Veröffentlicht in City, Fotografie, Natur

gutenachtgedanken – Wundertüte

Wenn ein Film bei mir etwas länger in der Kamera ist, wird er zum Überraschungspaket. Und da die Kamera nicht meine liebste ist, nehme ich sie auch nicht immer mit, was den Prozess noch etwas verzögert.

Die Entwicklung ist dann sehr spannend, an die meisten Bilder kann ich mich dann gar nicht mehr erinnern.

Hier also ein Kessel Buntes mit Berlin, unseren schönen Lippewiesen und Eindrücken vom heutigen Einkauf.

Kommt gut durch die Nacht

Alice

Veröffentlicht in Schreiben

gutenachtgedanken – musenurlaub

Die Muse mag keine Arbeit, sie ist streng vergnügungsorientiert. Sobald es nur im Entferntesten nach Pflicht oder Regeln riecht, verdünnisiert sie sich, vergräbt sich hinter Ausreden oder ist einfach nicht auffindbar.

Der Alltagsstress setze ihr zu und sie hat mir gerade erklärt, kurz bevor sie sich ein Schaumbad einließ und das „Bitte nicht stören“-Schild aufhängte, dass sie so nicht arbeiten könne. Mal eben zwischen Tür und Angel, das wäre nichts für sie, das hätte sie sich anders vorgestellt.

Sie schlug mir vor, einmal Urlaub zu machen oder sonst wie auszusteigen. Meine Argumentation, dass ich ja wohl Geld verdienen müsse, wischte sie mit einer Handbewegung beiseite, das sei nicht ihr Problem.

Aber sie könne nicht auf Kommando und abgesehen davon, werde ihr Badewasser kalt.

Damit war sie weg.

Ich werde mir die Zeit ein wenig ohne ihre Unterstützung vertreiben müssen. Macht nichts, sie kriegt sich auch wieder ein und der nächste Urlaub kommt bestimmt.

Bis dahin atme ich tief durch, versuche sie nicht zu vermissen und mache, was halt so anfällt.

Kommt gut durch die Nacht.

Alice

Veröffentlicht in Mal über mich

gutenachtgedanken – bitte nicht stören

Meine Kinder stören nie, auch wenn sie mal stören. Heute schickte ich sie ab und an aus dem Schlafzimmer, sie konnten es verkraften, sie konnten es verstehen. Auch eine Mutter braucht mal Ruhe.

Ich störte früher immer, manchmal auch absichtlich schob ich mich dazwischen, suchte das, was mir verwehrt wurde. Aufmerksamkeit galt nur den Leistungen, mit denen sich die Erzeuger großtun konnten.

Narzissten drehen sich nur um sich, was Arbeit bereitet wird als Störung empfunden. Wer ich tatsächlich war, interessierte niemanden, am Ende noch nicht einmal mich.

Auch heute fällt es mir schwer, wenn mir durch die Blume mitgeteilt wird, dass ich störe oder belaste, im schlimmsten Fall beides. Dann kneife ich rasch den imaginären Schwanz ein und trolle mich in meine Ecke.

Dass ich so funktioniere, haben mittlerweile viel zu viele mitbekommen. Also wird es Zeit, diesen Gedanken und dieses Verhalten endlich abzulegen und die mich umgebenden Menschen einmal gründlich zu überraschen.

Alice

Veröffentlicht in Mal über mich

gutenachtgedanken – abschiede

Triggerwarnung: Nichts für zartbesaitete!

Ich habe keine Familie, außer der selbstgepressten und dem, was es bei der Eheschließung als Beifang gab. Beide liebe ich und bin froh, dass sie zu meinem Leben gehören.

Das, wo ich herkomme, das ist schon lange nicht mehr wichtig. Die Verletzungen, die ich als Kind erlitt, die Nachlässigkeit, die Unfähigkeit und die Selbstbezogenheit haben mich vor gut zehn Jahren dazu gebracht, erst den Kontakt mit dem in Wort und Tat schlagenden Vater, einige Jahre später mit der überforderten, dependenten Mutter zu brechen.

Seit einiger Zeit beschleicht mich ein Gefühl, als würde zumindest mein Erzeuger sich so langsam aus dem Erdendasein verabschieden. Mit fast 78 Jahren ist er sicherlich alt genug dazu.

Man wünscht keinem Menschen den Tod, das tue ich auch nicht. Ich ließ los, um dem Karma zu überlassen, was ich nicht geradebiegen konnte, was ich nicht mehr ertragen konnte, denn er wurde nicht gnädiger im Alter.

Ein spontaner Entschluss, das Internet zu befragen, brachtet tatsächlich ein Ergebnis. Er wurde geehrt für irgendeine Mitgliedschaft in irgendeinem Scheißverein.

Ich suchte ihn auf dem Gruppenfoto und brauchte fünf Minuten, um ihn aus 15 Menschen herauszufinden.

Ich erschreckte mich tatsächlich ein wenig und machte eine innere Verbeugung vor dem Karma. Er hat das bekommen, was er sich erarbeitete.

Ein abgemagertes, verbittertes Gesicht, die Wut auf die Menschen tief eingegraben in die hager gewordenen Züge.

Und als ich es vergrößerte, das Bild, um sicher zu sein, dass er es wirklich ist, da sah ich es. Das ängstliche Kind, das weiß, dass die letzten Stunden schon längst ticken.
Für einen Moment empfand ich Mitleid, doch das war schnell vorbei. Aber mit ihm verschwand auch die Wut.

Das, was er jetzt hat, hat er selbst gemacht. Er hat sich um Tochter und vier wundervolle Enkelsöhne gebracht. Vielleicht würden wir seine Hand halten und um ihn trauern, wenn er ein Vater oder Opa gewesen wäre.

Er wollte es nicht. Nicht für mich und nicht für sie. Die Entscheidung war nicht meine, er traf sie, als ich noch ein Kind war, für das er nie da sein wollte.

Er wird sterben, bald. Da ist nicht mehr viel Material zu holen, da rinnen die letzten Stunden. Ich weiß nicht, ob der Krebs ihn holt oder das Alter, oder ob er seiner Mutter in die Alzheimerumnachtung folgt.

Ob es einen Freund gibt, der ihm hilft, sein Leben selbstbestimmt zu Ende zu bringen, wie er es immer behauptet hatte, bezweifle ich. Ich denke, er wird sich an die letzten Sekunden klammern und kämpfen gegen das Unausweichliche. Er war schon immer ein Feigling.

Nur Feiglinge prügeln kleine Kinder.

Alice

Veröffentlicht in Mal über mich

gutenachtgedanken – zensiert

Ich musste gerade schrecklich lachen. Gerade hatte ich ein Video von Lindemann gepostet, ohne es gesehen zu haben. ich kannte nur das Stück vom Vinyl.

Da ich aber nicht nur eine Tonspur posten kann, musste das Video herhalten, am besten das Original.

„Wie schlimm kann es schon werden“, dachte ich ein wenig naiv. Es ist krass und es ist gigantisch gut und es spiegelt nicht wirklich meine aktuelle seelische Verfassung wider. (Dass ich manchen einen Knebel in den Mund stecken möchte…, aber lassen wir das)

Gut, es ist nichts für zarte Gemüter, aber wer nicht Rammstein mag, mag wahrscheinlich Lindemann pur auch nicht und sollte dann vielleicht einfach nicht auf das Video klicken.

In den 80ern wurde viel zensiert. Da gab es Jeanny natürlich, das nicht gespielt und dessen Video lange nicht gezeigt werden durfte. Oder China Girl von David Bowie, der sich am Ende mit ihr im Sand vergnügte.

Zu provokant, zu brutal, zu gewaltverherrlichend. Es hat damals niemandem geschadet, es zu sehen, es zeigte halt, was ist. Es gibt Sex und Gewalt auf dieser Erde, manchmal auch beides zusammen. Es gibt Horden von kranken Geistern und gefährlichen Menschen. Davon zu erzählen, ist wichtig. Das Medium ist dabei zweitrangig und unterliegt dem persönlichen Gusto.

Ich persönlich mag richtig krasse Psychothriller und wünschte manchmal, ich könnte einen schreiben. Ich mag Filme, wo mir 90 Minuten lang die Haare zu Berge stehen und ich mag sowas, Musik und Bilder.

Ich kann mir gerade gut vorstellen, dass es manchen zu weit geht, aber sie müssen es ja nicht sehen, genausowenig wie sie die Bücher lesen oder die Filme gucken müssen.

Alice

Veröffentlicht in Mal über mich

gutenachtgedanken – wertvoll

Ich tu was für dich und dann du was für mich. Klingt logisch, funktioniert auch häufig, ist ein Geschäft, eine Absprache , ein Deal.

Findet auch hinter Einfamilienhausgardinen statt, wo Emotionen schon längst durch den Zahn der Zeit abgenagt wurden. Die Knochen haben wenig zu verlieren, ein wenig Stolz vielleicht, aber wozu braucht man den.

Ich hab dich lieb, dann tust du, was ich will. Klingt nicht so gut, funktioniert trotzdem, ist auch ein Geschäft, aber nicht mehr fair.

Findet überall statt, wo Menschen sich unter Wert verkaufen, Prostitution beginnt nicht beim Körper, sie endet dort. Der Kaufpreis ist Verhandlungssache. Unter Preis wird verramscht. Was nichts wert ist, kommt in die Grabbelkiste.

Ich kaufe dich und du springst. Klingt schrecklich, funktioniert mit einem Berg an Kollateralschäden, ist ein reines Geschäft mit Unveräußerbarkeiten.

Findet dauernd statt, mehr klein als groß, nicht überall, aber wer weiß.

Düstere Erpressungen passieren im Geheimen.

Eigentlich sollte hier Schluss sein mit dem Text, der mehr eine Idee war, ein Gefühl, genährt von Beobachtungen und Erfahrungen. Und über die Erpressung kam ich zum Wert, da das eine ohne das andere nicht zu existieren vermag.

Und doch, was bestimmt den Wert in den drei Beispielen aus Unzähligen, den ich anführte? Wer bestimmt, wieviel seine Liebe, seine Zugewandtheit wert ist, so er sie einsetzt als Zahlungsmittel für den Dienst? Wer bestimmt den Wert der Arbeit des Knechts, der den Kopf beugt?

Kann man das Bezahlen, das Beugen? Heute noch? Oder ist es – wie immer – nur eine Frage des Einsatzes?

„Na, dann heirate ich sie halt“, ist ein Filmzitat, das mir im Kopf hängen blieb. Der Kerl sah sich sonst nicht seinem Ziel näher kommen und gab (vor), was ihm zu geben möglich war. (worum es ging, hab ich vergessen, es war aber mehr als eine Nacht zwischen Laken).

Wie unfrei ist das, wie pervertiert und doch normal und gesellschaftlich akzeptiert.

Ich muss eine Nacht drüber schlafen oder auch zwei, wie mir scheint. Ein dicker Fisch hängt in meinem Kopf am Haken und windet sich.

Kommt gut durch die Nacht

Alice