Veröffentlicht in Mal über mich, Schreiben

Planungschaos

Zwischen dem Gespräch mit dem Therapeuten, den ich nun doch recht gerne noch ein Weilchen aufsuchen möchte und diversen Zeichnungen, überkommt es mich dann doch.

Noch wenige Tage, dann geht dieser Monat los, in dem ich schreiben möchte. Worüber kann ich eigentlich schreiben? Prinzipiell geht das über alles. Ich muss es mir nur ansehen und dann erzählt es mir was, auch wenn nicht alles notiert werden sollte und manches besser ganz schnell wieder vergessen wird. Aber ist das relevant? Ist es für mich relevant und was möchte ich am Ende damit machen?

Um wen soll es überhaupt gehen, wer eignet sich zum Protagonisten, sofern ich die Kurzgeschichtenidee doch über Bord schmeiße und mich einem längeren Text zuwende. Hat beides seine Vorteile. Weiterschreiben ist einfacher als täglich neu zu erfinden. Andererseits langweile ich mich schnell und verliere rasch jeglichen Überblick.

Ein Krimi könnte es werden, garantiert keine Liebesgeschichte. Die Möglichkeit zum zumindest gedanklichen Entsorgen diverser unangenehmer Zeitgenossen hat den Reiz, dem ich schon häufiger nachgegeben habe. Ob ich am Ende den Mörder der Gerichtsbarkeit zukommen lasse, weiß ich auch noch nicht. Nur damit kommt nicht jeder klar, dass so ein aufräumender Psychopath fröhlich weiter in der Nachbarschaft werkelt.

Und etwas, was mir besonders quer liegt, ist die Bedeutung. Gut, jeder Text, jedes Bild, jede Melodie ist von seinem Schöpfer geprägt, zeigt Aspekte, die er vielleicht selbst nicht bewusst hat und doch sind sie da. Und der, der konsumiert, aufnimmt, verarbeitet, mit dem macht das doch was. Oft nicht zu benennen bei Musik, außer einem Wohlgefühl vielleicht. Doch es passiert etwas, wir erweitern uns, wenn es uns berührt.

Ich habe schon Einiges geschrieben, kurzes und kürzestes, mich auf 300 Wörtern zusammengefasst, ein kurzer Blick im Vorübergehen, ein kleiner Glockenklang und dann verhallende Schritte.

Ich strebe nicht das große Werk an, kein Ulysses oder Owen Jeans, doch ein bisschen mehr, als nur ein kurzes Lächeln und dann weitergehen. Ob ich das kann, weiß ich nicht. Komisch und schräg, das geht ganz gut. Doch hinter dem Blödeln und den konstruierten skurrilen Szenarien warte ich auf meinen Einsatz. Ich, die manchmal tief verzweifelt den Kopf schüttelt, wenn sie den Menschen auf die Finger schaut, die versteht und auch wieder nicht, die ihre poetische Ader meistens versteckt, weil die Gedichte nicht genügen, so zusammengeschraubt fehlen immer die richtigen Worte. Kein Rilke, kein Hesse, nur ich.

Und so denke ich nach und plane tatsächlich ein bisschen, überlege, worum es gehen soll, wer mit wem warum was macht. Und was dann alles passieren könnte oder auch nicht. Leben ist banal, das ist traurig und wahr. Die ganzen Dramen gehen vorüber, wir wachen auf und machen unseren Tag. Jeden verfickten Tag tun wir das. Manchmal passiert etwas, was uns aus der Bahn wirft, manchmal lähmt uns die Routine. Dazwischen ist die Normalität. Und dahinter steht der Wahnsinn und grinst uns mit schiefen Zähnen an.

Am Sonntag geht es los. Ich werde hier darüber berichten, ein bisschen, wenn ich noch nicht zu schreibmüde bin.

Alice

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Das Jahr

Das Jahr ist gefühlt fast rum. Mittlerweile nähert sich das Ende des Oktobers und dann sind es noch zwei zunehmend düstere Monate, bis 2020 erledigt ist.

Schaue ich nach draußen, sehe ich diesiges Herbstwetter, das Laub verabschiedet sich, in zwei Wochen sind die meisten Bäume kahl. Gerade war doch noch Sommer und ich stand, nur mit Shorts und Top bekleidet, im kühlen Keller, erholte mich barfuß Abzüge machend auf kalten Fliesen von der Sommerhitze. Gingen die ersten beiden Monate noch in gewohnter Langsamkeit, nahm das Tempo mit der Pandemie richtig Fahrt auf. Seit März befinden wir uns in einem Ausnahmezustand, vor dem zwar immer gewarnt wurde, der aber unserer Meinung nach, nur woanders passieren könnte. Nicht hier, nicht bei uns. Und nach der Erleichterung im Sommer, wo Infektionszahlen auf niedrigstem Niveau waren, wir uns fast sicher fühlten, rollt jetzt „unerwartet“ die zweite Welle und wir steuern auf etwas zu, was uns undenkbar erschien.

Es spaltet das Land. Da sind Coronaleugner und „Jünger“, wie ich einmal bezeichnet wurde, es gibt Superspreader und Maulkörbe. Manche schreien nach Normalität und riskieren ihr und anderer Leben auf dem Weg dahin.

Aber was ist das eigentlich, Normalität? Ich brauche nur ein Lebensalter zurückzugehen, da lag unsere Welt in Schutt und Asche. Kaum ein Stein blieb auf dem anderen. Nur wenige Jahre davor ebenso, dazwischen die spanische Grippe und eine Weltwirtschaftskrise. Gehe ich weiter zurück, sehe ich die Pocken, davor die Pest, Bürgerkriege, Inquisition und noch mehr Wahnsinn, von Menschen und Bakterien aufgescheuchte und durcheinandergewirbelte Normalität.

Hier war es lange ruhig. So lange, dass eine Generation heranwuchs, die noch nie mit so etwas konfrontiert wurde, für die es normal war, dass Krankheiten durch einen Besuch beim Arzt schon fast geheilt waren, die den Luxus hatten, sich lediglich Sorgen über die nächste Wochenendparty und ihr Profil bei Instagram machen zu müssen. Die in einem dicht gewebten Netz der Sicherheit saß und darauf vertrauen konnte, dass da schon irgendjemand kommt, der das in Ordnung bringt.

Und jetzt das. Ein paar Regeln des Miteinanders werden eingeführt und sie demonstrieren für die Freiheit, ohne MNS herumlaufen zu dürfen, Party zu machen und leugnen das, was da draußen passiert. Tote werden statistisch relativiert, Totschlagargumente machen die Runde, es wird gepöbelt und geschimpft. Eltern jammern, dass sie sich um ihre Kinder kümmern müssen, am Ende gar mit ihnen Hausaufgaben machen. Sie wollen ihr altes Leben zurück. Jetzt. Sofort.

Das Jahr ist fast rum und ich wundere mich mal wieder, wie schnell es vergangen ist. Und ich staune, was in so wenigen Monaten mit einer Gesellschaft passiert.

Ich behaupte, dass es sehr lange dauern wird, bis es wieder wie früher ist. Einiges wird langfristig anders bleiben. Manches wird verschwinden, anderes normal werden, selbst, wenn wir es uns nie vorstellen konnten.

Ich werde gleich an den Schreibtisch gehen und ein bisschen arbeiten, damit mein Wochenende wirklich mein Wochenende ist. Und dann schauen, was der Tag noch so bereit hält. Was Schönes möchte ich machen, etwas, an das ich mich erinnern mag.

Alice

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Wände hoch

Momentan ist anders. Im Hintergrund eskaliert etwas, noch ist es nicht greifbar. Leben ist seltsam, manchmal. Da läuft etwas rund und so eben hat man das Gefühl, dass die aktuelle Situation sich einem lebbaren Konzept nähert, abgesehen von ein paar Stellschrauben und einer Haltungsänderung, dann grätscht was Neues mittig hinein und ich stehe davor, schüttle den Kopf und denke nur „Echt jetzt?“

Die Zeichen stehen auf Sturm und „Geht nicht“, es zeichnete sich ab. Ich glaube an Vorzeichen, kleine Ungereimtheiten im Alltäglichen, die Kursänderungen anzeigen. Drei sind aller guten Dinge. Hoffentlich bleibt es dabei. Doch ich zweifle, fürchte, dass nun das gerade adaptierte Konzept wieder über Bord geworfen werden muss. Wobei, wer weiß, wofür es gut ist.

Das Auge ärgert mich immer noch und vor allem die damit einhergehende Seheinschränkung. Das lokale Antibiotikum verursacht Magenschmerzen, mir war neu, dass das geht. Doch Medis sind Medis und die haben wohl auch unerwünschte Wirkungen.

Gerade kann ich nichts tun, sämtliche Informationen zum weiteren Vorgehen entziehen sich. Damit habe ich drei Möglichkeiten, nämlich abwarten, forcieren oder doof stellen. Welche die beste ist, kann ich nicht einschätzen. Am besten, ich gehe noch ein paar Wände hoch.

Alice

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Etwas ist anders

Gestern platzte mir der Kragen. Ich habe es zu oft erlebt, zu oft gesehen und da war dieses Gefühl, diese Enge, diese Unabwendbarkeit, die mich fertig machte. Als nicht verstanden wurde, wurde ich laut und sprach ein Ultimatum aus.

Gut, es wurde nicht ernst genommen, doch es ist in meinem Kopf präsent. Es gibt keinen Zeitindex, kein Datum, kein Monat, keine festgelegte Stunde. Doch ich werde es spüren, wenn es soweit ist.

Und dieses Ultimatum gibt mir Kraft. Ich höre nicht mehr auf die Versprechungen, nicht mehr auf die Ausflüchte. Ich sehe, was passiert und agiere nur noch damit. Und ich, ich tue das, was richtig ist. Für mich und auch für die anderen. Die Nachsicht hat sich zur Geduld in den Keller verzogen. Sollen sie da doch eine Party feiern. Mir egal.

Alice

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Nicht erreichbar

Ich ziehe das gerade durch, zumindest für diese eine Woche. Ich bin nicht erreichbar und bestehe darauf, dass das so bleibt. Es tut unerwartet gut, den Job tatsächlich auszusperren, für eine Weile nicht daran zu denken und den Kopf zu erholen.

Das Ansprechbarkeitspünktchen steht auf rot. Ich bin nicht da. Zwar nicht am Meer oder sonst irgendwo, sondern nur zu Hause, theoretisch erreichbar und doch außer Reichweite. Ein bisschen Hygiene für die Gedanken, die sowieso Kapriolen schlagen. Gespräche würden reichlich geführt in den letzten Tagen, ein paar Grenzen gesetzt, da muss das andere ruhen. Trotzdem häufen sich Termine, heute sind es drei und die Tage reißen vorbei, als gäbe es kein Morgen.

Gestern habe ich den Herbst genossen, bin mit dem Mann d ohne Wuselhunde losgefahren, nur ein bisschen gehen, Waldesruh, kein Geschnüffel, kein Gebell, nur der Wald und eine kleine Haselmaus, die über den Weg lief, uns skeptisch betrachtete und dann zwischen den Brennnesseln verschwand. Um den Kragen hatte sie bereits Winterfell, der Po war noch kurzbehaart, seltsam sah sie aus. Halbwinter, oben Pelzjäckchen, unten Shorts.

In der alten Kapelle, die nie jemand vandalisiert, obwohl ohne Aufsicht, gab es Fotos und ein ruhiges Gespräch über Leben und Tod, erstaunliche Stimmung zwischen den alten Esskastanienbäumen, von denen ich reflexartig sammelte.

Die Infektionen steigen, es hat wohl den zweiten im weiteren Bekanntenkreis erwischt. Auch er Risikopatient.

Geburt und Tod, dazwischen Leben. Ziele verwischen bei genauer Betrachtung, Garantien gibt es nicht und das Gerede vom Leben danach erscheint wie eine tröstliche Besänftigung, um der keimenden Angst Herr zu werden.

Wir kommen, wir gehen, gehen auf in dem, was uns geschaffen hat. Wie Bäume und Pilze und die kleine Haselmaus, die sich auf den Winter vorbereitet. Die Seele bleibt, doch wenn wir von Seele sprechen, meinen wir unser Bewusstsein. Würde es bleiben, könnte ich mich doch erinnern.

Heute ist Leben, morgen weiß ich nicht. Zwischen den hohen Bäumen ist es so still. Bis zum Wochenende bleibe ich unerreichbar. Ich mag rot, könnte meine neue Lieblings Farbe werden.

Alice

PS… mir gehen die Fuzzietoberthemen aus. Wer noch eine Idee hat, einfach in die Kommentare schreiben….

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Give me Dope, Joanna

Verzeiht den Titel, in dem ich einen tollen, aber etwas abgenudelten Reggaesong missbrauchte, doch gerade ist das so passend, dass ich riskiere, in ein paar Netze zu rutschen, in die ich nicht gehöre.

Dope, ja, illegal, immer noch. Anders als die ganzen anderen Drogen wie Alkohol und Kippen, die gesellschaftlich anerkannt und sogar unter der Hand gefördert werden. Stellt sie ruhig.

Aber darum soll es gar nicht gehen, sondern um das, was sie in unserem Gehirn machen. Dope, Alk, Nikotin und auch Essen aktivieren unser Belohnungssystem und deswegen sind sie so „gefährlich“ und machen süchtig. Ist nichts Neues, weiß wahrscheinlich jeder hier und ahnt jeder, der mal versucht hat, nach längerem Konsum, die Finger davon zu lassen.

Anfangen tut man aus Gründen. Rauchen meist in der Pubertät, wenn das Leben gerade auf dem Kopf steht, kiffen auch und von Alkohol brauche ich gar nicht zu reden. Essen müssen wir, das macht es schwierig, damit aufzuhören und die Disziplin, zumindest auf weniger und gesünderes umzuschwenken wird schnell vom nächsten Stück Torte über Bord geworfen. Ist ja nur eins, hab mich ja viel bewegt, Ist so lecker, blablabla. Und schon landet es auf dem Teller und die Neuronen feuern, ja, belohne dich, iss es bis zum letzten Krümel.

Dabei wird Dopamin ausgeschüttet und das macht glücklich. Auch nichts Neues, hat sicher fast jeder schon mal gehört. Klar Sex macht das auch und ein erfolgreicher Geschäftsabschluss oder der Gewinn bei „Mensch ärgere dich nicht“

Aber die anderen Sachen sind leichter zu bekommen und da das Gehirn und der Mensch an sich faul ist und immer versucht, mit wenig Energieaufwand den bestmöglichen Zustand zu erreichen, ist der andere Weg oft zu steinig.

Warum ich das schreibe? Nun, nicht, weil ich dauerkiffe, aber ich rauche zu viel, ich esse offenbar zu viel (sonst würden die Jeans noch passen) und ich sage selten Nein zu einem guten Glas Wein.

Mir ist das alles sehr bewusst, kommt daher doch auch der Antrieb, ständig was zu tun, anstatt mich einfach meines Lebens zu freuen oder verliebt drei Tage lang die jüngste Zeichnung anzustarren und mir dabei ununterbrochen auf die Schulter zu hauen.

Dabei war das alles auch schon mal sehr gut. Es gab nicht wenige Phasen in meinem Leben, wo heißer Tee und maximal drei Zigaretten am Tag reichten, ich fast schon zu dünn war und mich gut fühlte. Nìcht träge und müde auf der Suche nach dem nächsten Kick, sondern aktiv und wach. Ich sah Sinn in dem, was ich tat und würde nicht von einer latenten Enttäuschung von mir und dem Rest der Welt runtergezogen.

Jetzt suche ich einen Weg daraus. Denn mir zu sagen, dass ich gut bin, so wie ich bin, reicht gerade nicht. Ich möchte die Straße wechseln, den Weg einschlagen, den ich bereits ging und die Erinnerung an das Gefühl, das mich begleitete, wieder aufwecken. Nur wie, ist die Frage. Denn noch mehr wuseln ohne ein konkretes Ziel, kann ich nicht.

Alice

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Ich will nicht

Momentan ist zu viel in diesem Haus und ich gestehe, dass ich nicht will. So ziemlich nichts von dem, was an Aufgaben gerade an mich herangetragen wird, entspricht meinem Wunsch, eher dem Gegenteil.

Die letzten Wochen waren anstrengend und auch, wenn es nur Homeoffice war, die dauernde Ansprechbarkeit machte mich fertig, ich brauche Pause, ich brauche Abstand, doch ich bekomme nichts davon.

Drei Wochen Urlaub am Meer, ganz allein, wären nett. Am Liebsten keine Menschen in der Nähe, nur Wasser und ich und ein weiter Blick auf den Horizont. Doch Reisen ist nicht aus vielen Gründen. Und Ausklinken geht auch nicht.

Die innere Göre brüllt und schreit, kommt manchmal zum Vorschein und zickt herum, fängt Streit an, fordert Abstand ein, keine Chance. Was hier läuft, wie es läuft, passt nicht und hinterlässt ein unangenehmes Gefühl von Benutztwerden.

Ich habe angemahnt, häufig, doch es wurde einfach überhört, es folgen keine Konsequenzen. Ich kann ja nicht, wie ich will. Die Frage ist, ob sich das jemals ändert. Wenn ich nicht reagiere, wahrscheinlich nicht.

Es ist gerade notwendig, in ein paar Ärsche zu treten, so richtig mit Anlauf. Doch den Fuß in eine träge Masse zu hebeln, ist nicht angenehm und auch das will ich nicht. Es ist nicht mein Problem, auch wenn ich die Auswirkungen tragen muss. Das Atelier bringt gerade auch keine Entspannung. Ich nehme dass mir, was ich hier nicht erledigt bekomme, bin uneins mit mir. Von Kreativität keine Spur, dabei hatte ich so viel vor. Noch nicht ein Mal habe ich in die Kurse geguckt, dauernd stehen Störungen auf dem Plan.

Heute muss geredet werden, sonst drehe ich hier durch.

Alice

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Kopfsprung

Das Wasser ist tief. Das Wasser ist immer zu tief, wenn man es nicht ausprobiert hat. Ich weiß nicht, warum dieses Bild meine Gedanken heute so exakt beschreibt, denn anders als sonst oft, finde ich zumindest ein Fädchen der Geschichte wieder.

Dieses Mal nicht. Ich habe die Milch vergessen im Kaffee, dafür zwei Mal auf extra stark und doppelt groß gedrückt. Das hat nichts mit Milchkaffee zu tun. Das ist das Gegenteil davon. Nur ist kein Platz mehr in der Tasse für Milch. Ich müsste etwas wegschütten und aufstehen, neu holen und ich bin gerade nicht sicher, ob ich das möchte, ob ich überhaupt Kaffee möchte.

Bauchschmerzen suchten mich heute heim im Atelier und ich fror innerlich wie tiefer Winter und meterhoher Schnee. Ich sage immer, dass ich was Falsches gegessen habe oder überhaupt, was an solchen Tagen ein Problem ist. Der Körper verweigert und ich ahne warum. Nur tun. Tun kann ich nichts.

Das, was kommen wird, gleicht einem Köpper vom Zehner. Und das, was ich tun muss, auch, nur mit verbundenen Augen.

Das eine ist wenig schön, doch unvermeidlich, wenn ich zurückblicke. Es ist eine Veränderung, die ich nicht wollte, die sich aber abzeichnete und die nun passiert.

Das andere ist mein Umgang damit und dieser Sprung ist überfällig geradezu. Ich stehe quasi seit drei oder mehr Jahren an der Kante, zögere, hadere, will nicht springen, trau mich nicht, habe zu große Angst, zu fremd ist es und doch könnte es wunderbar sein. Ich war schon mal da unten, nur zu Besuch und vorübergehend, fühlte mich glücklich und zufrieden, war mit mir und der Welt im Reinen. Das einzige Problem war, dass andere das Wasser vorgewärmt hatten und ich mich darauf verließ. Nun muss ich schwimmen lernen und es wird kalt sein. Und tief. Doch da unten, da warte ich.

Alice

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Nicht leicht

So eine wuschelkuschelweiche Decke vom Discounter meines Vertrauens ist schon eine feine Sache. Vor allem, wenn man vor der Zeit aus den Federn plumpst, die Heizung noch nicht so richtig angesprungen ist und man sich mit Kaffee und Kippen durch diverse Handyspiele klickt. Sie ist leicht wie eine Feder und gerade macht nur die verrückte Katze mir den Platz streitig, pumpt imaginäre Milch aus meinem Oberschenkel oder drückt das Gras in der Prärie platt, wer weiß was schon?

Eigentlich stehe ich auf Baumwolle, Mikrofaser ist mir ein Graus. Doch diese mag ich, wenn auch nicht auf nackter Haut, da sei der dicke Naturfaserbademantel vor. Der ist nicht leicht, aber nachhaltig und so ist Leben auch.

Manchmal wünsche ich mir so ein Standardleben. Verheiratet und beim ersten Mann geblieben, statistische 1,753 Kinder, die gut funktionierend durch die Weltgeschichte ziehen, Eltern, zu denen ich noch einen guten Kontakt habe und die mir einen schönen Start in diese Welt ermöglicht haben, ein Haus, das nicht dauernd renoviert werden muss und all der Kleinscheiß, der eben nicht permanent Nachregeln erfordert und vor dem man sich nicht dauernd als Versager fühlt.

So ein leichtes kuschelwuschelweiches Leben eben, dauerflauschig und temperaturbeständig bis 60 Grad. Aber das behagt mir nicht, so auf nackter Haut. Zumindest nicht allzu lange. Dann greife ich lieber wieder zu der schweren Baumwolle mit den abgewetzten Ärmeln und dem verfärbten Kragen, weil es beim Haare färben einfach so viel gemütlicher ist.

Es ist nicht schwer, meine Baumwollbademantelleben, aber auch nicht immer leicht und fluffig. Dafür ist es echt und nachhaltig. Und solange meine Schultern es tragen können, tausche ich es nicht gegen Ware vom Discounter.

Alice

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Unvorstellbarkeiten

Morgens, wenn ich sitze und lese, mich durch Nachrichten kämpfe, die mir Weltbewegendes und Banales um die Ohren hauen, mich von Artikel zu Artikel schleudern lasse, schmerzt mein Nacken nach einer Weile vom Kopfschütteln. Es klingt wie ein Witz, ist es natürlich auch, doch im Kern verstehe ich nicht mehr, was da los ist.

Eine Witzfigur als mächtigster Mann der Welt, der zweite auch nicht besser, kleine Penisse mit Toupet oder auf dem Rücken eines Bären reitend. Und dann diese Seuche, dieses Virus, das ich immer noch nicht verstehe, wobei es wohl auch nichts zu verstehen gibt.

Wir sind unsterblich geworden, die Einschläge werden wegdiskutiert, menschliche Dramen spielen sich nur bei anderen ab. Ich schließe die Augen und hoffe, dass das Leben vorbeizieht. Es kann nicht sein, was nicht sein darf, doch die Monster aus dem Wandschrank sind längst unter uns, wir haben uns nur an ihren Anblick gewöhnt und sie schrecken uns nicht mehr so, wie sie müssten.

Die Menschen haben sich daran gewöhnt, gerettet zu werden. Niemand stirbt mehr an Scharlach oder ertaubt nach einer Mittelohrentzündung, für kranke Herzen gibt es neu Herzklappen oder eine Therapie, im Zweifel rufen wir Meredith Grey oder Doctor House zu Hilfe, da geht noch was.

Betäubt warten wir darauf, dass im nächsten Sommer wieder die Sonne scheint oder dieser Winter den ersehnten Schnee bringt, bis dahin decken wir uns mit dem ein, was niemand braucht und halten Winterschlaf. Auch ich schaue nicht mehr so hin, wie ich müsste, bin müde vom Starren und Hoffen, rücke im Wartezimmer der Lösungen auf den Stühlen vor und zurück und kaum ist die eine Krankheit kuriert, steht die nächste an.

Wir sind längst da, wovor wir uns noch vor Jahren gewarnt haben. Heimlich, still und leise ist der Irrsinn in die Welt gekommen, war schon immer da, trug lauter bunte Kostüme und tanzte betrunken auf den falschen Hochzeiten.

Und jetzt mittendrin fühlt es sich fast richtig an, was da draußen passiert. Wir können es nicht ändern, also Augen zu und durch.

Und jeden Morgen, wenn ich die Nachrichten öffne, wackelt mein Kopf erneut.

Alice