Veröffentlicht in 365 Tage, Mal über mich, Philosophisches

Tag 105/365 – Totpunkte, Wirkungsgrade und Co.

So ein stinknormaler Ottomotor ist eine interessante Maschine. Und damit meine ich noch nicht einmal die hochgezüchteten Motoren von heute, sondern es reicht das Modell, das ursprünglich mal auf dem Reißbrett am Ende des 19. Jahrhunderts entstanden ist.

Das Prinzip dürfte allen bekannt sein. Chemische Energie wird in Bewegungsenergie umgewandelt und dabei wird das Umwandlungssystem warm und das liegt nicht nur daran, dass eine Verbrennung stattfindet. So ein System ist nicht reibungsfrei, so sehr man sich auch bemüht, das zu verhindern. Überall berühren sich Bauteile, bewegen sich aneinander vorbei, dadurch entsteht Wärme. Diese Wärme ist erstmal nicht nutzbar, ist zwar kein Verlust, weil sie ist ja da, aber niemand hat etwas davon. Für die Reibung, beziehungsweisedie Wärmeerzeugung wird ein Teil der chemischen Energie verbraucht, der sonst für das Rollen der Räder zur Verfügung stände. Es kommt am Ende demnach weniger nutzbare Energie raus, als ich rein gesteckt habe. Das ist der Wirkungsgrad.

Der Kolben, in dessen oberen Bereich das Kraftstoffgemisch gezündet wird bewegt sich linear, also von oben nach unten, zwischen den so genannten Totpunkten. Dass trotzdem die Räder rollen, wie sie sollen, hängt mit der Kurbelwelle und den zwischen ihr und den Kolben montierten Pleuelstangen zusammen.

Ein tolles System, heutzutage nutzt es jeder, der ein Auto hat.

In meinem Leben habe ich eine begrenzte Menge Energie zur Verfügung. Sie ist davon abhängig, was ich zu mir nehme. Nicht nur, was und wie viel ich esse, sondern auch die Qualität meiner körperlichen und seelischen Nahrung spielt eine Rolle, meine Oktanzahl.

Je mehr Reibungspunkte mein Leben hat, je stärker es mich ausbremst, desto weniger kommt bei meinen Rädern an, es verpufft irgendwo im System.

Mein Kolben bewegt sich zwischen oberen und unterem Totpunkt. Bin ich ganz oben, findet dort die Zündung statt, Schwung kommt in mein Leben, es expandiert, beschleunigt. Das bleibt aber selten dauerhaft so, auf eine gute Zeit folgt eine weniger gute und wir kommen manchmal am unteren Ende an. Die Räder, die bereits in Schwung sind, bringen uns dennoch weiter und wenn wir nicht die Bremse ziehen und das Leben seinen Lauf nehmen lassen, wird es auch wieder besser.

Was lehrt mich das? Ich muss auf die Qualität meines Brennstoff achten, Reibungspunkte minimieren und darf zuversichtlich sein, dass auf einen Tiefpunkt wieder ein Hochpunkt folgt, wenn ich einfach weitermache.

Einen energiereichen Tag wünsche ich euch.

Alice

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Veröffentlicht in Geschichten... auch ein bisschen länger, Kurzgeschichten

ABC-Etüde – Kolbenfresser

zu den abc-Etüden bei Christiane, Woche 6/7 2019, Text mit maximal 300 Wörtern, in denen 3 vorgegebene Worte versteckt wurden, Textform und Genre egal.

Die drei Worte sind diesmal: Winterreifen, eifersüchtig, stolpern

Etüden 2019 06+07 | 365tageasatzaday

 

„Winterreifen“, hauchte sie und ließ den Träger ihres Negligés von ihrer Schulter rutschen. „Verbrennungsmotor“, stöhnte er, während er sich das T-Shirt über den Kopf zog. „Kolben“, flüsterte sie an seinem Ohr und öffnete seinen Gürtel. Er stolperte einen Schritt auf sie zu. „Nockenwelle“, raunte er und ließ seine Hände über ihren Körper gleiten. „Radachse“, zischte sie und öffnete seine Jeans. „Zündkerze“, atmete er und ließ seine Hose zu Boden gleiten. „Anlasser“, stammelte sie und löste den anderen Träger.

Und während die Zwei sich auf die Suche nach dem oberen und unteren Totpunkt machten, stand der Kfz-Mechaniker eifersüchtig neben dem Wohnmobil, das das frisch verheiratete Pärchen zur Inspektion gebracht hatte.