Veröffentlicht in Kurzgeschichten

ABC-Etüde – Ade

Zu den Etüden bei Christiane. Die Wortspende kommt von Kommunikatz.

Sie steht am Herd und rührt langsam in der Pfanne. Der Duft von angerösteten Zwiebeln wabert durch den dämmrigen Raum. Sie fühlt sich erschöpft, doch das ist nichts Neues für sie. Wenn der Sommer vorbei ist, umfängt sie jedes Jahr diese seltsame Melancholie. Die schwindende Sonne nimmt einen Teil ihres Lebensmutes mit. Im Winter schläft sie nahezu und erst mit dem beginnenden Frühling wird sie wieder aktiv.

Sie zieht die Pfanne vom Feuer und wirft die klein geschnittenen Pilze dazu. Sie verderben so schnell. Kaum hat sie sie aus dem Wald geholt, fangen sie an den Stellen, wo sie sich berühren, schon an zu schwitzen. Die dünne ölige Flüssigkeitsschicht riecht unangenehm und sie behält diesen fischigen Gestank noch Tage in der Nase. Doch heute war sie schnell und nur einen Pilz musste sie mit spitzen Fingern aus dem Korb klauben, bevor er die anderen infiziert.

Das Feuer brennt hell und heiß in ihrem kleinen Ofen, doch sie legt noch zwei Scheite nach, schiebt die Pilze in die Mitte der Glut und atmet schwitzend und hechelnd den scharfbitteren Dampf ein.

Kein Salz. Keine Kräuter. Ungeduldig beobachtet sie die im heißen Fett zusammenschnurrenden Pilzkörper. Dann, mit einem Ruck, fast als wäre der Hunger wütend aus ihr hervorgebrochen, reißt sie das Mahl vom Herd, stellt es zischend auf den Tisch, dessen zahlreiche Brandlöcher von ähnlich unachtsamen Verhalten erzählen. Eine Gabel in der rechten Hand, ein Stück Brot in der Linken, verschlingt sie gierig Bissen um Bissen, während ihr das Fett an Kinn und Hals herunterrinnt.

Sie schmeckt ihn sofort, den Eindringling, den Uneingeladenen. Dennoch schluckt sie und wischt sich sorgfältig den Mund ab. Ein wenig traurig ist sie, aber nicht viel mehr als sonst.

Sie hat noch viel zu tun, bevor die dunkle Zeit kommt.

Alice

Veröffentlicht in City, Fotografie, Natur

Ausbeute

Der Film war endlich voll, zwischen all dem Chaos fand ich ein paar Minuten, um ihn in Chemie zu tunken. Es waren noch Bilder drauf vom Schloss Moyland, was mich sehr freute. Die Ergebnisse sind zufriedenstellend, auch wenn der Fomapan und ich wohl nie die besten Freunde werden, dafür ist er mir zu kontrastarm.

Alice

Veröffentlicht in Begegnungen, Fotografie, Natur

365 Begegnungen – Tag 29 – Der Pilz an sich

Allein fuhr ich heute für ein Weilchen in die Heide. Kopf sortieren war angesagt und vielleicht ein wenig knipsen. Ein dicker, nackter Mann fuhr vor mir in einem Tuc-Tuc, seine Absichten waren mir unklar. Ich überholte, ohne genau hinzusehen.

Möglicherweise war er vor mir in der Heide gewesen und hatte sich in Ermangelung essbarer Pilze an den fliegenden vergangen.

Kleine blaue Käfer knabberten Hinterlassenschaften. Auf einmal war das Licht weg und ich verlief mich.

Am Ende war alles gut und der nackte Mann fast vergessen.

Alice