Veröffentlicht in Fotografie, Schreiben

Dunkle Zeiten

Die Dunkelkammer fasziniert mich. Ist der Vorhang zu, entspanne ich. Die Zeit vergeht da draußen, ich arbeite konzentriert und langsam verstehe ich, was ich da mache.

Die Ausbeute ist immer klein, doch es macht Freude, das Bild zu optimieren, Fehler bei der Aufnahme auszumerzen und am Ende etwas einigermaßen Vorzeigbares zu erhalten.

Auch wenn der Schädel noch brummt und die Nase läuft, so ganz verloren ist der Tag dann doch nicht.

Alice

Veröffentlicht in Fotografie, Natur

Der schönste Platz

Der schönste Platz ist gerade im Keller. Es ist kühl dort bei angenehmen 70% Luftfeuchtigkeit. geradezu paradiesisch, wenn die unbeschuhten Füße auf den Fliesen auskühlen, während sich Bilder auf Papier entwickeln.

Ich habe zwar noch nicht komplett den Bogen raus, doch die Belichtungsreihe sei mein. Endlich habe ich das Konzept verstanden und kann es auch nutzen. Selbst, wenn ich nach wie vor die Verschwendung von teurem Papier verdamme. Es geht nicht ohne und gut Ding will Weile haben.

Denke ich an meine ersten Versuche von vor einem Dreivierteljahr, bin ich recht stolz. Ich bleibe entspannt, weiß worauf es ankommt und bin zufrieden, wenn ein oder vielleicht zwei ausgesuchte Negative aufs Papier wandern.

Wie wenig tatsächlich vergrößerungswürdig ist, zeigt mir, wie viel Arbeit ich noch in die Negative stecken muss, wie viel Luft nach oben ist. Doch auch da werde ich ruhiger und lasse mir mehr Zeit.

Hier oben ist es wieder warm und ich überlege, was ich mit den Abzügen machen könnte.

Alice

Veröffentlicht in Fotografie

Kalte Füße

Ich habe tatsächlich eiskalte Füße, ein Luxus, der nur Kellertieren anheim fällt. Ich war in meiner neuen Dunkelkammer, habe mit Belichtungsreihen gekämpft und am Ende zwei passable Abzüge erzeugt. Eine Wissenschaft für sich, nicht ganz ohne und doch voller Spaß und Vorfreude.

Während nun der Sturm aufzieht, taue ich auf, ignoriere die Bauchschmerzen vor den nächsten Tagen und Wochen und freue mich über meinen kleinen Erfolg.

Alice

Veröffentlicht in Fotografie

Im Keller

In meinem Keller ist es kühl und dunkel und seit Neustem sogar ganz dunkel. Da schließt ein dickes Moltontuch sämtliches Licht aus. Öffne ich den Vorhang ein bisschen, riecht es nach Chemie, vor allem schwefelig, was ich dem Fixierer in die Schuhe schiebe.

Sie tut es, die dunkle Kammer und sie ist momentan noch fast anständig kühl. gerne würde ich bleiben, doch irgendwann vertreibt die Chemie mich. Es ist immer nur für ein Weilchen okay, dann brauche ich Luft.

Für den Sohnemann ist nebenan Platz für sein Schlagzeug. Er wirft mir immer noch vor, dass ich es eines Tages volleingestaubt aus dem Zimmer holte und ihm ein wenig Platz verschaffte. Es lagerte in der Garage. Wo es weg war, wurde es auf einmal wichtig, es zu spielen. Nur selber dafür räumen wollte er nicht.

Jetzt sitzt er schlecht gelaunt am Rechner, spielt immer noch nicht und hat die Klamotten nur in den Keller geräumt, mitten in den Weg versteht sich.

Wie nachtragend ein Mensch sein kann, ich dachte schon, ich sei der Meister, doch er schlägt mich um Längen.

Unten ist es kühl und dunkel. Wäre da nicht immer noch der Hauch Chemie, ich würde dort mein Nachtlager aufschlagen.

Der Renovierungsendspurt endete blutig während ich schon nachschlug, wie das denn eigentlich nochmal geht, so einen Abzug machen. Der Mann schrie und tobte an mir vorbei, die dicke Zehe blutig von einem fiesen Eckchen eines ausgelagerten Schrankes. Ich hätte Krankenschwester werden sollen, habe einen astreinen Verband mit Kompresse und einer ganzen Rolle Mullbinde gebastelt. Ein Pflaster hätte es zwar auch getan, aber da ich keinen Lolli zur Hand hatte, tat ich ihm den Gefallen.

Jetzt liegt das Opfer auf einem Hocker während der Mann zockt und ich überlege, was es zu essen geben könnte, zum Kochen ist mir viel zu warm. Weiterhin möchte ich planen und doch wieder nicht, weil gerade zu viele Interessen hervorbrechen und im Atelier war ich drei Tage nicht.

Im Keller ist es kühl und dunkel. Dort wandern Negative auf festes Papier. Es ist noch viel Luft nach oben, eine Luftmeile mindestens, doch es ist was drauf und ich muss mal auf die Bremse treten mit meinen Produktionszwängen. Langsamer ist schöner.

Nur ein bisschen kühler, das wäre noch schöner.

Alice

Veröffentlicht in Gedichte, Schreiben

Gutenachtgedanken – Dunkelkammer

Als Kind
fürchtete ich mich,
wenn das Licht ausging.
Heute fühle ich mich sicher
wenn ich nicht sehe.

Meine Sinne
sonst aufs Sehen ausgerichtet
konzentrieren sich
werden schmaler
und stärker
und meine Finger
zu Pinzetten in der Dunkelheit.

In meinem Kopf
entsteht ein Lageplan der Dinge
um mich herum
und ich beginne
mich zu sortieren
unabgelenkt.

Der Atem
zuerst ein wenig hektisch
wird ruhiger
und ich spüre
die Konzentration
sich selbst fokussieren.

Ich könnte
wenn es nicht anders ginge
klarkommen
Sinne ersetzen
Freiheit gewinnen
ohne Angst.

Ich würde aber
die Bilder nicht sehen
die ich entwickle
und das
würde mir
fehlen.

Alice