Illustrierte Gedanken

Meine Oma las gerne Illustrierte. Mindestens drei Hefte wurden ihr pro Woche zugestellt, verschwanden in ihrer Wohnung, um spätestens sechs Tage später, pünktlich vor der Ankunft einer neuen Ladung, unten an der Treppe für uns ausgelegt zu werden. Ich hatte die Aufgabe, sie hereinzuholen und den Zweitlesern zuzuordnen. Der Stern und der Spiegel, die monatlich…

Das aggressive Fragezeichen

Es gibt Vieles, was mir Angst macht. Spinnen zum Beispiel, sofern sie ein gewisses Maß an Größe und Masse überschreiten. Menschenansammlungen, wenn gedrängelt und geschubst wird. Schnaufende Treppenstufen, wenn niemand seinen Fuß darauf setzt oder so ein Unterton in der Stimme, den ich nur zu gut kenne. „Willst du etwa damit sagen?“ So beginnen manche…

Energieverschwendung

Nein, ich rege mich nicht mehr auf. Es ist sinnlos. Meine Energie brauche ich für Anderes. Das Betrachten profilierungssüchtiger Politiker, die sich mit schwachsinnigen Vorpreschaktionen überbieten löst Wut aus und Ohnmacht. Nur tun kann ich nichts. Ich kenne diese Menschen, kenne sie viel zu gut. Meine Kindheit im Haus eines narzisstischen Kommunalpolitikers hat mich geprägt….

Extraetüden im März – Mach mal lauter

Zu den Etüden bei Christiane. Im Radio singt Harry Belafonte von einer Nacht im September, an die zu erinnern, es sich lohnt. Ich drehe das Radio lauter und lasse mich von der weichen Stimme davontragen. Irgendwo in Kindheitstagen klingt ein leises Instrument an und ich koste das Gefühl der Unbeschwertheit aus. In meiner Erinnerung ist…

Tag 336(339)/365 – Prägung

Wir sind nicht nur Genmaterial, gebildet aus der von unseren Eltern erzeugten Suppe an Informationen. Nur mein Äußeres vielleicht und ein Teil meiner Begabungen und Macken ist festgeschrieben in diesen Nullen und Einsen unserer Urprogrammierung. Die Nase von der Oma, der Mund vom Opa, die Haare von der Mutter und die Augenfarbe vom Vater. Mein…

Metamorphose

Seit Tagen spukt mir ein Gedanke im Kopf herum und ich konnte ihn nur schwer fassen. Bis heute war mir der Zusammenhang nicht klar, jeder Erklärungsversuch scheiterte an Lücken und Fehlstellen. Es standen große ‚Abers‘ im Raum, warfen alles über den Haufen, ließen mich von vorne beginnen. Ich muss gestehen, dass ich nervös wurde, fällt…

Tag 84/365 – Endlose Kindheit

Wer wünscht es sich nicht, insgeheim, abends wenn er eingekuschelt unter der Bettdecke auf den Schlaf wartet, dass Mama oder Papa kommen und sagen, dass man ein wenig kränklich aussehe und morgen besser nicht zur Arbeit gehe. Dass sie schon mal dein Zimmer aufgeräumt haben und morgen eine große Überraschung auf dich warte. Dann sähe…

Tag 70/365 – Sommerferien

Manchmal ist das Leben ein wenig zu eng. Da sind zu viele Termine, zu viele ToDos, zu viele Pflichten und man sieht kein Land mehr. Gestern Abend, als Ich zum Einschlafen den heutigen Tag ausblenden wollte, versuchte ich mir eine Zeit in Erinnerung zu rufen, die zumindest einigermaßen frei von Belastungen war, die frei und…

Tag 47/365 – Die Küche

Warum brauchen wir eigentlich noch andere Zimmer? Ich bin am liebsten in der Küche. Das war schon immer so. In meiner Kindheit, wo in dem alten Siedlungshaus, in dem ich aufwuchs, nicht jeder Raum einen Ofen hatte ( und mein Zimmer, Nordseite, zwar im Sommer schön kühl, im Winter aber durch einen stinkenden Ölradiator nur…

Ein Fragment

Der Versuch eines Romans Für Unterwegsmitmir, die es mal wieder lesen wollte und mich sehr unterstützte. Vielleicht mögt ihr ja auch mal reinlesen…. Wie alles begann…. Alice PS: Die Geschichte ist noch nicht fertig…Ich bin leider ein unsteter Geist…