Veröffentlicht in Schreiben

Flatternde Gedanken

Rosenknospensonnenaufgänge, Nebel zwischen aufgeschütteten Baustellenerdhaufen. Die Kühe schauen über den Zaun dem Verschwinden ihrer Lieblingsweide zu. Radelnde Extremsportler nehmen Vorfahrten und Nerven mit. Alte Männer mit Gehhilfen pausieren an jedem Baum, beobachten die wedelnden Hunde mit dem Misstrauen der Unsicheren.

Kein Regen fällt auf taunasses Gras, die ersten Maisfelder sind leer. Als Kind ratschte ich die Waden beim Drachen steigen lassen an ihnen wund. Heute sehen sie traurig aus, geköpft kann ich ihnen tief in die Seele schauen. Wie lange arbeiten Wurzeln noch, wenn die Pflanze fehlt?

Aufgaben rotten sich zusammen und ich freue mich auf freie Tage. Im Keller wartet Chemie auf Experimente, doch ich sitze unschlüssig, schaue dem zu spät ausgesäten Basilikum beim Wachsen zu. Die verletzte Katze lernt die verrückte kennen. Sie fauchen nicht, sondern umkreisen sich gegenläufig, die eine in, die andere außerhalb des neu gekauften Käfigs.

Das Leben könnte einfacher sein ohne Idioten und Täter. Fehlentscheidungen sind selten tageslichttauglich. Da helfen Scheuklappen und aus den Resten einer Maske genähte Schlafmasken. Heute ist heute und was morgen passiert, weiß ich noch nicht.

Der kleine Hund schnarcht.

Draußen singt ein Vogel.

Alice

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Support? Du nicht!

Die Kopfschmerzen haben sich verzogen, die ersten Klientenfragen sind beantwortet, die tägliche Rudereinheit absolviert. Ich schwitze ab und denke über die Klarheit nach, die der Sport mir bringt.

Ausnahmsweise lasse ich mich da nicht stören, reagiere unwirsch auf Fragen oder Ansprache. Vor und zurück und jeder Schweißtropfen löst etwas in mir.

Ich erinnere mich, erinnere mich an den Ballettunterricht mit 5, an die strenge Lehrerin, die meine Mutter einmal zur Seite nahm und über das kleine pummelige Mädchen sagte, dass ich Potential habe. Natürlich etliche Kilos leichter und mit viel Training, aber ich hätte das nötige Gefühl und die gute Muskulatur. Meine Mutter schüttelte den Kopf und lächelte verschämt. Ihre Tochter beim Ballett? Die soll doch nur etwas dünner werden.

Mit sieben schrieb ich Aufsätze in der Schule, der Klassenlehrer war begeistert, immer wieder durfte ich meine Geschichten vorlesen. Er prognostizierte meinen Eltern eine literarische Karriere. Sie schüttelten lächelnd den Kopf und hörten nur gute Noten.

In der fünften Klasse wurde ein lokaler Künstler unser Kunsterzieher. Er schlug meinen Eltern vor, mich auf eine spezielle Schule zu geben, die mein Talent fördert. Sie schüttelten lächelnd den Kopf. Ich male auch, sagte meine Mutter und flirtete ihn an.

Wenn nie einer glaubt, dass man etwas kann, außer ackern, dann glaubt man es irgendwann selbst nicht mehr. Selbst gute Leistungen stellen nicht zufrieden.

Und glaubt man nicht an sich, dann tun es andere auch nicht.

Aber es geht nicht um die Vergangenheit, sondern um meinen Antreiber, der mich bis heute nicht zur Ruhe kommen lässt und sucht. Irgendwas muss ich doch können, und wenn das jemand erkennt, dann werde ich sicher unterstützt, etwas daraus zu machen. So bin ich auf der Suche, getrieben mit einem Rest Verzweiflung und immer auf den Beweis aus, dass ich doch mehr kann, als ackern.

Alice

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Augen auf

Schon wieder wach, schon wieder um drei statt zu einer vernünftigen Uhrzeit. Der Versuch, sich einfach weiter einzurollen scheiterte und jetzt sitze ich hier, trinke den ersten Kaffee und versuche herauszufinden, was mir den Schlaf raubt.

Dinge, die nicht funktionieren gehören dazu. Der fehlbelichtete Film von gestern wurmt mich, doch so relevant ist das nicht, dass es mir den Schlaf rauben könnte. Die fehlende Kommunikation, die mich heute im professionellen Sektor etwas unsicher sein lässt, vielleicht. Die Termine, die mir aufoktroyiert wurden und von denen ich nur einen tatsächlich einsehe, eventuell. Das Strampeln, etwas hinzubekommen und nie zufrieden zu sein, mit Sicherheit.

Augen auf. Gerade würde ich lieber anderes schreiben, mich zynisch mit dem auseinandersetzen, was mir aufstößt, mich wieder auf das Fabulieren einlassen, unbedarft jonglieren mit Worten und Farbe. Doch ich krampfe, versuche und bin einfach unzufrieden. Es hakt an allen Enden und jede Handlung, die mich aus diesem Totpunkt herausholen soll, scheitert. Ich schaue verschämt zur Seite, verstecke, statt zu zeigen, was da ist. Es reicht nie, mir nicht.

Jede leise Kritik wird mit einer Verdopplung der Energie beantwortet. Ist die eine Baustelle ausgeräumt, kommt sofort jemand mit einer neuen um die Ecke. Mach du, ich kann nicht, kann nichts dafür. Mein Ärger wird mit Unverständnis registriert, ändern tut sich nichts. Am Ende landet die Aufgabe bei mir und die Verantwortung für das Scheitern anderer ebenfalls.

Ich sehe es und weiß noch keine Handhabe dagegen. Immer dasselbe, ich langweile mich gerade selbst, wenn die Gedanken sich drehen und ich immer vor der verschlossenen Tür stehe und nur daran kratze.

Ich habe es versucht, mit Ruhe und Abstand, ich habe die Hobbies gepflegt, gelernt, organisiert, mir Raum gegeben. Doch besser geht es mir nicht damit.

Ich bin nicht gut zu mir, nicht gut genug, so lange das, was ich schaffe, nicht reicht. Immer mehr, brüllt eine Stimme in mir und ich gebe ihr nach, will die beste, die schnellste, dir tollste sein. Und scheitere locker flockig an jeder selbstaufgestellten Hürde.

Ich beneide die, die sich morgens an ihr selbst gefertigtes Häufchen stellen, ein Foto davon machen und sich bei instagram damit feiern lassen. Selbstgemacht, ich, schaut her und die Welt antwortet adäquat. Ein Zeichen unserer Zeit vielleicht und doch auch ein gesundes Gefühl für die eigene Leistung. Und wenn etwas nicht klappt, zucken sie mit den Schultern und gehen ins Wochenende. Sie haben genug getan, Basta. Nur ich, ich kann nicht schlafen, sorge mich um die Lücken, die jemand anderes hinterließ.

Ich lade mir die Verantwortung der Welt auf die Schultern. Irgendwann mache ich die Augen zu und dann? Rückblickend ist das keine so tolle Bilanz.

Alice

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Alles schwarz

Noch ist es Nacht da draußen. Die Tage, wo die Dämmerung um diese Uhrzeit schon um die Ecke schaute, sind vorbei. Der Sommer ist so schnell vergangen, der Herbst steht in den Startlöchern, auch wenn man es kaum glauben mag.

In einer Stunde oder so fahre ich in die Heide, Fülle den Film mit hoffentlich schönen Bildern, suche Spinnennetze und Tautropfen, atme die noch kalte Luft, bevor es warm wird.

Vielleicht ist ein bisschen Nebel da draußen. Das neue Stativ möchte benutzt werden, bisher lag es nur rum. Ich gestehe, dass ich ungern Equipment schleppe, andererseits geht es manchmal ohne nicht

Der eine Sohn schläft heute beim Vater. Er ist der letzte, der seinen Einladungen folgt. Er gibt sich Mühe, ihm zu gefallen und ich habe ein trauriges Gefühl dabei. Er hat damals nicht nur mich betrogen, als er Neues suchte. Er betrog auch die Kinder. Und als ich ihn fortschickte, verließ er nicht nur mich, sondern auch sie. Es hat gedauert, bis ich es verstand. Hätte ich sie beim Vater gelassen, wäre mein Leben weniger anstrengend und auch weniger erfüllt gewesen. Das kam nie in Frage und ich bereue keine Sekunde.

Ich mag meinen Ex nicht mehr, sehe den Kontakt der Söhne, soweit vorhanden, zwar nicht kritisch, doch mit gemischten Gefühlen. Sie versprechen sich was davon, warten auf dasselbe, auf das ich lange gewartet habe. Wie kann ein Vater so wenig Vertrauter und Begleiter sein, er war nach der Trennung nur noch für den Spaß zuständig, die Arbeit und die Konflikte blieben bei mir. Als er an einem Kinderwochenende seine neue Freundin babysitten ließ, um zum Schachspiel zu gehen, zeigte er sein wahres Gesicht. Er war eine schlechte Wahl.

Doch das ist lange her. Das Alleingelassenwerden hat die Söhne verändert, ihnen Leichtigkeit genommen, die ihnen zugestanden hätte. Ich habe so viel gearbeitet, um ihnen ihr Zuhause zu erhalten und jetzt bin ich oft so müde und frage mich, wozu. Sie werden flügge und das Haus wird nach und nach leerer werden. Es ist gut, wie es ist.

Ich wünsche mir für sie, dass sie nicht, wie ich, den Rest ihres Lebens auf der Suche sein werden, um sich dann desillusioniert, irgendwann abzuwenden und noch einmal den Schmerz des Verlassens erleiden um dann, wie ich, darauf zu warten, dass dieser Mensch endlich diese Welt verlässt. Die Hoffnung mit ihm sterben zu sehen, bringt vielleicht ein wenig Freiheit zurück.

Draußen ist es immer noch schwarz. Doch in einer Stunde oder so, schaut die Sonne über den Horizont und lässt die dunklen Gedanken in der Nacht zurück.

Alice

Veröffentlicht in Mal über mich, Schreiben

Kunterbunt

Als Kind wünschte ich mir die Villa und es gab eine Phase in meinem Erwachsenenleben, da wollte ich die Ziegelsteine, mit denen das Haus verkleidet ist, einzeln bunt anmalen. Ich fuhr einen alten Bulli, der von Rost und gutem Willen zusammengehalten wurde und dessen kaputtes Getriebe besonderer Technik beim Schalten bedurfte.

Der Wunsch nach bunten Steinen verebbte, das kultige, aber irgendwann dauerkaputte Auto würde durch eine vernünftige Familienkutsche ersetzt. Und ich blieb – in diesem Haus, in dieser Stadt, obwohl ich schon längst weiterziehen wollte.

Gerade besteht mein Leben aus lauter Baustellen und aufoktroyierten Terminen. Die notwendige Freiheit schrumpft und ich muss mich beeilen, um klar zu kommen. Bürokratischer Kram und nicht enden wollende Baustellen rauben mir den Nachtschlaf, lassen mich unruhig zurück. Fertig werde ich nie, ist auch nicht gewollt. Leben ist ein Prozess und morgen ist immer neu. Nur den Schwerpunkt meiner Konzentration würde ich gerne selber wählen.

Ängste kommen zurück, rauben den Atem, lassen mein Herz rasen. Sport baut Stresshormone ab, ich stehe vor Entscheidungen, die tatsächlich verändern werden. Der Glaube an meine Kraft ist brüchig geworden. Zu viel Last mit zu viel Widerstand schleppe ich hinter mir her. Selbst ausgesucht? Bewusst sicher nicht und doch gewählt.

Die Dunkelkammer bekommt Zuwachs, ein paar Recherchen bei den Kleinanzeigen lässt mir für kleines Geld einen Mittelformatvergrößerer zukommen. Kein Highend-Gerät, doch zum Einüben nett und von der gleichen Firma wie der Kleine.

Die Planfilme liegen noch im Kühlschrank und ich gleite von meinem Thema weg. Und bin doch mitten drin.

Der zweite Kaffee kommt im Blut an, am Schreibtisch wartet ein Paket Arbeit, ein Zwischendurchtermin kommt dazu, die Rudermaschine will bewegt werden. Der Rest schläft und liegt entspannt.

Ich habe Lust, die Steine anzumalen. Vielleicht nur einen.

Alice

Veröffentlicht in Mal über mich, Schreiben

Es ist immer der erste Satz

Geschichten sind dynamisch, nur ganz selten weiß ich am Anfang, was alles passieren wird. Habe ich ein Thema – wie jetzt bei einer Ausschreibung – taucht vor meinem geistigen Auge einer der Protagonisten auf. Ich sehe ihn in allen Einzelheiten. ich weiß, wie er tickt, wie alt er ist, kenne seine bevorzugte Kleidung und seine Handschrift. man kann mir jede beliebige Frage zu dieser Person stellen, ich weiß die Antwort, auch wenn ich nicht darüber nachdachte.

Ist die Person geboren, kommt es nur noch auf das Setting an und das Spiel beginnt. Der erste Satz bringt den Stein ins Rollen und danach entgleiten mir die Zügen. Fasziniert schaue ich zu, wie meine Figuren agieren, welche Entscheidungen sie treffen und wie sie sich entwickeln.

Hatte ich am Anfang eine rudimentäre Idee, wo mich der Zug hinfahren wird, so löst sich dieses Ende sehr rasch in Luft auf. Die Figuren spielen ihr eigenes Spiel, treffen die Entscheidungen, die sie treffen müssen, weil sie eben so sind, wie sie sind.

Es ist seltsam, vor allem, wenn die Geschichte etwas länger wird und die Handlung mittendrin kippt. Ich versuche mir zu sagen, dass ich das jetzt so entschieden habe, aber das ist nicht wahr.

Wenn alles gut läuft, erwächst daraus ein recht rundes Etwas und ich setze zufrieden den Schlusspunkt. Ab und an geht es aber auch schief und die Figuren verstricken sich in ihren Marotten.

Bei mir ist es immer der erste Satz.

Warum auch immer.

Alice

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Etüdensommerpausenintermezzo III – Ausgestellt

Es ist zu warm zum Denken. Auch zum Schreiben – eigentlich. Da ich mir aber vorgenommen habe, an ein paar Ausschreibungen teilzunehmen, muss ich mich warmschreiben. Die Auswahl der Worte fiel mir recht schwer. Ich habe beim Märchen angefangen und bin irgendwo gelandet. Ist gerade egal. Eigentlich ist alles egal bis auf den Ventilator, der leise im Hintergrund summt. Die Hunde ächzen zu meinen Füßen, Logan leckt mir die Füße ab, was nur bedingt erfrischend ist.

„Hereinspaziert, Hereinspaziert!“ Geübt wedelt er mit der Hand, legt einen Finger zum Gruß an den speckigen Zylinder und reibt sich den schwarzgefärbten Schnauzbart. Devot tritt er zur Seite, deutet einen Diener an, bückt sich ein wenig tiefer, wo er den Herrn Rat erkennt und raunt „Küss die Hand“, während er sich über die Hand einer älteren Dame beugt.

Sie strömen an ihm vorbei und das tun sie seit Jahren. man könnte sagen, dass das Geschäft läuft, doch wenn man sich umsieht, sollte man nicht glauben, dass das Varieté, in dem er sich mit seinen Schaustellerkollegen niedergelassen hat, dauernd ausverkauft ist.

Der rote schwere Vorhang, der den Zuschauerbereich von der Bühne trennt, ist verschlissen und fleckig. Ein muffiger Geruch entströmt ihm und sorgt dafür, dass die Plätze nahe der Bühne zuletzt besetzt werden. Die Tische sind verkratzt und schmierig, die Getränke, die ein paar ältere Damen in fadenscheinigen Kostümen zu überhöhten Preisen ausschenken, von schlechter Qualität.

Eigentlich gehören sie zum fahrenden Volk, wechseln die Städte häufiger als ihre Unterwäsche, hinterlassen plattgetretene Stoppelfelder und den üblen Nachgeschmack, für etwas Minderwertiges zu viel Geld bezahlt zu haben. Dennoch ließen sie sich nieder, wurden so sesshaft, wie nur fahrende Leute werden können, die den mittleren Weg nicht kennen wollen.

Ausnahmslos alle haben Leute aus dem Ort geheiratet, lebten tagsüber in kleinen Häusern und sauberen Wohnungen mit gestickten Gardinen und dem guten Geschirr, dass nur sonntags auf den Tisch kommt. Doch abends, wenn sie nach einem zärtlichen Kuss, Gatten und Kinder verlassen haben, mit der Straßenbahn in diesen entlegenen Teil der Stadt gefahren sind, verändern sie sich. Sie legen die Vorstadtbiederkeit mit der Anzugjacke und dem Sommerkleid ab, schlüpfen in knappe Kostüme, die nach Körperpuder und Talkum riechen, malen sich grelle Fratzen oder gewagt rote Münder in blassgepuderte Gesicher, kichern, kieksen, trinken und kreischen und rauchen vor lauter Lampenfieber am hinteren Bühneneingang Kette.

Der Chef ist ihr Herr, seit er sie auf seinen Streifzügen durch die Welt eingesammelt hat. Er hat einen Blick dafür, der Direktor, und eine ungeheure Überzeugungskraft. Niemand, den er ansprach, verwehrte sich dem Jahrmarkt. Und sie sind ihm treu ergeben. Dabei ist es keine Quälerei für sie. Sie gehen auf in ihren Auftritten.

Doch jetzt leise. Das Licht wird gedrosselt, das Stimmengewirr wird leiser. Ein letztes Mal gehen die Damen mit dem in alte Champagnerflaschen gefüllten billigen Sekt umher. Ein paar Köpfe gehen hoch, winken und halten ihnen durstig die gesprungenen Gläser entgegen.

Ein Lichtfleck erscheint auf dem nun dunkelrot erscheinenden Vorhang. Er kommt von rechts herein. immer von rechts, nie von links, seit ihm vor Jahren, als er einmal etwas Neues probieren wollte, der alte Affe gestorben ist. Er hat sich umgezogen in der kurzen Zeit, hat die allzu knappe Jacke gegen einen unvorteilhaften schwarzen Smoking getauscht, das Haar mit Pomade stramm über den runden Schädel gekämmt, den Scheitel wie mit dem Lineal gezogen in der Mitte. Die Schnurrbartenden sind gezwirbelt, über den blanken Schuhen blitzen Gamaschen. In der linken Hand, immer in der linken, trägt er seinen Stock, ein gewaltiges Stück Holz, das fast so groß ist wie er und auf dessen Spitze ein falscher Diamant den Schein der Kerzen auf den Tischen reflektiert. Wer jetzt genau hinsieht, sieht die Flecken und kleinen Risse, das Schäbige und Kaputte. Doch das tut hier keiner.

Er verbeugt sich und Applaus brandet auf. Ein paar Vivat-Rufe kommen verfrüht, doch er quittiert sie mit einem hoheitsvollen Gruß ins Publikum. Er spricht ein paar einleitende Worte. Ich höre nicht zu, sondern betrachte die Gesichter, die sich ihm in freudiger Erwartung zuwenden. Eine Dame schnappt sich ihr Opernglas und ich sehe, wie sich Atem beschleunigt unter dem gewaltigen Dekolleté. Ein Anderer hebt irritiert den Kopf, als seine Frau ihn etwas fragt, er ist wie verzaubert.

Der Vorhang öffnet sich und er verlässt die Bühne unter lauter Verbeugungen zur anderen Seite.

Es ist dunkel und nur ein zarter Schatten ist zu erkennen. In der Mitte der Bühne steht ein rundes Gebilde, grau auf schwarz. Selbst, wenn ich die Augen bis an ihre Grenzen zwinge, etwas erkennen zu wollen, so scheitern sie. ich spüre, wie meine Pupillen sich weiten, gespannt versuchen mehr Licht hineinzulassen, da fliegt sie empor, die goldene Kugel, perfekt angestrahlt und blendet mich fast. Sie entsteigt dem grauen Schatten, das ein Brunnen zu sein scheint, in hohem Bogen, fliegt empor bis zum Scheitelpunkt. Ich höre, wie das Publikum den Atem anhält und auch ich mache kleine Fäuste, verfolge den leuchtenden Kometen in seiner Bahn, sehe ihn wieder sinken und im Brunnen verschwinden. Und dann ist es still. In der ersten Reihe fängt leise einer an zu zählen und die anderen stimmen ein. Sekunde um Sekunde verrinnt, bis endlich ein lautes Klatschen den Aufprall auf die Wasseroberfläche verrät.

Wie tief er wohl ist der Brunnen, frage ich mich, da steckt schon ein fetter Frosch seinen Kopf über die Kante, balanciert die goldene Kugel in seiner fleischigen Flosse, verbeugt sich artig. Das Publikum ist nicht zu halten, springt auf, jubelt und applaudiert. Geldscheine regnen in Richtung Bühne und werden von ein paar jungen Frauen aufgesammelt, die sich knicksend bedanken und dabei einen tiefen Einblick auf ihren Busen zulassen.

Der Vorhang schließt sich und langsam kehrt wieder Ruhe ein. Doch nicht lange währt die Pause, denn schon kündigt ein Trommelwirbel die nächste Attraktion an. Der Vorhang öffnet sich und gibt den Blick frei auf eine junge Frau, die von einem Trapez hängt. Man sagt, sie sei eine verzauberte Prinzessin, die einst eine folgenreiche Begegnung mit einer Hexe hatte.

Sie lächelt ins Publikum und beginnt zu schaukeln. Wie hypnotisiert folgen ihr alle Augen. Leise Musik erklingt und sie beginnt allerlei Kunststückchen an dem Trapez zu zeigen, wird dabei immer waghalsiger und mutiger. Mir stockt der Atem, als sie sich in luftiger Höhe auf die dünne Holzstange stellt. Sie wackelt unter ihren schmalen Füßen und sie braucht einen Moment der Konzentration, bevor sie die Hände von den Seilen löst.

Ein Aufschrei geht durch die Menge, als sie plötzlich hintenüber kippt, den sicheren Tod vor Augen. Da entfaltet sie die wunderschönsten Flügel eines Nachtfalters und fängt sich gekonnt kurz vor dem Aufprall ab. Sie steigt sogar noch einmal empor, dreht eine Runde über dem Publikum, wobei sie ein wenig zart glitzernden Staub verliert und verschwindet durch das große Fenster.

Das Publikum ist außer sich und auch ich muss mich kneifen, kann ich das, was ich gerade gesehen habe, einfach nicht glauben.

Doch da kündigt ein Trompetenstoß den nächsten Künstler an. Das Programm verrät mir, dass es der Eisenhans sei, der da an schweren Ketten hängend, einer Marionette gleich, auf die Bühne stampft. Man erzählt sich, er sei ein Bettler gewesen und wegen seiner großen Kraft und weil er rasch gewalttätig wurde, gefangen genommen worden. Weiterhin sagt man, er sei xerophil, weil er Angst habe, dass seine eisernen Bänder rosten, die ihm helfen bei sich selbst zu bleiben. Er geht langsam eine Runde über die Bühne. Ich sehe die dicken Dielen unter seiner Kraft beben, rechne jeden Moment damit, dass er sich befreit und über das Publikum herfällt, so wie er mit düsterem Blick schaut. Er hat was von einem Tier, einem großen alten Bären vielleicht, der seine Kraft versteckt hält.

Ein Trommelwirbel ertönt und mit einem markerschütternden Schrei zerreißt er die Ketten, bevor der Vorhang fällt.

Ein paar Damen fallen in Ohnmacht und auch mir rutschte das Herz in die Hose. Hinter dem Vorhang sind tumultartige Geräusche zu hören und der Direktor stürmt etwas zerzaust auf die Bühne, bittet um Verständnis und eine kurze Pause.

Die Menschen strömen hinaus, um kurze Zeit später wieder über ihre Stühle herzufallen, kaum, dass der Pausengong verklungen ist.

Leise Musik ertönt, sie mutet orientalisch an. Als der Vorhang sich öffnet, fällt der Blick auf einen kleinen Tisch, auf dem eine alte Öllampe steht. Ein Mann betritt die Bühne, verbeugt sich kurz und beginnt, mit sanft kreisenden Bewegungen diese zu streicheln. dabei flüstert er eine leise Litanei, wiederholt immer wiederkehrend drei Worte, die ich von meinem Platz aus nicht verstehen kann.

Auf einmal entsteigt dünner blauer Rauch aus der Lampe, wird dichter, sammelt sich an der Oberseite der Bühne und hängt wie eine dicke blaue Wolke über dem Mann, der immer noch konzentriert seinen Singsang wiederholt.

Ein Gesicht zeichnet sich in den Schatten der Wolke ab und ein Körper folgt, der aber nicht vollständig ist, sondern dessen unteres Ende nach wie vor, nebelig aus der Tülle der Lampe zu kommen scheint. Der Lampengeist hängt für einen Moment in der Luft, klatscht dann in die Hände, nickt und verschwindet mit einem vernehmlichen Plopp nebst Lampe von der Bühne. Der junge Mann stellt verdutzt seine Bemühungen ein und trägt nach einer kurzen Verbeugung das Tischchen von der Bühne.

Aus dem Hintergrund der Bühne ist Geschrei zu hören, doch das ist bei dem Applaus kaum vernehmbar. Doch die Vorstellung schien nicht überzeugt zu haben. Ein wenig Unruhe ist im Publikum zu spüren und erst, als sich der Vorhang erneut öffnet, wird es wieder still und gespannt.

Ein seltsames Wesen betritt die Bühne und ich mag meinen Augen kaum trauen. Klein wie ein Zwerg, mit einem dichten Pelz, scheint es direkt aus dem Wald zu kommen. Das Fell ist weiß wie bei einem Yeti, nur durchzogen von hellgrauen Streifen, die Beine dagegen rötlich und unglaublich dünn, viel zu dünn, um das Gewicht zu tragen. Der Kopf ist rund und eine weit vorspringende Nase erinnert eher an einen Vogel. Der Gang ist ruckelig, der breite Körper wackelt vor und zurück, bevor der nächste Schritt in Angriff genommen wird. Als es sich umdreht, wird ein flauschiger Fuchsschwanz sichtbar. Und dann, es geht ein Raunen durch die Menge, breitet es die Flügel einer Taube aus, macht zwei Schritte, wie um zur Bühnenkante hin Anlauf zu nehmen und die Chimäre fliegt empor.

Sofort ist die vorherige Panne vergessen, das Publikum johlt und applaudiert, akzeptiert selbst den Taubenkotregen, der in angepasster Menge auf sie herunterregnet.

Jetzt steht nur noch das Finale an. Zwei wunderschöne Frauen betreten die Bühne und halten sich bei den Händen. In der großen Blonden, die in einem fadenscheinigen Tüllkleid und Glasschuhen erscheint, erkenne ich Aschenputtel. Das mittlerweile erwachsene Mädchen mit den blassroten Umhang, muss Rotkäppchen sein. Sie singen gemeinsam ein Lied. Ich höre nicht auf den Text, lasse mich von den zarten Stimmen davontragen.

Als sie enden, höre ich Männer und Frauen schluchzen.

Ich lächle und lasse mein Feuerzeug drei mal anspringen. Der Hund mit Augen so groß wie Türme steht sofort neben mir. Ich reiche ihm den Umschlag mit dem unterschriebenen Kontrakt. Hier fühle ich mich wohl.

Alice

Veröffentlicht in Mal über mich, Schreiben

Was mich stresst

Noch habe ich ein bisschen den Kopf frei, noch geht der Alltag nicht wirklich los. Noch bin ich auf der Suche und finde nicht wirklich.

Ich stehe unter Stress und das wurmt mich. Es macht meinen Körper handlungsunfähig und schleudert mich in eine KaninchenvorderSchlange-Haltung, die ihresgleichen sucht. Das Problem ist nicht nur der Schlafmangel oder das alternative komaähnliche Abtauchen mit Matschbirne, so wie heute. Es geht weiter und führt zu einem kompletten Unwohlseinsrundumschlag. Dabei geht es mir gut und das Leben ist schön. In normalen Radien natürlich, aber ich habe konkret nichts, worüber ich mich beklagen kann.

Und doch – da ziept es im Hintergrund und ich würde diese Ungelassenheit so gerne abstellen. Die Kompensationsmechanismen (auch essen, rauchen und das Bier) lassen mein Wohlgefühl nicht steigen und ich bin gerade zornig.

Zum Stress gehören auf jeden Fall all die Anforderungen von außen und die Menschen. Leider kann ich mich nicht mal eben auf eine einsame Insel beamen oder alle anderen. So ist Leben und wenn ich im vorigen Beitrag über Anpassungsfähigkeit schrieb, das gehört dazu. Also muss/möchte/sollte ich einen Umgang damit finden, auch, wenn gerade alles rumjammert (ich eingeschlossen, ja ich weiß). Ich kann ihre Probleme nicht lösen und auch wenn die Schuldfalle gerade unbarmherzig zuschnappt, ich muss da durch, drumherum geht nicht.

Deswegen werde ich mich jetzt bewegen, euch mein süßestes Rosenknospenbild zeigen und hoffe, dass ich mich heute noch irgendwann in den Griff bekomme. Die Sonne scheint, die Voraussetzungen sind gar nicht so schlecht.

Alice

Veröffentlicht in Fuzzieversum, Schreiben

Neues im Fuzzieversum

Ein paar Designs sind fertig geworden…

Jetzt gibt es was für den Stier
und zwar hier:

Für den Skorpion

und jetzt auch für die Jungfrau

Bald bin ich durch 🙂 Wenn ich richtig gezählt habe fehlen nur noch vier.

Und der Steinbock hat es heute in die Kreide geschafft 🙂

Alice

Veröffentlicht in Geschichten... auch ein bisschen länger, Kurzgeschichten, Schreiben

Etüdensommerpausenintermezzo – Siebenauszwölf – Fast Rimini

Zum Etüdensommerpausenintermezzo bei Christiane.

Ich fuhr ihm nach. Die Entscheidung fiel mir leicht, ich war vor Liebe blind. Eine Woche waren wir getrennt gewesen. Ich hasste den Herzschmerz, den es bei mir auslöste, bekämpfte ihn mit Hausputz und Alkohol. Die Welt um mich herum verschwand. Liebe kann grausam sein.

Die Zugfahrt zog sich über Stunden, voller Begeisterung stürzte ich mich ins Abenteuer, fühlte mich ungewöhnlich jung und abenteuerlustig, als ich in den Zug stieg, der mich über den Brenner bringen sollte.Warum das Hirn die Vernunft ausblendet, wenn die Endorphine durch den Körper schießen, frage ich mich manchmal. Ich war schon damals nicht mehr bereit für ein zusätzliches Kind, doch der Körper tut so, als wäre es das erklärte Ziel. Ich fuhr ihm also nach. Und ließ alles zurück.

Die Fahrt war holprig und mit Fußangeln gespickt. Doch als ich in Faenza aus dem Zug stieg und er mich in die Arme schloss, schien alles gut.

Der Ort, wo das Hotel stand, hieß Cesenatico. Eine kleiner Touristenort direkt am Mittelmeer. Es war Frühling, Vorsaison und noch standen die Strandkörbe in den Kellern der Hotels, sorgfältig eingemottet für die erst im nächsten Monat erwarteten Touristenströme. Ich war noch nie in Italien gewesen, konnte mich kaum satt sehen an den Farben in der klaren Luft und der fremden Architektur.

Der Ort war irgendwo in den Sechzigern steckengeblieben. Große Hotelbunker säumten den breiten Sandstrand, tausend Zimmer mit Blick zum Meer. Ich fühle mich in eine andere Zeit versetzt.

Unser Hotel lag etwas abseits, hatte sich auf die Aufnahme von Radsportlern spezialisiert, die das milde Klima, die günstigen Preise und die Hügelketten, die in der ferne zu erkennen waren, zum vorsaisonalen Training nutzten. Die Zimmer waren einfach, aber sauber, hatten eher was von einer Jugendherberge als von einem Urlaubsdomizil. Mir war es egal. Ich hätte auch unter freiem Himmel übernachtet, Hauptsache ich konnte seine Hand halten.

In dem, an eine Kantine erinnernden, Speisesaal stellte er mich den anderen vor. Ich war naiv genug, zu glauben, dass sie mich schon akzeptieren würden. Mich, die neue Frau an seiner Seite. Nicht die Radsportlerin, nicht die, die ihre Leidenschaft fürs Pedaletreten teilte, sondern die Unsportliche, die Fremde. Sie waren höflich, dass muss ich zugeben. Doch ich sah ihre Blicke und wie sie manchmal die Köpfe zusammensteckten, wenn ich vorbeiging oder ihn küsste.

Tagsüber war Training in den Bergen. Sie fuhren die Serpentinen hoch, übten Sprints, fuhren Windschatten und legten dabei etliche Kilometer zurück. Wir fuhren mit dem Wagen hinterher, Verbandstasche, Reparaturkit und Getränke im Gepäck. Er beobachtete die Fahrer, brüllte manchmal Anweisungen aus dem Fenster, ich versank in der Landschaft, ergötzte mich an blauem Himmel über Pfirsichplantagen, die gerade in voller Blüte standen und einsame Villen in Zypressenhainen.

Mittags wurde im Hotel gegessen. Es gab fast ausschließlich Nudeln und ich pickte nur ein wenig darin herum. Mir fehlte das dazugehörende Training. Außerdem hatte ich panische Angst, dicker zu werden und ihm nicht mehr zu gefallen. Mein Diätwahn hatte schon immer seltsame Züge angenommen.

Auch am dritten Tag schnitten sie mich noch. Sie grüßten zwar, doch wollte ich mich mit ihnen unterhalten, um sie kennenzulernen, wichen sie mir aus. Manchmal fing ich Kommentare auf, wenn ich in der Nähe war. Sie schienen nicht für meine Ohren bestimmt und waren es wohl doch. Kamen sie um ein Gespräch nicht herum, weil er neben mir stand, schwangen seltsame Zwischentöne durch den Raum.

Als ich ihn darauf ansprach, während wir Hand in Hand an der Wasserlinie spazieren gingen, die nackten Füße in den seidigen Sand gekrallt, leugnete er es, gab vor, sie bräuchten etwas Zeit, doch sie fänden mich ganz toll.

Am nächsten Tag trainierte er mit ihnen. ich beschloss, die freien Stunden am Strand zu verbringen. Die Sonne schien den ganzen Tag und brannte mir die Sorgen aus dem Kopf. In der Ferne nutzten ein paar Windjammer die leichte Brise und ich entspannte.

Doch als ich ihn nachmittags wiedersah, war alles anders. Als er mich zur Begrüßung küsste, spürte ich eine seltsame Distanz. Die innige Verbundenheit zwischen uns, schien einen Riss bekommen zu haben. Natürlich fragte ich ihn, doch er behauptete, es wäre alles in Ordnung.

Danach beobachtete ich ihn. Wenn er sich mit den anderen unterhielt, behielt ich ihn im Auge, lauschte auf Bemerkungen und versuchte die Stimmung einzuschätzen. Ich fühlte mich zunehmend ausgeschlossen. Eine leichte Panik durchschoss mich, als ich sah, wie er sich mit der jungen Kellnerin unterhielt. Vielleicht wollte er mich schon ablegen, sich neu orientieren.

In der zweiten Woche war er jeden Tag mit den Anderen beim Training. Ich ging versuchsweise an den Strand und durchstreifte die kleinen Nippeslädchen, die wie Perlen an einer Kette die Promenade säumten. Doch ich nahm nichts auf. Mit meinen Gedanken war ich bei ihm in den Bergen, sah ihn in meiner Phantasie mit den anderen scherzen oder mit der jungen italienischen Radsportlerin flirten, die am Vorabend angekommen war.

Kurzerhand mietete ich einen alten Golf in der Werkstatt, die ich auf meinen Streifzügen entdeckt hatte. Und als sie am nächsten Morgen los fuhren, folgte ich ihnen mit ausreichend Abstand. Der Wagen röchelte an den Steigungen fast so sehr wie die Radler, doch ich schaffte es, sie einigermaßen im Auge zu behalten. Besonders ihn. Nur ihn.

Am dritten Tag hatte ich keine Lust mehr. Ich fand nichts, was dieses seltsame Gefühl erklären könnte. Er fuhr mit seinen Teamkollegen, hielt ab und zu an, um etwas zu trinken oder sich abzusprechen. Es war alles in Ordnung, ich hatte es mir nur eingebildet.

Doch als ich gerade wenden wollte, sah ich die Italienerin über die Hügelkuppe fahren. Sie winkte ihm zu und hielt bei ihm an. Sie scherzen und er beugte sich weit, zu weit zu ihr hinüber, um einen kleinen Zweig aus ihren braunen Locken zu ziehen.

Man spürt es, wenn das Herz bricht. Das hat meine Oma immer zu mir gesagt und in diesem Moment wusste ich, dass sie Recht hatte. Etwas riss in mir und ich verlor die Kontrolle.

Durch Nebel sah ich, wie sie sich verabschiedeten und in verschiedene Richtungen fuhren. Meine Hand griff den Zündschlüssel, drehte ihn, der Fuß fand das Gaspedal und folgte ihm. Ich erkannte die Strecke vom Vortag wieder, die er anstrebte. Sie führte in engen Kurven einen steilen Hügel hinauf. er würde sich dort hochquälen und hinterher, wie zur Belohnung den Geschwindigkeitsrausch der Abfahrt genießen.

Also fuhr ich unten herum. Und wartete.

Es war ganz leicht, viel leichter als es bei seiner Frau gewesen war. Ich fuhr ihm entgegen, er wich mir aus und kam von der Straße ab. Der Aufprall auf den alten Olivenbaum klang dumpf.

Erst als ich im Hotel war, hörte ich den Hubschrauber. Er kam zu spät, davon hatte ich mich sicherheitshalber überzeugt.

Alice