Tag 266/365 – Augenblicke

Es sind Geschenke, die ich erlebe, wenn ich ins Hospiz gehe. Und die Fotografie ist dann tatsächlich untergeordnet. Meist kann ich mich gar nicht so darauf konzentrieren, wie ich es gerne würde, verhasple mich, beachte Grundregeln nicht und brauche ewig mit den Bildbearbeitungsprogrammen, um die Fehler wieder auszubügeln. Die Begegnungen, die für mich stattfinden, die Menschen, die mir von ihrem Leben erzählen, nicht zuhören wollen, nur reden, weitergeben, resümieren oder in Erinnerungen schwelgen, die sind besonders und so zerbrechlich.

Was die Menschen mir erzählen scheinen Banalitäten zu sein, doch für diese Einzelnen sind sie wichtig, wichtig gewesen und sie blicken zurück und fragen sich, ob das reicht, ob das gereicht hat. Auch ich lande irgendwann dort und werde mich fragen. Werde mein Leben in die Waagschale legen und versuchen herauszufinden, ob ich das beste daraus gemacht habe, dieses Geschenk ausreichend gewürdigt.

Es ist lehrreich und manchmal verstörend, es ist anstrengend und ernüchternd. Manchmal möchte ich raus rennen, manchmal einfach nur eine Hand halten und mich mit demjenigen freuen, dass es gut war, dass er seine Entscheidungen auch jetzt am Ende nicht bereut.

Wertvolle Augenblicke.

Alice

8 Kommentare Gib deinen ab

  1. Grinsekatz sagt:

    Manchmal kommt mir mein Leben wie ein Ausschlussverfahren vor. Was ich alles nicht möchte. Zum Beispiel nicht in Selbstmitleid ob der eigenen körperlichen Schwäche zerfließen, wie derzeit mein Vater. Der jüngste Eindruck, einer von zahllosen. Für sich allein genommen ist der Ausschluss ein mageres Geschäft, bleibt am Ende doch nur die weiße Wand.

    Ich bitte um Führung, um einst nicht so da zu stehen und zu hadern. Habe ich genug getan, in meinem Leben, mit anderen, aber hauptsächlich mit mir.

    Guten Morgen dir.

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    1. Es gibt verschiedene Möglichkeiten, sich dem Weg zu nähern. Das weglassen, was man nicht möchte ist ein dauerndes Nein zum Leben. Ich suche das, was ich will, auch wenn es gerade schwer ist und Türen zugedrückt werden. Wünsche und Träume sind positiv. Der Ausschluss negativ. Dir einen wunderschönen guten Morgen
      Alice

      Gefällt 1 Person

  2. Nati sagt:

    Mir erging es auch oft wie dir.
    Ich sehe es im Nachhinein als Geschenk diese Einblicke gehabt haben zu dürfen.
    Da erkennt man auch so schön wie nichtig manches ist worüber wir uns im Alltag ärgern oder das Leben selbst schwer machen.
    Vielleicht hilft dir auch die Arbeit dort deine Sichtweise aufs Leben und Alltägliche nachhaltig zu ändern.

    Ein wunderbares Auge, ich frage mich was du daran üben musst. 😉

    Gefällt 6 Personen

    1. So viele Alltäglichkeiten sind banal und wir ärgern uns. Im Nachhinein ist das ganz oft klar. ich wünsche, dass ich es merke, wenn ich mich ohne Grund ärgere… das wäre doch mal ein Anfang 🙂
      Einen guten Morgen dir 😉

      Gefällt 1 Person

      1. Nati sagt:

        Guten Morgen Alice. 🙂
        Meist ist man am Anfang mit zu vielen Emotionen bespickt, erst danach kommt das klare Sehen.

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  3. Gerade aktuell, wenn ein Mensch gestorben ist (nicht Familie aber guter Freund) kommen solche Gedanken hoch. Früher habe ich den Satz nicht verstanden: man bereut weniger die Dinge die man getan hat als die Dinge die man nicht getan hat. Aber langsam beginne ich es zu verstehen.

    Gefällt 5 Personen

    1. Das mit dem Todesfall tut mir sehr leid. Ja, unsere Zeit ist begrenzt und manchmal ist nicht genug davon da, um alles zu machen. Aber ein bisschen, das geht doch immer…
      Liebe Grüße
      Alice

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  4. Raphael sagt:

    beim Lesen deiner Zeilen, liebe Alice,

    bin ich stehen geblieben bei der Frage:
    Ob das reicht, ob das gereicht hat…

    Unter welchem Aspekt, mit welchem Maßstab
    oder
    vielleicht auch, mit welchem Ziel?

    Es bleiben etliche Aspekte,
    ob es die verpaßten Gelegenheiten sind, das eigene (sich) Versagen …
    Gehen wir dann mit Vorwürfen, weil …
    oder gehen wir in Demut und erhobenen Kopf,
    der (hoffentlich) reichlichen Freude, die sich in diesen Momenten ungebrochen und ungeschwächt wieder zeigt, auflebt, da „unkaputtbar“?

    Gerne wiederhole ich auch hier die drei Worte,
    weil sie ja nicht unpassend scheinen:

    Freude und Vertrauen

    Alles Liebe,
    Raffa.

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