Veröffentlicht in Schreiben, Selfmade, Weitgehend schwarz-weiß

Inktober – aufholen

Alice

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Veröffentlicht in Kurzgeschichten

ABC-Etüde – Montage

Zu den Etüden bei Christiane. Die Wortspende stammt vom Café Weltenall.

Auf dem Weg zur Arbeit schaut sie immer wieder nach oben. Es ist Herbst, das steht außer Frage. Für einen kleinen Moment setzt sie den Blinker und fährt rechts ran. Sie liebt den Vogelflug der Wildgänse. „Bis zum Frühling“, sagt sie leise und lächelt.

In der Firma ist alles wie immer. Sie reden aneinander vorbei, können nicht zuhören, schwingen nicht mit. Sie schließt die Augen und versucht nicht hinzuhören bei dem angespannten Tönen, dem genervten Unterton, den kleinen Gemeinheiten.

„Was für eine Welt basteln wir uns da?“ Die Arbeit ist anstrengend heute, nichts läuft, wie es soll. Der Chef brüllt mal wieder herum. Früher huschte sie ängstlich über den Gang, wenn er so eine Laune hatte, heute ist es ihr egal. Immer schwerer fällt es ihr, zu glauben, dass das wirklich nette Menschen sind.

Sie schaut auf ihre rechte Hand und dreht den Ring ihrer Großmutter, zweimal links, einmal rechts. Das Fenster öffnet sich und tausende von Papierbögen fliegen empor. Aus dem großen Plotterausdruck der neuen Anlage faltet sie einen Papierflieger und wirft ihn aus dem Fenster. Ohne nachzudenken springt sie hinterher. Ihre Füße finden sofort Halt, es ist wie Skateboardfahren in der Luft.

Der kalte Wind und ein paar Nieselregentropfen treffen sie unvorbereitet. Die Jacke hängt in der Designergarderobe. Umkehren geht nicht, also fliegt sie einfach weiter. Über ihr ziehen die Wildgänse. Sie steigt zu ihnen empor und reiht sich ein, Richtung Süden.

Sie sei plötzlich verschwunden, berichten später die Kollegen. Gerade habe sie noch am Rechner gesessen und eine Minute später wäre sie weg gewesen. Für eine Weile ermittelt die Polizei.

Sie wurde nie wieder gesehen.

Alice

Veröffentlicht in Mal über mich

gutenachgedanken – tempo

Wir wollen hier nicht über Taschentücher sinnieren. Doch nebenbei sei erwähnt, dass Mann und Söhne in den letzten Woche überproportional viele verwendeten. Ich nicht – und dabei gedenke ich es zu belassen.

Erwähnt werden sollte ebenfalls nicht, dass die große Hündin auf Taschentücher steht, quasi Hundekaugummi. Die Kombination dieser beiden Bedürfnisse…

Aber lassen wir das. ich schweife ab. Und zwar gründlich.

Das Thema, das mich gerade beschäftigt, ist Tempo, Geschwindigkeit. Frage ich meine Schüler, hoffe ich auf mindestens einen, der die Definition im mathematischen Sinne, nämlich Weg pro Zeit auch hinbekommt. Nunja, manchmal habe ich das Glück.

In meinem Leben geht mir vieles einfach zu langsam. Alles dauert, braucht Zeit, ist von Pausen durchsetzt. Ich passe mich an an all die, denen Hochgeschwindigkeit zu stressig ist. Das Problem ist, dass Hochgeschwindigkeit tatsächlich zu meinen Bedürfnissen gehört und eine Reduzierung derselben für mich Stress bedeutet.

Dem Lauschen unendlich langsamer Ausführungen kann ich aus Langeweile nicht folgen, Umständlichkeiten ekeln mich, warum schleichen, wenn man rennen kann. Der Hibbel in mir bremst sich im Außen aus und macht im Kopf weiter.

Es ist ein Akt der Selbstfürsorge wieder darauf zu lauschen und diesen kleinen Teufel zuzulassen. Sonst werde ich träge und langsam und das tut mir nicht gut.

Übrigens einer der Gründe, warum ich im Allgemeinen nicht als teamfähig gelte. Entweder reiße ich innerhalb der ersten Minuten die Herrschaft an mich, regel das Problem und entlasse alle nach der halben Zeit nach Hause. Oder ich leide und fange an, meinen Kopf mit anderen Dingen zu beschäftigen.

Meist falle ich dann unangenehm auf, werde zu laut oder zu albern und stand schon mehr als einmal kurz vor dem Rauswurf aus der Gruppe.

Treffe ich aber auf einen Querdenker wie mich, wird es lustig. Niemand, außer uns beiden versteht, wovon wir reden, welche Hopser unser Hirn da hinlegt. Die anderen werden nölig während ich jubiliere, mich unglaublich lebendig fühle.

Rücksicht nehme ich viel zu oft, stoppe, bremse mich und fühle mich falsch.

Dabei ist es doch in Ordnung, so wie es ist. Oder habe ich etwa zu schnell geredet…?

Alice

Veröffentlicht in Fotografie

Montage

Bei den ganzen unleidlichen Montagearbeiten heute, fielen mir ein paar alte Fotomontagen ein, die ich einmal mit Gimp erstellt habe…

Das war eine wirklich schöne Winterbeschäftigung. Mit dem ganzen Bildmaterial dieses Sommers, könnte ich mich an ein paar Neue setzen.

Alice

Veröffentlicht in Begegnungen, Mal über mich

365 Begegnungen – Tag 39 – Die Ignoranz

Ich habe heute das Haus nicht verlassen und doch mehr geregelt als an vielen anderen Tagen. Und morgen werde ich damit weitermachen.

Ich werde weitermachen, bis ich mich wieder wohl in meiner kleinen Haut fühle, denn das bin ich mir schuldig.

Im Dezember letzten Jahres schenkte mein Mann mir einen Fotokurs. Eins süße Idee und ich freute mich, auch wenn die Fotografin andeutete, dass es erst im Januar etwas werden würde. Sie würde sich melden.

Der Januar ging vorbei, ebenso der Februar und der März. Kein Mucks kam von ihrer Seite. Logischerweise hatte ich keine Lust mehr, da die Fotografin offensichtlich auch keine Lust hatte. Also suchte mein Mann mit dem Gutschein den Laden auf. Die Herrin des Hauses war nicht zu sprechen, die Angestellte hatte keine Ahnung und war auch nicht in der Lage dazu, Informationen weiterzugeben.

Mindestens vier Mal war mein Mann dort und musste unverrichteter Dinge wieder abziehen. Am Ende hinterließ er erneut seine Nummer und lockte aus der Angestellten zumindest das Versprechen heraus, dass die Chefin sich melden würde. Was selbstverständlich nicht geschah.

Durch Zufall entdeckte ich ihre Seite bei Facebook und knallte ihr eine nette Kritik in die Bewertungen. Das sorgte endlich dafür, dass sie Kontakt aufnahm. Nach nahezu elf Monaten.

Ob ich das nicht anders, als mit einer öffentlichen Kritik hätte regeln können, fragte sie und ich machte es ihr so schwer wie möglich. Fazit ist, dass wir endlich das Geld (und keinen Gutschein) für die nicht erbrachten Leistungen bekommen. Pampig wurde sie am Ende. Soll sie und bitte bitte pleite gehen. Aber das regelt das Karma sicherlich für mich.

Ich mag übrigens keine Bedienungsanleitungen, Bauanleitungen auch nicht. Bei unserer aktuellen Baustelle, einem Anlehngewächshaus geht es nicht ohne. Allerdings ist die Anleitung so katastrophal schlecht, mehr als die Hälfte erfährt man erst durch ausprobieren, dass wir für heute die Schnauze voll haben. Und was die Sache nicht besser macht, ist die Tatsache, dass Schritte rückgängig gemacht werden müssen oder Elemente einfach nicht mehr passen. Morgen werde ich mir einen netten Herrn dieses Unternehmens krallen, ihm ein paar Fotos zuschicken und mal sehen, was er dazu zu sagen hat. Mir als Maschinenbauingenieur wird er hoffentlich nicht die Kompetenz absprechen, eine an sich simple Profilkonstruktion aufzubauen.

Ich verabscheue Ignoranz. Ich kann es nicht ausstehen, wenn Menschen sich keine Gedanken darüber machen, wie andere mit ihrem Verhalten klar kommen.

Es wird Zeit für ein fettes Veto, nicht mit mir, nicht mehr.

Und, ich muss gestehen, die aufgestellten Nackenhaare und das tiefe Knurren in meiner Kehle fühlen sich verflixt gut an.

Alice

Veröffentlicht in Mal über mich, Schreiben

Familie

Meine Familie ist selbstgemacht. Dafür habe ich vor etlichen Jahren vier Jungs in einigermaßen regelmäßigen Abständen rausgepresst.

Der Mann, der dazu gehörte, würde abwegig und entsorgt. Da waren wir zu fünft und kamen klar. Ein neuer Mann tauchte auf und den gedenke ich, zu behalten.

Zwei Hunde und zwei Katzen ergänzen das Team, fertig.

Mein Mann ist mit der halben Kleinstadt verwandt. Wenn ein Geburtstag ansteht, ist das Haus voll. Zwei Onkel, zwei Tanten nebst Anhang, Kusinen und Cousins (gibt es eigentlich eine deutsche Schreibweise von Cousin? Ist das Kuseng???).

Bei mir ist nichts los. Eine familienuntaugliche Einzelkindmutter, ein familienuntauglicher Einzelkindvater, ein familienuntauglicher Bruder irgendwo im süddeutschen Raum. Sie waren noch nicht einmal bei meiner Hochzeit und lediglich die Oma beschenkt ihre Enkel zu Geburtstagen und Weihnachten.

Grußkartenfamilie.

Das selbstgemachte Konzept läuft besser, auch wenn die Jungs manchmal etwas zu vermissen meinen. Sie werden lernen, dass keine Großeltern besser sein können als die vorhandenen.

Zur Not leiht mein Mann ihnen etwas von seiner. Da ist ja ŕeichlich.

Alice

Veröffentlicht in 365 Tage, Mal über mich

Tag 293/365 – Nachts

Mein innerer Wecker klingelt mal wieder um drei. Die Versuche, ihn abzustellen, scheitern und ich stelle mich auf Kaffee und Tabletkreuzworträtsel ein. Und auf Ruhe.

Ich weiß nicht, wie das in anderen Haushalten ist. Aber hier wird nachts nicht geschlafen.

Der erste begegnet mir in der Küche auf der Suche nach einem Snack. Der abendliche Nudelauflauf wird verworfen. Es gibt offenbar doch noch Grenzen. Unverrichteter Dinge zieht er wieder ab, brummelt ein „Gute Nacht“ in meine Richtung und schlürft die Treppe hinauf.

Kaum hat er die Tür hinter sich geschlossen, geht oben die Klospülung und der zweite rumpelt die Treppe herunter. Auch hier wird der Kühlschrank einer Prüfung unterzogen. Für einen Moment stehen die Reste vom Kuchen im Raum. Doch der Trend geht zu Vitaminen und er plündert das Mandarinennetz. Dann haut er sich aufs Küchensofa, ächzt ein bisschen weil es zu kurz ist und kein Oberbett vorhanden.

Währenddessen taucht der dritte auf, um sich vorm Schlafen gehen noch eben die Zähne zu putzen. Inzwischen ist es fünf und ich bin beim zweiten Kaffee.

Mittlerweile sind alle oben und schlafen.

Tagsüber sehen wir uns nicht so oft.

Alice

Veröffentlicht in Mal über mich

gutenachtgedanken – ichmirmich

Wie gerne würde ich jetzt schreiben, dass ich mich mag. Einfach so. Meinen Körper, der im Wechselmodus ist, die pummeligen Hüften, die erschreckten Augen.

(Mir ist nie aufgefallen, wie ängstlich meine Augen sind. Auf Fotografien schockiert es mich )

Aber das ist nicht so. Ich bin mit mir im Clinch, jeden Tag. Zuviel gegessen, zu viel geraucht, zu wenig bewegt, zu wenig vernünftiges geschafft. Ich dümpel so vor mich hin. Mache und bin nie zufrieden.

Dabei gab es andere Zeiten. Da habe ich was geschafft, hatte Spaß am Tun und den Ergebnissen. Gerade ist es nicht genug. Bestenfalls so lala. Der innere Kritiker ist laut und lässt sich nur schwer abschalten. Er redet ununterbrochen. Die Hose kneift. Der Tag ist rum und nichts, aber auch nichts ist fertig geworden. hast du schon, schon wieder, lass es doch.

Der Bewerter war auch manchmal gnädig. immer dann, wenn ich anderen die Stimme gegeben habe. Für eine Weile war es dann gut. Die Stimmen von außen waren lauter als die innen drin.

Den Frieden mit sich machen, mit den Macken, den vermeintlichen Fehlern und endlich einmal das gut und ausreichend zu finden, was man auf die Kette bekommt, soll mein oberstes Ziel sein.

Als erstes beschließe ich jetzt einfach mal, mich schön zu finden.

Widerworte bitte in den Kommentaren. Ich bin ganz Ohr.

Alice

Veröffentlicht in Begegnungen

365 Begegnungen – Tag 38 – Baustellenmenschen

Geduldig biegt der gesetzte Mann das Blech um die zu überbrückende Stange. Es klappt nicht, schon wieder. Er setzte erneut an, beginnt leise zu fluchen, fürchtet sich vermessen zu haben. Da flutscht es wie von selbst in die gewünschte Position.

Das folgende Lachen war so dreckig wie meine Scheiben nach dem Winter. Der kleine Hund freute sich mit und klopfte mit der Rute links und rechts gegen Hindernisse.

Es machte tick-tock, tick-tock und er lachte noch lauter. Durchaus sympathisch und doch ein bisschen zu laut für einen Dauerkontakt.

Sechs Stunden reichten, werden auch teuer genug. Dafür ist das Problem jetzt gelöst.

Und sofort tat sich ein neues auf. Die letzte Dachplatte konnte nicht an ihren Platz geschoben werden. Ein Baum war im Weg. Der sowieso schon drastisch eingekürzte Holunder musste zurück geschnitten werden. Es blieb ein Stumpf. Der zurückgeschnittene Baum reckt seine letzten halben Äste anklagend in den Himmel. Ich bin guter Hoffnung, dass er wieder austreibt. Bisher hat er mich noch immer überlebt.

Die letzten Befestigungen kosteten mehr Nerven als Kraft.Meine Geduld wich einem Gummihammer. Der Lärm tat erstaunlich gut in meinen Ohren. Da scheint Wut zu sein.

Morgen wird geglast und getürt. Ich freue mich darauf. Es wird noch schlimm genug werden. Die Einrichtung der Außenstelle ist bereits geplant.

Wenn der erste Schnee fällt werde ich mit einem Stein im Glashaus sitzen und die Macht genießen.

Alice

Veröffentlicht in handmade, Selfmade, Weitgehend schwarz-weiß

Inktober

Wie das so ist. Eigentlich wollte ich mitmachen, dann kam was dazwischen und ich gab erst einmal auf.

Ende letzter Woche kamen die neuen Stifte und gestern der Tatort. und ich beschloss, so gar nicht regelkonform, einfach aufzuholen.

Die einzige Regel, die ich mir gab, war das Verbot des Nachdenkens und der Beschränkung auf fünf Minuten.

Ich stellte fest, dass mir die Ideen leichter fielen, die Umsetzung aber schlampiger wurde, Kritzelbilder halt.

Im übrigen hat mir der Tatort gut gefallen 🙂

Der Rest reiche ich zum nächsten guten Film nach… und dann bin ich hoffentlich im Terminplan 🙂

Alice