Glaubensätze auflösen

Ich bin dabei, mich meinen unliebsamen Glaubenssätzen zu stellen. Der erste, bei dem es in mir klingelt wie wenn das Christkind sein Glöckchen malträtiert ist: „Nicht willkommen sein!“

Ich hatte Schwierigkeiten damit, denn schließlich war ich ein geplantes Kind, ein unter dem Vorbehalt der Eherettung bewusst gezeugtes Etwas. In die Welt getrieben mit einem festen Arbeitsauftrag, den ich doch bitte umgehend erfüllen sollte. Doch schon meine Geburt glich einem Desaster. War mein Bruder noch ruhig und entspannt im heimischen Elternbett geboren, sollte es doch bitte bei mir genauso gehen. Doch sechs Jahre später fehlte der Hebamme die Muße, Wehenmittel mussten her und ich erinnere mich an eindrucksvolle Schilderungen von Kreislaufzusammenbrüchen und mir als blauem Schlumpf, der sich rauskämpfen musste.

Nicht willkommen, soso, hatte ich doch meinen Job nicht hinreichend erfüllt. Die Ehe der Eltern blieb schlecht und ich war quasi nutzlos.

Damit komme ich zum zweiten Satz, der mir leichter fällt und der viel präsenter ist. Ich genüge nicht.

Siehe oben, könnte ich sagen, doch eher waren die folgenden Jahre der Zündstoff für dieses Gefühl. Wie kann ein Kind genügen, wenn die Eltern, besonders der Vater, einen Sport daraus machen, es anzuschreien, zu schlagen oder es zur Witzfigur zu machen. Oder eben andere Kinder besser finden und es einem bei jeder Gelegenheit unter die kleine Nase reiben.

Ich wurde nicht satt. Suche immer noch den Vater, den ich nicht hatte, der mit mir statt gegen mich agiert, der zuhört, umsorgt oder mit mir lacht.

Drei Glaubenssätze, starker Tobak. Sie auszuhalten und gegenzusteuern braucht gerade viel Energie. Doch es wirkt, wenn auch nur ganz zart.

Alice

2 Kommentare Gib deinen ab

  1. Grinsekatz sagt:

    Heftig. Und auch mir vertraut. Es dauert und schmerzt, die Auseindersetzung damit, das sich-eingestehen dessen, das unterlassen von Kompensation und ununterbrochener Zerstreung, aber auch der Pflichterfüllung um jeden Preis. Aber – die Zeit ist unser Freund, diesbezüglich, wenn sie auch sonst eher Degenertion fördert. Kinder, wie wir sie waren, sind „Menschen der zweiten Lebenshälfte“.

    Es wird anders und meist besser.
    Ich weiß, wovon ich schreibe 😉
    <3liche Grüße!

    Gefällt 2 Personen

  2. Glaubenssätze sind tief verwurzelt und nach meinen Erfahrungen wird man sie nicht los. Aber eine friedliche Koexistenz erscheint mir möglich. Wen man sie kennt, wie du (und ich), kann man sie dem Gefühl, das sie auslösen in Verbindung bringen und die innere Aufruhr befrieden, oder den Mechanismus, der ausgelöst wird, kontrollieren. Wenn also jemand immer alles zur Zufriedenheit der anderen erledigt, weil er/sie nicht genügt, könnte man (selbst‘) bewusst etwas weniger machen. Selbstbewusst, weil mit negativen Reaktionen der Verwöhnten zu rechnen ist. Jedenfalls muss man immer rational bleiben, die Gefühle sind irrational.

    Gefällt 1 Person

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