Tag 331/365 – Unverzeihlich

Ich kann eine Menge vertragen, lasse einiges mit mir machen, mich vor diverse Karren spannen, gegen meine Überzeugung auch mal gerne ausnutzen, mich benutzen und links liegen lassen. Das tut zwar alles weh, doch ein Blick durch andere Augen rückt es zumindest manchmal zurecht und ich kann verzeihen, wenn ich verstehe, warum andere so blöd gehandelt haben.

Ich kann viel zu oft nachgeben, mich überreden lassen, den Konflikt unter den Tisch fallen lassen und überhaupt, ich bin viel zu oft viel zu nett. Die kleine Schwester von Scheiße ist das, zumindest für mich.

Doch gestern blieb mir für einen Moment der Mund offen stehen und ich erkannte ein Gehabe wieder, das ich einfach widerlich finde.

Ich habe was angeleiert in der Firma und es käme der Kundschaft zugute und auch einigen Kollegen. Mir würde es nichts bringen, lediglich Arbeit.

Ein Kollege bekundete heftiges Interesse, ich legte mich ins Zeug, besuchte noch einmal den Kontakt, redete zwei sehr interessante Stunden mit ihm und ging mit dem zufriedenen Gefühl raus, dass das Kind jetzt losgelassen werden dürfe.

Doch, welch Wunder, jetzt, wo es zu Arbeit eskaliert, schiebt besagter diverse Verpflichtungen und Gründe vor. Gut, ich bin nett, ich kann sie verstehen, es muss alles logistisch eingestielt werden, es sind nicht alle wie ich. Also erledigte ich einen Telefonanruf, der nicht meine Aufgabe wäre und eröffnete eine Kommunikationsgruppe, um andere ins Boot zu holen.

Jetzt, dachte ich, jetzt kann ich es loslassen und bat darum, selbst Kontakt aufzunehmen, sich nun um die eigene Aufgabe zu kümmern. Was dann kam, ließ mich tatsächlich glauben, ich sei im falschen Film.

Zu viel zu tun, zu viel Arbeit und überhaupt sei er ja Vollzeit und nicht wie ich Teilzeit ( ich habe gute Gründe für Teilzeit, die er sehr gut kennt) und zeigte dann mit dem Finger auf mich. “ Du“, sagte er, “ Du wirst das jetzt organisieren und ich biete dir an, eine Basis zu bauen, auf der der Kontakt arbeiten kann.“

Das Angebot von seiner Seite ist für den Allerwertesten, denn er wird nur das tun, was er sowieso tut. Dieser Befehl, den er meinte, mir erteilen zu dürfen, den hätte er sich schenken sollen, denn er hat mir gar nichts zu befehlen. Ich stecke jetzt tatsächlich in einem Dilemma. Würde nämlich mein Herz nicht so an dem Kontakt hängen, ich würde alles hinschmeißen. Das Tischtuch ist zerrissen, auf freundschaftlicher Basis wird es zwischen uns keinen Kontakt mehr geben. Er hat genau das Verhalten an den Tag gelegt, dass ich zu gut von meinem Vater kenne. Lorbeeren ernten und die Arbeit delegieren.

Unverzeihlich ist das für mich und ich muss ein paar Nächte darüber schlafen, um zu wissen, wie ich ihm nun begegne.

Alice

I

10 Kommentare Gib deinen ab

  1. Der wirkt auf mich sehr dummdreist, trumpmäßig und überdies auch „Frauen nicht ernst nehmend“ auf mich. Nur ein Gefühl anhand deiner Erzählung, liebe Alice, aber du hast genug getan und der Typ soll seinen Popo gefälligst selbst bewegen… 🐙😒😾

    VVN

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  2. Es zeigt sich halt offenbar meist hinterher, was eine Neuerung/Initiative auslöst.

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  3. Raphael sagt:

    Maulhelden und/oder die,
    die sich in Folge/bei Erfolg mit den Federn anderer Schmücken wollen.

    Da hilft nur auf dumm, schwach, krank stellen.
    und beim nächsten Mal (was Vorschläge zum Betriebsablauf angeht) starke und echte Verbündete suchen.
    Ansonsten: Füße stillhalten, auch wenn dann mal wieder Potenzial unter der dichten Grasnarbe des Ackers verschwindet.

    Behalt den Kopf oben, die Nase aber nicht zu hoch,
    Raffa.

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    1. Schwach stellen ergibt Schwachstellen… Sorry, der musste sein… ist eigentlich nicht mein Stil, eher das Gegenteil. Konsequenzen hat es für mich. Tischtücher haben hässliche Nähte, wenn man sie reparieren möchte. Ich halte Abstand und lerne daraus… Liebe Grüße mit erhobenem Kopf
      Alice

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      1. Raphael sagt:

        Hmm, was ist dann dein „Lösungs.ansatz“ zu der Thematik? ->
        „Schwach stellen ergibt Schwachstellen… “

        Gehe ich in die „andere“ Richtung, dann kommt bei mir das Bild:
        „Mit dem Kopf durch die Wand“ – und in Bezug auf das Tischtuch,
        werden die Nähte da auch und definitiv nicht schöner.

        Wenn wir den Weg der Schwäche gehen, fürchten wir uns dann vor dem, was es mitunter mitzieht,
        daß unsere Schwäche mißbraucht wird,
        weil wir dann doch nicht „Nein“ sagen können, um nicht als „Schwächling“ da zu stehen …
        und mimen den Helden, den Starken
        -> und tappen dann doch in die Falle und machen, wie in deinem Beispiel dann doch wieder die ganze Arbeit?

        Gibt es da einen Mittelweg, einen intelligenten und liebenswerten Pfad, der das Tischtuch nicht beschädigt?
        oder darf man dann auf das andere Sprichtwort setzen:
        Reden ist Silber und Scheigen ist Gold …?

        Wohl überlegt aus der Baustelle,
        eine kleine Herausforderung hin Richtung Charakterbildung.

        Einen entspannten gezuckertzen Sonntag ohne Ausrutscher,
        Raffa.

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      2. Das “ mit dem Kopf durch die Wand“ mache ich seit Jahrzehnten und nein, es tut keinem gut. Viel zu anstrengend ist das auch, wenn man sich lauter Beulen am Widderkopf zuzieht. Ich werde wohl die Verantwortung für das Handlen der anderen abgeben. Zugeben, dass ich sie in ihrer Langsamkeit nicht ändern kann. Es tut mir weh, enttäuschen zu müssen. Doch es ist wirklich nicht meine Verantwortung.
        Lieben Gruß… ganz ungezuckert… Alice

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      3. Raphael sagt:

        Na, hier liegen zwei Zentimeter
        und dieses Geräusch, wenn man über den Schnee …
        Doch wie war das mit der Ent.Täuschung?
        Wer hat da eine Vorstellung oder gar ein Forderung?
        … vielleicht oder wohl wissend um die eigene Langsamkeit oder …
        Nee, den Schuh mußt du dir in diesen Fällen keineswegs anziehen – und auch keine Kopf samt Kopfschmerzen machen.
        Lektionen hier wie da!
        … und Verantwortung kann es nur in einem WIR geben, wo es eine Basis gibt,
        auf daß helfende Hänge gewünscht und auch angenommen sind.

        Denn andersherum verbrennen wir uns nur die Finger, wenn wir unsere Hände reichen,
        wie in dem von dir beschriebenen (ausgehenden) Fall.

        Liebe Grüße von dem geographisch noch höheren Hügel,
        Raffa.

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      4. „Wir“ ist manchmal schwierig. Aber eventuell reicht auch ein „ich und du“ statt einem reinen „du“. Ich kann die Menschen nicht ändern, das ist mir klar. Für mich das Fazit zu ziehen, dass ich mit solchen Schwachmaten nicht zusammen arbeiten kann und will, das ist ein guter Start und hat ganz viel mit Ehrlichkeit zu tun. Zu mir und anderen. Ist auch wichtig.
        Alles Liebe
        Alice

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      5. Raphael sagt:

        …. ja, mit ’nem geraden Rücken steht es sich auch besser,
        nicht nur „orthopädisch“ (;-)

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