Nachtrag Tag 268/365 – Richtungslos

Wenn es stimmt, dass es erst schlimmer werden muss, bevor es besser wird, dann bin ich auf einem guten Weg. Flucht ist auch eine Fortbewegungsart und ich renne kopflos zwischen vermeintlichen Zielen hin und her. Just in dem Moment, wo ich hoffe oder meine, die Fährte aufgenommen zu haben, versagt sie mir sofort den Dienst und an ihre Stelle tritt etwas anderes.

Ich wünsche mir Beratung. Ich, die Entscheidungen aus dem Handgelenk schüttelt, die immer weiß, was wo und warum das Richtige ist, habe keine Ahnung, warum ich hadere, auf einmal zweifle an Zielen, die ich gut und sicher glaubte. Und jetzt mit der Kamera in der Linken, dem Skizzenblock in der Rechten und ein paar Geschichten im Hinterkopf, da drehe ich ab.

Natürlich kann ich meinen Mann fragen, doch der ist aus einem anderen Bereich, kennt zwar mich ganz gut, doch kann nicht (be)urteilen, ob das, was ich vorhabe, stabil, vernünftig, sinnvoll, standfest und für mich das Richtige ist. Und jeder, den ich frage, der nickt einfach nur ab, weiß natürlich auch nicht, nimmt sich vielleicht keine Zeit dafür, weil es nicht sein Job ist oder er keine Ahnung hat oder es egal ist. Zumindest für ihn.

Am Liebsten möchte ich alles und habe doch verstanden, dass das vielleicht nicht so geht. Oder vielleicht doch, wenn ich den Prozess in den Mittelpunkt stelle, doch dann komme ich nirgendwo an und werde weiterhin pinballmäßig durch die Landschaft trudeln. Im Übrigen machen mich Menschen nervös, zumindest manchmal, zumindest, wenn ich ihnen nicht ausweichen kann. Ein bisschen huschig bin ich gerade und nicht in meiner Mitte, mehr zerfetzt, zerstreut und nicht so ganz bei mir.

Die erteilten Absagen der letzten Woche könnten daran schuldig sein, so schnell gerate ich in eine Flaute und lahme Segel sind ein Alarmsignal in meinem Leben, gerade, wenn ich möchte, dass es voran geht und Fahrt aufnimmt. Doch ich dümple dahin, male belanglose Bilder und fotografiere Belangloses, um überhaupt auf den Auslöser zu drücken. Vielleicht haben sie ja alle Recht und ich sollte bei meinen Leisten bleiben, schauen, dass Geld reinkommt für ein beschauliches Leben vor dem Kamin und so.

Doch da fühle ich mich nicht wohl, so viel ist mir klar. ich brauche mehr Progression als neue Steckdosen im Arbeitszimmer, auch wenn das ein Anfang ist für leichteres Arbeiten. Und während draußen Holz gestapelt wird, male ich graue Linien auf Papier und hoffe auf einen Durchbruch im Kopf, der mir sagt, wie es weitergehen könnte.

Richtungslos. Vielleicht sollte ich mal ein paar Tage stehen bleiben und warten, bis der Wind auffrischt.

Alice

7 Kommentare Gib deinen ab

  1. Ich weiß nicht ob das machbar oder sinnvoll ist, wie wäre es wenn du feste TimeSlots für die verschiedenen Aktivitäten hast und nach einer Woche oder einen Monat prüfst ob die Ergebnisse die du auf dem Wege erreicht hast für dich ausreichend sind. Stück für Stück Schritt für Schritt ausprobieren was geht. Dazu immer wieder Pausen einplanen damit du Puffer hast falls es irgendwo nicht so schnell geht wie du hoffst oder das Leben dazwischenfunkt. Ich weiß ich bin schlau reden, aber was besseres fällt mir nicht ein.

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    1. Da habe ich tatsächlich schon drüber nachgedacht. Ich habe mal was darüber gelesen, doch mein Alltag ist so unvorhersehbar, dass es schwierig wird. Vielleicht fange ich mit einer Aktion an und schaue, wie es läuft. Danke dir

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  2. Bin schlau reden= kann schlau reden. Man sollte nicht vor Sonnenaufgang auf dem Handy rum tippen

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  3. Raphael sagt:

    Deine Eingebung, liebe Alice,

    einfach mal die Füße still zu halten
    und die Flaute anzunehmen,
    zu nutzen und in die Ruhe oder gar den Frieden zu kommen …
    -> ist doch absolut genial.

    Wir sind irgendwie doch nur darauf konditioniert, irgend etwas zu machen
    … – um beschäftigt zu sein. So beschäftigt, daß wir eben nicht zur Ruhe kommen.
    In der Ruhe liegt ja nicht nur die Kraft (;-), auch Reflexion und Selbsterkenntnis!

    Doch diese Selbsterkenntnis stört; stört die,
    welche damit nicht umgehen können
    oder sie (die Erkenntnis und die daraus folgende „geistige“ Autarkie) nicht zulassen mögen
    … egal auf welcher gesellschaftlichen Ebene.

    Anders herum ist es einfach wieder in den „blinder.Aktionismus-Modus“ schalten.
    Nett umschrieben und aus der „Segler-Szene“ entnommen:
    Da, wo die Wolke ist, ist auch der Wind … (;-)

    Alles Liebe
    und reichlich Erfolg beim Auftanken der Stille/Ruhe des Friedens,

    Raffa.

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    1. Danke dir, lieber Raffa. Ja, einmal zur Ruhe kommen, das wäre ganz nett. Für heute ist Kopfpause angesagt. Das könnte helfen.
      Alles Liebe
      Alice

      Gefällt 1 Person

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