Veröffentlicht in Mal über mich

Morgenstund

Einer bei der Freundin und hoffentlich pünktlich in der Schule, einer los, um die letzten Schultage zu überstehen. Zwei schlafen den gerechten Semesterferienschlaf, einer ist noch krank und die Hunde leisten Gesellschaft.

Der Kaffee ist dünn heute morgen und die Sonne scheint durch die großen Glasscheiben. Es ist ruhig hier, nur leise brummt das vom Sohn gebastelte NAS- System, Sicherung ist wichtig, alles drauf.

Fotoalben im Schrank, manchmal hole ich sie raus, betrachte sie mit den Jungs. Babybilder, Babylächeln, Babylocken. Unvorstellbar, wie klein sie waren. Auch ich war so klein. Meine Bilder liegen ebenfalls im Archiv, sie verblassen zwischen Seidenpapier, wer war das damals.

Ich denke an lustige und erschreckende Stunden, auf den Fotos ist nichts zu sehen. Ich lächle, ein bisschen schräg, ein bisschen selbstvergessen. Eine kleine grinsende Last, unvollkommen, undankbar, gierig, eine Fehlentscheidung.

Ein Gedanke fliegt durch den Raum, kaum greifbar, ist er weg, bevor ich ihn betrachten kann. Die Lösung ist nicht erzwingbar, steht auf vielen Seiten und ist schon lange in mein Herz graviert.

Heute wird ein schöner Tag, Zeit, vom Sofa hochzukommen und den Kreislauf zu befeuern. Die Dusche wartet und das alte Radio muss herhalten. Habt einen sonnigen Tag.

Alice

Veröffentlicht in Mal über mich

Vorübergehend

Ich brauche eine Pause, das spüre ich schon seit Weihnachten. Der Enthusiasmus ist im Urlaub, die Muse hat sich angeschlossen, der Sinn ist im Keller, irgendwelche Leichen ein- und ausgraben. Es passiert viel und ich komme nicht hinterher.

Der Körper hat mich nicht ohne Grund lahmgelegt, gerade ist viel und doch nicht genug. Ich drehe mich im Kreise, wiederhole mich, tanze auf der Stelle und sehe meine Füße nicht mehr. Ohne, dass ich handle, wird es sich nicht ändern, die zur Schau getragene Unzufriedenheit ist nur ein Symptom und keine Therapie.

Ich werde nicht ganz verschwinden, nur dünner werden, schmaler und vielleicht endlich mal ein bisschen weniger klagen. Das System macht mir Druck, ich mache mir Druck und das tut zur Zeit nicht gut.

Ich habe neues Spielzeug zum Knipsen und zeichnen und es möchte getestet werden ohne Leistungszwang. Ich bin lange nicht so gut, wie ich mir manchmal gerne einreden möchte und doch nicht glaube. Je weiter ich komme, desto deutlicher werden Defizite und das schmeckt mir nicht.

Ich habe nichts davon gelernt. Gar nichts. Weder, wie man schreibt, noch zeichnet, noch fotografiert. Ich bin einen Weg gegangen, der mir nicht entspricht und ich brauche Strampelfreiheit, um aufzuholen, endlich meinen Anspruch zu erreichen.

Ich kann nicht so tun, als ob, kann nicht zufrieden sein mit halbfertigem, der Anspruch ist zu hoch. Und auch, wenn alles nur Hobby ist, Ausgleich und Spiel, es ist das, wofür mein Herz schlägt und es ist wichtig.

Verstehen tut das kaum einer, selbst der Therapeut besteht darauf, dass ich Wissenschaftlerin bin. Ich bin so weit weg davon, wie man nur sein kann. Ich kann es nur, wenn ich muss. Mein Herz lacht nicht dabei.

Ich schrieb gestern über den Wunsch, besonders zu sein. Und dass ich lernen möchte, auch ohne Leistung, diese Einzigartigkeit zu akzeptieren. Nur dafür muss ich mich ausloten, frei und ohne Feedback, mich ausprobieren können, ein wenig mit mir in Klausur gehen.

Ich werde nicht ganz verschwinden, mich sicherlich weiterhin täglich melden und ab und an zeigen, wo der Wind mich hintreibt. Nur das Kreisen um meinen Bauchnabel muss aufhören, denn es bringt mich nicht weiter, es hält mich vielmehr in alten Verstrickungen fest.

Es gibt was zu tun, was zu klären, mich zu emanzipieren von alten Stimmen, die immer noch in meinem Kopf nachhallen. Freischwimmen ist angesagt, und auch, wenn das sehr spät passiert, irgendwann muss es sein, sonst wird das nichts mehr.

Ich wünsche oft, es wäre anders gelaufen, ich hätte den Support und das Vertrauen gehabt, das ich gebraucht hätte. War aber nicht so. So ist Leben, es hätte sicherlich auch noch schlimmer kommen können. Die Not hat mich zerrissen und war mir oft ein schlechter Ratgeber. Auch damit stehe ich nicht alleine.

Hier wird es also vorübergehend ruhiger. Ihr versteht das schon.

Alice

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Durchschnitt

Niemand will Durchschnitt sein, jeder hat das Bedürfnis, sich als etwas Besonderes zu profilieren. Wir sind nicht ohne Grund hier, wollen etwas erzählen, etwas zeigen, unsere Fotos, Geschichten, Bilder unters Volk bringen.

Es ist unser ureigenstes Bedürfnis, uns von der breiten Masse abzuheben, herauszustechen, aufzufallen. Wer will schon zur Herde gehören, wenn wir das Leitlamm sein können. Tausende von Instagramprofilen erzählen dieselbe Geschichte. Wir stellen uns dar, lächeln in die Kamera, ziehen den Bauch ein.

Und das ist okay, weil wir ja was Besonderes sind. Jeder ist einzigartig, nur vergisst er das auf dem Weg. Die angeborene Einzigartigkeit ist einfach nicht spektakulär genug, sticht nicht genug heraus, führt nicht zu genug Bewunderung.

Dabei ist es vollkommen uninteressant, was die anderen denken. Es ist nur wichtig, was wir selber denken, was wir fühlen, wie wir uns fühlen und sehen.

Es hat eine Weile gedauert, bis ich das verstanden habe und so richtig begriffen habe ich es immer noch nicht. Es braucht noch ein bisschen, bis es vom Kopf ins Herz gerutscht ist und ich danach leben lerne.

Die Ursache? Nunja, wie bei vielen anderen auch. Da waren Eltern, die nicht genug lieben könnten, die es nicht schafften, das Kind mit sich zufrieden sein zu lassen. Und da lernte es, dass es gut ist, wenn es besonders ist. Perfiderweise durfte es dennoch nicht aus der Masse hervorstechen, durfte nichts Besonderes sein und sollte es doch. Ein klassisches Dilemma, unlösbar anscheinend und doch so einfach aufzudröseln.

Es ist mir egal, sollte es sein, wird es sein. Die Fesseln lockern sich und damit der Blick auf meine Einzigartigkeit.

Es ist noch ein Stück Arbeit, doch ich bin auf dem Weg, einem ganz durchschnittlichen, fürchte ich.

Alice

Veröffentlicht in Mal über mich

Luftleerer Raum

Manchmal fehlt die Luft unter den Flügeln, gerade eben weht sie nur draußen, rappelt an Fenstern und Zweigen, in mir ist es windstill. Klar hat das was mit dem Infekt zu tun, aber es war auch vorher schon da. Nur könnte ich da sagen, dass ich keine Zeit habe, zu viel Arbeit, zu viel zu tun.

Der Wind heult um das Haus und ich bin ein wenig neidisch, wenn ich die mutigen Krähen betrachte, die sich todesmutig von ihm nach oben tragen lassen. Ich muss an Ikarus denken.

Aber ich muss auch ans Ende denken, das ganz am Schluss, das Unaussprechliche, der Voldemort unseres Bewusstseins. Da landen wir alle irgendwann. Und ab und an, wenn niemand da ist, der mich ablenkt, erinnere ich mich an ihn und spreche leise seinen Namen aus. Dann verschwinden die Alltagssorgen, der Ärger und der Stress und ich überlege, wie ich mit ihm umgehen werde, wenn er denn dann da ist.

Ich möchte ihm sagen, dass es zwar nicht schön, aber okay ist. Dass ich viel geschafft habe und zufrieden bin. Dass ich aus allen Töpfen gekostet habe und mein Leben reich und voll war. Dass ich müde bin und das Fliegen nun den Anderen überlassen möchte.

Und wenn ich in diesen zugegeben düsteren Stunden, sein Gesicht sehe, dann weiß ich, dass ich noch nicht zufrieden bin, dass es nicht reicht, ich viel zu vieles nicht probiert habe und absolut nicht zufrieden bin. Dass ich Stricke und Fesseln abschütteln muss, die Bodenanker, die Handschellen, dass ich die Flügel anlegen muss, um es wenigstens probiert zu haben.

Scheitern ist keine Schande, es nicht zu versuchen schon.

Zugegeben, es könnte leichter sein, es dürfte auch endlich einmal leichter sein. Irgendwann wäre es doch schön, wenn ein kleines bisschen Support, der, der bei anderen selbstverständlich ist, bei mir ankommen würde. Immer musste ich gegen den Wind starten, nie war jemand da, der tatsächlich an meine Flugkünste glaubte.

Bleib unten, hieß es, da kannst du nicht so tief fallen. Was für ein Schwachsinn.

Jetzt hänge ich hier, Sofa, Katze und luftleerer Raum. Ich mag hier nicht mehr jammern und klagen. Ich baue jetzt eine Startrampe, auch wenn ich gerade nicht weiß, ob sie funktioniert.

Doch das ist egal, oder?

Alice

Veröffentlicht in Fotografie, Mal über mich, Natur

Immer noch

Immer noch Sofa, immer noch platt. Nur die Katze leistet mir Gesellschaft, sie und der Mentalist.

Die beiden sind sich erstaunlich ähnlich. Aber es geht bergauf, ich werde ungeduldig. Die Lethargie weicht rappeliger Ungeduld. Ich mache, was sitzend zu erledigen ist, probiere Filter aus und die arme Katze muss herhalten.

Die Sonne zwinkert ab und an durch das Fenster und ich zwinker zurück. Bis die Tage, sage ich und sie lächelt.

Alice

Veröffentlicht in Fotografie, Mal über mich, Philosophisches

12 Meter

Nur wenn man etwa 12m von etwas entfernt ist, dann hört und sieht man es wie es wirklich ist, dann sind Schallwellen, Licht und Gehirn in perfekter Harmonie. Die übrige Zeit verbringen wir in einer Welt der Lügen. Erst durch lügen ergibt die Welt für uns einen Sinn, ergo tut die Wahrheit weh..“

(The Mentalist-Die Wahrheit tut weh)

Ich habe im Netz tatsächlich Nichts dazu gefunden, dennoch fasziniert mich der Gedanke. Es ist auf meiner ToDo-Liste gelandet, einfach so, weil es nicht schaden kann und vielleicht ganz spannend ist.

12 Meter Abstand beim Fotografieren macht die Motive sehr klein, wenn es um Menschen geht oder ist vielleicht zu nah dran, wenn es sehr groß ist. Und da ich mich sehr schwer damit tue, Entfernungen abzuschätzen, werde ich ein Maßband brauchen oder die Strecke abschreiten. Da ich mit den alten Kameras sowieso nicht so spontan bin, ist das vielleicht eine Idee für die Seagull. Und für schönes Wetter. Und wenn ich wieder gesund bin.

Es bleibt auf der Liste, wie vieles Andere. Aufschreiben ist dann eine gute Idee.

Ich werde berichten.

Alice

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Eingenistet

Ich habe mich eingenistet. Das Wohnzimmer ist mit Beschlag belegt. Hier findet gerade Leben statt, wenn ich nicht im Bett liege. Wobei Schlafen auf dem Sofa ja auch ganz prima geht.

Die Söhne haben sich nicht angesteckt, zumindest bisher. Der Mann hustet oben, ich bin schon wach.

Zwangsruhe ist ein interessanter Zustand. Man möchte eigentlich, doch es geht nicht. Das Hirn läuft auf 50 Prozent, Serien in Dauerschleife. Ideen kommen und gehen, manche finden ihren Weg ins Notizheft. Edelfuzzies kamen gerade dazu, ich habe Lust auf Farbe. Ob das Wohnzimmer die Panscherei überlebt, weiß ich noch nicht.

Es ist früh, eigentlich zu früh für die Flucht aus dem Krankenbett. Die Katze schnurrt neben mir, möchte gerne geknuddelt werden. Vieles geht gerade langsam, draußen geht Leben weiter, hier regiert der Mentalist.

Ich steh offenbar auf subversive Persönlichkeiten und damit bin ich nicht alleine. Soziopathen, die sich einen Scheiß darum scheren, was andere von ihnen denken. Die Gefühle verstecken, Traumata mit Aggressivität begegnen, in erster Linie gegen sich selbst. Sehe ich mich selbst darin oder möchte ich ein bisschen mehr so sein wie sie.

Draußen ist egal, ich zieh mein Ding durch. Ein interessanter Gedanke, nicht neu, vom Prinzip her eher abstoßend. Und doch, wer wie ich mehr nach außen schaut, für den ist eine kleine Kurskorrektur vielleicht nicht so schlecht.

Ich geh jetzt duschen, auch das kann gerade nicht schaden. Und dann niste ich mich hier weiter ein. Das Virus schmeiße ich aber bald raus.

Alice

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Gebügelt

Nein, ich fange jetzt sicherlich nicht an, Hemden zu bügeln. Solche Aktivitäten habe ich schon vor langer Zeit aus meiner ToDo-Liste gestrichen. Hier muss niemand mit geglätteten Wäre auflaufen, und wenn, müsste er sich selbst drum kümmern.

Ich fühle mich wie gebügelt. Ein Tag im Halbschlaf zwischen Tee und Bingewatching, Wechsel zwischen Sofa und Bett. Eigentlich ist es gar nicht so schlimm, das Fieber nicht besonders hoch, die Schniefnase hält sich in tolerierbaren Rahmen. Nur die Müdigkeit setzt mir zu. Es könnte schlimmer sein.

Notwendige Angelegenheiten wurden geregelt, so viel habe ich noch geschafft, der Rest war der Ruhe gewidmet und sie tut mir gut.

Ab und an funktioniert sogar Denken, wer hätte das gedacht, nur Tiefsinniges will nicht so wirklich. Die Oberfläche ist manchmal auch ganz nett.

Durchatmen ist angesagt, ein wenig zu mir kommen. Krankheiten kommen nicht ohne Grund, die Viren sind nur ein Teil der Geschichte. Platt war ich schon vorher, zerzaust von der eigenen Zerrissenheit, gebeutelt von Pflichten und Notwendigkeiten. Da ist noch was, was ich nicht greifen kann. Ich warte, das passiert bald was und ich ahne.

Es wird nicht allzu tief treffen, doch Handlungen erforderlich machen. Ich bin noch nicht kampfbereit, nur eine Idee davon wächst in meinem Kopf.

Mein Recht, meine Aufgabe, meine Ruhe. Ich will noch nicht, verziehe mich noch in meinen Fieberpalast. Dort löst der Mentalist die Probleme. Übrigens im ungebügeltem Hemd. Da kann ich mir sicher was von abgucken.

Alice

Veröffentlicht in Mal über mich

Schniefnasenzeit

Es hat mich erwischt. Bisher hielt ich mich tapfer, ließ mich mal von Migräne in die Knie zwingen. Seit heute morgen läuft die Nase.

Wahrscheinlich hat es der Mann geschafft, der schon seit Montag den Todessternvirus in sich trägt. Ich wähnte mich immun. Küsste trotzdem, nahm keine Rücksicht auf Viren und Keime und muss nun die Rechnung zahlen.

Die Knochen schmerzen und der Kopf ist ein Wattebausch, die Nase trieft und ich fühle mich, als hätte ich heute Nacht Steine geschlagen. Bingo.

Der Kopf puckert, der Bauch macht Spirenzchen, leicht fiebrig ist mir auch zumute.

Ich will mal hoffen, dass es nur eine Erkältung ist und ich nicht auf die Grippewelle aufspringe, das passt nämlich gerade gar nicht. Die Kundschaft wird es freuen, hat sie dadurch doch einen kleinen Prüfungsaufschub.

Ich wanke wieder ins Bett, sofern ich schlafen kann. Mein Timing war auch schon einmal besser.

Alice

Veröffentlicht in Mal über mich

Familienzuwachswarterei

Ob es bei der Hündin geklappt hat, weiß ich noch nicht, doch der Rüde gibt Ruhe. Das scheint ein gutes Zeichen zu sein, doch warten wir es ab.

Die Kamera kam heute an, eine Seagull 4A, ein Rollfilm ist drin, jetzt muss nur noch das Licht passen, dann geht es los.

Der Tag war halbfaul, einem gewaltigen Einkauf folgte eine notwendige Pause. Eine Erkältung bricht sich Bahn, mal schauen, was draus wird.

Ich kann mich zu wenig aufraffen, bin schlapp und unkonzentriert. Glücklicherweise ist diese Woche wenig Dienst, das sollte zu bewältigen sein.

Der Ärger flaut langsam ab, nur wohin es gehen soll, weiß ich noch nicht. Anderer sickert dafür durch bis dahin unbekannte Ritzen. Es wird sich regeln, irgendwie, hat es ja immer.

Jetzt freue ich mich erstmal auf Vielleichtwelpen und große Negative.

Alice