Veröffentlicht in Mal über mich

Warteschleifentango

Ein Teil der Lieferung des Computers ist angekommen. Der Sohn#2 begutachtete sie fachmännisch, öffnete neugierig Karton um Karton und stellte fest, dass es das falsche Netzteil ist.

Leider ist das zugesandte nicht hochwertiger, sondern minderwertiger und damit nicht akzeptabel, selbst wenn das Angebot gut war.

Seitdem hänge ich in der Warteschleife, höre mir abwechselnd 2 Werbejingles an, dazwischen grauenvolle 12-Tonmusik. Jedes Mal, wenn ich durchkomme, wird am anderen Ende aufgelegt. Also wähle ich erneut, lasse das Grauen über mich hereinbrechen und warte auf einen gnädigen Menschen, der sich mit mir auseinandersetzt.

Dass ich dabei immer ärgerlicher werde, wird offenbar von der anderen Seite nicht bedacht.

Zwei Schritte vor, einer zurück, einmal hin, einmal her zu Gruselgedudel.

Falls also ein freundlicher Mitarbeiter gerade meinen Blog liest und deshalb nicht ans Telefon geht, „Heb ab!“ (Ich gebe nicht auf)

Alice

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Tagebuch – Tag 11 – 07.04.2020

Manchmal bin ich konsequent, mein persönliches Coronatagebuch läuft weiter. Wer mitlesen möchte, ist herzlich eingeladen.

Ihr findet es hier.

Die Frühjahrsmüdigkeit hat mich voll im Griff. Viel Zeit bedeutet nicht, dass man viel schafft. Es bedeutet, dass man viel Zeit hat, darüber nachzudenken, was man alles schaffen könnte, wenn…

Ja, wenn man den Arsch hochkriegen und anfangen würde.

Von der ToDo-Liste ist nichts abgearbeitet, das Haus schreit nach Putzwahn, der vorösterliche Einkauf steht an (Merke: Es gibt keine Hefe!), die Hunde sind unausgelastet und es gibt kein Hochbeet, also kein zusätzliches.

Stattdessen war ich in der Wanne, habe lila Pampe auf gebleichte Haare geschmiert, meine Finger sind zartlila, als hätte ich Rotkohl geschnitten, den ich zu dieser Jahreszeit aber so gar nicht mag. Grün fand ich besser, aber ein bisschen Abwechslung ist sicher gut.

Davon abgesehen brauchen die Haare dringend einen Schnitt, ich stehe kurz vor einer Aktion mit der Bartschere des Mannes oder vor Turbanwickeltechniken. Die trug ich schon mal, aber da war es Sommer und ein gebräuntes Gesicht passt einfach besser dazu als ein winterbleiches Käseantlitz.

Der Sohn hat gestern den empfohlenen Monitor installiert, ich blicke auf 27 Zoll mit einem Farbraum, den noch nicht mal ich sehen kann. Sieht gut aus, sagte ich und er freute sich zurecht. Wenn die Einzelteile ankommen, wird der altersschwache PC, der bei jeder grafischen Aktion ein peinlich-lautes Heulkonzert anstimmt, durch eine belastbarere Variante ersetzt. Ich bin gespannt und kann nur jedem raten, der in Besitz eines engagierten Informatikstudenten ist, diesen Vorteil zu nutzen. Man spart echt eine Menge Geld und hat keinen Schnickschnack, den man eigentlich nicht benötigt.

Sonst so?

Comicanleitungsbuch kommt heute, neue Stifte kamen gestern (die alten hatte ich tatsächlich leer gepinselt), Marke gewechselt und sehr zufrieden. Gutes Werkzeug ist eine feine Sache.

Alice

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Sonnenscheinschattenmalerei

Die Sonne scheint, es wird warm. Ich war früh wach, badete bereits, schaute eine Folge Monk in der Wanne, zog das neue Kleid an und warte nun darauf, dass Mann und Hunde aus dem Schlafzimmer gekrabbelt kommen.

Es wird ein guter Tag, es kann einer werden, wenn wir uns ein wenig bewegen, die Füße vor die Tür setzen , andere Eindrücke zulassen, vielleicht nicht so viel grübeln und uns ängstigen, sondern für einen Moment nur leben.

Wo Licht ist, ist auch Schatten. Eine logische Kausalität. Wo Schatten ist, ist auch Licht, stimmt auch. Denn wer schon einmal versuchte, zu Neumond draußen Schatten zu suchen, war lange unterwegs.

Ich will die Situation nicht schönreden und ab und an habe ich Angst.

Das Leben geht weiter, oder auch nicht. Ich weiß es nicht und ich will es auch nicht wissen. Es gibt tausend Gründe, warum ich heute sterben könnte. Corona liegt ganz weit hinten.

Ich wecke jetzt den Mann und schmeiße die Hunde raus. Es wird ein schöner Tag. Versprochen.

Alice

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Tagebuchauszug – Tag 7

Das ganze Tagebuch findet ihr hier.

Es ist eine nicht zu verleugnende Tatsache, dass auf einmal alles anders ist. Ich gebe zu, dass ich manchmal über solche Situationen sinnierte, gerne „The Walking Dead“ und andere postapokalyptischen Medien konsumierte. Doch der leicht romantische Ruch, den sie befördern, davon findet sich absolut nichts in der Realität.

Wir sind eingesperrt, zumindest ein Teil von uns. Einige arbeiten wie Tiere, andere sitzen gemütlich zu Hause, viele bangen um ihre Existenz, anderen geht es so gut wie zuvor. Ungerecht ist das und die Schere klafft meilenweit auseinander.

Doch gerade diejenigen, die genügend Luft hätten, um auszuhalten, sozial zu sein, zu verzichten und abzugeben, klammern sich an jeden Cent. Nach mir die Sintflut.

Ja, da war was. Die Sintflut. Sie gehört zu den bekanntesten Bibelgeschichten, ist der Prototyp jeder pandemischen Vision. Die Menschheit am Ende, jeglicher Menschlichkeit beraubt, wagt einen Neustart mit wenigen Auserwählten.

Nur wer wird diese Sintflut überleben? Nicht zwingend die Guten, die Aufopferungsvollen, die großmütigen Herschenker, die trotz Infektionsgefahr helfen und sich in die Höhle des Löwen wagen. Auch nicht die Armen, die Gebeutelten, die Opfer, die Ausgestoßenen, für die doch endlich mal ein Herz schlagen sollte.

Kinder, denen Schule der einzige sichere Rückzugsort war, müssen in Familien bleiben, der einzige Kontakt nach außen das Handy, gewaltbereite Eltern, Streß, Arbeitslosigkeit, Verzweiflung. Durchseuchte Altersheime und Rehakliniken, ausradierte Einsame.

Kleinere Wirtschaftsbetriebe werden einfach verschwinden, Hilfsfonds hin oder her. Das sind nur Tropfen in brennenden Dornbüschen. Manche, bei denen es vorher knapp war, werden verarmen. Es ist nur ein kleiner Schritt.

Übrig bleibt eine reiche Welt und eine arme. Dazwischen wird die Luft dünn.

War das das Ziel? In der Bibelgeschichte sicher nicht. Ich fürchte, da wurde etwas nicht gründlich zu Ende gedacht, oder?

Alice

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Das neue Klopapier

Wir leben in einem zivilisierten Land. Uns steht fließendes Wasser zur Verfügung, die Infrastruktur ist okay, wir haben Schulen und Krankenhäuser für alle und seit sicherlich einhundertfünfzig Jahren sind die Grundlagen der Körperhygiene in alle Haushalte eingezogen.

So dachte ich zumindest.

Ich ging davon aus, dass jeder sich regelmäßig die Hände wäscht. Nach der Toilette, wenn er von draußen rein kommt und sicherlich ein Dutzend mal beim Kochen. Ich mache das zumindest so.

Wir sind viele Händewascher zu Hause, deshalb habe ich auch immer einen kleinen Vorrat an diesen duftenden Schmuckstücken zu Hause. Ein großer Vorrat war nie nötig, denn ein Mal im Monat sind wir mindestens im Drogeriemarkt und füllen ihn wieder auf.

Wegen Hygiene und so. Und weil es sich so viel angenehmer anfühlt, sich mit einem Seifenstück zu waschen, aber das nur nebenbei.

Gestern waren wir einkaufen. Ich brauchte keine Seife, kaufe sie sowieso lieber im Ökoladen, aber etwas anderes aus dem Gang. Da gähnten mich leere Regale an. Keine Seife mehr (bis auf die grüne von Fa, die mit der seltsamen Nacktefrauwerbung in den 80ern, die so schrecklich riecht und auf der Haut piekst). Ich staunte.

Haben die Deutschen nun die Hygiene für sich entdeckt? Stellten sie fest, dass man Ansteckung tatsächlich durch etwas profanes wie Händewaschen zumindest reduzieren kann? Sitzen jetzt Millionen von Deutschen da und kratzen mit Seife und Nagelbürste bewaffnet jahrealte Dreckschichten von schwerkontaminierten Fingern?

Oder ist Seife das neue Klopapier? Weil, damit kann man sich zur Not auch den Popo waschen.

Alice

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Ein mal zwei Meter

Der Nachbar arbeitet im Garten. Soll er, sagt mein Mann und schaut in die Gartenzeitschrift. Ich weise dezent darauf hin, dass er in der Nähe des Zauns arbeitet. Unseres Zauns. Des Hundezauns, der es uns ermöglicht, einigermaßen stressfrei die Hunde aus der Tür in den Garten laufen zu lassen.

Wir haben ein großes Grundstück und sicherer, also hoher Zaun ist teuer. Also kauften wir einen Wildzaun. Der ist hoch, leicht und trotzdem stabil. Dachte ich.

In den letzten Jahren hat der Nachbar keinen Finger gerührt. Der halbe Garten war Wildwiese, der Rest hoch eingezäunt mit Pool oder sonstwas. Jetzt ist eine Frau im Haus und die höre ich nun kommandieren. Und er springt. Zumindest fast. Mäht die Wildwiese, setzt Sichtschutz und buddelt in der Nähe unseres Zauns herum.

Jetzt ist es nicht so, dass er vorsichtig wäre. Was anderen gehört, ist ihm herzlich egal. Ich hatte nämlich mal eine Katze, eine schwarze Schönheit. Die war so schön, dass er sie immer wieder zu sich lockte. Und sie auch ins Haus nahm. Egal, was ich ihm sagte, es war ihm herzlich egal. Sie verschwand als er für vier Wochen nach Sonstwohin in Urlaub düste. Wahrscheinlich hat er sie hinterher in irgendeinem Schrank oder seinem Keller gefunden. Oder die der Nachbarn, die er versehentlich im Schuppen einsperrte, nachdem er ihr beibrachte, dass es da, wo er ist, Leckerchen gibt. Sie strangulierte sich beim Versuch zu entkommen. Oder das Sichtschutzelement, dass er in Flammen setzte, oder, oder, oder.

Wenn also dieser Mensch in der Nähe unseres Zaunes buddelt, ist Vorsicht geboten. Es ist ihm nämlich egal, ob unsere Hunde auf dem Grundstück bleiben. Mir aber nicht.

Ich werde morgen den Baumarkt aufsuchen, glaube ich und noch ein bisschen im Garten bauen. Ein Hochbeet würde sich hervorragend an der Grundstücksgrenze machen. Ich dachte da so an ein mal zwei Meter.

Alice

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Frühtag

Ich könnte länger schlafen, jetzt, wo ich nicht zur Arbeit fahren muss, sondern einen Heimdienst mache. Ich könnte mich umdrehen wie der Mann, der gerade kränkelt.

Ich könnte die Sonne, Sonne sein lassen, die herausgewaschene grüne Farbe in den Haaren ignorieren, ein bisschen stinken statt zu baden, keinen Kaffee kochen und auch keine zweite Kanne.

Ich könnte die Augen schließen und denken, das ginge mich nichts an. Mich vielleicht zu Dienstzeit mühsam an den Rechner schleppen, mit halboffenen Augen weiterdösen, viel ist für mich gerade auch nicht zu tun. Das meiste, was ich gerade leisten muss, ist eine Vorbereitung für die nachösterliche Weiterarbeit.

Doch ich möchte nicht versumpfen, mich nicht gehen lassen, nur weil es gerade eben jetzt anders ist. Ich muss zwar zugeben, dass ich meistens in meinen Schlumpfhosen herumrenne, doch ich frisiere und schminke mich, putze mir die Zähne und versuche auch sonst, vorzeigbar zu bleiben.

Ich schreibe mein Tagebuch weiter, wer mitlesen möchte ist herzlich eingeladen. Man findet es hier.

Ob die große Hündin trächtig ist, wissen wir immer noch nicht genau. Wenn, wird es auf jeden Fall kein großer Wurf. Aber es sind auch noch fast zwei Wochen bis zum geschätzten Stichtag. Sollte sie allerdings wieder scheinschwanger sein, wird sie um eine Hormonbehandlung nicht drumherum kommen.

Alice

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Lagerkoller

Ich habe Stubenhockergene, auch wenn ich mir das manchmal nicht eingestehen mag. Doch gerade reagiere ich atypisch. Trotz Halsweh und einem latenten Ichfühlmichnichtsofit-Gefühl , möchte ich raus.

Die leidigen Kampfeinkäufe für die Familie fehlen mir, die Fahrt zum Job und auch die Leute dort, wenn sie mir normalerweise oft auf den Geist gingen. Mir fehlt das Drängeln, die Nähe, die Freiheit, einfach in ein Museum oder einen Laden zu gehen, zu stöbern, zu quatschen, dabei zu sein.

Dabei geht es mir mit meiner Großfamilie noch recht gut. Und dem Garten. Ich habe Platz, auszuweichen. Es ist immer jemand da zum Reden. Ich bin weder allein noch so richtig weggesperrt. Doch das reicht gerade nicht.

Und ein Ende ist nocht absehbar, auch wenn angeblich die Anzahl der Neuinfektionen langsam runtergeht. Bis es wieder normal läuft, wird noch viel Wasser den Rhein runterfließen. Ich gehe jetzt duschen, in einer Stunde muss ich am PC sein.

Was für ein Stress.

Alice

Veröffentlicht in Mal über mich

Gestörtes

Gestern ging nichts mehr. Nachdem der Tagebucheintrag erweitert war, streikte das Netz, verweigerte sich jeglichem Zugriff. Es hatte keine Lust mehr. Basta.

Kein anderer hatte Schwierigkeiten. Ich lief von Raum zu Raum, klopfte an und sah schon beim Eintreffen alle in den Untiefen des Internets verstrickt. Nur ich nicht. Hier nicht. Ohne mich.

Ich zog die Konsequenzen und mich zurück. Die angefangene Geschichte für die Etüden blieb eine angefangene Geschichte, dem Tagebuch gab es nichts hinzuzufügen und im Wohnzimmer gab es Serien und Wein.

Heute gibt es ein wenig Kopfweh dafür und ein bisschen mehr zu tun und zu schreiben.

Vielleicht kommt heute auch nicht dauernd jemand rein, will was von mir, hat Fragen oder Belange, die unmöglich warten können. Das wäre nämlich schön.

Alice

Veröffentlicht in Mal über mich, Schreiben

Ein Tagebuch

Nachdem es mit dem Fuzzieversum so gut geklappt hat, habe ich die Idee weitergesponnen und ein Tagebuch begonnen. Ich bin so weit.

Der Vorteil ist, es ist dynamisch. Was bedeutet, dass nur ein Link notwendig ist, um immer wieder auch die Veränderungen mitzubekommen. Ich betoniere also diesen Beitrag oben auf meiner Seite fest. Wer mag, darf gerne immer wieder vorbeischauen 🙂

Ein Tagebuch
Früher habe ich viel Tagebuch geschrieben, irgendwann schlief es ein. Etwas im Zeitablauf für mich festzuhalten, verlor an Bedeutung. Der Alltag mit den festgezurrten Terminen überlagerte d…
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Alice