Veröffentlicht in City, Fotografie

Es fährt ein Zug

Als ich unter der Brücke stand, konnte ich kaum glauben, dass dort noch Züge fahren. Doch alle Viertelstunde donnerte eine S-Bahn oder ein Güterzug darüber. Unten die Lippe, Treibholz, Geäst, ein paar Graffitis und alte Steine.

Ganz am Ende eines Feldweges, kurz hinter einer Art Datscha, eines Vorortwochenendhüttchens, das irgendwie den Eindruck erweckte dauerhaft bewohnt zu sein, da stand sie. Unspektakulär, eine von vielen Brücken hier in der gegend. Die Wasserläufe wollen überspannt werden.

Steht man daneben, dann geht es zumindest mir immer so, dass ich daran entlang blicken möchte und – auch wenn es eine banale S-Bahnbrücke ist – es regt sich tief in mir ein bisschen Fernweh. Lieber dort, nicht hier. Unterwegs sein für einen Augenblick, beginnen, starten, ankommen. Egal wo.

Unter diesen Brücken ist es immer dunkel oder dämmrig. Der Boden leicht feucht, es riecht pilzig und man hat das Gefühl, schauen zu müssen, wo man hintritt. Eine Stelle fiel mir ins Auge. Der Boden war weicher dort, wirkte lebendiger, mehr Pilze wuchsen und ein seltsamer Geruch lag in der Luft.

Ich musste unwillkürlich grinsen. Entweder dort ist schon jemand verscharrt oder es ist die perfekte Stelle dafür.

Alice

Veröffentlicht in City, Fotografie

Kirchgang

Bei uns auf dem Berg gibt es eine kleine Kapelle. Also schon eine richtige Kirche, aber der alte Teil ist wirklich winzig. Trotz Wochentag und ohne Aufsicht war sie geöffnet und ich trat ein, um zu fotografieren. Und da begann das Dilemma. Ein Ministativ dabei, in der Kamera ISO 100 und das Kapelleninnere düster, wie ein… (na, ich sag es nicht.

Also stellte ich das Stativ auf den Boden und legte mich zwecks Einstellung dahinter. Wäre just in diesem Moment ein Priester eingetreten, ich hätte nicht gewusst, wie ich das erklären soll.

Aber das Bild gefällt mir…

Alice

Veröffentlicht in City, Fotografie, Natur

Kopfüber

Ich hatte heute Mittag schon überlegt, das Bild zu drehen und eine kurze Diskussion brachte mich dazu, es auszuprobieren.

Steht die Welt auf dem Kopf, verändert sich der Blickwinkel. Ich nehme anders wahr, Kares verzerrt sich, Verzerrtes wird auf einmal klar.

Alice

Veröffentlicht in City, Fotografie, Natur

Ausbeute

Der Film war endlich voll, zwischen all dem Chaos fand ich ein paar Minuten, um ihn in Chemie zu tunken. Es waren noch Bilder drauf vom Schloss Moyland, was mich sehr freute. Die Ergebnisse sind zufriedenstellend, auch wenn der Fomapan und ich wohl nie die besten Freunde werden, dafür ist er mir zu kontrastarm.

Alice

Veröffentlicht in City, Fotografie

Ich liebe den Look

Nicht, dass hier nicht mehr landunter ist mit Katzendrama und Familienalltag. Doch ein kleiner Spaziergang stand an und das letzte (8.) Bild der neuen alten wurde geknipst. Und ich bin schockverknallt.

Gut, es sind Doppelbelichtungen dabei und sie ist so ein bisschen fluffig im Abgang, doch ich liebe diesen Look und wenn man Schloss Moyland fotografiert, geht es nur so.

Alice

Veröffentlicht in City, Fotografie, Natur

Neue Spielzeuge

Jede Kamera, die ins Haus flattert, muss da durch. Einen (einfachen) Film ertragen, beknipst und ausgetestet werden, bis ich weiß, woran ich bin.

Die Altix und die Vitoret halten, was ihre guten namen versprechen. Die Zeiten sind in Ordnung, sie laufen sauber und weich. Vor allem die kleine Altix hat es mir angetan. Eine waschechte Handtäschchenkamera.

Ein paar der Bilder haben gute Aussichten, zu Lieblingen zu werden, warum auch immer.

Alice

Veröffentlicht in City, Fotografie, Natur

Feigling

Es gibt sie, solche gottverlassenen Orte, wo die Stille eingezogen ist. Daran ändern auch Graffitis und feiernde Horden Jungvolk nichts. Die Schnapsflaschenscherben auf dem Boden und die weggeworfenen Bierflaschen lassen es nur noch leerer erscheinen.

Mitten in Recklinghausen, in einer grünen Ecke, wo die etwas besser betuchten wohnen, liegt sie im Wald. Sinnigerweise heißt sie Waldschule und war mal eine Realschule. Die Fenster sind mit Brettern vernagelt, das einst so gefürchtete (zumindest von den Schülern) und belebte Gebäude ist dem Verfall ausgeliefert.

Ich hätte rein gehen können, eine Kellerluke stand offen, doch mich beschlich eine Gänsehaut, wenn ich mich ihm näherte. Sogar der Lost-Places-Fotograf aus dem Ruhrgebiet, den wir trafen und mit dem wir kurz plauderten, schien sich nicht so wohl zu fühlen bei dem Gedanken, dort gleich einzusteigen.

Gebaut werden soll dort. Der Investor wird nicht nur dem Komplex abreißen, sondern direkt das ganze (riesengroße) Waldstück dem Erdboden gleichmachen.

Es ist schade, für die Natur und das Gebäude. Ich könnte mir gut vorstellen, es wiederzubeleben. Künstlerwohnungen wären perfekt oder ein kultureller Treffpunkt. Dann würde wohl auch die Gänsehaut verschwinden.

Nur das Rotkehlchen (man entschuldige mir an dieser Stelle die Pinselei, es ist ein Experiment) mochte die Gegend. Ich wünschte, sie würde ihm erhalten bleiben.

Alice