Veröffentlicht in Mal über mich, Schreiben

Vor dem Regen

Die Sonne steht tief, wie eigentlich immer in dieser Jahreszeit. Eine schmale Lichtspur ist am Horizont zu sehen, sofern man Nachbarhäuser als Horizont bezeichnen kann. Lichtstrahlen malen Muster auf Schränke. Für einen kurzen Augenblick freue ich mich daran, dann schiebt sich ein grauer Himmel davor. Das Licht verschwindet, die Welt wird dunkler.

Es gibt einen Grund, warum ich den November nicht so gerne mag. Das Wetter, die beginnende Kälte, das Verschwinden von Laub und Blumen sind nur ein Punkt. Der andere ist, dass es dauert, bis es wieder hell wird. Gestern war doch noch Sommer und ich saß bis 22 Uhr draußen, schwitzte im kühlen Keller und einen Augenblick später, ist die freundliche Atmosphäre weg. Und bis es zum nächsten Mal so schön wird, müssen wir durch eine dunkle Zeit.

Das tut mir nicht gut, ich leide unter Lichtmangel und Kälte. Jedes Jahr Kämpfe ich erneut dem Bedürfnis, einfach Winterschlaf zu machen, mich einzuigeln, zu verstecken, zu verschwinden und erst wieder aufzutauchen, wenn die Tage länger werden.

Wie Persephone, die ein halbes Jahr in der Hölle hausen muss, fühle ich mich. Da helfen Spaziergänge und rausgehen nur bedingt. Auch das Bewusstsein, dass es dazu gehört, dass der Winter eine unserer Jahreszeiten ist und nicht wegzudiskutieren, macht es nicht besser. Und Corona kommt noch erschwerend hinzu in diesem Jahr. Die Vorfreude auf Weihnachten teile ich sowieso nicht. Für mich ist es eine Zeit mit viel Arbeit für andere und wenig Ruhe für mich selbst.

Ich werde jetzt ein bisschen Musik hören und hoffen, dass die dunkle Wolke wieder weiterzieht.

Alice

Veröffentlicht in Mal über mich, Schreiben

Tageslicht

Noch wirkt die Sorge nach, noch ist der Stresspegel viel zu hoch. Mein Körper reagiert seltsam darauf und manchmal beängstigend.

Auf Phasen fast narkoleptisch anmutender Erschöpfung folgen wie in Sekundenbruchteilen umgeschaltet, absolute Wachheit, Herzrasen und die eine oder andere Panikattacke. Wieder wird die Luft knapp. Ich hasse es.

Ich habe eine Idee, was mich stresst und tue mich doch sehr schwer mit dem Abstellen. Es sind die kleinen Situationen, wo Unzufriedenheit hochbrodelt bei irgendjemandem im Haus, wo Radios leiser gestellt werden und Gesichter verzogen. Daneben der ganze Rest.

Ich kann sie nicht abstellen, die Launen der Anderen. Nur mein eigener Umgang damit hapert an allen Ecken und Enden.  Schon wieder kann ich mich nicht emanzipieren, lösen von ihren Problemen. Es sind zu viele gerade.

Meinen Umgang damit zu ändern, fällt mir schwer. Vor allem, da immer was Neues dazu kommt. Aber ich habe keine Wahl. Heute werde ich flüchten, mich ins Atelier verziehen mit Laptop und Zeichenideen, dafür habe ich es ja. Und für eine Weile einfach nicht erreichbar sein. Der Abstand wird mir gut tun und vielleicht den anderen ja auch.

Der Rest der Woche ist handwerklich gefüllt, ein paar Reparaturen stehen an und Handwerker werden den Außenbereich fluten. Dann ist hoffentlich die Wasserproblematik dieses Hauses endlich vom Tisch. Eigentlich ist es ein Witz. Wir wohnen auf einem Hügel und der Grundwasserspiegel ist so niedrig, dass sich kein Brunnen lohnt. Und dennoch steht dieses Haus im Wasser, ist andauernd was an Zu- und Ableitungen defekt, wird überlaufen, unterhöhlt oder ist verstopft.

Es geht weiter, irgendwie.

Alice

Veröffentlicht in Mal über mich, Schreiben

Frisch gewagt

Es geht mir eigentlich nicht so gut und für neue Projekte fehlen mir Energie und Perspektive. Da sind in den letzten Tagen ein paar Sachen schief gelaufen und haben mir den Schneid abgekauft, aber so richtig. Die nächsten Tage werden anstrengend werden und dann kehrt vielleicht ein bisschen Ruhe ein.

Um mich abzulenken, habe ich mich doch an den NaNoWriMo gesetzt und zumindest für eine Stunde oder so war ich woanders. Eine Erinnerung war mein Startpunkt, danach fand sich alles. Noch sind die Figuren etwas diffus und, wie immer bei mir, habe ich Sorge, dass ich in den Anfang zu viele Informationen reinpacke. Den Gestalten nicht genug Raum gebe, sich durch die Geschichte zu entwickeln. Es ist eine Gratwanderung, wie so vieles im Leben.

Die grobe Idee für einen Plot zeichnet sich ab, doch es ist ein wenig stereotyp, ein bisschen wie so oft, schon gelesen, schon gehabt. Klischees begleiten mich und ich ärgere mich darüber. Andererseits ist es schwierig, das Pulver neu zu erfinden. Vielleicht reicht einfach fertig werden, so wie beim Inktober, selbst wenn die Qualität hinter den eigenen Ansprüchen zurücksteht. Überarbeiten kann man immer noch und vielleicht engagiere ich meinen Linguistiksohn als Begleiter, Mitleser und Korrektor. Gerne würde ich ihn nötigen, ebenfalls mitzuschreiben, er könnte das sicherlich hundert Mal besser als ich.

Abwarten und Tee trinken ist die Devise, und schreiben. Wenn alles gut geht, habe ich am Ende des Monats einen Miniroman. Wenn nicht, zumindest ein Fragment oder eine Anzahl Kurzgeschichten, wer weiß das schon vorher.

Frisch gewagt oder so.

Alice

Veröffentlicht in Mal über mich, Schreiben

Planungschaos

Zwischen dem Gespräch mit dem Therapeuten, den ich nun doch recht gerne noch ein Weilchen aufsuchen möchte und diversen Zeichnungen, überkommt es mich dann doch.

Noch wenige Tage, dann geht dieser Monat los, in dem ich schreiben möchte. Worüber kann ich eigentlich schreiben? Prinzipiell geht das über alles. Ich muss es mir nur ansehen und dann erzählt es mir was, auch wenn nicht alles notiert werden sollte und manches besser ganz schnell wieder vergessen wird. Aber ist das relevant? Ist es für mich relevant und was möchte ich am Ende damit machen?

Um wen soll es überhaupt gehen, wer eignet sich zum Protagonisten, sofern ich die Kurzgeschichtenidee doch über Bord schmeiße und mich einem längeren Text zuwende. Hat beides seine Vorteile. Weiterschreiben ist einfacher als täglich neu zu erfinden. Andererseits langweile ich mich schnell und verliere rasch jeglichen Überblick.

Ein Krimi könnte es werden, garantiert keine Liebesgeschichte. Die Möglichkeit zum zumindest gedanklichen Entsorgen diverser unangenehmer Zeitgenossen hat den Reiz, dem ich schon häufiger nachgegeben habe. Ob ich am Ende den Mörder der Gerichtsbarkeit zukommen lasse, weiß ich auch noch nicht. Nur damit kommt nicht jeder klar, dass so ein aufräumender Psychopath fröhlich weiter in der Nachbarschaft werkelt.

Und etwas, was mir besonders quer liegt, ist die Bedeutung. Gut, jeder Text, jedes Bild, jede Melodie ist von seinem Schöpfer geprägt, zeigt Aspekte, die er vielleicht selbst nicht bewusst hat und doch sind sie da. Und der, der konsumiert, aufnimmt, verarbeitet, mit dem macht das doch was. Oft nicht zu benennen bei Musik, außer einem Wohlgefühl vielleicht. Doch es passiert etwas, wir erweitern uns, wenn es uns berührt.

Ich habe schon Einiges geschrieben, kurzes und kürzestes, mich auf 300 Wörtern zusammengefasst, ein kurzer Blick im Vorübergehen, ein kleiner Glockenklang und dann verhallende Schritte.

Ich strebe nicht das große Werk an, kein Ulysses oder Owen Jeans, doch ein bisschen mehr, als nur ein kurzes Lächeln und dann weitergehen. Ob ich das kann, weiß ich nicht. Komisch und schräg, das geht ganz gut. Doch hinter dem Blödeln und den konstruierten skurrilen Szenarien warte ich auf meinen Einsatz. Ich, die manchmal tief verzweifelt den Kopf schüttelt, wenn sie den Menschen auf die Finger schaut, die versteht und auch wieder nicht, die ihre poetische Ader meistens versteckt, weil die Gedichte nicht genügen, so zusammengeschraubt fehlen immer die richtigen Worte. Kein Rilke, kein Hesse, nur ich.

Und so denke ich nach und plane tatsächlich ein bisschen, überlege, worum es gehen soll, wer mit wem warum was macht. Und was dann alles passieren könnte oder auch nicht. Leben ist banal, das ist traurig und wahr. Die ganzen Dramen gehen vorüber, wir wachen auf und machen unseren Tag. Jeden verfickten Tag tun wir das. Manchmal passiert etwas, was uns aus der Bahn wirft, manchmal lähmt uns die Routine. Dazwischen ist die Normalität. Und dahinter steht der Wahnsinn und grinst uns mit schiefen Zähnen an.

Am Sonntag geht es los. Ich werde hier darüber berichten, ein bisschen, wenn ich noch nicht zu schreibmüde bin.

Alice

Veröffentlicht in Kurzgeschichten, Schreiben

ABC-Etüde – Daheim

Zu den Etüden bei Christiane. Die Wortspende kommt vom Blog Mutiger Leben.

Die Jahre sind nicht spurlos an der Stadt vorbeigegangen. Ich erkenne wenig wieder, warte vergeblich auf nostalgische Gefühle, wenn ich erwartungsfroh bekannte Straßen betrete und mich doch fühle wie ein Fremder, eher ein Eindringling, der seine Erwartungshaltung über die glatten neuen Fassaden schmiert. Es ist lange her, tröste ich mich und kneife ein wenig die Augen zusammen, suche erhaltene Strukturen, die mir bekannt sein müssten. Doch die Bäume sind zu hoch gewachsen. Sie verdecken das, was ich erkennen wollte.

Baulücken klaffen wie ausgefallene Zähne, daneben Blöcke, kalt und hoch, von Schmutzfinken bereits mit Beschlag belegt, bunte Schriftzüge auf schwarzem Stein.

Wie von selbst finden meine Füße die alten Wege, führen mich über die Brücke in den Park. Der quälend süße Duft des Strauches endlich schafft, was Bilder nicht vermochten. ich bin wieder hier. Der Kies zu meinen Füßen knirscht bekannt, die hohen Linden leben noch. Für sie war ich nicht lange weg.

Ich mopse ein paar Kieselsteine, stecke sie in meine Tasche, lasse sie durch die Finger gleiten und biege in die letzte Straße ein. Hier wurde und hier wird gewohnt. Erinnerungen springen mich an wie junge Hunde. Dort der Hausarzt, dort die alte Lehrerin, die so fabelhaften Deutschunterricht machte. Dort der Junge mit dem ersten Kuss, dort der Autounfall, dort die Kneipe.

Die letzte Kehre und die Füße weigern sich. Neugierig bin ich wohl, doch so viele alte Fotos in meinem Kopf, die nicht übermalt werden wollen.

Ich fasse Mut, schubse mich um die Ecke. Ist gar nicht so schlimm. Daheim.

Alice

Veröffentlicht in Schreiben

30 Tage

Ich habe keine Ahnung, ob ich es schaffe. Diese Challenge mit der seltsamen Abkürzung ist schon eine Hausnummer. 50000 Wörter in 30 Tagen klingt erstmal nicht sonderlich viel. Bemüht man den Taschenrechner, landet man bei 1666, 67 Wörten am Tag, das sind im Schnitt 6,66 Normseiten. Die schaffe ich auch als Schnellschreiberin nicht mal eben so.

Und das Thema ist ebenfalls ein Problem. Ich plane ungern und für Romane habe ich keine rechte Luft. Zu lang (weilig) wird mir oft der Plot. Also bleiben Kurzgeschichten, eine pro Tag, damit könnte ich leben.

Wie viel Zeit das pro Tag kostet, ob ich neben der Arbeit überhaupt noch zum Essen oder Schlafen komme, kann ich nicht sagen. Ob die Geschichten was werden, wenn ich muss, ebenso wenig.

Andererseits spukt mir seit einer Weile eine Idee für einen Kurzgeschichtenband im Kopf herum und illustrieren würde ich ihn gerne. Vielleicht ist das einfach der Moment, wo ich damit anfangen sollte. Die fertigen, die schon im Schrank schlummern, dürfen sich ja gerne dazugesellen, wenn ich sie thematisch unter einen Hut bekomme.

Ob die Familie mitspielt, mir diese eingeschränkte Welt in der wir gerade sind, genügend Inspiration bietet und ob ich tatsächlich nicht nach der halben Zeit die Lust verliere, ich weiß es nicht.

Ich lasse es als das auf mich zurollen, was es ist, ein Experiment, eine Herausforderung, ob ich für das, was ich gerne tun würde, genügend Luft habe, damit klarkomme, wenn es zur Arbeit, zur Pflicht wird.

Wenn man etwas will, muss man dafür kämpfen. Der Satz fiel in der letzten Folge der Einkreisung, die ich gestern zuende ansah. Seitdem spukt er durch meinen Kopf und ich überlege tatsächlich, ob ich das schon einmal getan habe oder ob ich aufgab, wenn es eng wurde und die Aussicht auf Erfolg minimal. Jeder hat eine opportunistische Ader, da nehme ich mich nicht raus.

Ich erlebe oft Menschen, die nicht kämpfen, die sich hängen und treiben lassen, den Weg des geringsten Widerstandes gehen und dabei ihre Leidenschaft verlieren. Was könnten sie, was könnten wir leisten, wenn wir in dem Moment, wo es anfängt, weh zu tun, durchhalten und noch eine Portion Energie drauflegen.

Ich werde es erfahren, auch, ob ich stark genug bin. Heute werde ich es mit meiner Familie besprechen, werde versuchen, ihnen zu erklären, dass es wichtig ist für mich. Und dann einfach anfangen und mich am ersten November vor dieses fiese weiße Blatt setzen.

Alice

Veröffentlicht in Mal über mich, Schreiben

Küchenglück

Obwohl mein Magen gerade dauerhaft auf Schieflage gepolt ist und so richtig gerne nichts zu sich nimmt, koche ich gerne. Und an manchen Tagen wird es dann richtig spannend.

Im Supermarkt unseres Vertrauens gab es Hirschgulasch, das rief nach den Burgern, von denen wir schon oft geredet haben. Das Fleisch rasch selbst gewolft, spartanisch gewürzt, um Platz für die Soße zu lassen und den Granatapfel, der gestern noch als Model fungierte mit Frühlingszwiebeln in Butter angebraten und mit rotem Port abgelöscht. Salz, Pfeffer, ein paar Weihnachtsgewürze, ein Hauch Knofi und zwei Feigen, da das Ergebnis doch recht säuerlich war. Selbst der Klecks Honig wollte nichts daran ändern.

Und dann saß ich da, der Duft waberte durch den Raum und vor mir lag eine Tafel allerfeinster Milchschokolade. Manchmal muss man mutig sein, es harmoniert perfekt.

Die in Butter gebratene Kaki überzeugt allerdings nicht auf ganzer Linie, ich denke über karamellisierten Kürbis nach auf Wildschweinburgern mit Rucola und frittierter Rote Beete. Dazu Ziegenkäse mit Honig und Thymian.

Hach, es ist einer von diesen Tagen, wo der beste Platz am Herd ist und der Wahnsinn in einer karierten Schürze hinter mir steht.

Alice

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Fuzzietober, die 18.

Herbstferien schlug Christiane vor und ich rätselte, dachte über meine bisherigen Ferien nach und musste feststellen, dass das, was man eigentlich tun wollte (zum Beispiel mehr lesen, schreiben. zeichnen, fotografieren) von den steigenden Zahlen nahezu gelähmt wird. Vielleicht geht es aber auch nur mir so und andere empfinden eher sprühende Kreativität und können sich prima erholen in den Ferien oder dem Resturlaub.

Also beobachtet mein Herbstfuzzie nur die fallenden Blätter…

Alice