Zwiebel
eine Schicht
nach der anderen
entfernt.

Wenn Haut
um Haut geschält
abgezogen
zu Boden sinkt
rohes Fleisch
von Knochen
gesägt.

Wenn Schicht
um Schicht gebrannt
mit heißer Glut
als Asche
herunter rieselt
gefegt
entsorgt.

Wenn Vorhang
um Vorhang fällt
die Bühne leer
bleibt
dann klingt
Applaus hohl
in hohen Räumen.

Alice

Veröffentlicht in Schreiben

ABC-Etüde – Kartoffeln nach Zahlen

Zu den Etüden bei Christiane. Die Wortspende kommt von Agnes.

Seit Jahren steht er hier, jeden Dienstag und Freitag. Aufstehen um fünf, Ware vom Großmarkt holen, ankommen, aufbauen, stehen von acht bis zwölf, manchmal länger, wenn viel zu tun ist.

An manchen Tagen kommt keiner, oder fast. Es gibt Stammkunden, die wagen sich auch raus, wenn Wetter ist. Die anderen gehen dann in die Supermärkte. Jeden Dienstag kommt die Alte mit dem komischen Hut. Sie streitet immer, will nur eine Kartoffel. Dann sucht er die eine perfekte für sie aus, gibt ihr aber immer drei zur Wahl, will sie nicht bevormunden.

Um zehn macht er Pause, dann holt er sich einen Kaffee zu seinem Brot, schäkert mit den zwei Bäckereiverkäuferinnen. Sie mögen anzügliche Witze.

Früher waren sie zu viert an seinem Stand, hatten alle Hände voll zu tun. Die Zeiten sind vorbei, schlecht könnte man sagen. Es passt gerade noch und die Knochen wollen auch nicht mehr. Er hat das sechste Jahrzehnt gut überschritten, aber fürs Aufhören reicht es noch nicht.

Freitags ist immer mehr zu tun, da wird fürs Wochenendes gehamstert. Manchmal kommen dann Muttis mit ihren Kindern, die grabbeln an den Kartoffeln rum. Sehen wohl sowas wohl nicht mehr so oft.

Letztens hatte er seltene blaue, die haben sie ihm aus den Händen gerissen. Sieben Euro kostete der Sack, doch das machte ihnen nix. Hipster halt, dabei schmecken die auch nicht besser als die Annabelle.

Der Kirchturm läutet zur Mittagsstunde. Das war’s. Er packt zusammen und wuchtet die schweren Säcke in den Anhänger. Morgen ist frei, da geht er zum Geburtstag. Ein Geschenk braucht er noch, sein Enkel wird neun.

Alice

Veröffentlicht in Gedichte, Schreiben

Topie

Ob U , Dys oder Eu
ich zerlege dich
in er – sie – es
gut oder böse
divers?

Der Blick nach vorne
getrübt oder klar
voller Hoffnung
Angst
oder neutral?

Visionen
alter Männer
längst überboten
man schmunzelt
verhalten.

Besserwissen
lernen
hätte geholfen
vielleicht
die, welche es angeht
hören nicht zu.

Ob der Affe
oder die Matrix
uns regiert
am Ende
ist der Unterschied
Topie.

Alice

Veröffentlicht in Mal über mich, Psychokram

Gutenachtgedanken – Bauchweh

Nein, es waren nicht zu viele Ostereier oder Schokohäschen, es liegt mir was auf dem Magen, rumort in mir, lässt mich nicht zur Ruhe kommen, brummelt, grummelt, macht zickig und schlechtlaunig. Der Kopf will nicht so, wie ich es gerne hätte, denken ist eine Herausforderung und doch rattert es im Hinterkopf, lässt mich nicht zur Ruhe kommen. Nur klare Gedanken wollen sich nicht fassen lassen.

Ärzte behandeln meistens Körper und Seele getrennt. Würde ich mit den Beschwerden morgen den Arzt aufsuchen, wäre er wahrscheinlich der Meinung, ich hätte mir was eingefangen – oder eben zu viel gegessen.

Wäre ich ein Kind (warum macht man da einen Unterschied?) käme er sicher eher auf seelische Probleme, würde mich fragen, wie es in der Schule läuft und zu Hause, ob ich Ärger habe oder Stress. Bei ausgewachsenen Menschen gilt die Seele offensichtlich als vom Körper getrennt.

Hat sich abgespalten, führt ein Eigenleben oder vielleicht noch nicht mal das. Darf im Hintergrund auch mal nicht funktionieren, aber das ist was Anderes, das macht der Seelendoktor, dafür ist er nicht zuständig, da will er nichts von wissen.

Der Mensch ist eine Ganzheit, ich kann ja auch das Blut nicht von den Venen trennen, die Sehnen nicht von den Knochen, warum dann die Gedanken vom Bauch? Oder vom Kopf, wenn die Migräne einen anspringt und einem die Zähne in den Nacken schlägt.

Es ist eine seltsame Denke, welche die meisten Ärzte praktizieren.

Der Bauch als Sitz des Gefühls, als zweites Hirn, stellt sich quer. Ich werde ihm Ruhe gönnen, in jeder Hinsicht. Habt einen schönen Abend.

Alice

Veröffentlicht in Schreiben

Erwachen

Es ist so eine wunderbare Zeit, jetzt, wo die Blüten sich öffnen, die Natur so richtig Gas gibt. Unser Flieder fängt gerade an zu blühen, ich wünschte, ich könnte euch den Duft mit rüberschicken 🙂

(Anklicken macht die Bilder groß)

Alice