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Tag 228/365 – Xanthippenfrühstücksgedanken

Der Prototyp der Nörgelfrau, ließ kein gutes Haar am armen, herumphilosophierenden Sokrates, der vor lauter wesentlichen Fragen an das Leben, schon mal vergaß, den Müll raus zu bringen. Was soll die Arme denn tun, wenn ihr Mann spielen geht und ihr den profanen Alltagskram überlässt? Wahrscheinlich wird sie eher nicht zufrieden mit ihren Freundinnen beim Wein gesessen haben und glücklich berichtet, zu welcher Erkenntnis ihr holder Gatte wieder kam.

Ich kann ihre schlechte Laune durchaus verstehen. Hausputz, Kinder versorgen, einkaufen, kochen, im Hintergrund das Leben meistern, damit der Mann im Rampenlicht es bequem hatte. Und viel Geld wird er auch nicht gerade nach Hause gebracht haben. Ob sie klug war, ist leider nicht überliefert. Ich vermute es aber. Sie ist schließlich diejenige, die sich zu recht fragt, warum Frau gerade nicht gemütlich mit anderen Frauen kluge Reden schwingen kann, sondern sich die zarten Finger an Sokrates verkrustetem Frühstücksteller rau schrubbt.

Das Ergebnis jeder beziehungstechnischen Schieflage ist Frust. Wäre Sokrates ein Typ gewesen, der seiner Frau unaufgefordert weiße Rosen mitgebracht oder sie mal zum Italiener an der Ecke ausgeführt hätte, ihr gezeigt hätte, dass er ihre Leistung würdigt und sie ganz sicher nicht für selbstverständlich hält, die Geschichte wäre um eine sprichwörtliche Figur ärmer.

Ich kann sie ganz gut verstehen, manchmal. Da habe ich Xanthippenlaune. Wenn rundherum Kind gespielt, alle anderen sich der Sorglosigkeit hingeben, Verantwortung abgewälzt, keine Frage einfach mal selbst beantwortet , auf ein Nachhaken trotzig pubertär reagiert wird, dann fange ich an, zu nölen, bin zickig, unleidlich, werde pampig.

Hätte die liebe Xanthippe einfach mal die Füße stillgehalten, sich eine zeitlang nur um ihr Wohlbefinden gekümmert, Sokrates ein wenig auflaufen lassen, wäre es ihr sicher besser gegangen. Ich werde es ihr heute ein wenig vorleben. Dann beruhigt sich mein Gemüt wieder.

Und während die anderen mal das tun, was sie tun sollten, kann ich ein wenig philosophieren.

Alice

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Einer

Mohnfrüchte

Einer leidet immer ein wenig mehr, einer arbeitet immer ein bisschen mehr. Einer bekommt das Lob, einer den Lohn. Einer weiß, wo es langgeht, einer folgt ihm blind. Einer hat eine Vision, einer hat einen Traum.

Wir sind zu Großem geboren, jeder von uns. Du glaubst das nicht? Dein Problem. Unter uns, da steckt ein Konzept hinter. Würde jeder seine Größe ausleben, wo kämen wir denn hin?

Jeder von uns ist einer, einer von Vielen. Und doch auch ein ganz Besonderer. Nicht vergessen, ganz wichtig. Geh nicht in der Herde unter, blök nicht mit den anderen Schafen, sei groß, sei gewaltig. Fühle deine Kraft, deine Schwingen, deine Größe, deine Einzigartigkeit.

Vergiss den Alltag, das, was andere planen, nur für einen kurzen Moment. Fühle in dich hinein, sei ganz du. Lege deine Lieblingsmusik auf, mach sie laut, lass dich von ihr tragen und denke für einen kleinen Augenblick, wer und was du wirklich bist. Nimm es mit in die Alltagswelt.

Einer wie du kann Berge versetzen, Welten verändern, Wunder vollbringen. Warum sollte der Eine immer ein Anderer sein? Glaube an dich und deine Kraft. Die Probleme anderer sind Probleme anderer.

Ich bin eine, eine von Vielen. Und ich habe keine Lust mehr, zu blöken und hinterherzulaufen. Ich möchte kreieren und gestalten. Das allein fühlt sich richtig an.

Wie ist es bei dir? Was für einer bist du?

Alice

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Sprünge

Kintsugi – in Japan werden zerbrochene Keramiken mit Gold geflickt. Was für ein wundervoller Gedanke, nicht weg zu werfen, sondern zu reparieren, zu heilen, wertvoller zu machen.

Wabi-Sabi, nicht Wasabi, ist das Konzept, die Philosophie, die dahinter steht. Die Schönheit des Gebrochenen, Unperfekten.

In einer Zeit, in der alle nach Glätte und Perfektion streben, kaputtes weggeworfen wird, eine wundervolle alte, neue Idee für mein Leben.

Alice

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Fundstück

Vor einigen Jahren fiel mir diese Liste schon einmal vor die Füße. Jetzt fand ich sie beim Flohnmobil und durfte sie netterweise rebloggen.

Alte Menschen können einem sehr viel von der Welt erzählen und uns so manchen Blickwinkel geraderücken, wenn sie aus ihrer Sicht berichten.

Es mag nicht alles und für jeden treffen, doch ich musste schmunzeln und habe mich in vielem erkannt.

https://flohnmobil.blog/2018/11/27/sieben-prozent/#comment-18357

Was meint ihr dazu?

Alice

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Tag 167/365 – Stürzende Linien

Ich bin gerne analog unterwegs, sogar mit wachsender Begeisterung. Seitdem ich selbst entwickeln kann und ein paar alte Kameras am Start habe, wird es zunehmend interessant für mich. Auch und gerade, weil vieles so unperfekt und zufallsinduziert ist. Bei einem ausgebildeten Fotografen oder einem richtigen Fachmann, ist das natürlich weniger, das mit dem Zufall.

Filme zu entwickeln ist immer ein wenig wie das Öffnen einer Wundertüte. Selbst, wenn ich alles beachtet habe, die Belichtung passte, ich die Kamera mal nicht schief hielt, der Bildausschnitt gut gewählt war und ich sorgfältig entwickelte, das Döschen mit dem Film brav drehte und wendete, nicht zu warm und nicht zu kalt, bin ich doch immer wieder vom Ergebnis überrascht. Es ist so ganz anders als die Digitale Fotografie, bei der man das bekommt, was man sieht, quasi den Überraschungseffekt übergeht.

Momentan hangele ich mich durch meine kleine Objektivauswahl. Ganz bewusst hatte ich für alle Kameras nur Weitwinkelobjektive eingepackt. Ich wollte ja Gebäude fotografieren und eine recht enge Bebauung gibt wenig Spielraum, die Häuser mit Abstand zu fotografieren. Unser Auge hat eine Festbrennweite von 50mm. Benutze ich ein Weitwinkelobjektiv, mein altes hat 28mm, sehe ich auf den Fotos deutlich mehr, als in der Realität. Ein Nebeneffekt, der besonders auffällt, wenn ich an einem Gebäude hochfotografiere, sind die stürzenden Linien.

Ein Teil entsteht natürlich durch die Perspektive, der andere durch die Verzerrung des Objektivs.

Da ich meistens die Kamera ein wenig schief halte, ist eine notwendige Nachbearbeitung das Geraderücken. Jetzt saß ich gestern vor diesen Bildern, des Denkens aufgrund der Erkältung sowieso nicht mächtig, und suchte die sinnvolle Vertikale. Ihr könnt auf dem Foto ja mal suchen. Unser Kopf sagt uns zwar, dass alle Gebäudekanten rechtwinklig und schön vertikal sind, legt man aber ein Geodreieck auf das Foto, wundert man sich, dass nahezu alles schief ist. Nur eine einzige Kante, die genau vor meiner Fotografenposition war, ist auf dem Bild wirklich senkrecht.

Moderne digitale Objektive können diesen Effekt inzwischen ausgleichen, Nachbearbeitungsprogramme können das kaschieren, ich finde es reizvoll. Kann ich doch anhand des Fotos und durch genaue Betrachtung, den Standpunkt des Fotografen herausfinden.

Die Bilder sind dadurch keine korrekte Abbildung der Realität, sie werden durch die Position des Sehenden und seine Sichtweite verzerrt. Denke ich das ein wenig weiter, kann ich diese Idee auch auf die allgemeine Wahrnehmung der Welt übertragen.Wäre ich der einzige Mensch auf der Welt, der alles ganz objektiv sieht, wäre ich dazu in der Lage, die Position jedes Einzelnen aufgrund seiner stürzenden Linien, seiner persönlichen Verzerrung zu bestimmen.

Da ich aber einen anderen Standpunkt und meine eigene Sichtweise habe, überlagern sich die Verzerrungen und die stürzenden Linien mit denen anderer. Ein Rückschluss ist dann kaum noch möglich.

Ich frage mich gerade, wie Menschen sich in diesem Linienchaos überhaupt verstehen können. Möglicherweise können wir das auch nicht. Vielleicht haben wir alle ein Nachbearbeitungsprogramm im Kopf, das die Linien gerade rückt.

Alice

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Tag 128/365 – Gewissensfrage

„Sag Gretchen, wie hältst du’s mit der Religion?“ Glaubst du an eine höhere Macht? Kannst du Schicksal akzeptieren? Oder gehst du regelmäßig an das Wegekreuz und gehst einen Pakt mit dem Teufel ein? Versuchst du, zu bestechen, zu verhandeln? Oder beugst du den Kopf und vertraust darauf, dass alles gut wird?

Zu früh für diese Frage? Zu tiefgründig, zu persönlich?

Eindeutig, vor allem, da es keine Antworten gibt. Für mich nicht. Eine höhere Macht? Eindeutig, aber sicher nicht im Sinne eines alten Mannes, eines Vaters, der auf einer Wolke sitzt. Eine Kraft, die viel größer ist als alles Vorstellbare schon. Aber vertrauen, dass alles gut wird? Damit tue ich mich schwer. Egal wohin ich blicke, gehen Dinge schief, sterben Menschen, leiden Kinder, Unglücke passieren und nichts schützt mich davor, ebenfalls in diesen Strudel zu geraten.

Vor ein paar Jahren ist ein Flugzeug abgestürzt mit einer halben Schulklasse aus meiner Heimatstadt. Wäre manches anders gelaufen, hätte einer meiner Söhne mit an Bord sein können und ein anderer Junge ist nur durch ein Losverfahren dem entkommen. Ich weiß nicht, ob er jetzt zwei mal im Jahr Geburtstag feiert. Einschläge kommen, können kommen und ich bin oft versucht, Kreuzungen aufzusuchen, zu versprechen, zu verzichten, zu beschwören dass diese Kelche doch bitte an mir vorübergehen. Bisher hat es geklappt, immer zog das Gewitter an mir vorbei.

Doch was ist, wenn das einmal nicht funktioniert? Wer trägt dann die Schuld?

Ich, die ich meine Seele an die Angst verkaufte und dann doch irgendwann entspannte und den Augenblick genoss? Die sagte, dass es jetzt perfekt sei und doch bitte so weiterlaufen soll und damit den Teufel, das Schicksal auf den Plan rief?

Kann ich es nicht vielleicht doch aufhalten, wenn ich meinen Kopf weiterhin vor dem Dunkel beuge?

„Sag Alice, wie hältst du’s mit der Religion?“

Ich weiß es nicht.

Alice

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Überrasch‘ mich

Pusteblume

Komm, überrasche mich, zeig mir mal eine neue Seite, ein anderes Gesicht, eine fremde Facette. Mach doch mal etwas andersherum, fang hinten an und schau, was sich ergibt, dreh die Welt auf den Kopf und schüttle sie. Was rausfällt gehört dir.

Lass zur Abwechslung mal fünfe gerade sein, vergiss alles, was du gelernt hast und sei für einen Augenblick nur neu. Staune mit offenem Mund, betrachte eine Blüte wie sie sich entfaltet. Ihr beide braucht Zeit dazu.

Lege die unruhigen Hände in den Schoß. Tue einen Moment nichts und spüre ihm nach. Erfahre, wie die Ruhe deine Arme hochkrabbelt, warm wie Sonnenstrahlen deinen Körper erfasst. Erschrick nicht, lasse zu, dass es dir gut tut.

Und jetzt steh auf und tanze, singe ganz laut dabei. Mach dir einmal keine Sorgen, was die anderen denken. Die sind nur in deinem Kopf so streng. Lache mit ihnen über die schiefen Töne. Lache über dich wie ein Freund, der dir alles verzeiht.

Komm, überrasche mich. Lass die anerzogenen Zwangsjacken fallen und schäme dich nicht deiner Blöße. Lege Panzer um Panzer ab und betrachte dich. Sieh das spielende Kind, den aufbegehrenden Teenager, den gebrochenen Erwachsenen und lerne sie kennen, unvoreingenommen wie einen Fremden. Mache dich dir vertraut und lerne, dass du die Kettenhemden verbrennen darfst. Lasse das Freudenfeuer niederbrennen.

Überrasch‘ mich, sei du!

Alice

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Paradox

Wir suchen,was wir verabscheuen, wir brauchen, was wir hassen, wir formen, was wir verachten.

Anstatt uns mit dem zu umgeben, was uns weiterbringt, unser Herz zum Singen, uns jeden Tag glücklich sein lässt, umgeben wir uns mit Aufgaben, die uns alles abfordern, denen wir kaum gewachsen zu sein scheinen. Und tun es dennoch freiwillig, leiden, klagen, schreien lieber als uns zu befreien, weiterzuziehen. Damit nicht genug. Ist augenscheinlich alles gut, ruhen wir nicht eher, bis wir dunkle Bilder erzeugt haben, das Unangenehme gefunden, das Gehasste kreiert, um dann endlich zufrieden unzufrieden sein zu können.

Eine Frau bekommt ein Kind, ein gesundes, intelligentes kleines Mädchen. Da ist viel Neugierde, viel Talent, viel Energie, ein Dickkopf, ein Temperamentsbündel. Doch anstatt die Energie des Kindes in gesunde Bahnen zu lenken, es zu fördern, bremst sie sie, entmündigt es nach und nach, nimmt ihr alles aus den Händen, bis auf die wenigen Bereiche, wo sie die Energie des Kindes braucht. Das Kind wird hilflos, weil die Mutter es so will. Und dann wird dem Kind genau das zum Vorwurf gemacht, es sei eine Last, unselbstständig, teuer, sie, die arme Mutter müsse sich um alles kümmern.
Eine Frau trifft einen Mann, beide sind nicht mehr ganz jung, ein wenig zu alt für Babys, aber noch viel zu jung um alleine zu bleiben. Der Mann ist erfolgreich, hat ein Haus, einen guten Job, managt alles prima alleine. Die Frau beginnt, ihm alles aus den Händen zu nehmen, lässt ihn nicht mehr kochen, obwohl er das liebte, hätschelt ihn und beklagt sich irgendwann gehässig über seine Unselbstständigkeit, dass sie ihn, inzwischen Rentner und komplett entmündigt, nicht alleine lassen kann. Sie hasst es, dass er ohne sie nichts kann und braucht es dennoch.

Ein Mann nimmt einen Job an. In den ersten Monaten reißt er so viel Verantwortung an sich, wie nur irgendwie möglich. Zu Beginn sind die Kollegen irritiert, dann erfreut, dass sie ihren Job nun wesentlich entspannter angehen können. Nach einiger Zeit beginnt er zu klagen, jammert, dass er alles alleine machen müsse. Dabei haben die anderen inzwischen gar keine Chance mehr. Zu allem Überfluss ist sein Ablagesystem so speziell, dass nur er da durch steigt.

Alle drei haben bekommen, was sie sich wünschten. Doch keiner ist glücklich. Paradox, oder?

Alice

Veröffentlicht in Mal über mich, Philosophisches, Psychokram

Einfach weitergehen

Hier ist der Start, da ist das Ziel. Dazwischen liegen ein paar Meter, eventuell auch ein paar mehr, ganz schön viele, wenn ich es genau betrachte. Schätzen kann ich es nicht. Es könnte durchaus sein, dass ein paar Umwege dazukommen. Die Strecke ist ziemlich unübersichtlich. Schon bald kommt eine Kurve, dann geht es in den Wald. Was mich dahinter erwartet, kann ich nicht sagen. Halten wir einfach fest, es ist weit.

Ich trage gute Schuhe, die sind bereits perfekt eingelaufen. Auch meine Kondition reicht, vermute ich zumindest. Das Wetter ist stabil, weder zu warm noch zu kalt. Alles bestens, was die Voraussetzungen angeht.

Doch ich weiß jetzt schon, dass sich Hindernisse auftun werden. So leicht wird es nicht. Da werden Situationen auftauchen, Menschen vielleicht, die wollen was und reden mit mir, sprechen mich an, wollen, dass ich anhalte, nur für einen Augenblick. Sie haben eigene Ziele, hätten sie, wenn sie diese nicht schon vor langer Zeit aus den Augen verloren hätten. Sie strecken ihre Hände aus, zeigen sich bedürftig, appellieren an mich, wünschen sich Hilfe, ihren Weg wiederzufinden. Doch das kann ich nicht. Mein Herz bricht fast, wenn ich sie sehe, doch da ich nicht ihr Ziel habe, weiß ich nicht wohin ich sie schicken soll. Nehme ich sie mit, klammern sie sich an mich, zerren an mir, bremsen, stellen fest, dass es nicht ihre Straße ist und versuchen mich auf Seitenwege zu locken. Irgendwann schüttle ich sie ab, wenn alles gut geht. Wenn nicht, verliere ich mein Ziel aus den Augen. Dreimal um sich selbst drehen um der Fremden Weg zu suchen und meine Orientierung ist weg.

Das ist schon oft passiert. Dann musste ich zurück, hab fast den Start nicht mehr gefunden. Viel Zeit und noch mehr Energie verpufft. Doch diesmal nicht.

In meinem Kopf wiederhole ich zum Rhythmus meiner Schritte immer wieder zwei Worte.

Einfach weitergehen.

Alice

Veröffentlicht in Mal über mich, Philosophisches

Wen wir vermissen

Sonnenuntergang über Industrieanlagen

Einen Teil des Lebens abgeschritten zu haben, quasi in der Mitte stehend, sowohl nach hinten, als auch nach vorne schauend, habe ich das Bild dieser endlos langen Straßen in den USA vor Augen, die mich gleichzeitig ängstigen und faszinieren. Vorne und hinten Horizont, um einen herum endlose Weite, vielleicht unterbrochen von dem einen oder anderen abgerissenen Dornbusch. Da stehe ich nun und blicke zurück.

Da waren Menschen auf meinem Weg, nicht wenige, was die Zeit halt so mit sich bringt. Da waren Mitschüler, Kollegen, Kommilitonen. Da waren Freunde, Bekannte, Leidensgenossen auf die eine oder andere Art. Mit manchen verband einen sofort eine innige Sympathie, andere luden ein, Abstand zu halten.

Sie kamen und gingen, wie Straßenschilder auf diesem endlos anmutenden Weg, manchmal nahm man dann eine Abzweigung, fuhr ein Stück mit ihnen und ließ sie gehen an anderen Kreuzungen.

Einige hatten die Kraft, mich zu beschleunigen, das beste aus mir herauszuholen, andere zogen ununterbrochen meine Handbremse, ließen mich schlingern, verlangsamten meine Fahrt. Einige streuten mir Sand ins Getriebe, andere hielten besseren Kraftstoff bereit oder halfen mir bei der Reparatur, wenn ich mal liegen blieb.

Sie sind nicht mehr da. Einige, wenige sind inzwischen verstorben, die meisten hat die Zeit getilgt und sie fahren inzwischen andere Routen.

Schaue ich zurück sehe ich ihre Meilensteine, die sie, grabsteinähnlich am Rand meines Weges hinterließen.

Es gibt ein paar, die ich vermisse.

Um ich schließe mit einem Zitat meiner Lieblingsband (hier dürft ihr raten)

„Es ist gut, wie es war und es ist gut, wie es ist.“

Alice