Veröffentlicht in Mal über mich

Irrationalitäten

Wir sind davon umgeben, jeden Tag. Ich brauche nicht die seltsamen Auswüchse betrachten, die die täglich neuen Coronaverordnungen in den verschiedenen Bereichen verursachen, wo an einer Stelle Abstand, Maske und Dokumentation steht, an anderer Stelle aber ohne Schutz nahezu gekuschelt werden darf, werden muss.

Ich brauche nicht diese teilweise unverständlichen Verkehrsregelungen anzuführen, wo dem Autohersteller Zucker in den Arsch geblasen wird, andererseits Autos verboten werden, weil sie dubiose Grenzwerte überschreiten.

Ich muss auch nicht die Eltern anführen, die ihrem Kind nur Biobananen aus Fairtrade in Ökokunststoffdosen mit zur Schule geben, es aber die fünf Minuten Fußweg nicht alleine gehen lassen, sondern den SUV anwerfen.

Da reichen die Kleinigkeiten, Gespräche mit Bekannten, Beobachtungen, Artikel im Netz, die man sich auf dem Klo aus Langeweile durchliest.

Ich verstehe so vieles nicht mehr, kann die angesetzten Prioritäten einfach nicht mehr nachvollziehen. Bis zu einem bestimmten Punkt bin ich bereit, dem Hamsterrad zu folgen. Aber gerade möchte ich mit schwerer Faust auf Tischplatten donnern und brüllen, dass einige doch bitte einmal ihren Verstand einschalten, sofern vorhanden natürlich.

Nur leider bleibe ich ungehört unter all denen die schreien, sinnvolles und sinnfreies.

Wir sind mit einem gut funktionierenden Hirn auf die Welt gekommen. Warum frisst die Gier es eigentlich auf?

Alice

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Warme Suppe

Gelbwürzige Aromaschwaden ziehen durch die Küche. Ich mische Knoblauch und Ingwer, gebe reichlich Gelbwurz und Kumin hinzu und gieße Olivenöl dazu. Der Mörser macht ein schmatzendes Geräusch, in dem gusseisernen Topf brutzeln Zwiebeln.

Karotten, Kartoffeln und ein Kürbis aus dem Garten, kleingeschnitten und geputzt, angeröstet, die Würzmischung dazu und abgelöscht. Salz, Pfeffer, ein bisschen Chili, ein bisschen Koriander und warten.

Es geht nichts über eine warme Suppe. Auch und besonders, wenn sie vegetarisch ist. Kreuzkümmel und Ingwer sind Labsal für die angegriffenen Magennerven, der Kürbis mit seiner feinsüßen Fülle, macht satt und warm.

Es geht besser und ich bin fast die alte.

Alice

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Der Magen mal wieder

Ich kann die Uhr danach stellen, wann er wohl wieder schlapp macht. Ob zu viele Termine und Trubel oder einfach nur fiese kleine Bazillen daran schuldig gesprochen werden müssen, dass er das unterste zuoberst kehrt, das kann ich nicht benennen.

Fakt ist, dass ich heute mit Porzellan kuschelte, es jetzt besser geht und ich mich mit Schonkost in die Ruhezone verziehe.

Selbstgesammelte Pilze habe ich glücklicherweise nicht gegessen, sonst gäbe es hier wohl Spekulationen.

Bleibt gesund, alles andere ist nämlich übel.

Alice

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Türkische Feigen und Ziegenkäse

Der Tag endete dekadent, er war mit ausreichend Arbeit gefüllt. Unsinnigkeiten gaben sich die Hand mit gefährlichen Fehlentscheidungen, ich mittendrin. Alles wie immer und doch anders.

Geht dich nen Scheiß an, antwortete ich auf eine zu distanzlose Frage und ich genoss den Gesichtsausdruck. Ich erwarte mehr, sagte ich wem anderen. Zwischendurch, Probleme lösen, die ein anderer bearbeiten wollte und verstehen, warum manches so ist, wie es ist.

Türkische Feigen und Ziegenkäse, weich und warm, duftend und so satt machend, dass ich mich kaum bewegen mag.

Die dunklen Gedanken begleiten mich, doch heute bot ich ihnen die Stirn, schubste, klärte, ließ links liegen.

Morgen ist quality Time, wie man neudeutsch sagt. Brauch ich auch, genau wie ein paar Runden auf dem Rudergerät.

Genießt den Abend.

Alice

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Gefangen

Dieser Film hält mich gefangen und ich komme da nicht heraus. Dieser unerträgliche Drang, allen alles recht zu machen, auch wenn es an die eigenen Bedürfnisse und Wünsche geht, hält mich fest in seinem eiskalten Klammergriff.

Gestern war übel, gestern war richtig schlimm und ich wäre Abends am liebsten einfach weg gelaufen. Alle lassen es sich gut gehen und selbst, wenn ich es mir vornehme, mehr auf mich zu achten, ich schaffe es nicht.

Wie ein Tier in der Falle, gifte ich alle an, knurre und beiße um mich. Jeder Versuch, mich zu beruhigen und Abstand zu bekommen, scheitert, muss Scheitern, weil ich die Grundvorraussetzungen schon nicht hinbekomme. Wie ein Pawlowscher Hund reagiere ich automatisch auf Unzufriedenheit in meiner Umgebung. Wie es mir geht, ist dabei erstmal egal. Am Ende werde ich wütend, so unglaublich bissig und vergrämt, dass ich etwas zerschlagen möchte. Am liebsten alles um mich herum und dann weglaufen.

Suchen wird mich keiner, selbst der Mann scheint mittlerweile eher froh zu sein, wenn ich mich verziehe, dabei steht er mit seinem me first ziemlich weit oben auf der Liste der Auslöser.

Gerade versinkt hier alles im Chaos, mein Körper rutscht hinterher, fühlt sich wund und rau an. Ich hasse es, wenn mir alles entgleitet, ich in keiner Handlung mehr Entspannung finde.

Heute beginnt eine überaus anstrengende Woche, wo mir von drei Seiten Termine aufgedrückt wurden, die ich nicht wollte. Macht es gerade auch nicht wirklich besser und erträglicher. Seht mir nach, wenn ich mich ein wenig zurückziehe.

Gerade ist nicht so toll.

Alice

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Ich bin das Haus

Das Haus bin ich. Ich bin gefüllt mit Zimmern, die voller Erinnerungen stecken. In mir laufen Kanäle, die durchflossen sind von kräftigenden und zerstörenden Fluiden. Ich blicke hinaus und lasse andere in mich hineinschauen. Manches bleibt verborgen. Einige Fenster sind immer verdunkelt, ein paar Türen immer geschlossen.

In den Schränken lagern Relikte, die nicht mehr gebraucht werden, alte Bögen bedruckten Papiers und Dosen, deren Deckel vor Fülle fast abspringen. Manche Bereiche sind für die Arbeit, andere zur Entspannung vorgesehen. Ich atme ein und die Räume weiten sich. ich atme aus und aus jeder Fuge strömt Wärme und Verbrauchtes.

Ich bin fest im Boden verankert und auf meinem Dach besuchen mich die Krähen. Ich bin zwischen Anderen und doch schützen mich Zäune und Tore vor zu viel Nähe.

Ich bin das Haus. Und das Haus bin ich.

Alice

PS: Und wie schon gefühlt hundert Male ist der Kanal wieder verstopft und das Wasser fließt nicht mehr ab. Dieses Haus und seine Abflusskanäle ist eine nicht enden wollende Baustelle. Und ich spürte das seit heute Morgen. Ich fühle mich vergiftet und gestaut. Ich habe keine Energie und fühle mich aufgestaut. Das Haus bin ich und ich bin das Haus.

Scheint zumindest so.

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Erschöpft

Die ganze Woche schon kämpfe ich, weil einfach immer zu viel, zu laut, zu turbulent daherkommt. Ich renne den tausend kleinen Arbeiten hinterher und komme auf keinen grünen Zweig.

Gestern spitzte sich das Drama zu, der Geburtstag des Juniors nebst Grillabend und Afterdinnerbespaßung. Es war lustig, es war schön, es hat alles geklappt. Er war zufrieden, seine Freundin war ausreichend im Mittelpunkt, doch ich bin gar.

Der Mann ist seit Tagen gereizt, ich habe keine Idee, was ihm quer sitzt und das macht es nicht besser.

Beim Waldspaziergang gestern, überlegte ich kurz, mich in die Büsche zu schlagen. Der Halbstarke rüttelte an jedem Baum und nölte nebenher mit der Hündin, die er führen durfte (das überlege ich mir nochmal) und der Mann zerrte an dem Rüden herum. Ich versuchte zu fotografieren und eine KeineAhnungwosieherkam quatschte uns plötzlich mit einem Holzstück in der Hand zu, dass ihrer Meinung aussah, wie ein Adler. Ich sah nur Jesus, schwieg aber lieber.

Heute morgen darf ich die beiden noch zu ihr fahren und dann vielleicht endlich zur Ruhe kommen. Im Atelier war ich die ganze Woche noch nicht, der neue Vergrößerer möchte eingeweiht werden.

Dabei möchte ich einfach nur meine Ruhe.

Alice

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Katzenminze

Unter meiner linken Hand schnurrt eine kleine Maschine. So scheu, wie sie sonst ist, in den ruhigen Stunden, bevor das Haus erwacht, ist sie fast aufdringlich kuschelig, fordert vehement Streicheleinheiten ein und hört erst auf, wenn der Tank für den Tag gefüllt ist.

Kleine Spuckefäden, voller Genuss an meinen kraulenden Fingern abgewischt, winzig kleine Öhrchen, die sich in meiner Hand aufrollen, samtschwarzes rauweiches Fell, das gegen die Wuchsrichtung gestrichen werden muss.

Katzen sind seltsame Begleiter, niemand besitzt sie und es bricht mir das Herz, dass unsere beiden ihr Leben eingesperrt verbringen müssen. Die kleine, weil sie chronisch krank ist und schon zwei ihrer Leben bei schweren Infektionen aufgebraucht hat. Die andere, weil es ihr wohl besser geht, sie aber nie wieder so wird, wie früher und ich sie in dieser Gegend, wo offenbar ein Tierquäler lebt, nicht mehr freilassen möchte.

Beide sind Opportunisten, das nimmt man in Kauf, wenn man sich eine Katze zulegt. Sie tut nur das, was sie will, wenn sie es will. Sie nimmt sich, was sie braucht und lässt das andere links liegen. Manchmal beneide ich sie, möchte es ihnen gleichtun, die lästigen Pflichten ignorieren und für einen Moment einfach das tun, was mir passt.

Gestern wäre dann ganz anders verlaufen, der ganze Stress und die vollgepackten Stunden hätte ich einfach ignoriert, die Arbeit Arbeit sein lassen und mich ausgiebig entspannt. Die Waldrunde mit den Hunden wäre früher und ausgedehnter gewesen, die Sorge, etwas zu vergessen, einfach vergessen worden.

Ich hätte mich mit Skizzenblock oder Buch in die warme Frühherbstsonne gesetzt und die Wünsche aller anderen ignoriert. Zur Belohnung für meine Untätigkeit hätte ich mich noch in etwas Katzenminze gewälzt und das wäre mein Tag gewesen.

Alice

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Effektiv

Es ist kurz nach neun und ein Teil des Tagesprogramms ist bereits abgearbeitet. Der Sport ist nach vorne gerückt und ich muss zugeben, dass es mich heute quälte. Vielleicht war es noch zu früh oder die Muskulatur etwas sauer. Doch ich spüre, wie es mich immer stärker macht. Und das tut mir gut. Ich bin ein Bewegungsmensch und wenn da nicht die Stimmen wären, die mir ab und an ins Ohr flüstern, dass es ja doch nichts bringt, würde ich die trägen Phasen besser verkraften.

Manchmal frage ich mich, warum alles zu etwas führen muss. Dieser Leistungsgedanke vergällt mir mein ganzes Leben. Der Selbstzweck geht dabei über den Jordan und für mich wird Spaß sehr schnell zu Stress.

Natürlich muss gearbeitet werden und auch im Hobby sind gute Ergebnisse erfreulich. Doch die sind nicht die Hauptsache, eher der angenehme Nebeneffekt. Heute morgen bin ich effektiv. Gleich schnappe ich mir noch Hunde und Sohn, drehe eine Runde und trainiere ein wenig Gehorsam. Der ist in der letzten Zeit auf der Strecke geblieben. Die Decken der kranken Katze sind in der Maschine. Es wird besser, wenn auch langsam. Der Pumakäfiggestank wird weniger, ein Zeichen, dass sie wieder mehr Kontrolle über den Körper bekommt.

Der Mann ist zur Arbeit, ein Einkauf steht an bevor ich heute Mittag noch ein wenig Kundenbetreuung machen muss. Das Radio hätte gerne ein Foto von mir mit dem Zeugnis, doch nach dem Artikelfoto in der Zeitung habe ich da keine Lust mehr zu. Ich weiß nicht, was ich dem Journalisten getan habe, das Bild war bestenfalls eine Karikatur von mir.

Der Jüngste wird morgen volljährig, da muss noch einiges vorbereitet werden. Das Geschenk gibt es später, zusammen mit dem vom großen Bruder, eine Trainingsbank wünschen sie sich und suchen noch das passende Modell. Sie sind ja nicht mehr fünf und eine kleine Überraschung habe ich auch so.

Die nächste Woche wird turbulent, doch zumindest an einem Tag habe ich Pflichtfrei. Gerade fällt mir ein, dass ich noch was vorbereiten muss.

Alice