Tag 141/365 – Panzerschicht

Der Ärger und die Frustration, die ich gestern empfand, hat einen ordentlichen Denkprozess in Gang gesetzt. Der Kontakt zu jemandem aus meiner Vergangenheit kam dazu. Und da war da noch dieser Traum, den ich kopfschmerzgeplagt (ich verabscheue dieses Wetter) hatte. Drei sind aller guten Dinge und auf einmal war es deutlich, dieses Gefühl, das mich überkam, während etwas schief lief, von dem ich mir gewünscht hätte, dass es nicht schief läuft.

Uralt, wie so oft, ist diese Emotion und sie holt mich ein, wenn ich nicht aufpasse, katapultiert mich zu einem früheren Ich zurück. Ich erinnerte mich auf einmal lebhaft, an Situationen mit meinem Vater. Momenten, in denen er nicht laut war, sondern mich ganz leise demontierte. Ein flapsiger Spruch, ein Auslachen, ein Spitzname, den er mir gab, weil ich mich einmal wehrte gegen Übergriffe. Ein Lächerlichmachen meiner Mühen, ein Sabotieren von Dingen, die mir wichtig waren. Lacher auf seiner Seite, ich beschämt auf der anderen.

Und jetzt, wo ich darüber schreibe, spüre ich sie. Die Scham lauert im Hintergrund, kratzt an ihren Käfigwänden, faucht und heult, erinnert mich daran, dass ich nie gut bin, egal, was ich versuche. Es tat ihm gut, mich versagen zu sehen, das hat sein kleines Leben etwas größer gemacht, er wuchs, wenn er anderen den Kopf abbiss.

Wie kann ein Vater nur so sein, denke ich erneut und hoffe auf Karma, verlasse mich darauf, dass am Ende jeder bekommt, was er verdient. Und ich kann den Rest einordnen, den Schutzpanzer, den ich mir zulege. Die große Klappe, die Unempfindlichkeit in manchen Dingen, die Rohheit, die aus meinem Mund schlüpft und die mir nicht passt, die aber einfach da ist im falschen Moment. Ich verstehe die Bitterkeit, wenn ich heute damit konfrontiert werde, dieses hilflose Gefühl, das einfach wieder da ist, wenn Erwachsene über mich lachen.

Ich würde sie gerne aufbrechen, wie in den Momenten, wo ich mich tatsächlich sicher fühle. Geborgenheit, ein Gefühl, das mir so fehlt und das mit jedem Verrat, mit jedem Sabotieren ein wenig mehr verschwindet und Angst zurücklässt und das Bedürfnis, mich vehement zu wehren.

Draußen weht ein scharfer Wind, in mir ist Sturm. Die Stachelbeeren machen es richtig.

Alice

13 Kommentare Gib deinen ab

  1. wildgans sagt:

    Überschrift passt!
    Einer, der sich Hochmut verschafft, hat es nötig. Liebe hätte er noch nötiger, aber das weiß der leider nicht.-

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    1. Frei nach Goethe.. „wenn du nehmen willst, so gib“ Da wäre er derjenige gewesen, der auch mal etwas Liebe rausrückt…

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  2. Nati sagt:

    Wie sehr ich das kenne.
    Ich reagiere dann stets mit Sturheit und Härte.
    Auslachen geht gar nicht.
    Bin als Kind dann abgehauen.

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    1. Ja, das mit dem Abhauen habe ich auch gemacht… besser wird’s dadurch leider auch nicht…

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      1. Nati sagt:

        Ich habe es einmal gebracht.
        Da war ich auf Urlaub bei meinen Großeltern. Sie machten sich in Gegenwart anderer über mich lustig.
        Da ging mein Sturkopf mit mir durch. Lach….
        Ich denke viele Erwachsene machen sich keiner Gedanken darüber was es in Kindern verursachen kann wenn man sie öffentlich demütigt oder lächerlich macht.

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      2. Du vertraust ihnen, das macht es so schlimm.

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      3. Nati sagt:

        Das kindliche Vertrauen halt….

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      4. Und irgendwann ist das dann weg…

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      5. Nati sagt:

        Oder kann sich nicht richtig entwickeln.

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      6. Jepp, und dann rennt der Erwachsene zum Therapeuten 👍

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  3. Grinsekatz sagt:

    Scham…
    Wie ich das kenne.

    L.G., Reiner

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    1. ⚘ hier fehlt mir gerade mal das Emoji mit der Umarmung…

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