Musterlos

Es fällt mir schwer, Alltagsstrukturen zu etablieren. Das ist fast so schlimm wie mit den guten Vorsätzen. Gerade, wo alle irgendwie zu Hause sind und die Arbeiten zu jedem Zeitpunkt erledigt werden können, wenigstens die meisten, wird es kompliziert.

Ich erlebe mich als hilf- und strukturlos. So viele Dinge, die ich gerne tun möchte, liegen auf Eis, kreisen in der Warteschleife um meinen Kopf und sind am Ende des Tages noch nicht weiter als zu Beginn. Dabei arbeite ich viel. Nie lege ich die Hände in den Schoß, es ist immer was los.

Ich muss genug trinken und darf nicht zu viel essen. Nicht nur die Hüfte beklagt sich sonst. Auch der Magen macht wieder Stressspirenzchen und nervt. Oder ich ihn. Wahrscheinlich wir uns. Das allein nimmt einen Teil der Aufmerksamkeit.

Der Rest trudelt herum. Ich verlasse Räume und vergesse, was ich tat oder wollte, wie oder was ich machen wollte. Zu viel to do. Ich verzettel mich. Das, was ich will, steht ganz unten auf der Liste. Der Rest sind Notwendigkeiten. Ansprache, Zeit, die Kräuter müssen umgetopft, die Hochbeete gebaut und gefüllt werden. Der Zeiger rutscht weiter, doch ich bleibe in selbstgesponnenen Netzen hängen.

Die Anleitung für die Pinholekameras liegt im Wohnzimmer, das Material ist da, doch die Ruhe fehlt. Die Finger zittern über Tasten, beantworten Kundenfragen und ich bekomme erneut eine Idee davon, woran ich kranke. Geschichten möchten, wollen, sollen geschrieben werden. Doch ich vergesse den Anfang drei Sätze weiter.

Ich bin froh, dass ein langes Wochenende folgt. Ich schalte die Onlineverknüpfung zum Job ab und versuche zur Ruhe zu kommen. Und dann mache ich einen Tag gar nichts.

Vielleicht finde ich dann ja zurück zur Spur.

Alice

17 Kommentare Gib deinen ab

  1. Mindsplint sagt:

    Guter Plan, zieh ihn aber auch durch! 🙂

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  2. Sybille Lengauer sagt:

    Tröste dich, wir leben momentan in einer sehr angespannten Situation, da ist es völlig normal, wenn einem die Fäden aus der Hand laufen. Ist ein bisschen wie in einer Depression. Kleine Tagesziele setzen, nicht zu streng mit sich selbst sein, die positiven Erlebnisse sammeln und irgendwann geht es dann langsam wieder nach oben.

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    1. Ja, das hat auch tatsächlich Einfluss suf meine Depression und zwar keinen guten. Ich halte much an den kleinen Dingen fest, die dann doch funktionieren…

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      1. Sybille Lengauer sagt:

        Die kleinen Dinge sind doch eigentlich die wichtigsten. Mich bringt die Natur immer ganz weit nach vorne, wenn ich beobachte, wie das Leben förmlich explodiert, wird immer alles besser.

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      2. Wenn man raus kann, ist es sowieso besser😊🌹🌹🌹

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  3. Neben der Tatsache, dass ich finanziell keine Einbußen habe, da mein Job, wie gehabt, weiter läuft bin ich froh das mir die Arbeit Struktur gibt. Homeoffice ist bei mir eh eher der Standard als die Ausnahme. Ich versuche im HO genauso zu Arbeiten wie im Büro. Pausen werden vorgeplant damit ich micht verzettele.

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    1. Tja, ich muss mir da wohl auch einen Plan machen.

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  4. Ich weiß nur zu gut, was du meinst, ich werde auch immer träger…

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    1. Ist wohl der normale Nebeneffekt… trotzdem nervig…

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  5. Sei gnädig mit Dir selbst. Ich weiß, es klingt wie ein frommer Spruch (und das wäre ja auch nicht ganz schlecht), aber ich denke, es ist wirklich das Einzige, was hilft. Sei gnädig mit Dir. Schon morgens aufzustehen ist eine tolle Leistung. Und solange keine Käfer durch die Wohnung krabbeln und alle die Deinen satt sind, machst Du einen tollen Job!

    Ich mache seit zwei Wochen regelmäßig Mittagsschlaf. Zuerst fand ich mich faul, aber ich habe jetzt gemerkt, dass mein Körper das braucht. Also schäme ich mich nicht mehr, sonst drehe ich irgendwann durch.

    Tanz in den Mai! Es ist der Wonnemonat! Und setz Dich nur an Deinen Rechner, wenn Du Lust hast. Kann nicht Dein Sohn auch diese blöden Programme deinstallieren? Du musst ihm ja nicht zugucken dabei. Geh mal raus an die Sonne, die Luft ist so frühlingssüß seit dem Regen…

    Ich wünsche Dir alles Liebe und Gute. Behalt den Kopf oben und die Ohren steif!

    LLAP
    Richard

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    1. Mittagsschlaf ist eine tolle Sache, an manchen Tagen brauche ich ihn auch. Morgen geht es in den Garten. Alles grünt und blüht, der Flieder explodiert und der Weißdorn zieht nach.
      Hab eine gute Zeit und das mit der Selbstgnade übe ich noch 😉
      Lieben Gruß
      Alice

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  6. Man kann die Probleme reduzieren, wenn man sich einfach weniger vornimmt. So zumindest meine Erfahrung.

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    1. So der Plan, die Woche war vollgepackt – nicht nur mit meiner Planung…

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