Veröffentlicht in City, Fotografie

Fundstück

Manchmal ist es ganz schön, in alten Sachen herumzuwühlen, zu schauen, was sich da so findet.

Ich schmiss den Scanner an und wühlte in den alten Negativen. Da entdeckte ich einen bislang nie gesichteten Film. Mein erster Mann hat während des Studiums ein altes Industriegebäude aufgenommen. Bisher hatte ich ihn immer beiseite gelegt, wenn ich solche Anwandlungen hatte. Heute habe ich ihn mir mal genauer angesehen und muss gestehen, ich wäre gerne beim Fotografieren dabei gewesen.

Wenigstens die Nachbearbeitung ist von mir.

Alice

Veröffentlicht in Mal über mich

gutenachtgedanken – sparflamme

Kleine ToDo-Listen sammeln sich in unaufgeräumten Ecken. die frühe Dunkelheit verschluckt sie, was die übrig lässt, frisst die Kerze. Sanfter Ascheregen erinnert mich ans Staubsaugen und ich notiere es sorgfältig.

Kinder wittern Keksduft und leugnen den Bedarf, streichen neugierig um den Herd und stecken ihre Nasen in die Luft. Nein, wir backen noch nicht, aber wir könnten, wenn wir wollten. Wer will es uns verbieten.

Erste Wünsche werden zusammengetragen, Gedanken und Träume antizipiert. Geldwünsche werden ignoriert, wo kommen wir denn hin?

Mein Leben kauert sich gerade zusammen, ich spare mit meiner Flamme. Die Welt da draußen dreht sich ohne meine Sorgen weiter. Im Innen wird aufgeräumt, die Projekte dümpeln vor sich hin.

Einmal Luft holen und dann kann ich sanft das Feuer wieder zum Brennen bringen.

Alice

Veröffentlicht in Begegnungen

365 Begegnungen – Tag 65 – Die Musik

Mal ganz ehrlich, wenn wir unterwegs sind, am Arbeitsplatz, in Geschäften, um den Kühlschrank wieder zu füllen oder auf der Autobahn, dann sind wir meist komplett fokussiert. Wir sehen den Kollegen, mit dem wir dringend reden müssen, das potentielle Abendessen oder die Rücklichter des Schleichers vor uns.

Vielleicht hängen wir ein wenig unseren Gedanken nach oder gehen im Kopf zum fünften Mal die Todo-Liste durch. Aber wir hören nicht zu, versuchen sogar die Musik im Hintergrund auszublenden.

Ich rede jetzt nicht von der unerträglichen Supermarktmusik, deren Jingles das Einkaufen zur Tortur machen oder der Radiomusik auf der Heimfahrt.

Ich rede von der Musik, die eigentlich keine ist, dem Rhythmus des Lebens.

Als ich heute unser Pausenzimmer betrat, packte ein Kollege ein Paket aus. Seine Finger machten rrratsch…rrrastsch…rrratsch, daneben unterhielten sich zwei andere, unterlegten den Rhythmus mit hellen Stimmen, die Sekretärin stöckelte energisch durchs Zimmer und… voilá – eine kleine Melodie.

Die vorbeisurrenden Autos gepaart mit dem Scheibenwischer, die Regentropfen an der Fensterscheibe und das Summen des Trockners, das Aufreißen der Kartons im Supermarkt gepaart mit dem Brummender Kühlung und dem Quietschen der Einkaufswagen. Überall ist Musik.

Wir müssen nur unsere Ohren spitzen.

Alice

Veröffentlicht in 365 Tage, Mal über mich

Tag 320/365 – Tiefschlaf

Es ist für viele selbstverständlich und sie haben überhaupt kein Problem damit. Sobald sie den Kopf auf das Kissen legen, fallen ihnen die Augen zu und sie schlummern selig bis am nächsten Morgen der Wecker klingelt.

Ich kannte das seit Jahren nicht, bin in sechs von sieben Nächten zu früh aufgewacht. Häufig morgens um drei oder vier Uhr. An Schlaf war nicht mehr zu denken, das Herz raste, der Adrenalinspiegel schoss durch die Decke. Tausend Sorgen rauschten durch meinen Kopf und sie waren nicht abstellbar.

In der Folge war ich erschöpft, kränkelnd und hatte keine Lust mehr, etwas zu unternehmen. Ich war nur froh, wenn ich nach Feierabend ein paar Stunden Schlaf nachholen konnte.

Mein Körper verbog sich, Nacken, Hüfte, Knie schmerzten und ich fühlte mich wie 80+, wie eine sehr alte 80+.

Seit zehn Tagen schlafe ich wieder. Erst der fiese Wecker macht mich wach und mein Schlaf ist tief und traumreich. Die Sorgen kann ich an die Seite schieben, nachts im Bett kann ich sowieso keine lösen.

Es tut gut, das muss einmal gesagt werden. Und jeder Spruch im Sinne von „Schlaf wird überbewertet“ ist Quatsch.

Alice

Veröffentlicht in Mal über mich

gutenachtgedanken – verlorene orte

Als wir vor etwas mehr als einem Jahr in die Eifel fuhren, um unseren Junghund zu holen, kamen wir durch einen fast verlassenen Ort. Unser Weg hätte uns daran vorbei geführt, nur Hunger und Lust auf einen frischen Kaffee, motivierten uns, abzubiegen.

Wir wunderten uns zunächst nur, dass überall die Rollläden unten waren und kaum ein Auto zu sehen war, von Menschen ganz zu schweigen. Wir schoben es auf den Hochsommer und die späte Ferienzeit. Doch als wir durch die Straßen kurvten, kam es uns irgendwann seltsam vor.

Nur zwei von bestimmt hundert Häusern schienen noch bewohnt zu sein, der Rest stand leer. Natürlich gab es weder Café noch sonstige Läden. Es war totenstill und ich muss gestehen, dass ich mich gruselte.

Häuser ohne Menschen sind wie Gerippe ohne Fleisch. Was eben noch ein Zuhause für glückliche Menschen war, wirkt nun gottverlassen und wie eine Heimstatt für böse Geister.

Ich atmete auf, als wir wieder auf der Schnellstraße waren und freute mich, den Ort hinter mir zu lassen. Recherchen ergaben, dass wohl die Braunkohle ihre schmierigen Finger nach der Ortschaft ausgestreckt hatte.

Alice

Veröffentlicht in Begegnungen

365 Begegnungen – Tag 64 – Die Dunkelheit

„Es schlägt mir aufs Gemüt“, sagt sie und zieht die Vorhänge zu.

„Was?“, er schaut kurz vom Handy hoch und runzelt die Stirn.

„Na, das da draußen. Die Dunkelheit. Wenn ich von der Firma komme, dämmert es schon und morgens fahre ich im Dunkeln los. Es ist, als würde nie die Sonne scheinen und es wird von Tag zu Tag schlimmer.“

„Ist doch jedes Jahr so. Stört mich nicht. Nach Weihnachten wird es ja wieder heller.“ Er schaut wieder auf sein Handy.

„Aber erstmal wird es noch 38 Tage lang immer dunkler. Mir fehlt jetzt schon die Luft und das Licht.“

Sie setzt sich neben ihn und legt ihren Kopf an seine Schulter. „Ich mag das Licht doch so gerne.“

Er gibt ihr einen Kuss auf die Wange und steht vorsichtig auf. Aus dem Wohnzimmerschrank holt er einen Arm voll alter Adventskranzkerzen, die für Notfälle in der hinteren Ecke stehen, hervor. Die stellt er auf den Tisch und zündet eine nach der anderen an.

„Schau mal“, sagt er und nimmt sie wieder in den Arm, „Wenn es draußen dunkel ist, machen wir es uns hier drinnen hell. Ist doch auch ganz schön.“

Alice

Veröffentlicht in Fotografie, Schreiben

22 WOCHEN – 1 OBJEKT: WOCHE #15

Zum Fotoprojekt bei Wortman und Aequitas et Veritas.

Foto: James Pond, Unsplash

Irgenwann muss es sein. Es war dermaßen schmutzig, dass das weiße Fell bestenfalls eine Erinnerung war. Also durfte es heute mit in die Wanne hüpfen.

Die Begeisterung hielt sich in Grenzen, doch das flauschige Handtuch am Schluss fand es dann doch ganz cool.

Leider ist nicht alles abgegegangen, also werden wir die Prozedur noch einmal wiederholen dürfen.

Alice

Veröffentlicht in City, Fotografie

Berlin, Berlin

Ich hab noch einen Koffer dort. Obwohl ich nur zwei Mal dort war, bin ich verliebt in diese Stadt. Jetzt steht eine Fahrt an und ich muss mit meinem Mann die zur Verfügung stehenden zwei Tage vernünftig planen.

Der Fokus liegt bei uns Beiden beim Fotografieren. Eine App zum Auffinden diverser Orte, habe ich bereits installiert.

Da ich mir sicher bin, dass es hier eine Menge netter Menschen gibt, die diese Stadt viel besser kennen als ich, möchte ich mir Tipps holen.

Was muss man gesehen haben, vielleicht auch abseits der ganzen Touristenziele? Was lohnt sich, zu fotografieren?

Alice

Veröffentlicht in 365 Tage

Tag 319/365 – Übertriebene Unvernunft

Ich werde nicht schlau, habe – ohne Frage – eine verrückte 14jährige in mir, die nicht genug bekommt. Die nicht weiß, wann genug ist, wann sich das, was man tut am nächsten Tag gewaltig rächt.

Die Folgen können noch so dramatisch sein. Eins weiß ich genau: Ich werde es wieder tun.

Auf Details verzichte ich hier zum Wohle aller. Gesagt sei nur: Es war lustig.

Alice

Veröffentlicht in Geschichten... auch ein bisschen länger, Kurzgeschichten

ABC-Etüde – Blätterflut

Zu den Etüden bei Christiane. Die Wortspende kommt von der literarischen Visitenkarte.

Sie öffnet die Haustür und lässt die Hunde rein. Im Arm hat sie ein großes Paket an Werbebroschüren und Rechnungen. Sie schmeißt alles auf den Esstisch und nimmt sich ein Glas Wasser. Während sie sich den Mantel von den Schultern pult, sichtet und sortiert sie den Papierstapel. Sie ärgert sich über diese Flut, wie jedes Wochenende. Das Papier ist zwar recycelbar, doch trotzdem müssen noch zu viele Bäume gefällt werden. Sie denkt an das Stück Wald, durch das sie gestern noch mit ihren Hunden gelaufen ist. Heute war es abgesperrt wegen Rodungsarbeiten. Eine neue Straße für neue Häuser soll gebaut werden. Manchmal möchte sie wirklich ausreisen.

Ein Brief fällt ihr ins Auge. Ein Schreiben von der Kanzlei „Himmelsleuchten“, was für ein eigenwilliger Name. Nervös reißt sie den Umschlag auf und stöhnt: „Das darf jetzt echt nicht sein!“ Dann greift sie zum Handy.

„Todesursache?“, Mühlenbrock putzt sich die Nase. Seit Wochen quält ihn der Schnupfen, er riecht und schmeckt nichts mehr. Karl steht auf und zieht die Handschuhe aus. „Sieht nach Vergiftung aus. Mehr…“ „… wenn du ihn auf dem Tisch hattest.“ Der Kommissar ist froh, ins Warme zu kommen.

Auf dem Revier fährt er den PC hoch und macht sich einen heißen Tee. Das Telefon klingelt. „Ja? Ach, Efeubeeren? Warum hat er die denn gegessen? Die wuchsen zwischen den schwarzen Johannisbeeren und dann hat er wohl einen Kuchen daraus gebacken? Idioten gibt’s.“

Mühlenbrock schüttelt den Kopf und legt auf.

Es klingelt und sie öffnet Gerd und Olav die Tür. „Meine ganzen Sträucher und Bäume an der Straße wegmachen, weil ihn das Laub nervt. Der hat sie doch nicht mehr alle. Gut, dass er so ein Leckermaul war. Wein?“

Alice