Veröffentlicht in City, Fotografie, Natur

Kopfüber

Ich hatte heute Mittag schon überlegt, das Bild zu drehen und eine kurze Diskussion brachte mich dazu, es auszuprobieren.

Steht die Welt auf dem Kopf, verändert sich der Blickwinkel. Ich nehme anders wahr, Kares verzerrt sich, Verzerrtes wird auf einmal klar.

Alice

Veröffentlicht in Mal über mich

Ich bin das Haus

Das Haus bin ich. Ich bin gefüllt mit Zimmern, die voller Erinnerungen stecken. In mir laufen Kanäle, die durchflossen sind von kräftigenden und zerstörenden Fluiden. Ich blicke hinaus und lasse andere in mich hineinschauen. Manches bleibt verborgen. Einige Fenster sind immer verdunkelt, ein paar Türen immer geschlossen.

In den Schränken lagern Relikte, die nicht mehr gebraucht werden, alte Bögen bedruckten Papiers und Dosen, deren Deckel vor Fülle fast abspringen. Manche Bereiche sind für die Arbeit, andere zur Entspannung vorgesehen. Ich atme ein und die Räume weiten sich. ich atme aus und aus jeder Fuge strömt Wärme und Verbrauchtes.

Ich bin fest im Boden verankert und auf meinem Dach besuchen mich die Krähen. Ich bin zwischen Anderen und doch schützen mich Zäune und Tore vor zu viel Nähe.

Ich bin das Haus. Und das Haus bin ich.

Alice

PS: Und wie schon gefühlt hundert Male ist der Kanal wieder verstopft und das Wasser fließt nicht mehr ab. Dieses Haus und seine Abflusskanäle ist eine nicht enden wollende Baustelle. Und ich spürte das seit heute Morgen. Ich fühle mich vergiftet und gestaut. Ich habe keine Energie und fühle mich aufgestaut. Das Haus bin ich und ich bin das Haus.

Scheint zumindest so.

Veröffentlicht in City, Fotografie, Natur

Ausbeute

Der Film war endlich voll, zwischen all dem Chaos fand ich ein paar Minuten, um ihn in Chemie zu tunken. Es waren noch Bilder drauf vom Schloss Moyland, was mich sehr freute. Die Ergebnisse sind zufriedenstellend, auch wenn der Fomapan und ich wohl nie die besten Freunde werden, dafür ist er mir zu kontrastarm.

Alice

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ABC-Etüde – Geduld

Zu den Etüden bei Christiane. Die Wortspende kommt von Ludwig Zeidler.

„Bezaubernd“, ächzt er und nickt, während sie sich langsam vor dem Spiegel dreht. Das fünfte Geschäft, das sicherlich zwanzigste Kleid und er sitzt abgestellt in einer dieser kleinen Ehemannsitzecken auf unbequemen aber schicken Sofas, bekommt unter der Maske kaum Luft und ist lediglich zugelassen, um zu loben und am Ende das engelhafte Outfit zu bezahlen.

Sein Kopf brummt und er schwitzt. Seine Klamotten bestellt sie ihm im Internet. Das ist ihm sehr recht, denn er verabscheut diese Boutiquen mit dem ausufernden Sortiment und den neusten Trends. Sie wolle schön sein für ihn, sagt sie immer. Dabei ist ihm das Kleid vollkommen gleichgültig. Er kennt die Frau seit zwanzig Jahren und ebenso lang liebt er sie. Der Zahn der Zeit nagt an beiden und würde er nur auf straffe Kurven stehen, hätte er längst weiterziehen müssen.

Doch da ist dieser Mensch dahinter, dessen Gesellschaft er über alle Maßen schätzt. Diese Idee von absurder Leichtigkeit, die sie vor sich her trägt, wie das Schild einer großen Kämpferin. Nichts kann sie erschüttern, so scheint es zumindest. Doch dahinter, tief in dieser großen Seele vergraben, lauert eine kleine zarte Prinzessin.

Es hat Jahre gedauert, bis er meinte, sie auch nur ansatzweise ergründet zu haben und jeden Tag muss er einsehen, dass er sich geirrt hat. Das Zauberfeegehabe ist neu, ebenso ihr Wunsch nach Blümchen und Rüschen.

Er greift in die Tasche und umfasst die kleine Schatulle, streicht mit dem Finger über den inzwischen verschlissenen Samt.

Vielleicht ist sie inzwischen bereit, ja zu sagen.

Alice

Veröffentlicht in Fotografie, Mal über mich, Natur

Erschöpft

Die ganze Woche schon kämpfe ich, weil einfach immer zu viel, zu laut, zu turbulent daherkommt. Ich renne den tausend kleinen Arbeiten hinterher und komme auf keinen grünen Zweig.

Gestern spitzte sich das Drama zu, der Geburtstag des Juniors nebst Grillabend und Afterdinnerbespaßung. Es war lustig, es war schön, es hat alles geklappt. Er war zufrieden, seine Freundin war ausreichend im Mittelpunkt, doch ich bin gar.

Der Mann ist seit Tagen gereizt, ich habe keine Idee, was ihm quer sitzt und das macht es nicht besser.

Beim Waldspaziergang gestern, überlegte ich kurz, mich in die Büsche zu schlagen. Der Halbstarke rüttelte an jedem Baum und nölte nebenher mit der Hündin, die er führen durfte (das überlege ich mir nochmal) und der Mann zerrte an dem Rüden herum. Ich versuchte zu fotografieren und eine KeineAhnungwosieherkam quatschte uns plötzlich mit einem Holzstück in der Hand zu, dass ihrer Meinung aussah, wie ein Adler. Ich sah nur Jesus, schwieg aber lieber.

Heute morgen darf ich die beiden noch zu ihr fahren und dann vielleicht endlich zur Ruhe kommen. Im Atelier war ich die ganze Woche noch nicht, der neue Vergrößerer möchte eingeweiht werden.

Dabei möchte ich einfach nur meine Ruhe.

Alice

Veröffentlicht in Mal über mich

Katzenminze

Unter meiner linken Hand schnurrt eine kleine Maschine. So scheu, wie sie sonst ist, in den ruhigen Stunden, bevor das Haus erwacht, ist sie fast aufdringlich kuschelig, fordert vehement Streicheleinheiten ein und hört erst auf, wenn der Tank für den Tag gefüllt ist.

Kleine Spuckefäden, voller Genuss an meinen kraulenden Fingern abgewischt, winzig kleine Öhrchen, die sich in meiner Hand aufrollen, samtschwarzes rauweiches Fell, das gegen die Wuchsrichtung gestrichen werden muss.

Katzen sind seltsame Begleiter, niemand besitzt sie und es bricht mir das Herz, dass unsere beiden ihr Leben eingesperrt verbringen müssen. Die kleine, weil sie chronisch krank ist und schon zwei ihrer Leben bei schweren Infektionen aufgebraucht hat. Die andere, weil es ihr wohl besser geht, sie aber nie wieder so wird, wie früher und ich sie in dieser Gegend, wo offenbar ein Tierquäler lebt, nicht mehr freilassen möchte.

Beide sind Opportunisten, das nimmt man in Kauf, wenn man sich eine Katze zulegt. Sie tut nur das, was sie will, wenn sie es will. Sie nimmt sich, was sie braucht und lässt das andere links liegen. Manchmal beneide ich sie, möchte es ihnen gleichtun, die lästigen Pflichten ignorieren und für einen Moment einfach das tun, was mir passt.

Gestern wäre dann ganz anders verlaufen, der ganze Stress und die vollgepackten Stunden hätte ich einfach ignoriert, die Arbeit Arbeit sein lassen und mich ausgiebig entspannt. Die Waldrunde mit den Hunden wäre früher und ausgedehnter gewesen, die Sorge, etwas zu vergessen, einfach vergessen worden.

Ich hätte mich mit Skizzenblock oder Buch in die warme Frühherbstsonne gesetzt und die Wünsche aller anderen ignoriert. Zur Belohnung für meine Untätigkeit hätte ich mich noch in etwas Katzenminze gewälzt und das wäre mein Tag gewesen.

Alice

Veröffentlicht in Mal über mich

Effektiv

Es ist kurz nach neun und ein Teil des Tagesprogramms ist bereits abgearbeitet. Der Sport ist nach vorne gerückt und ich muss zugeben, dass es mich heute quälte. Vielleicht war es noch zu früh oder die Muskulatur etwas sauer. Doch ich spüre, wie es mich immer stärker macht. Und das tut mir gut. Ich bin ein Bewegungsmensch und wenn da nicht die Stimmen wären, die mir ab und an ins Ohr flüstern, dass es ja doch nichts bringt, würde ich die trägen Phasen besser verkraften.

Manchmal frage ich mich, warum alles zu etwas führen muss. Dieser Leistungsgedanke vergällt mir mein ganzes Leben. Der Selbstzweck geht dabei über den Jordan und für mich wird Spaß sehr schnell zu Stress.

Natürlich muss gearbeitet werden und auch im Hobby sind gute Ergebnisse erfreulich. Doch die sind nicht die Hauptsache, eher der angenehme Nebeneffekt. Heute morgen bin ich effektiv. Gleich schnappe ich mir noch Hunde und Sohn, drehe eine Runde und trainiere ein wenig Gehorsam. Der ist in der letzten Zeit auf der Strecke geblieben. Die Decken der kranken Katze sind in der Maschine. Es wird besser, wenn auch langsam. Der Pumakäfiggestank wird weniger, ein Zeichen, dass sie wieder mehr Kontrolle über den Körper bekommt.

Der Mann ist zur Arbeit, ein Einkauf steht an bevor ich heute Mittag noch ein wenig Kundenbetreuung machen muss. Das Radio hätte gerne ein Foto von mir mit dem Zeugnis, doch nach dem Artikelfoto in der Zeitung habe ich da keine Lust mehr zu. Ich weiß nicht, was ich dem Journalisten getan habe, das Bild war bestenfalls eine Karikatur von mir.

Der Jüngste wird morgen volljährig, da muss noch einiges vorbereitet werden. Das Geschenk gibt es später, zusammen mit dem vom großen Bruder, eine Trainingsbank wünschen sie sich und suchen noch das passende Modell. Sie sind ja nicht mehr fünf und eine kleine Überraschung habe ich auch so.

Die nächste Woche wird turbulent, doch zumindest an einem Tag habe ich Pflichtfrei. Gerade fällt mir ein, dass ich noch was vorbereiten muss.

Alice

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Support? Du nicht!

Die Kopfschmerzen haben sich verzogen, die ersten Klientenfragen sind beantwortet, die tägliche Rudereinheit absolviert. Ich schwitze ab und denke über die Klarheit nach, die der Sport mir bringt.

Ausnahmsweise lasse ich mich da nicht stören, reagiere unwirsch auf Fragen oder Ansprache. Vor und zurück und jeder Schweißtropfen löst etwas in mir.

Ich erinnere mich, erinnere mich an den Ballettunterricht mit 5, an die strenge Lehrerin, die meine Mutter einmal zur Seite nahm und über das kleine pummelige Mädchen sagte, dass ich Potential habe. Natürlich etliche Kilos leichter und mit viel Training, aber ich hätte das nötige Gefühl und die gute Muskulatur. Meine Mutter schüttelte den Kopf und lächelte verschämt. Ihre Tochter beim Ballett? Die soll doch nur etwas dünner werden.

Mit sieben schrieb ich Aufsätze in der Schule, der Klassenlehrer war begeistert, immer wieder durfte ich meine Geschichten vorlesen. Er prognostizierte meinen Eltern eine literarische Karriere. Sie schüttelten lächelnd den Kopf und hörten nur gute Noten.

In der fünften Klasse wurde ein lokaler Künstler unser Kunsterzieher. Er schlug meinen Eltern vor, mich auf eine spezielle Schule zu geben, die mein Talent fördert. Sie schüttelten lächelnd den Kopf. Ich male auch, sagte meine Mutter und flirtete ihn an.

Wenn nie einer glaubt, dass man etwas kann, außer ackern, dann glaubt man es irgendwann selbst nicht mehr. Selbst gute Leistungen stellen nicht zufrieden.

Und glaubt man nicht an sich, dann tun es andere auch nicht.

Aber es geht nicht um die Vergangenheit, sondern um meinen Antreiber, der mich bis heute nicht zur Ruhe kommen lässt und sucht. Irgendwas muss ich doch können, und wenn das jemand erkennt, dann werde ich sicher unterstützt, etwas daraus zu machen. So bin ich auf der Suche, getrieben mit einem Rest Verzweiflung und immer auf den Beweis aus, dass ich doch mehr kann, als ackern.

Alice

Veröffentlicht in Mal über mich

So nicht

Die letzten Reste der Kopfschmerzen wabern durch meinen Schädel, das Denken war schwer heute. Die Arbeit ging zäh von der Hand und ich bin noch nicht wieder so richtig auf dem Damm.

Eine Nachricht erreichte mich, die freundlich formuliert, eine absolute Unverschämtheit darstellte. Mir wurde, freundlich, durch die Blume mitgeteilt, dass ich mich mehr kümmern müsse, für alles verantwortlich sei, weil ich nun mal die bin, die ich bin.

Dass ich mittlerweile sämtliche Register gezogen habe und mir in Punkto Kümmern absolut nichts vorwerfen kann, bin ich verärgert. Nein, das trifft es nicht. Ich bin wütend.

Mir, die ich momentan kaum Land sehe und alles All-inclusive organisiere, doch tatsächlich zu unterstellen, dass ich mich auf der faulen Haut ausruhe, während andere meine Arbeit machen, ist eine krasse Fehleinschätzung der Situation.

Die Bequemlichkeit, sich nicht anständig damit auseinandersetzen zu wollen, die liegt wohl eher woanders vor. Gut, dass das Abendessen schon im Ofen ist, sonst würde der Nudelteig jetzt an der Wand kleben, statt brav in Tomatensauce zu schmoren.

Alice

Veröffentlicht in Fotografie, Natur

Mein Herbst

Ich mag diese Jahreszeit, aber eher den Frühherbst, wo sonnenwarme Tage sich mit kühlen Nächten treffen, wo Früchte reifen und man so viel draußen ist wie möglich, um sich vor der Winterruhe noch einmal mit frischer Luft zu füllen.

Das sind meine ersten (gelungenen) Herbstbilder. Der Film war nicht „versaut“, ich weiß bis jetzt nicht, warum der andere so quer geschossen hat.

Alice