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Ich mag keine Menschen

Ich gehe nicht gerne mit Fremden auf Tuchfühlung, wen ich nicht kenne, der halte bitte die soziale Distanz ein. Ich musste heute schon die scheinschwangere Hündin mit den Tierartztassistentinnen festhalten und kam damit deutlich unter den empfohlenen Abstand. Die hysterische Maus bekommt jetzt Medikamente und damit ist es hoffentlich ausgestanden. Offenbar hält sie unseren Köter für nicht edel genug, was soll man dazu sagen.

Sie flippte also völlig aus, als ich wegen des Röntgens den Raum verließ und war am Ende nur mit mir, nach unterzeichneter Erklärung und in Bleischürze für 10 Sekunden ruhig zu halten.

Schade, dass es nicht geklappt hat mit den Welpen, doch jetzt haben wir wenigstens Gewissheit und können sie behandeln. Das kann ja auch nicht schön sein, so unter Dauerhormonbeschuss.

Ich beschloss, da ich nun schon einmal raus war aus dem Haus, den Wochenend/Ostereinkauf zu erledigen. Abstand halten, war die Devise und brachte mich eine sehr ungepflegter älterer Herr, der genau vor mir den Bodenaufkleber mit dem „Halten Sie 1,5m Hygieneabstand“ passierte, zum Schmunzeln, verlor ich beim Obstabwiegen die Fassung.

Ich halte Abstand, nicht nur meinetwegen. Gerade empfinde ich die räumliche Distanz zu Unbekannten als sehr erholsam. Und ich bin fest davon überzeugt, dass zumindest diese „Angewohnheit“ruhig bleiben darf. Ich wartete also brav, bis beide, direkt nebeneinander liegende Waagen frei waren, tippte rasch die Rispentomaten, Niederlande – Nummer 331 ein, da stand sie neben mir. Sie gab sich keine Mühe, woanders hinzuatmen, rempelte mich leicht an und fuchtelte mit ihrem Sellerie vor meiner Nase herum.

Ein gutes Stück älter als ich, sollte sie sich mehr Sorgen machen, doch das schien sie nicht zu stören. Sie ging auf Tuchfühlung, eine unbekehrbare Dränglerin, der ich schon vor Corona gerne eine geknallt hätte.

Alice

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Schreiben bei Jutta Reichelt – Tag 3 : Making Comics

Nun bin ich den dritten Tag bei Jutta Reichelts Schreibwerkstatt dabei und heute geht es um die Gestaltung eines grafischen Tagebuchs. Angeregt wurde die Aufgabe von dem Buch „Making Comics“ von Lynda Barry (was ich mir sofort bestellt habe, ich zeichne nun mal gerne 😉 )

Ich habe festgestellt, dass der grafische Teil mir sehr leicht fiel, ich aber bei den „Erinnerungen“ manchmal nichts wusste und eher dieses banalen Alltagskram geschrieben habe. Aber es passiert nicht immer was Tolles oder – und ich denke, darauf läuft es hinaus – ich lerne , etwas besser hinzuschauen.

Hier nun die ersten beiden Seiten 😉

Alice

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Schreiben bei Jutta Reichelt – Tag 1 : Lottchen

Es soll um eine kleine Lockerungsübung gehen, schreiben nach Reizwörtern. Ich mochte das – ehrlich gesagt – schon in der Schule und da ich bei Christiane regelmäßig bei den Etüden mitmache, ist es nicht wirklich etwas Neues für mich. Die Schreibwerkstatt von Jutta Reichelt entdeckte ich bei Vielen, die ich abonniert habe und wurde neugierig.

In letzter Zeit schreibe ich zu wenig Geschichten. Das mag der Zeit geschuldet sein oder aber einem irgendwie gearteten Rhythmus bei mir folgen.

„Lotte, mach kein Quatsch!“, dröhnte blechern aus den verwitterten Lautsprechern. Seeluft war für nix gut, stellte sie fest und erinnerte sich an die Vorlesungen, in denen sie Pflichtzeiten abgesessen hatte. Korrosion, Verrottung, ausgelöst von Salz und Wasser, vermeidbare Metallverwesung, sie hatte lieber in anderen Bereichen geforscht.

Sulke ging ihr auf den Keks. Sie hatte das Lied schon in den 80ern gehasst. Die blöden Sprüche auf jeder Party, die von Mitschülern nachgenäselten Schnulzlaute klangen ihr immer noch in den Ohren.

Ausgerechnet hier, ausgerechnet jetzt empfand sie die Erinnerung an ihr damaliges Leid fast unerträglich. Ihre momentane Situation, ihr Plan ließ keine melancholische Rückschau zu. Sie war im Aufbruch, begann etwas Neues, etwas Schönes. Sie traute sich endlich, das hinter sich zu lassen, was ihr nicht passte.

Ihr Vater bog um die Ecke, in jeder Hand einen Becher, aus dem es in der kalten Luft dampfte. „Ich hab dir auch einen Kaffee mitgebracht, Lottchen.“ Er reichte ihn ihr und ließ sich neben sie auf die Holzbank plumpsen. „Sind das alles deine Taschen?“ Sie grinste: „Nö! Das hättest du wohl bemerkt, oder? Die gehören der Familie da vorne. Sie sind kurz winken gegangen.“ Sie wies mit dem Kopf in Richtung Reling, wo zwei Erwachsene und eine nicht abzuschätzende Zahl Kinder hin und her sprang, winkte, weinte, rief und offensichtlich Abschied nahm. Sie hatte niemanden zum Winken. Noch nicht. Der Vater begleitete sie die erste Etappe. Das Weinen war vorerst nicht nötig.

„Ich erinnere mich an deine erste Klasse. Du hattest immer Angst, etwas zu Hause zu vergessen. Dein Tornister wog mindestens eine Tonne, doch du weigertest dich standhaft, etwas davon zu Hause zu lassen. Die Lehrer nannten dich die schwerbepackte Lotte. Du warst so niedlich mit deinen Zöpfen und dem Koloss von Ranzen auf deinem schmalen Rücken.“ Er lächelte, doch sie sah eine Träne in seinem Augenwinkel aufblitzen.

„Zu früh“, dachte sie und spürte einen Kloß im Hals. Sie nahm dem Vater eine der Tassen aus der Hand und nahm einen großen Schluck. Das war besser. Für eine Weile schwiegen sie. Es war nicht der Ort, Erinnerungen auszugraben. Dafür war später noch Zeit, wenn tausende Kilometer sie trennten und man alleine weinen konnte.

„Wollen wir ein bisschen laufen?“ Der Vater erhob sich und reichte ihr den Arm. „In zwanzig Minuten sind wir da. Zeit , ein bisschen über das Schiffsdeck zu flanieren. Allzu oft kommen wir nicht in den Genuss der Schifffahrt!“

Sie grinste und nahm seinen Arm. Die Familie saß wieder beim Gepäck und würde nun auf ihre Taschen achten. Eine Möwe schrie, als sie mit ihm gleichzeitig den ersten Schritt machte. Sie nahm es als böses Omen.

Ein Hafen erschien am Horizont. Dort ging es auf ein großes Schiff. Dieses Mal ohne Begleitung.

„Möchtest du, dass ich winke?“

Alice

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Extraetüden im März – Rückschritt

Zu den Etüden bei Christiane.

Bei Sonnenuntergang klang die Glocke vom Turm und die Kinder liefen zusammen. Die Ältesten hatten die Feuer entzündet und standen beieinander, bis alle einen Platz gefunden hatten. Dann setzten auch sie sich, dazwischen und alle reichten sich die Hände.

Die Jüngeren waren bereits in den Häusern, bereiteten warme Mahlzeiten zu. Ein paar Schwalben flogen vorbei, eins der Kinder brach einen Zweig von der Forsythie und zupfte gedankenverloren wartend die gelben Blüten ab. Es wurde still und nur das Feuer knisterte in der einbrechenden Dunkelheit.

Aus den Häusern drangen angenehme Düfte und es war leises Magenknurren zu hören. Nicht mehr lange und große Töpfe würden in den Kreis getragen werden, blankgeputzte Schalen verteilt und hungrige Mäuler gestopft. Der Tag war lang gewesen und die Arbeit hart. Schon die Jüngsten gingen mit in die Felder, sammelten auf, was die Großen übersahen. Die Alten gaben ihre Erfahrungen weiter, erzählten und lehrten. Manchmal wurde gelacht, doch meistens waren alle ruhig und konzentriert.

Das Leben war langsam und gemeinsam geworden. Streit war selten, es lohnte sich nicht, die Kraft in Gehässigkeiten zu verschwenden.

Er trat vor die Tür und betrachtete die Szenerie. Die dritte Generation, dachte er und lächelte. Er hatte es prophezeit, damals, als alles auf einmal anders wurde. Und sie hatten ihn öffentlich lächerlich gemacht, seinen Namen in den Schmutz gezogen, ihn bedroht.

Bald würden die letzten sterben, die das alte Leben noch kannten. Sie würden ihr Wissen mit ins Grab nehmen. Er hoffte, dass es lange dauern würde, bis sie wieder dort ankamen.

Es erschien ihm unausweichlich.

Alice

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ABC-Etüde – Alles wie immer

Zu den Etüden bei Christiane. Die Wortspende kommt von Elke H. Speidel.

Sie sitzen unter den Forsythien, so wie immer. Gerade blühen sie gelb. Das verbessert die Optik ein bisschen. Etwas später im Jahr wird es nicht mehr so hübsch sein, sondern einfach grün. Und danach braun oder kahl, wahlweise.

Jeden Morgen kommt sie bei ihnen vorbei. Sie grüßt immer, schließlich sind es fast Bekannte. Manchmal kauft sie drei Kaffees statt einem, stellt den Träger bei ihnen ab, lächelt, nimmt sich ihren und geht weiter. Seit drei Wochen weiß sie, dass die Frau Ilse heißt und gerne drei Stücke Zucker in ihrem Kaffee mag. Der Mann hieße Fritz und trinke seinen Kaffee schwarz, hatte sie ihr über Zahnstummeln mit schalem Bieratem zugeflüstert. Aber der rede nicht mit jedem aus Gründen.

Seitdem gab es täglich Kaffee und manchmal auch ein Brötchen dabei. Ihre Freundin fand das lächerlich und verwies auf die staatlichen Institutionen und dass sie ohne ihre Hilfe sicher nicht erfrieren würden.

Und dann kam das Virus.

Sie hat seitdem genug zu tun, muss die Kinder zu Hause betreuen und nebenher Homeoffice machen. An den Forsythien kommt sie nicht mehr vorbei, außer sie fährt zum Einkaufen. Sie sieht sie dann durch das Autofenster. Sie hocken nebeneinander an der jetzt unfrequentierten Bushaltestelle und sind eng zusammengerückt.

Alle halten nun Abstand, sogar noch mehr als früher. Der Geruch ist unwichtig geworden, Fritz`Husten hält die Menschen fern und den speckigen Kaffeebecher leer.

Im Supermarkt packt sie eine Tasche extra und bevor sie in ihre Straße einbiegt, hält sie an der Forsythie. Sie öffnet die Tür einen Spalt und stellt die Plastiktüte auf den Fahrradweg. „Ilse“, ruft sie und winkt.

Alice

Veröffentlicht in Mal über mich, Schreiben

Ein Tagebuch

Nachdem es mit dem Fuzzieversum so gut geklappt hat, habe ich die Idee weitergesponnen und ein Tagebuch begonnen. Ich bin so weit.

Der Vorteil ist, es ist dynamisch. Was bedeutet, dass nur ein Link notwendig ist, um immer wieder auch die Veränderungen mitzubekommen. Ich betoniere also diesen Beitrag oben auf meiner Seite fest. Wer mag, darf gerne immer wieder vorbeischauen 🙂

Ein Tagebuch
Früher habe ich viel Tagebuch geschrieben, irgendwann schlief es ein. Etwas im Zeitablauf für mich festzuhalten, verlor an Bedeutung. Der Alltag mit den festgezurrten Terminen überlagerte d…
Zu diesem Sway wechseln

Alice

Veröffentlicht in Mal über mich, Schreiben

Alpha et Omega

Ein Mensch ist gestorben, ich kannte ihn kaum. Zu jung, zu plötzlich, nicht am Aktuellen, eher an etwas Unerwartetem. Ein Kind wurde geboren, ich kenne die Mutter, früher gut, jetzt eher beobachtend mit Abstand.

Hoffnung und Ende, ich habe an dem einen zu knabbern und freue mich über das andere. So nah beieinander, fast als würden die Enden eines langen Bandes kurz aneinander vorbeistreichen, sich kurz zu einem lockeren Knoten finden und dann auseinandergleiten, von verschiedenen Winden in unterschiedliche Richtungen gelenkt.

Ein Beginn und ein Ende. Dazwischen wir und ich mit Alltagsärger und Alltagssorgen. Die abgelehnte kreative Idee, der schon wieder falsch geschriebene Name, ein paar Telefonate, ein bisschen Stress, der Sonnenschein, die warme Erde im dritten Hochbeet, mein Fuzziealbum.

Was kochen wir heute? Ein Bier auf dem Balkon. Zwitschernde Vögel, pinkfarbene Kamelienblüten, verblühter Pfirsich, wuselnde Hunde, kalter Schweiß im leichten Wind.

Alles dazwischen. Ich. Heute. Hier.

Wo bin ich morgen?

Alice

Veröffentlicht in Kurzgeschichten, Schreiben

ABC-Etüde – Beschäftigungstherapie

Zu den Etüden bei Christiane. Die Wortspende kommt von Elke H. Speidel.

„Wie schreibt man das?“ Sie legt den Stift neben das Blatt und schaut zu ihrem Vater.

„Was denn?“ Für einen Moment legt er den röhrenden Fensterputzer hin und stellt sich hinter sie.

„Forsythie! Was ist das überhaupt?“

Er weist in Richtung Fenster und zeigt auf den gelbblühenden Strauch. „Ist das nicht hübsch?“

„Seit du Homeoffice machst, bist du echt seltsam. Das ist doch lächerlich, was wir hier machen. Überall bricht alles zusammen und ich schreibe einen Frühlingsaufsatz. Dabei müssen wir uns viel mehr Gedanken über die Zukunft machen. Vielleicht fällt das Internet aus oder der Strom. Und dann müssen wir alle verhungern und erfrieren.“

Er nimmt den Lappen und poliert die Streifen aus den Fensterecken.

„Wir haben fast 20 Grad, da musst du dich anstrengen, um zu erfrieren. Außerdem ist lernen nicht lächerlich sondern wichtig. Vielleicht studierst du ja irgendwann und wirst Ärztin oder Ingenieurin oder was anderes Tolles. Dann kannst du den Menschen helfen, wenn so eine Krise sich wiederholt. Egal, was du machst. Es wird dann wichtig sein. Und wenn ein Aufsatz dazugehört, dann schreibe ihn eben.“

Für einen Moment ist sie still. Dann steht sie auf und stellt sich neben ihn ans Fenster. „Die ist wirklich hübsch.“

Alice

Veröffentlicht in Philosophisches, Mal über mich, Schreiben

Im Spannungsfeld

Ein Gespräch mit dem Therapeuten geht mir nicht aus dem Kopf. Da ging es um das Bestreben, optisch und auch sonst Unvollständiges vollständig zu machen. Wir denken uns den Rest und nehmen den als Realität.

Geht das nicht, entsteht eine unerträgliche Spannung. Ist kaputt, nicht ganz, unharmonisch, unerträglich. Er hatte dann auch einen Fachbegriff, den er mir mit wissendem Lächeln entgegenwarf. Kannte ich nicht, kann ich mir sowieso nicht merken. Wer wann wo das sagte, ist irrelevant für mein Leben. Und prompt ist da eine Lücke. Die Information bleibt unvollständig. Und doch fühle ich mich gut dabei.

Der Rest des Wissens reicht mir. Und auch ohne das tolle Wort voller Ypsilons und Has, kann ich es verstehen.

Die Welt mag glatt und perfekt, allerdings treffen die Attribute auf nichts zu. Wir bewegen uns dauerhaft in einem Spannungsfeld, das wir entladen möchten. Die Urteile, die wir treffen, vervollständigen wir, so sind sie zu ertragen. Einen Realitätsabgleich machen wir selten. Stimmt es nicht, dann ist es anders perfekt. Basta. Auch wenn es Scheiße ist. Ist ja auch schon mal was.

Bei dem anderen, was ich so mache, finde ich den Blickwinkel viel spannender. Was ist mit Kunst, mit Geschichten, mit dem, was uns vorgeworfen wird und wir zu verstehen suchen. Das Eisbergmodell drängte sich auf und wurde vom Expressionismus an die Seite geschubst. Weniger ist mehr. Denkt euch euren Teil. Der Betrachter ist zur Hälfte am Prozess beteiligt. Jeder macht es ganz, so gut er kann. Und das tut er mir einer Sicht aus seiner Welt.

Wer hier Kunst oder Philosophie studierte, wird jetzt müde lächeln. Grundstudium, erster Kurs, runtergebetet in einem gelangweilten Ton. Weiß doch jeder.

Ich habe Maschinenbau studiert. Da darf man nichts weglassen, sollte man besser nicht. So eine fehlende Schraube kann schon für diverses Ungemach sorgen. Und ein nicht berechneter Träger lässt auch mal den Himmel einstürzen.

Mut zur Lücke, möchte ich schreien, doch Unverständnis brandet mir entgegen. Konsequenzen drohen. Denkt euch den Rest, ist nicht machbar. Also dimensioniert man fröhlich vor sich hin, berücksichtigt Physik und Werkstoffkunde, rechnet den dummen Menschen mit hinein. Alles empirisch, wir haben Erfahrungswerte. Die Differentialgleichungen knallen uns Ergebnisse um Ohren, die geübt sind, die Lücken zu füllen.

Und am Ende bleibt eine Größe unbekannt. Ist das nicht spannend?

Alice

Veröffentlicht in Mal über mich, Schreiben

e hoch x

Das Leben ist geschrumpft. Es dreht sich um Corona, für Anderes bleibt kaum Zeit und Luft. Ich sitze mitten in einem Talkessel, der von Infektionen umgeben ist, langsam krabbeln erste Diagnosen näher und als ich gestern an der Kasse einen Frosch im Hals hatte, der mit einem Hustenanfall raus wollte, erschreckte nicht nur ich mich.

Ich verfolge die Entwicklung, frage mich, wann denn nun endlich reagiert wird, endlich versucht wird, die Ausbreitung einzudämmen. Viel zu spät würde reagiert, Italien und China waren keine guten Beispiele. Ich ärgere mich und werde ein wenig nervös.

Seit zwei Tagen fühle ich mich im Job nicht mehr wohl. Das Foyer platzt in den regennassen Pausen aus allen Nähten, Großveranstaltung alle 90 Minuten, was soll man sagen.

Die Wachstumsrate ist eine E-Funktion, das war nicht anders zu erwarten. Die Steigung nimmt von Tag zu Tag zu. Am Ende steht die Unendlichkeit. Das Gefühl nimmt zu, dass man da durch muss, ob man will oder nicht. Ich tu es nicht, ich bin lieber gesund. Was sollen all die machen, die schon gebeutelt sind, deren Immunsystem schon auf Halbmast hängt. Ich mag es mir nicht vorstellen.

Dazwischen blitzt der Alltag durch. Prüfungen wollen organisiert werden, niemand weiß, ob sie stattfinden. Friseurtermin, Kind hat Geburtstag, eins hat Probleme, irgendwo gibt es Streit und woanders Liebe.

Das Leben geht weiter, die Arschlöcher tun, was sie tun müssen. Mich mobben beispielsweise. Wobei ich mir nicht sicher bin, ob die Bemerkung, die eine Kollegin vor der Kundschaft über mich fallen ließ, schon die Grenze überschreitet. Sie war so gemeint, das weiß ich. Nur bin ich nicht mehr zehn und schüchtern (Und dass sie es macht, ahne ich schon lange, ich hatte bisher nur keine Rückmeldung)

Sie muss einen Grund haben, sich bedroht fühlen, um mich kleiner machen zu wollen. Fast fühle ich mich komplimentiert. Doch tatsächlich nur fast. Hat sie keinen Grund, steht eine unfeine Diagnose im Raum, zwei Prozent der Bevölkerung sind Psychopathen, ich habe es immer geahnt. Ich muss über den Umgang damit noch nachdenken, auch solche Sprüche können sich verselbstständigen und Kreise ziehen. Die Infektion breitet sich aus, wenn ich dem keinen Einhalt gebiete.

E hoch x, was für eine amüsante Analogie. Hab ich schon erwähnt, dass ich Mathe mag?

Alice