Veröffentlicht in Mal über mich

Fluchtgedanken und Horrorfilme

Ich komme kaum zur Ruhe. Egal, wohin ich gehe, da ist schon vor mir jemand. Wenn es hart auf hart kommt und ich so gar nicht mehr abschalten kann weil einfach zu viel Mensch da ist, erträumen ich mir einen Zufluchtsort.

Das geht am einfachsten kurz vor dem Schlafengehen. In meiner Phantasie gibt es ein kleines Hausbau Ende einer Straße. Das Haus ist so klein, dass nur ich hinein passe. Rundherum 7st ein kleiner Garten mit kleinen Bäumen, rundherum ein kleiner Holzzaun.

Ihr merkt, ich wiederhole mich. Wichtig ist, dass es nur meins ist. Nichts und niemand darf dieses Haus betreten außer mir. Und dafür ist auch gar kein Platz, weil alles so klein ist.

In meinem Traum gehe ich durch das Gartentor und öffne die Haustür. Kein Hund springt mich an, keiner grüßt mich, es ist still. Seltsamerweise funktioniert das und mein Geist kommt zur Ruhe in diesen klitzekleinen einsamen Zimmern.

Wenn man allerdings Abends einen Horrorfilm schaut, der 7n einem einsamen Haus spielt, dann hinterfragt man den Tagtraum doch ein kleines bisschen, selbst, wenn das Haus im Film eine alte Villa war.

Gestern habe ich mich zum Einschlafen dann doch lieber an den Mann gekuschelt und mich darüber gefreut, dass da jemand ist, der die Geister verjagt.

Und wer einen richtig guten Horrorfilm sehen möchte und keine Angst beim Einschlafen hat, dem kann ich den spanischen Film Voces empfehlen. Selten habe ich mich so gegruselt.

Alice

Veröffentlicht in Mal über mich

Schwammkopf

Männer mit Männergrippe sind unerträglich. Noch schlimmer sind sie, wenn sie das Virus teilen. Jetzt bin ich nicht besonders verunsichert, der Mann hatte einen negativen C-Test, also ist es bei mir auch nur eine Erkältung. Aber ich habe am Montag einen wichtigen Arzttermin und da dieser Spezialist keine erkälteten Patienten zu sich lässt, habe ich ein kleines Problem.

Das Denken fällt schwer, der Nachtschlaf wurde vom Schniefen zu früh beendet, der Kopf brummt, der Magen ließ sich nur von Frühstück beruhigen (eigentlich frühstücke ich nie!).

Ein Ärgernis, das mir schon länger auf der Seele liegt, habe ich in Angriff genommen und hoffe, dass sich da etwas tut. Ein blödes Gefühl bleibt allerdings, muss ich gestehen. Ich urteile nicht gerne, mische mich auch nicht wirklich gerne in fremde Angelegenheiten, aber wenn ein Typ in einer Fotogruppe bei FB Nacktbilder von Teenagerinnen zeigt, kann ich das nicht so stehen lassen. Und da der Typ auch noch reichlich aggressiv ist, läuft das jetzt über den Admin.

Der Rest des Tages wird dümpeln, das ist jetzt schon abzusehen.

Alice

Veröffentlicht in Kurzgeschichten

ABC-Etüde – Blümchen

Zu den Etüden bei Christiane. Die Wortspende kommt vom Café Weltenall.

Sie zählt ihr Geld. Eigentlich hätte sie davon Schulmilch kaufen sollen oder ein neues Heft für den Deutschunterricht. Sie spart eisern, verkneift sich den Durst und leiht sich Blätter beim Platznachbarn, der mittlerweile immer griesgrämiger wird und sich nur durch ihre Versprechungen, ihn abschreiben zu lassen, besänftigen lässt.

Es ist nicht viel, stellt sie fest und drückt ihre Nase an die Scheibe des Blumenladens. Fast jeden Tag steht sie hier, sucht durch das Glas nach Angeboten, etwas Hübschem. Reinzugehen und zu stöbern, das traut sie sich nur, wenn sie gerade ihr Taschengeld bekommen hat. Dann wird der Strauß etwas größer, ein bisschen Statice oder Schleierkraut dazu.

Heute reicht es nur für eine einzelne Blüte. Ob die reicht, um ihrer Mutter zu zeigen, dass sie sie liebt, weiß sie nicht. Doch sie hofft es. Und vielleicht weint sie dann nicht mehr so viel.

Sie ist die Quelle dieser Tränen, das ahnt sie. Und niemanden kümmert es.

Der Vater schreit jeden Tag. Und die Mutter weint.

Und sie ist nicht die, die sie sich gewünscht haben.

So viele Blumen in diesem Jahr. Und nie wird es reichen.

Sie zählt ihr Geld und geht durch die Tür.

„Eine Rose“, sagt sie.

Alice

Veröffentlicht in Mal über mich

Erinnerungslastig

Der verbesserte Nachtschlaf beginnt zu wirken. Die Träume werden tiefer und bringen Altes hervor, schwemmen verdrängte Schmerzen an das Ufer des Bewusstseins, lassen Trauer zu.

Eine Geschichte nimmt Gestalt an. Sie möchte geschrieben werden, die Angst an das Papier abgeben, die Wut herausschreiben, die alte Verzweiflung loslassen. Vielleicht genau die Therapie, die ich brauche. Vielleicht genau mein Weg, damit umzugehen. Omnipräsente Gefühle, versagt zu haben, eingeredet von Narzissten und Tyrannen.

Die verrückte Katze kommt zum Trösten. Das kann sie gut und sie schnurrt unter der kraulenden Hand.

Alice

Veröffentlicht in Mal über mich

Ausgeruht

Ich kann es kaum glauben, dass ich so lange geschlafen habe. Die schwere Decke hilft mir zwar nicht beim Einschlafen, doch sie lässt mich tatsächlich nicht mehr in den frühen Morgenstunden wach werden.

Der Kopf ist zwar tatsächlich noch nicht ganz klar und im Hintergrund haben sich diverse Ängste und Unruhen zurückgemeldet, aber das wird. Die Sonne scheint hier gerade so wunderschön und ich werde mich aufraffen, das Haus zu verlassen. Wäre doch gelacht.

Die Unruhe rührt von nie geklärten Gefühlen her, Angst, Schuld und Scham, die Dreieinigkeit meiner frühkindlichen Erziehung. Es wäre schön, wenn es dem Rücken meines Therapeuten langsam besser ginge, ich habe wirklich Gesprächsbedarf.

Ein Kommentar brachte mich auf eine interessante Spur. Ich hatte noch nie vom Hochstapler-Syndrom gehört, es erklärt zumindest meine Unsicherheit bezüglich meiner Leistungen. Selbst als Einserstudentin fühlte ich mich nicht kompetent, schrieb die guten Klausuren der Freundlichkeit der Dozenten und purem Glück zu.

Ich wühlte dann weiter und fand den Matthäus-Effekt. Geht witzigerweise tatsächlich auf das Bibelzitat „Wer hat, dem wird gegeben“ zurück und nicht auf Lothar Matthäus, hat dementsprechend nichts mit Fallrückziehern und jungen Frauen zu tun. Kurz gesagt bedeutet er, dass der Teufel immer auf den größten Haufen scheißt. Ist bereits Erfolg da, kommt immer neuer dazu. Nur der Weg zum ersten kleinen Erfolg, der dann andere nach sich zieht, der kann hart sein.

Es lohnt sich, einmal bei Wikipedia zu segeln und sich von den Links weiterführen zu lassen. Ist fast wie bei YouTube, nur wesentlich lehrreicher.

Was ich da übrigens gefunden habe, hat mir den Tag versüßt. Das poste ich jetzt in allen Gruppen, wo rumgepöbelt wird. (Nein, tu ich nicht, sie werden es nie verstehen).

Alice