Veröffentlicht in Mal über mich

Montagmorgen

Es regnet, der Kaffee wird langsam kalt und die tägliche ToDo-Liste wartet auf Bearbeitung. Der Mann ist los zur letzten Woche vor dem Urlaub, die Söhne lauschen an den Kissen, selbst die Hunde wollen noch nicht raus.

Nur die verrückte Katze turnt um mich herum, hofft auf ein paar Streicheleinheiten. Sonst ist es still. Die Vögel Schweigen, stecken ihre Köpfe unter die Flügel und warten, dass die Sonne rauskommt.

Das Gießen kann ich mir heute klemmen, Kürbisse und Gurken streben in den Himmel, die Tomaten sind vor Regen von oben geschützt. Die Zucchinischwemme hat eingesetzt, in der Küche stapeln sich grüne Naturdildos. Ich kann sie jetzt schon nicht mehr sehen.

Hausputz steht an, ist überfällig. Dann ein kleiner Einkauf und ich setze mich ab zum Atelier. Die Entwürfe kommen mit, mal sehen, was ich daraus mache.

Die letzten Tropfen purzeln, langsam wird es heller, der Kaffee ist immer noch kalt und die Idee von gestern Abend erscheint mir nicht mehr ganz so gut. Heute kommt ein wenig Lektüre zum Onlinehandel, ich bin nicht gut in so was.

Der Mann sagt, ich brauche Visitenkarten, der Sohn #3, ein Logo und ein Schriftzug sind wichtiger. Ich habe das Falsche gelernt, scheint mir.

Am Liebsten würde ich noch ins Bett, die Katze belästigt mich gerade.

Kalter Kaffee schmeckt nicht.

Die Sonne bricht hervor.

Alice

Veröffentlicht in Kurzgeschichten

ABC-Etüde – Montage

Zu den Etüden bei Christiane. Die Wortspende stammt vom Café Weltenall.

Auf dem Weg zur Arbeit schaut sie immer wieder nach oben. Es ist Herbst, das steht außer Frage. Für einen kleinen Moment setzt sie den Blinker und fährt rechts ran. Sie liebt den Vogelflug der Wildgänse. „Bis zum Frühling“, sagt sie leise und lächelt.

In der Firma ist alles wie immer. Sie reden aneinander vorbei, können nicht zuhören, schwingen nicht mit. Sie schließt die Augen und versucht nicht hinzuhören bei dem angespannten Tönen, dem genervten Unterton, den kleinen Gemeinheiten.

„Was für eine Welt basteln wir uns da?“ Die Arbeit ist anstrengend heute, nichts läuft, wie es soll. Der Chef brüllt mal wieder herum. Früher huschte sie ängstlich über den Gang, wenn er so eine Laune hatte, heute ist es ihr egal. Immer schwerer fällt es ihr, zu glauben, dass das wirklich nette Menschen sind.

Sie schaut auf ihre rechte Hand und dreht den Ring ihrer Großmutter, zweimal links, einmal rechts. Das Fenster öffnet sich und tausende von Papierbögen fliegen empor. Aus dem großen Plotterausdruck der neuen Anlage faltet sie einen Papierflieger und wirft ihn aus dem Fenster. Ohne nachzudenken springt sie hinterher. Ihre Füße finden sofort Halt, es ist wie Skateboardfahren in der Luft.

Der kalte Wind und ein paar Nieselregentropfen treffen sie unvorbereitet. Die Jacke hängt in der Designergarderobe. Umkehren geht nicht, also fliegt sie einfach weiter. Über ihr ziehen die Wildgänse. Sie steigt zu ihnen empor und reiht sich ein, Richtung Süden.

Sie sei plötzlich verschwunden, berichten später die Kollegen. Gerade habe sie noch am Rechner gesessen und eine Minute später wäre sie weg gewesen. Für eine Weile ermittelt die Polizei.

Sie wurde nie wieder gesehen.

Alice

Veröffentlicht in 365 Tage, Mal über mich, Schreiben

Tag 245/365 – Montag war’s

Wie immer Frage ich mich, wo das Wochenende geblieben ist. Die freien Tage, die man mit Aktivitäten füllen wollte. Zeit für Familie, Spiel, Spaß, Erholung.

Kaum hat es begonnen, ist es auch schon wieder vorbei. Und wieder frage ich mich, was Zeit ist. Sie scheint unberechenbar, gaukelt uns vor, unendlich zu sein und ist rückblickend ein Nichts.

Ihr Erleben wird durch Erinnerungen ersetzt, im besten Fall durch gute, zufriedenstellende.

Sie neckt uns, spielt uns Freiraum vor, eine große Wiese voll mit Zeitvertreib und Glück.

Und dann ist wieder Montag und das Rad dreht sich erneut, wird angeschubst. Man wünscht, es würde sich in unangenehmen Stunden schneller drehen und bei den schönen ein wenig langsamer.

Doch es beschließt, es genau anders zu machen, Schönes brettert an unserer Seele vorbei, wir versuchen es festzuhalten, zu archivieren, klammern uns daran. Die dunklen Stunden ziehen sich.

Es ist Montag. Ich hoffe auf viele schöne Stunden, erfüllende Momente, glückliche Augenblicke. Und die Fähigkeit, sie bewusst und nachhaltig erleben zu können.

Und das wünsche ich euch auch.

Alice

Veröffentlicht in Psychokram

Warum Idioten andere Idioten super finden

Ich habe heute keinen guten Tag. Das ist einfach so. An Tagen wie heute, lasse ich sämtliche Geduld im Bett. Da darf sie bleiben und ausschlafen. Vielleicht nehme ich sie morgen wieder mit.

Und wenn ich keinen guten Tag habe, so wie heute (erwähnte ich das schon?), bin ich streng. Dann gehen mir Dinge auf die Nerven, die ich ansonsten einigermaßen entspannt betrachten und mich teilweise sogar darüber amüsieren kann.

(Gerade spielt übrigens eine Schnake auf meinem Schreibtisch mit ihrem Leben.)

Und wenn ich sowieso schon genervt bin, legen es sämtliche Idioten dieser schönen, beschaulichen Stadt darauf an, meine Laune noch ein wenig schlimmer zu machen. Was da so passiert ist, findet ihr in Montag mit Hund .

Was mich gerade umtreibt, ist die Tatsache, dass manche Menschen offenbar überhaupt kein Selbstreflexionsvermögen haben. Es läuft etwas schief und man reißt sich zusammen, erklärt ruhig aber bestimmt, warum das, was da gerade läuft, nicht unbedingt so superklasse ist. Dass es unter Umständen andere, viel versprechendere Lösungsansätze gibt. Die lieben Mitmenschen hören zu, nicken freundlich (und man schöpft Hoffnung) und machen so weiter, wie sie es geplant haben.

Ich habe meine hohen Ansprüche schon weitgehend über Bord geworfen. Mit mir selbst bin ich sehr streng, manchmal viel zu sehr. Aber manche dieser Menschen scheinen überhaupt keine Ansprüche an sich zu haben.

„Ich atme! Wow, bin ich nicht klasse?“ „Verdauung! Toll, kann das sonst noch jemand so gut wie ich?“ „Ich kann im Bett liegen UND atmen UND verd…. “

Nein, das lassen wir jetzt lieber.

Würden sie sich auch nur einen kurzen Moment an dem Durchschnitts-IQ der Bevölkerung messen, müsste ihnen klar werden, dass das nicht reicht. Dass Atmen vom Kleinhirn gesteuert wird – und der Rest, den sie da so fasziniert an sich betrachten, auch.

Das ist wohl der Grund, warum Idioten andere Idioten toll finden. Sich an etwas zu messen, was sich auf dem geistigen Niveau einer Schnake (ich krieg sie noch!) bewegt, lässt jeden Regenwurm gut aussehen.

Auch auf die Gefahr hin, dass ich mich wiederhole, manchmal wäre eine Zombieapokalypse eine probate Lösung.

Nur, dass die Armen wahrscheinlich verhungern würden.

Alice