Veröffentlicht in Mal über mich, Psychokram

Nachtstundengedanken

Wenn ich nicht schlafen kann oder, wie heute, wieder früh wach bin, mich mit Kaffee, Kippen und Tabletspielen beschäftige und das Hirn im Hintergrund rattert, dann genieße ich die Ruhe. Alle schlafen, alle entspannen und sind im weitesten Sinne in Sicherheit. Ich muss nicht dasein, nicht reden, nichts machen.

Ich habe gestern einen interessanten Fehler gemacht und der beschäftigt mich. Ich habe einen Wunsch geäußert und ihn erfüllt bekommen.

Ein Fehler? Ja, ein Fehler, denn alle, die mir den Wunsch erfüllten, ließen sehr deutlich raushängen, dass es ihnen keinen Spaß machte und sabotierten auf haarsträubende Weise. Weggehen konnte ich nicht, es war ja meine Idee gewesen und das Bleiben wurde zur Qual.

Jetzt gibt es mehrere Möglichkeiten, damit umzugehen.

Die erste ist natürlich, darüber zu reden. Habe ich bereits. Mehrfach. Bringt nichts, denn den anderen sind ihre Bedürfnisse näher.

Die zweite ist, keine Wünsche mehr zu äußern, nur noch brav das zu machen, was andere toll finden, was manchmal gar nichts tun bedeutet. Kommt auch nicht wirklich in Frage, dafür ist mir tatsächlich die Lebenszeit zu schade.

Die dritte Möglichkeit beinhaltet, das, was ich gerne mache, ab sofort nur noch alleine zu tun. Das hat auf einer Seite den unbestreitbaren Vorteil, dass ich mich nicht mit gelangweilten Gesichtern auseinandersetzen muss, ich dieses Gefühl, eine Last zu sein, nicht erleben , ich nicht gegen Widerstände meinen erfüllten Wunsch feiern muss. Doch es ist langweilig und viele Dinge machen alleine wesentlich weniger Spaß.

Ein kleines Dilemma, oder?

Die vierte Möglichkeit ist, nach Leuten zu suchen, denen es mehr Spaß macht, was ich möchte und mich in solchen Situationen mit denjenigen herumzutreiben. Bisher die beste Lösung, allerdings macht Corona da einen Strich durch. Ich bin schon froh, dass ich das Atelier habe und dort manchmal abtauchen kann.

Gut, ich kann niemanden zwingen, das zu mögen, was ich mag. Aber dann sollen sie auch nicht mitmachen und lieber klar sagen, was Sache ist. Habe ich ihnen auch schon oft gesagt.

Was mich aber am meisten beschäftigt, ist, was es mit mir macht. Die Filme der anderen sind nämlich die Filme der anderen.

Emotional ist es die gesamte Produktpalette. Wut, Enttäuschung, traurig bin ich auch und ein Paket Schuldgefühle ist auch mit dabei. Damit muss ich klarkommen. Es ist ein sehr kindliches Gefühl. Ein bisschen so, als hätte ich mir eine bestimmte Barbiepuppe zum 8. Geburtstag gewünscht und bekäme eine Billigvariante aus dem Discounter. Da steckt viel drin, wo mir – als Achtjährige – die Kompetenz fehlt, mit umzugehen. Das Kind brüllt und ist Argumenten wenig zugänglich. Das macht es nicht wirklich leichter.

Schalte ich die leidlich Erwachsene dazu, kann ich würdigen, dass sie es versucht haben. Ich kann Ihnen vorwerfen, dass sie nicht ehrlich waren, was ihre Wünsche angingen und das sie es sabotierten, aber zu Beginn war es ganz okay.

Ich kann rausgehen aus solchen Situationen, das Drama abbrechen, anstatt darauf zu hoffen, dass es besser wird, wenn ich mich nur genug bemühe. Klingt ein bisschen nach Zickerei, aber ein Ende mit Schrecken… ihr wisst schon.

Darüber hinaus kann ich natürlich auch fies sein. Wie du mir, so ich dir, ist eine lauwarme Rache und darf nur vorsichtig dosiert werden. Der Schuss kann nach hinten losgehen, wie immer, wenn Emotionen der Ratgeber sind, aber mit kühlem Kopf serviert vielleicht nicht die schlechteste Variante, zumindest in Ausnahmefällen.

Und jetzt rollt die Welt auf Weihnachten zu, die absolute Wunscherfüllungszeit. Ich muss gestehen, dass ich mir bisher immer beide Beine ausgerissen habe für so ziemlich alle, die in meiner Umgebung Anspruch haben auf ein Beschenktwerden. Im Gegenzug kam da sehr wenig bis gar nichts. Ich habe trotzdem nicht locker gelassen, zumindest bisher.

Ein rechter Weg, der fair ist, auch mir gegenüber, fällt mir noch nicht ein. Aber dass es so nicht weitergehen darf, ist mir gestern klar geworden. Vielleicht war es doch tatsächlich ein guter Abend.

Alice

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Lagerkoller und Schauspielschule

Der Lagerkoller greift um sich. Der eine Sohn darf ein Heizungsventil ersetzen, das im Weg war, der andere kommt aus Aufgabenmangel kaum aus dem Bett. Nur der Student und der Schüler haben einen einigermaßen geregelten Tag. Ich kämpfe mit Schatten und brüllte gestern den Mann an, das seine nicht meine Baustellen sind, Basta.

Gut, das Brüllen war nicht nötig, die Aussage schon. Ich sitze an der Schlüsselstelle in dieser Patchworkfamilie und alle sind der Meinung, dass Konflikte nur über mich laufen können. Als Richter oder Schlichter könnte ich Geld damit verdienen, doch hier habe ich da wenig Lust zu.

Alle Projekte stehen still, ich brassel ein bisschen vor mich hin, versuche mich an Tagesstrukturen und lobe mich für ein gemachtes Bett und eine saubere Küche.

Ehrlich sein, in erster Linie zu sich, ist hartes Brot. Es schließt Kritik ein, aber auch Lob. Das mit dem Lob ist schwerer, aber ich verstehe so langsam, warum ich so erschöpft bin ( und warum ich in manchen Lebenssituationen so unglaublich viel Energie hatte). Sisiphos fällt mir ein. Mein Mühlstein sind familiäre Beziehungen. Ich kette mich daran und Fälle jedes Mal wieder den gerade fast erreichten Berg hinunter.

Als ich gestern laut wurde, wackelte ein Schalter in meinem Kopf. Was ist, wenn mich das alles nichts angeht, oder nicht so viel auf jeden Fall. Erwachsene, die sich streiten, brauchen keinen dritten. Das habe ich als Kind schon missdeutet, als die Eltern mich in jeden Konflikt reinzogen, egal, ob untereinander oder mit dem Bruder. Nicht mein Zirkus, nicht meine Affen. Es muss auch ohne mich gehen.

Es wird nämlich auch ohne mich gehen müssen, irgendwann. Dann sollten sie üben, vernünftig damit umzugehen. Den entfernten Thermostaten habe ich nur kommentiert, darauf hingewiesen, dass er für den Ersatz zuständig ist. Das muss reichen, es ist kein Mensch zu Schaden gekommen. Dass das prinzipiell nicht geht, muss ich heute klären, unter vier Augen. Kaputtmachen ist Scheiße und wenn da Frust ist, muss das dennoch anders laufen. In der Garage liegt ein Sandsack, der ist das gewohnt.

Doch in der Situation wurde anderes erwartet und das war spürbar wie dicke Luft, engte mir die Brust ein und zog Energie ab. Regle das, stand im Raum und meine Lösung missfiel. Doch ich fand sie gut, ich brauche nicht noch mehr Stress.

Früher wollte ich Schauspielerin werden, übte mich in Rollenspielen. Ich suche mir jetzt ein schönes Kostüm aus, das zu mir passt. Die Beflissene, die Mediatorin und die Sorgenmacherin packe ich in den Kleidersack. Da dürfen sie gerne bleiben.

Alice

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Das Monster zeigt sein Gesicht – Die Schuld

Wieder nichts für zart besaitete, muss ich gestehen. Die Teufel haben düstere Gesichter und die Abgründe sind tief und uneinsehbar.

Was ist Schuld? Wenn ein Unfall passiert, hat dann der Autofahrer Schuld? Oder ist es vielleicht der Mann, der einfach auf die Straße rennt, ohne zu gucken. Vielleicht aber auch der Hund, der auf den Mann zu rannte ohne Leine und ihn erschreckte? Oder der Hundehalter, der den Hund von der Leine ließ? Oder die Leine, die riss, weil de Hund zu feste zog? Und damit der Hersteller der Hundeleine. Oder der Zulieferer, dessen Material fehlerhaft war?

Ich könnte jetzt ewig so weitermachen, würde am Ende vielleicht bei einem Schmetterling am Amazonas landen, der unbedarft mit seinen Flügeln schlug und nicht wusste, dass er damit einen Mann in einer Stadt im Ruhrgebiet tötet.

Aber würde der Schmetterling das wissen, würde er dann noch seine Flügel bewegen? Würde er sorglos durch die Welt flattern? Er würde sich vielleicht sagen, dass es ja nicht allein seine Schuld ist, dass da der Zufall eingegriffen hat und er sich nicht sein ganzes Leben versauen möchte, nur weil vielleicht am Ende etwas Schlimmes passiert. Und da hat er Recht, oder? Ein Leben für ein Leben? Was war zuerst da?

Wäre ich der Schmetterling, würde ich mir wünschen, wieder zur Raupe zu werden. Die Aussicht, jemandem zu schaden, wäre mir zu riskant. Und das ist jetzt kein hehrer Altruismus, das ist ein echtes Problem.

Ich fühle mich für alles verantwortlich und ich fühle mich schuldig. Das nimmt an schlechten Tagen durchaus absurde Züge an.

Das Gefühl verantwortlich für alles zu sein und schuldig, wenn es daneben geht, wurde mir gründlichst eingeimpft. Es ist ja auch überaus praktisch, zumindest für andere, wenn da jemand ist, der für alles und jedes den Kopf hinhält. Und – ich muss gestehen – es gibt ja auch zu Beginn eine durchaus netten Aspekt. Wer entscheidet hilft und treibt das Projekt, oder was auch immer, ordentlich voran. Ich kann mich an Situationen erinnern, wo ich eigenmächtig große Anschaffungen tätigte, kalkulierte, entschied. Oder einfach mal begann, etwas zu bauen, was für alle Beteiligten die Bequemlichkeit erhöhte. Oder einfach eine angefangene und liegen gebliebene Baustelle vorantrieb und abschloss. Wo ich neue Ideen in den Raum warf, Konzepte entwickelte und dann auch noch alles allein bewältigte. Jipiie brüllt das limbische System, toll gemacht, weiter so.

Nur es geht nicht immer gut oder die Kraft reicht nicht (mehr) und man muss aufgeben, scheitert, verliert oder hat einfach Mist gebaut. Ich denke, das kennt jeder, im Kleinen und im Großen. Der Umgang damit ist entscheidend und macht am Ende den Unterschied zwischen geistiger Gesundheit oder eben auch nicht.

Ich schaffe nicht alles und ich scheitere. Und gerade bin ich froh, wenn ich mich motivieren kann, die Spülmaschine auszuräumen oder Wäsche zusammenzulegen. Und diese Unfähigkeit, etwas für andere zu übernehmen, macht mich fertig. Dieser Wunsch, andere zu entlasten, hängt stark mit dem empfundenen Gefühl der Last zusammen, über das ich gestern schrieb. Und wenn ich nicht schaffe, dann bin ich eine Last und die Gefühle, die daraus resultieren, sind Schuld und Scham.

Leider ist das Gefühl der Schuld ein Selbstläufer. Sie verschwindet nicht, wenn ordentlich Gras über die Sache gewachsen ist. Sie bekommt Kinder und taucht immer häufiger da auf, wo sie nicht vermutet wird. Und wo sie auch nicht hingehört.

Um es mal so zu formulieren: Seit ich geboren wurde und es nicht schaffte, die Ehe der Eltern zu kitten, fühle ich mich schuldig. Und ja, jetzt, wo ich es schreibe, klingt es absurd und lächerlich. Es ist nicht meine Verantwortung, es waren zwei leidlich erwachsene Menschen, die es nicht auf die Kette bekommen haben, ihre Erwachsenenprobleme miteinander zu regeln. Ein Kind in die Welt zu setzen und ihm das auch noch zu erzählen, irgendwie zu erwarten, dass dieser kleine Mensch ihre Welt gerade rückt, aus ihnen eine glückliche Familie macht, ist sträflich. Doch Kinder glauben. Sie glauben ihren Eltern und sie fürchten um ihr Leben, wenn die beiden Großen es verlassen. So einfach ist das und so kompliziert. Denn dieser Kinderglaube verschwindet nicht.

Man wendet die erlernten Muster bei allen Menschen an, die man kennenlernt, in der absurden Hoffnung, dass sie bleiben, dass sie lieben, dass man endlich seine Schuld tilgen kann, etwas wieder gut machen. Und manchmal funktioniert es tatsächlich für eine Weile. Man ackert und arbeitet daran, die Leben anderer in Ordnung zu bringen, gibt sich selbst und seine Bedürfnisse auf und sie bleiben.

Sie bleiben zumindest so lange, wie die Energie reicht. Dann stellen sie fest, dass sie auf einmal ihren Popo bewegen müssen, dass die Bereitschaft, ihr Leben zu verbessern, zwar da ist, aber keine Kraft mehr da ist, zu helfen und zu beraten. Oft zogen sie weiter und zurück blieb die Schuld, es wieder nicht geschafft zu haben.

Und diese Schuld bläst sich auf, weitet sich wie ein schwarzer Mantel auf alle Lebensbereiche aus. Ein Klient hat Probleme, meine Schuld. Der Sohn schreibt eine schlechte Klausur, meine Schuld. Ein Elektrogerät raucht ab, meine Schuld. Im Nachbarort passiert ein Unfall. Könnte meine Schuld gewesen sein, wann war ich denn das letzte Mal dort?

Ich beneide manchmal die Menschen, die mit einer ungeheuren Leichtigkeit durchs Leben hüpfen, die es gewohnt sind, dass jemand ihnen die Hürden aus dem Weg räumt und jedes Mal, wenn sie Mist bauen, sagt, dass das ja nicht ihre Schuld sei, weil… Und das, obwohl ich so nicht werden möchte. Aber einen Tag in der Woche, einfach zum Erholen und wieder Auftanken, das wäre schön.

Ich weiß nicht wirklich, wie ich das verschwinden lassen soll, außer durch einen Realitätsabgleich vielleicht. Doch da bleibt Vieles in der Grauzone und jedes klitzekleine Schuldgefühl durch diverse Raster jagen, dafür braucht man mehrere Leben, also ich zumindest.

Alice

Veröffentlicht in Mal über mich, Psychokram

Das Monster zeigt sein Gesicht – Die Last

Nur zur Warnung, das hier wird starker Tobak, nichts für zart besaitete und möglicherweise ein Trigger für die, die ebenfalls mit solchen Schatten zu kämpfen haben. Ich werde zurückgehen durch die Zeit, versuchen, ohne allzu viel Anklage, Geschichten aufzurollen und dadurch zu verstehen, warum ich hier unten landete. Da ist viel Persönliches dabei, wo manche vielleicht sagen, zu viel Info.

Ich bin Mutter von vier wunderbaren Söhnen und auch, wenn sie manchmal anstrengend waren oder ich angesichts pubertärer Quelereien nervten, sie große Wünsche hatten oder in der Schule alles unrund lief, ich empfand sie nie als Last. Sie sind, wenn man es überhaupt so distanziert betrachten will, eine selbst gewählte Aufgabe, eine bewusste Entscheidung, auch wenn ich natürlich nicht wusste, was auf mich zukommt.

Ich wuchs mit dem Gefühl auf, eine Last zu sein. Meine Mutter gehört zu den Menschen, die einem alles aus der Hand nehmen und dabei jammern und stöhnen, als müssten sie das rote Meer teilen.

Ich versuchte , ein gutes Kind zu sein. War prima in der Schule, machte keinen Ärger, hörte schon früh meiner Mutter bei all ihren Problemen zu und versuchte, zu helfen. Doch ich erreichte nicht das, was ich gebraucht hätte, das Gefühl, willkommen zu sein. Geboren, um die Ehe zu retten, müsste ich scheitern und wenn der Bruder die Ursache dieser unseligen Verbindung war, so war ich der verfehlte Versuch, das alles wieder in Ordnung zu bringen.

Vielleicht wäre es anders gelaufen, wenn die Oma länger gelebt hätte, die, die sich darauf freute, ein Kind aufwachsen zu sehen, dessen Leben nicht von Krieg überschattet war. Doch sie starb früh und meine einzige Erinnerung ist seltsam und war wohl von ihrem Todestag, da war ich 18 Monate alt.

Ich wuchs überbehütet auf, durfte so Vieles nicht, was meinen Freundinnen erlaubt war, Ungehorsam führte zu Panikattacken bei der Mutter, ich hielt mich zurück. Nachtangst hatte mich im Griff und ich erinnere mich gut an das gequälte Gesicht der Mutter, wenn sie zum zwanzigsten Mal wegen meines Weinens an mein Bett musste.

Ich vermute, dass meine Eltern ebenfalls mit dem Gefühl aufwuchsen, eine Last zu sein. Der Vater, Kind einer Kriegswitwe, störte und wurde herumgereicht, damit seine Mutter arbeiten konnte. Die wiederum forderte Dankbarkeit ein, ein Unterfangen, das scheitern musste. Die Mutter war zwei, als die alten Eltern mit ihr aus Pommern flüchten mussten. Rund um sie starben Kinder und Alte, ich kann verstehen, wenn Distanz aufgebaut wird. Das Erbe geht über Generationen, doch es macht es nicht schöner.

Sie haben es nie gelernt oder nie bei uns oder mir, später, bei anderen ging es, was den Schmerz tiefer macht und das Gefühl der Ungerechtigkeit stärker.

Meine Bedürfnisse waren normal, als ich heranwuchs. Spielzeug, Bücher, Klamotten. Das meiste bekam ich, allerdings mit Leidensmiene und der Botschaft, dass es eine Zumutung wäre, dass ich eine Zumutung bin.

Ich erinnere mich an den Kauf meines ersten Hochzeitskleides, eine Aufgabe der Brautmutter in unserer Gegend. Ich war 18 und meine Mutter heilfroh, dass ich unter die Fittiche kam, wollte sie doch zu ihrem neuen Partner ziehen, 200 km entfernt. In meiner Erinnerung komme ich aus der Umkleide, ein Traum in weiß und rosa, eine kleine Prinzessin, das erste Mal. Sie schaute auf das Preisschild und verzog das Gesicht, zu teuer. Natürlich war es teuer, das will ich nicht leugnen, aber vielleicht hätte sie mit mir zum Discounter gehen sollen.

Sie zog weg, ich kam klar, auch mit der Schwiegermutter, die nebenan hauste und mir unmissverständlich klar machte, dass ich nicht gut genug für ihr Söhnchen sei.

Ich wollte eine gute Ehefrau sein, tat, wie ich tun sollte, nahm den Job an, der mir eigentlich missfiel, weil Kunst ja brotlos ist und der Mann es gewohnt war, dass Frauen Geld nach Hause bringen, besser mehr als er. Ich legte mich krumm, um akzeptiert zu werden, doch der Angetraute lebte sein Leben. Erst, als er ein Studium begann und ich ebenfalls, löste sich ein Band. Ich fand Freunde und Anerkennung unter Gleichgesinnten und ging.

Der nächste Partner folgte bald darauf, auch er, eher unselbstständig, lastete finanziell und emotional auf meinen Schultern, schwere Kindheit. Und doch verlor ich meine Eigenständigkeit, Bedürfnisse wurden ignoriert, eigene unter Zuhilfenahme von emotionaler Erpressung durchgesetzt. Ich wurde zum Anhängsel, Versuche, mich wieder hochzuziehen, scheiterten. Eine Last, eine Belastung, die zu Hause mit 4 Kindern hockt, pummelig und leicht depressiv. Ich war gescheitert mit dem Versuch, sein Leben in Ordnung zu bringen, die Energie war verpufft, ich saß fest in einer Art Burnout und bekam immer weniger hin. Jeder Handschlag wurde zur Qual, das Notwendige ging gerade noch und ich verstand nicht, warum ich so müde war.

Als er loszog, um seine große Liebe zurück zu erobern, zog ich die Reißleine und trennte mich. Und auf einmal war alles gut. Ich fand einen Job, verlor innerhalb weniger Wochen alle überzählige Kilos und wuppte Haus, Job und Kinder.

Gut, es war nicht immer leicht und manches ging gründlich schief , aber ich war nur mir selbst verpflichtet, keine Last für andere. Hilfe durch meine Mutter kam, wenn überhaupt, nur widerwillig, sie hatte andere Prioritäten, vergaß aber nie, mir zu erklären, was ich alles zu tun habe.

Und heute stecke ich wieder in diesem Muster fest, möchte manchmal weglaufen, Träume von leeren Zimmern und niemanden, dem ich zur Last falle mit meinen Wünschen und Träumen. Immer noch beflissen, anderen jeden Stein aus dem Weg zu räumen, werden Bedürfnisse ignoriert oder wegdiskutiert.

Das Monster hat sein Gesicht gezeigt, eines von Vielen. Es wird nicht leicht werden, es zu besiegen, doch jetzt hat es einen Namen.

Am Anfang steht die Entscheidung, nie wieder zu verzichten, damit andere sich einen Lenz machen können und das Märtyrergesicht zu ignorieren.

Alice

Veröffentlicht in Mal über mich, Psychokram, Schreiben

Support? Du nicht!

Die Kopfschmerzen haben sich verzogen, die ersten Klientenfragen sind beantwortet, die tägliche Rudereinheit absolviert. Ich schwitze ab und denke über die Klarheit nach, die der Sport mir bringt.

Ausnahmsweise lasse ich mich da nicht stören, reagiere unwirsch auf Fragen oder Ansprache. Vor und zurück und jeder Schweißtropfen löst etwas in mir.

Ich erinnere mich, erinnere mich an den Ballettunterricht mit 5, an die strenge Lehrerin, die meine Mutter einmal zur Seite nahm und über das kleine pummelige Mädchen sagte, dass ich Potential habe. Natürlich etliche Kilos leichter und mit viel Training, aber ich hätte das nötige Gefühl und die gute Muskulatur. Meine Mutter schüttelte den Kopf und lächelte verschämt. Ihre Tochter beim Ballett? Die soll doch nur etwas dünner werden.

Mit sieben schrieb ich Aufsätze in der Schule, der Klassenlehrer war begeistert, immer wieder durfte ich meine Geschichten vorlesen. Er prognostizierte meinen Eltern eine literarische Karriere. Sie schüttelten lächelnd den Kopf und hörten nur gute Noten.

In der fünften Klasse wurde ein lokaler Künstler unser Kunsterzieher. Er schlug meinen Eltern vor, mich auf eine spezielle Schule zu geben, die mein Talent fördert. Sie schüttelten lächelnd den Kopf. Ich male auch, sagte meine Mutter und flirtete ihn an.

Wenn nie einer glaubt, dass man etwas kann, außer ackern, dann glaubt man es irgendwann selbst nicht mehr. Selbst gute Leistungen stellen nicht zufrieden.

Und glaubt man nicht an sich, dann tun es andere auch nicht.

Aber es geht nicht um die Vergangenheit, sondern um meinen Antreiber, der mich bis heute nicht zur Ruhe kommen lässt und sucht. Irgendwas muss ich doch können, und wenn das jemand erkennt, dann werde ich sicher unterstützt, etwas daraus zu machen. So bin ich auf der Suche, getrieben mit einem Rest Verzweiflung und immer auf den Beweis aus, dass ich doch mehr kann, als ackern.

Alice

Veröffentlicht in Mal über mich, Psychokram, Schreiben

Augen auf

Schon wieder wach, schon wieder um drei statt zu einer vernünftigen Uhrzeit. Der Versuch, sich einfach weiter einzurollen scheiterte und jetzt sitze ich hier, trinke den ersten Kaffee und versuche herauszufinden, was mir den Schlaf raubt.

Dinge, die nicht funktionieren gehören dazu. Der fehlbelichtete Film von gestern wurmt mich, doch so relevant ist das nicht, dass es mir den Schlaf rauben könnte. Die fehlende Kommunikation, die mich heute im professionellen Sektor etwas unsicher sein lässt, vielleicht. Die Termine, die mir aufoktroyiert wurden und von denen ich nur einen tatsächlich einsehe, eventuell. Das Strampeln, etwas hinzubekommen und nie zufrieden zu sein, mit Sicherheit.

Augen auf. Gerade würde ich lieber anderes schreiben, mich zynisch mit dem auseinandersetzen, was mir aufstößt, mich wieder auf das Fabulieren einlassen, unbedarft jonglieren mit Worten und Farbe. Doch ich krampfe, versuche und bin einfach unzufrieden. Es hakt an allen Enden und jede Handlung, die mich aus diesem Totpunkt herausholen soll, scheitert. Ich schaue verschämt zur Seite, verstecke, statt zu zeigen, was da ist. Es reicht nie, mir nicht.

Jede leise Kritik wird mit einer Verdopplung der Energie beantwortet. Ist die eine Baustelle ausgeräumt, kommt sofort jemand mit einer neuen um die Ecke. Mach du, ich kann nicht, kann nichts dafür. Mein Ärger wird mit Unverständnis registriert, ändern tut sich nichts. Am Ende landet die Aufgabe bei mir und die Verantwortung für das Scheitern anderer ebenfalls.

Ich sehe es und weiß noch keine Handhabe dagegen. Immer dasselbe, ich langweile mich gerade selbst, wenn die Gedanken sich drehen und ich immer vor der verschlossenen Tür stehe und nur daran kratze.

Ich habe es versucht, mit Ruhe und Abstand, ich habe die Hobbies gepflegt, gelernt, organisiert, mir Raum gegeben. Doch besser geht es mir nicht damit.

Ich bin nicht gut zu mir, nicht gut genug, so lange das, was ich schaffe, nicht reicht. Immer mehr, brüllt eine Stimme in mir und ich gebe ihr nach, will die beste, die schnellste, dir tollste sein. Und scheitere locker flockig an jeder selbstaufgestellten Hürde.

Ich beneide die, die sich morgens an ihr selbst gefertigtes Häufchen stellen, ein Foto davon machen und sich bei instagram damit feiern lassen. Selbstgemacht, ich, schaut her und die Welt antwortet adäquat. Ein Zeichen unserer Zeit vielleicht und doch auch ein gesundes Gefühl für die eigene Leistung. Und wenn etwas nicht klappt, zucken sie mit den Schultern und gehen ins Wochenende. Sie haben genug getan, Basta. Nur ich, ich kann nicht schlafen, sorge mich um die Lücken, die jemand anderes hinterließ.

Ich lade mir die Verantwortung der Welt auf die Schultern. Irgendwann mache ich die Augen zu und dann? Rückblickend ist das keine so tolle Bilanz.

Alice

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Unangenehm auffallen

Gestern war ein schräger Tag. Er war mit Sorgen gespickt wegen der kleinen Katze und auch sonst mit Unwägbarkeiten gefüllt. Gegen fünf sollten wir anrufen.

Ich sah zu, dass ich zeitig aus dem Atelier raus war, erwartete fast, die kleine Katze schon anzutreffen. Doch Pustekuchen, die Ärztin nicht zu erreichen, die Arzthelferin ahnungslos.

Wir telefonierten erneut um sechs, da war die Ärztin im OP, die Helferin weiterhin ahnungslos.

Um sieben das gleiche Spiel. Es würde noch etwas dauern.

Gegen acht klingelte mein Telefon und die Ahnungslose war dran, richtete Gemeinplätze aus und halbe Infos. Da platzte mir der Kragen, ich machte darauf aufmerksam, dass es eine Unart sei, die Halter der Patienten immer weiter zu vertrösten, nicht erreichbar zu sein und keine anständigen Infos zu hinterlassen. Rückrufe anzukündigen und nicht zu führen ärgerte mich ebenfalls. Ich bat sie, das weiterzugeben und grollte.

Dem Mann war ich unangenehm, er mag solche Konfrontationen nicht. Mir ist das – ehrlich gesagt – scheißegal. Denn rund zehn Minuten später rief mich die Ärztin an und gab mir die Information, die ich brauchte. Natürlich war sie nicht froh darüber und bat mich, meine Beschwerden an sie statt an die Helferin zu richten. Doch sie habe ich ja nicht erreicht. Das war ja das Problem.

Solche Situationen haben wir hier häufig. Manchmal halte ich widerwillig den Mund, wenn der Mann bremst. Doch es hat Auswirkungen. Ich bin naturverrückt und habe keine Probleme, jemanden zu konfrontieren. Und selbst, wenn ich als Widder manchmal über das Ziel hinausschieße, ich muss die Folgen ja auch ausbaden.

Meinen Eltern war meine direkte Art immer unangenehm, sie schämten sich, wenn ich den Lehrer darauf hinwies, dass ich es nicht mag, wenn er mit dem Rücken zu mir auf meinem Tisch sitzt (Grundschule und ja, ich habe ihn in den Po gekniffen) oder eine Klassenkameradin, die meine Mutter sehr schätze, aus dem Haus warf, weil sie einfach unverschämt zu mir war.

Solche Situationen machen mich klein. Ich habe dann doch nicht das dicke Fell, das ich gerne hätte. Sondern nur ein spinnwebfeines, das nach außen wirkt, wie ein Titanpanzer. Die Kritik trifft immer.

Zu derb, zu laut, zu frech, zu stark, zu …

Als dann später die Nachbarn ihren neuen Whirlpool anwarfen (übrigens sehr süße liebe Nachbarn, die habe ich nämlich auch) und ich rasch Splish-Splash anmachen wollte, damit sie im Hintergrund die passende Bubbelmusik haben, schaute der Mann schräg und ich ließ es.

Die Hand durfte er nicht mehr auf mein Bein legen, den Abend lang. Und heute muss ich darüber nachdenken.

Aber hier liest er gerade nicht und deshalb gibt es….

Alice

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Unsere Küche faucht

Nachts um vier den neuen Kaffeevollautomaten anzuwerfen, ist sportlich. Er macht einen Höllenlärm, dampft und faucht, dass selbst die Katze neidisch wird. Und der Kaffee ist gut, da gibt es keine Diskussion.  Nur ein bisschen wenig kommt pro Tasse raus, da muss ich noch die passende Einstellung finden. Extragroß und extrastark ist für mich immer noch zu knapp.

Schlaf ist schwierig gerade, alles ist schwierig. Die Outdoorkatze ist schon eine Weile nicht mehr aufgetaucht. Ich mache mir Sorgen.  Es wäre die fünfte Katze,  die nicht wiederkommt und so langsam habe ich die Nase  voll. Hier in der Nachbarschaft verschwinden dauernd Katzen. Und auch, wenn mir bewusst ist, dass Freigänger gefährlich leben, hier ist ein ruhiges Wohngebiet.  Ich tippe auf einen taubenzüchtenden Arschlochnachbarn oder eine Katzenomi, die der Meinung ist, Freigänger darf man einfach behalten.  Egal wer, sollte ich ihn erwischen, gibt es mehr als Ärger.

Die Narben jucken. Die im Außen und die im Innen. Dabei habe ich außen nicht so viele. Nur zwei alte Platzwunden am Hinterkopf ärgern mich. Alt sind sie, doch manchmal entzünden sie sich noch ein bisschen. Krumme Haarwurzeln, die nicht Ruhe geben wollen. Und dann juckt der Schädel, als wenn alte Gedanken ausbrechen wollen.

Ich kenne diese Zeichen und ich mag sie nicht. Es sind Muster, die sich dauernd wiederholen.  Mein Therapeut sprach vom Kollisionsprinzip nach Willi. Kurz gefasst, sucht sich jeder seine persönliche Hölle aus. Ausbruch zwecklos, es holt einen immer wieder ein.

Dabei kenne ich die Mechanismen inzwischen sehr gut, schaffe es von Zeit zu Zeit sogar, sie zu unterbrechen. Doch wenn verschiedene Faktoren zusammenkommen, bricht der Widerstand zusammen, Erschöpfung macht sich breit und ich gebe auf. Und dann ist es jedes Mal gleich.

Erst mache ich noch ein paar zaghafte Versuche, dann werde ich unglaublich wütend und am Ende gebe ich auf. Gerade bin ich in Phase drei und sehe, wie mir alles entgleitet. Ich fange an, wichtige Dinge zu vergessen, schaffe kaum mein Alltagspensum, der Job, obschon gerade sehr okay, ist zu schwer, zu viel und zu anstrengend, ich werde nervös, kann kaum noch schlafen und plötzlich bin ich ganz unten.

Mir stellt sich gerade die Frage, wie ich diesen Kreislauf unterbrechen kann. Es ist ein Gedankenrondell beim Gegenpart, das sauber, wie ein Zahnrad bei mir greift.

Eine Mischung aus Verlustangst und Alibiarbeiten tritt an die Stelle dessen, was eigentlich sein sollte. Die Symbiose ist schädlich, doch sie ist vertraut und gibt Sicherheit. Ich trage da meinen Teil genauso dran, wie die anderen, obwohl ich nicht will.

Das eigene Wachstum wird aufgegeben für die gegenseitige Abhängigkeit, wir bleiben klein und verharren in Unmündigkeit. Ich schrumpfe und verliere wichtige Fähigkeiten, Leistung wird sicherheitshalber sabotiert. Das ist nicht gut.

Und jetzt sitze ich hier und lasse in regelmäßigen Abständen die Maschine fauchen. Der Kaffee schmeckt immer noch und das Haus schläft. Ich muss an den großen Hebel und ihn wieder umlegen.

Alice

Veröffentlicht in Mal über mich, Psychokram

Rückfälle

Draußen donnert es und ich schwitze. Das ist nicht mein Wetter, das ist nicht mein Lebenskonzept. Der Rückfall ist gut zu erkennen, er zieht sich durch alle Lebensbereiche.

Ich empfinde es als gruselig, wie schnell die Talfahrt war, wie rasch alles kippt, wenn es mal nicht so rund läuft, meine kleinen Lebenselexiere für ein paar Tage wegbrechen.

Ich beobachte üble Gedanken und weiß nicht, woher sie kommen. Es gibt keinen offensichtlichen Grund, nur viele kleine, die objektiv betrachtet keine sind.

Ich stelle fest, dass mich Vieles nervt. Menschen sind gerade ein Problem und welche, die sich selbst für ihr Häufchen Kacka loben, so richtig. In meinem Leben haben sich ein paar dieser Sorte breitgemacht, fordern und kriegen nix gebacken, hinterlassen bei mir aber das Gefühl von Unzulänglichkeit.

Ich kriege es nicht hin, mich toll zu finden. Nur, wenn ich produziere, geht es einigermaßen. Da liegt der Hase im Pfeffer und wenn ich dann auch noch erlebe, dass es sich Viele gut gehen lassen und darauf vertrauen, dass ich schon die Kohlen aus dem Feuer hole, wird es übel. Das Abgrenzen ist schwer, ich kriege es nur in Ansätzen hin.

Wie gerne würde ich mich in meine Arbeit versenken, mich endlich mal wieder dem Flow hingeben, doch hier ist es zu laut. Zu viele Forderungen, zu viele Störungen. Es fühlt sich an wie mangelnde Wertschätzung, ist es wahrscheinlich auch. Es ist leicht, mir den Schneid abzukaufen, viel zu leicht, wenn man nur ignorieren muss.

Am Ende will ich nur eins und weiß doch, dass es unsinnig ist. Die letzte Anerkennung von den ersten Menschen. Nie war ich okay, nur, wenn es lief, bekam ich ein Stückchen davon.

Viele Menschen, die mir später begegneten, tuteten ins selbe Horn, ganz intuitiv fanden sie die Schwachstelle.

Ich möchte mir keine Gedanken mehr darüber machen, möchte Frieden mit mir schließen, das, was fehlte, was fehlt, mir selber geben. Mich einen Tag einfach großartig finden, das wäre ein Anfang.

Ich wünschte, sie würden mich lassen.

Alice

Veröffentlicht in Mal über mich, Psychokram

Noch nicht ganz wach

Es wäre klug, wenn ich mich schon an den Schreibtisch begeben hätte, weil Vorbereitung nicht von allein geht. Doch das Hirn will nicht so wie ich und hängt noch im Halbschlafmodus fest.

Der gestrige Tag ging mir an die Substanz.  Es gibt Aspekte in meinem Leben,  die ich nicht mehr ertrage, die aber offenbar überall so in Fleisch und Blut übergegangen sind, dass sie zehn Sekunden nach dem Versprechen,  es nie wieder zu tun, erneut passieren.

Mir ist nach Flucht und böse düstere Gedanken schälen sich aus ihren Kellerkäfigen.

Manchmal überlege ich, ob den Menschen,  die diese Narben bei mir hinterließen überhaupt klar ist, was sie da taten. Ich denke, nicht. Ihnen geht es so gut, wie das Karma es zulässt. Und es spielt auch keine Rolle mehr. Nur weinen um sie, das werde ich nicht.

Mir war klar, dass Depressionen in Wellen kommen, dass sie nie weg gehen, bestenfalls kontrollierbar werden. Dennoch erschüttert mich meine aktuelle Gefühlslage. Ich hätte nie gedacht, dass es wieder so weit runtergeht. Vielleicht liegt es daran, dass, egal wie sehr man an sich arbeitet, eben doch im Außen alles so bleibt, wie es immer war. Die Hoffnung, dass die eigene Veränderung Kreise zieht, erfüllt sich nicht.

Vielleicht funktionieren manche nur so gut, weil ihnen das egal ist. Und ihnen das reicht, was sie kriegen.

Ich starte jetzt einfach mal den Tag, nützt ja nichts. Sperre die Düsternis wieder ein und versuche, sie zu ignorieren.

Alice