Veröffentlicht in 365 Tage, Mal über mich

Tag 349/365 – Unverständnis

Es ist jedes Jahr dasselbe und doch immer wieder neu. Und ich begreife es nicht, habe es wahrscheinlich nie begriffen und jetzt habe ich keine Hoffnung mehr.

Es sind noch neun Tage bis Weihnachten und draußen tobt der Ausnahmezustand. Wer einkaufen muss, sollte Zeit mitbringen, die Supermärkte kommen kaum nach mit dem Auffüllen der Regale.

Wer soll das alles essen? Essen Menschen mehr über die Weihnachtstage? Geht denn mehr als satt oder ist es ein Überfressfest und das unter dem Deckmantel der christlichen Nächstenliebe?

Um mich nicht falsch zu verstehen, ich kann nachvollziehen, dass Christen Weihnachten feiern. Es ist schön, seinen Glauben, so man ihn denn hat, zu zelebrieren und diesen ausgelobten Geburtstag besonders zu begehen.

Es ist auch eine nachvollziehbare Tradition, sich zu beschenken, was ja nichts anderes ist als eine Unterstützung des Gegenübers. Die Geschenke, die Jesus laut Bibel bekam, waren Startkapital, vergleichbar mit dem 5€-Sparbuch, das Kinder zur Geburt bekommen. Schenke ich etwas, suche ich aus, was mein Gegenüber braucht. Manchmal auch, worüber er sich freut und im besten Falle beides.

Aber Schenken, um des Schenkens Willen ist Schwachsinn (sorry). Nur damit man nicht mit leeren Händen dasteht, wird der fünfte Badezusatz für Tante Erna aus Oer-Erkenschwick aus dem Regal gepult, Duft egal und auch, dass sie gar keine Badewanne hat und das Zeug mittlerweile ein halbes Kellerregal füllt.

Aber alle Jahre wieder nimmt der Wahnsinn seinen Lauf und auch, wenn man sich ganz fest vornimmt, dieses Mal den Baum grün zu lassen und das Portemonnaie nur begrenzt offen, spätestens Mitte Dezember wird der Schalter in den Köpfen umgelegt und es geht wieder los.

Anstatt Zeit zu verschenken, miteinander zu reden, zu kochen und zu trinken, Ruhe einkehren zu lassen nach einem langen und vielleicht auch anstrengenden Jahr, werden Unsummen verschenkt, der Kassenbon für das Umtauschen liegt schon bereit. Der Puls geht hoch beim BlackFriday und nochmal höher, je näher das fest der Geschenke kommt. Eine Gabe muss her, egal welche.

Es wird erwartet, die Kinder möchten das, so rede ich mir das auch manchmal schön und ertappe mich beim Aufspringen auf den Zug. Doch wenn man sich die Mühe macht, nachzufragen, ist man überrascht.

Natürlich möchten sie ein Geschenk, aber nicht den halben Erdball in gepunktetem Einwickelpapier. Sie möchten Zeit und reden, lachen und spielen. Der Sinn ist doch Gemeinsamkeit und Liebe, nicht Kitsch und Kommerz.

Und selbst die Tante Erna hätte lieber einmal im Monat ein Stündchen Besuch, statt das 25. Fichtennadelschaumbad für 11,99 für den Keller.

Alice

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365 Begegnungen – Tag 91 – Geschichtenzeit

Sie ist wieder da, die freche Muse. Für eine Weile hat sie Abstand gehalten und auch jetzt sind wir uns noch nicht so hundertprozentig grün.

Sie sei erschöpft gewesen, leererzählt quasi und habe ein wenig Ruhe vor mir und meinen Ansprüchen gebraucht. Ich habe es ihr gegönnt, muss ich gestehen und auch eingesehen, dass manches, was ich ihr abverlangte, einfach zu viel war.

Sie gab und gab und war an manchen Abenden kurz vor dem Zusammenbruch, während ich fröhlich schmetterte „Komm, einer geht noch“. Ich wurde nicht satt und während sie immer weiter abmagerte, fraß ich mir ein Geschichtenpolster an.

Wir haben lange geredet und unsere Wünsche auf den Tisch gelegt. Sie ist wieder bereit, mich zu unterstützen, allerdings solle ich mir gut überlegen, was sie für mich tun soll. Ein Rundumsorglospaket gäbe es nämlich nicht mehr.

Meine Wünsche listete ich ihr auf und sie begann zu streichen. Es blieb ein Sparprogramm, das genug übrig lässt für mich und genug Freiraum bedeutet für sie. Heute startet die Erprobungsphase und ich muss zugeben, sie macht einen ganz guten Job. Noch ein bisschen wackelig auf den Beinen unterstützte sie mich bei meinem aktuellen Projekt und wir beide sind zufrieden.

Den Rest des Tages hat sie frei, schaut mir nur ein wenig über die Schulter, während ich über sie schreibe und darf sich gleich in die Wellnessecke zurückziehen.

Ich soll euch schön grüßen von ihr, raunt sie mir noch ins Ohr und verschwindet dann.

Alice

Veröffentlicht in 365 Tage, Mal über mich

Tag 348/365 – Morgenschnipsel

Zähne zusammenbeißen tut man nicht nur beim Essen. Die Woche war lang, zu lang für meine aktuelle Kondition und endete in üblen Kopf- und Kieferschmerzen. Abgesehen davon macht sich eine Grippe auf den Weg. Beste Voraussetzungen für ein zufriedenes Jahresende.

Das CBD, also mein neues Helferlein, hat es gerichtet, die Muskeln haben sich entspannt, so dass zumindest das Gesicht nicht mehr schmerzt, als hätte ich einen Kampf gegen Cassius Clay hinter mir. Die Nase läuft dennoch und auch der Hals kratzt weiter.

Dieses Weihnachten steht unter dem Stern der verfrühten Geschenke. Der eine Sohn wünschte sich was für den Selbstbastelcomputer und bekam es vorneweg, damit er schon bauen konnte. Der zweite hat sein Handy geschrottet und brauchte ein Neues.

Der dritte hatte sich neben PC- Speicher ein Onlinespiel gewünscht, was ich verpeilte Dame nicht auf einen Termin gelegt habe uns der vierte, naja, der muss tatsächlich warten, hat sich aber etwas Spannendes wie eine SSD Festplatte gewünscht.

Der Mann hat sein großes Geschenk schon zum Hochzeitstag bekommen und ich? Ich war gestern dran.

Acht analoge Kameras lagen in dem schmucklosen Karton. Vier Sucherkameras aus den frühen Sechzigern, vier Spiegelreflex aus den späten Achtzigern.

Alle in einem Topzustand, schockverliebt bin ich in die kleine Voigtländer und die schwere Nikon. Jetzt muss nur das Wetter noch mitziehen und die Erkältung ausbleiben, dann kann es losgehen.

Das mit dem Schnupfen wird ein frommer Wunsch bleiben und draußen pläddert Dauerregen gegen die Scheiben. Aber freuen tu ich mich dennoch.

Doch so ganz ohne Überraschung wird Weihnachten nicht ablaufen, ich hab da noch was in petto. Nur verraten werde ich es hier nicht, da könnte vielleicht jemand mitlesen.

Der Tag wird im Zeichen der Ruhe stehen. Viel zu sehr habe ich mich vor den Stresskarren spannen lassen, bin gehüpft und gesprungen, habe geleistet, obwohl schon längst keine Energie mehr da war. Zumindest dieses Wochenende werde ich nur tun, wonach mir der Sinn steht. Vielleicht malen, wieder ein wenig mehr schreiben und sicherlich die Kameras ausprobieren, wenn die Sonne mal kurz rausschaut.

Vielleicht backen wir noch ein paar Cookies oder faulenzen und essen die, die noch da sind.

Habt ein erholsames Wochenende

Alice

Veröffentlicht in Begegnungen, Kurzgeschichten

365 Begegnungen – Tag 90 – Die Logik, die Vernunft und der Verstand

Es war einmal in einem fernen Land, da lebten der Verstand, die Logik und die Vernunft zufrieden und einträchtig in einer kleinen Hütte im Wald. Sie waren zufrieden, hatten ihr Auskommen, weil jeder der Einwohner des kleinen Landes zu ihnen kam, wenn er ein Problem hatte.

Dann ließen sie den Gast herein, bewirteten ihn freundlich, hießen ihn auf einem bequemen Sessel Platz nehmen und sein Problem schildern. Manches mal fragten sie dann noch nach, grenzten die Schwierigkeiten so weit wie möglich ein und formulierten mit dem Gast am Ende eine konkrete Fragestellung.

Mit dieser Frage zogen sie sich dann zurück. Der Verstand beleuchtete jede Ecke der Aufgabe, machte sich Notizen und strukturierte sie. Er legte mögliche Lösungsansätze fest und reichte sie dann an die Logik weiter.

Die wiederum überprüfte die Lösungen auf Machbarkeit, überprüfte möglichen Erfolg und wählte am Ende drei sinnvolle Ergebnisse aus. Die reichte sie dann an die Vernunft weiter.

Die Vernunft brauchte immer die meiste Zeit. Sie überlegte die Auswirkungen der Problemlösungen, hielt ab und an noch Rücksprache mit dem Klienten, bevor sie sich für eine entschied, die sie dann dem verzweifelten Einwohner erklärte.

Die Menschen in diesem kleinen Land waren sehr glücklich darüber. Sie dankten es ihnen, indem sie sie mit all dem versorgten, was Verstand, Logik und Vernunft zum Leben benötigen.

Eines Tages kam die Dummheit in die Gegend. Und weil sie nichts besseres zu tun hatte, fragte sie den erstbesten Menschen, warum er überhaupt existiere. Der schüttelte den Kopf, zuckte die Schultern, grüßte und ging weiter. Doch die Frage ließ ihn nicht los.

Also fragte er seine Frau, die keine Antwort wusste. Die wiederum befragte ihre Freundinnen, die wieder ihre Männer und so weiter.

Am Ende war das ganze Land im Aufruhr und der König beschloss, persönlich die drei aufzusuchen, um dieses Problem lösen zu lassen.

Eines morgens, als die drei noch schliefen, hielt die Kutsche des Königs vor der kleinen Hütte. Ein Lakai sprang vom Bock, rollte einen roten Teppich bis zur Tür aus und half dem Herrscher aus dem prächtigen Gefährt.

Er klopfte und nach einer kleinen Ewigkeit, schlurfte die Vernunft zur Tür und ließ ihn ein.

Sie hießen ihn, wie alle Gäste, auf dem bequemen Sessel Platz nehmen, hörten sich das Problem an , fragten nach und zogen sich endlich zurück.

Wegen der Gewaltigkeit der Aufgabe, beschlossen sie, es gemeinsam zu lösen. Sie baten den König um Geduld und schlossen die Tür hinter sich ordentlich ab.

Irgendwann, als die Zeit zu lang wurde, fuhr er ohne ein Ergebnis zurück ins Schloss. Er beschloss, abzuwarten und die Menschen zu vertrösten. Allzu lange könne es ja nicht dauern. Doch die Antwort kam nie. Die Menschen warteten, gaben die Frage von Generation zu Generation weiter, litten unter Angst und fehlendem Sinn.

Die Drei wurden nie wieder gesehen.

Wenn sie nicht gestorben sind, diskutieren sie wohl immer noch.

Alice

Veröffentlicht in 365 Tage, Mal über mich

Tag 347/365 – Reden statt Tun

Es liegt etwas im Argen. Das tut es immer, denn leider (oder glücklicherweise) ist diese Welt nicht perfekt.

Menschen machen Fehler, überschreiten Grenzen, nerven auch schon mal, Manches ist unangenehm, ärgerlich, vermeidbar.

Wenn solche Situationen eintreten, ärgern sie uns so lange, bis wir … handeln? Handeln wäre gut, handeln wäre sinnvoll, durch das aktive Verändern der Situation würde sie vielleicht anders werden, möglicherweise besser. Doch Eingreifen ist anstrengend, es benötigt in Statement und führt nicht selten zur Konfrontation und, wenn es mies läuft, zum Streit.

Okay, das ist anstrengend, das macht Mühe. Eventuell ist man am Ende unbeliebt und wird zur Zielscheibe. Also besser den beliebten Ball flach halten, nichts tun….. außer klagen.

Ich erlebe das dauernd und es passiert mir auch, und das nicht gerade selten. Mein Mann nennt es Psychohygiene, wenn wir zu Hause so richtig über den Job und irgendwelche Schieflagen ablästern. Das tut gut, macht den Kopf frei, da ist jemand, der mich versteht, der Überdruck ist weg und der Nachtschlaf gerettet.

Bei Problemen, die tatsächlich unlösbar sind, ist das meistens die einzige Lösung. Drück abbauen, damit die Bombe nicht platzt.

Andere Situationen sind wiederum sehr wohl zu ändern. Da steckt Potential drin, da geht noch was. Leider fällt die Unterscheidung meist schwer und das lieb gewordene Beklagen tritt an die Stelle echter Problemlösung. Am besten hinter vorgehaltener Hand und mit der Randnotiz “ Ich hab aber nichts gesagt“

Mich nervt das, auch bei mir. Zur Zeit werde ich dauernd damit konfrontiert und möchte so oft sagen „Tu doch was!“ Doch, selbst wenn ich mich einmische, ernte ich nur Schulterzucken.

Wie wäre es denn, wenn die ganzen Probleme in einer Liste stünden. Auf der einen Seite die unlösbaren für mich als kleines Licht, auf der anderen, die, deren Veränderung ich in der Hand habe.

Über die einen darf ich weinen und wehklagen. Bei den anderen muss ich meine Klappe so lange halten, bis der Druck ausreichend groß ist, um eine Handlung auszulösen.

Ich schreibe mir das heute auf die Fahnen. Das könnte ein interessanter Tag werden.

Alice

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365 Begegnungen- Tag 89 – Die Angep*****heit

Seit Tagen trage ich es mit mir herum und es will nicht weichen. Wenn ich ehrlich bin, wird es sogar immer schlimmer.

Ich bin angepisst, und zwar so richtig. Der Sohn kommt mit einer Klassenfahrt nach Lissabon, wo das Auslandspraktikum noch nicht einmal bezahlt ist. Der Job nervt und ich halte die Nähe und Lautstärke der Menschenmassen kaum aus.

Der Mann hat Urlaub und humpelt durch die Gegend, weil er sauber gemacht hat. Das Abendessen hab ich gekocht, doch beim Gedanken an Nahrungsaufnahme dreht sich mir alles um.

Ich fluche, versuche Abstand zu halten, doch dauernd läuft mir jemand nach. Dazwischen kann ich Streit schlichten, beruhigen, erklären, besänftigen und möchte doch nur brüllen und etwas kaputt schmeißen.

Ich komm zu nichts, möchte ich schreien und dass manche Probleme doch bitte ohne meine Kenntnisnahme gelöst werden sollen. Ich will es noch nicht einmal wissen, will einfach nur mal unbehelligt bleiben, in Ruhe gelassen.

Morgen ist noch ein langer Tag, perfekt zum Wochenausklang. Abends stehen dann Aktivitäten für den anderen Sohn an. Auch gut, muss sein.

Aber mir ist gerade nach weglaufen, Hunde ins Auto und irgendwo an die See fahren, mich frei fahren.

Aber die freie Zeit ist schon verplant mit Familie und wichtigem Orgakram für die Firma.

Meine Geduld ist gerade nur noch ein dünnes Fädchen, das endgültig zu reißen droht.

Bin gespannt, wie der Tag morgen wird.

Alice

Veröffentlicht in 365 Tage, Mal über mich

Tag 346/365 – Nur kein Stress

Nein, ich fange jetzt nicht an, zu erzählen, was mich gerade alles ankotzt. Ich erzähle nichts von Fischen, Vorbildern, Engagement und fehlenden Qualitäten.

Ich rede nicht darüber, dass ich seit gestern mental und körperlich mit der Woche durch bin, dass ich trotz CBD so starke Bauchschmerzen habe, dass ich um kurz vor vier aus dem Bett fiel. Es soll auch keine Rede davon sein, dass ich vieles nicht nachvollziehen oder auch nur im Entferntesten verstehen kann.

Es ändert nichts.

Ich rede lieber darüber, dass der Sohn sich unnötige Sorgen machte und alles gut gegangen ist. Und dass die Kekse, die ich wegen des Bauchwehs zwar nicht gegessen, doch zumindest ein wenig probiert habe, sehr lecker sind. Ich erzähle lieber davon, dass mein Mann und ich die Karaokemaschine an den Fernseher angeschlossen haben und geschlagene zwei Stunden die Nachbarschaft terrorisiert haben (Gut, um 22 Uhr waren wir still) und eine Riesenmenge Spaß hatten.

Ich erzähle lieber, dass ich nicht ganz so schlecht singe, wie ich immer dachte und dass ich ein verflixt gutes Gedächtnis für Melodien zu haben scheine.

Es hat keinen Wert, sich unnötigen Stress zu machen oder über Dinge nachzusinnen, die man sowieso nicht ändern kann (andere Menschen beispielsweise).

Es macht auch keinen Sinn, sich darüber zu grämen, dass der Blog auf Sparflamme ruht, man kaum zum Schreiben oder Lesen kommt, dass das Wetter zu schlecht ist, um den Film zu füllen (die Agfa 44 braucht ganz viel Licht), das Zeichnen für eine Bekannte auf Eis liegt (Es ist nicht vergessen) und ein paar Ausschreibungen bald auslaufen, wo noch keine einzige Zeile zu getippt wurde.

Es regiert der Weihnachtswahnsinn und sich wehren bringt nichts. Er wird vorbeiziehen wie das Jahr. Und vielleicht sieht es ja dann wieder etwas entspannter aus.

Aber nur kein Stress.

Alice

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365 Begegnungen – Tag 88 – Der Keks an sich

Wir haben gebacken, endlich. Immer war zu viel los, ich zu beschäftigt oder keiner der Söhne da.

Dabei weiß ich, dass der Geruch nach Plätzchen die Seele besänftigt und einfach glücklich macht.

Es wurden Triple Choc Cookies und traumhafte Mandel-vanille Cookies. Und das schöne ist, es geht wirklich schnell und alle sind glücklich.

Den Abwasch macht die Spülmaschine, alles riecht nach Vanille und Zimt und der Tag ist zwar nicht gerettet, aber doch ein kleines bisschen heller.

Alice