Tag 131/365 – Immer voran

Gerade würde ich gerne kneifen, auch wenn viele das nicht verstehen können. Der Impftermin steht an und ich habe Angst. Seit meiner Kindheit stehe ich irgendwelcher Chemie, die in meinen Körper gepumpt wird, skeptisch gegenüber. Doch die Alternative mag ich nicht bedenken. Ich habe Angst vor Corona und für den Rest meines Lebens mag ich mich nicht einsperren.

Also Augen zu und durch. So wie immer, wenn ich Hänschen voran sein musste. Die Anderen konnten es sich leisten, schwach zu sein, ich nicht. Habe ich es versucht, ging das nicht gut aus. Kein einziges Mal konnte ich mich durchsetzen, wenn ich die Kleine sein wollte, wenn ich schwach sein wollte. Und es bleibt ein Thema, dauernd. Ich würde so gerne, habe ein Bild in meinem Kopf, wo ich hin möchte, weiß, wer ich sein will, doch jedes Mal, wenn ich mich ihm nähere, reagiert meine Welt so irritiert, so abweisend, so verärgert, dass ich es wieder sein lasse, zurückfalle in den Kampfmodus, die Starke gebe, die Robuste.

Oh, wie ich dieses Wort verabscheue, robust. Eigentlich ein gutes Attribut, assoziiere ich damit grobe Klötze, dicke Mauern, laute Stimmen, deutsche Eichen, die nichts umwirft. Eine Portion Leidensfähigkeit gehört dazu, mehr einstecken als austeilen, Nehmerqualitäten. Ich schiele zu den Nymphen hinüber, den zarten Exponaten und wünsche, ich wäre wie sie. Würde mich verweigern, wenn zu schwer, ratlos sein, wenn sonst auch niemand weiß, würde schreien, lamentieren, mich verweigern. Doch kein Schrei kam über meine Lippen. Selbst die Geburt der Kinder war still. Ich scherzte, nahm dem Mann die Angst, während die Wellen mich wegtrugen. Ich halte das aus, alles. Woher das kommt, ist klar.

Also bin auch ich jetzt mutig, halte den Kopf hoch und nehme. Nicht falsch verstehen, ich freue mich über den Schutz, bin froh, wenn ich keine Sorge mehr haben muss, mich zu infizieren. Und doch, eine Restangst bleibt. Darf ich ja sagen, hier, ganz insgeheim. Dann kann ich gleich mit der Familie scherzen, damit sie die Angst nicht spüren.

Alice

27 Kommentare Gib deinen ab

  1. Nati sagt:

    Man darf alles und immer.
    Immer stark sein geht nicht.
    Drück dir die Daumen. 🍀

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    1. Danke dir, wird schon schief gehen 🍀

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      1. Nati sagt:

        Wie sehr ich dich doch oft verstehe….
        Was das“Erbe“ aus einem so macht.

        Klar wird es das …🍀

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      2. Wäre schön, wenn man es wie das alte Kinderzimmer verlassen könnte…

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      3. Nati sagt:

        Das wäre was, ja….
        Das immer Stark sein (müssen) kenn ich zu gut.

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      4. Bist du es losgeworden, irgendwie?

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      5. Nati sagt:

        Nicht wirklich. Manchmal erlaube ich es mir und gebe dann Dinge ab oder ignoriere sie bis es gemacht wird.
        Aber unsere Vergangenheit zeigt dass wir uns auf keinen verlassen dürfen, was ja auch ab und an bestätigt wird. Und so sind wir stets die Starken die das Ruder übernehmen um die Kontrolle zu behalten.

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      6. Aber genau das macht einen fertig. Ich probiere es auch, das mit dem Abgeben. Und dann haut sich der Mann mit dem Hammer auf den Daumen und ich bin wieder mitten dabei…

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      7. Nati sagt:

        Ich kann gut üben, an meinen nun volljährigen Sohn. Wir müssen uns immer klar machen dass wir nichts jedes Mal in die Bresche springen müssen. Das ist unser Fehler, genauso antrainiert wie bei denjenigen die immer warten bis ein anderer etwas tut. Eisern bleiben, versuchen zu ignorieren, egal wie schwer es fällt.
        Leider ziehen wir auch immer wieder solche Menschen an. Das gilt es zu durchbrechen.
        Ich übe und übe….., du bist nicht allein mit diesem Problem.

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  2. Grinsekatz sagt:

    Eigentlich bin ich von Haus aus ein Schisser. Nur wenn es um Schutzbefohlene ging, spürte ich davon nichts. Für mich selbst angstfrei zu sorgen, habe ich spät gelernt.

    Guten Morgen dir 🍀
    Und gutes Gelingen, @ Impfung.

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    1. Guten Morgen🍀 angstfrei für sich zu sorgen, heißt ja auch, kein schlechtes Gewissen zu haben, wenn du Nein sagst. Finde ich gut, dass man das noch lernen kann. Die Impfung, naja, ich hoffe mal…

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      1. Grinsekatz sagt:

        Das geht, mit dem lernen. Unser Schöpfer schickt uns dazu genau die passenden Mitmenschen. Un wennet dann genug weh getan hat, geht es auf einmal 🙂

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      2. Dann bin ich jetzt wohl dran…

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      3. Grinsekatz sagt:

        Mach mal 🙂 Ich kann dir versichern, das geht auch im fortgeschrittenen Alter 🙂

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      4. Beruhigend 🙈😂👍

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      5. Nati sagt:

        Eine guter Ansatz um zu lernen.

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  3. Ulli sagt:

    Ich lerne noch immer auch meine zarte Seite zu leben und zu zeigen. Am besten gelingt dies beim Schreiben und Bilder gestalten.
    Liebe Grüße
    Ulli

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  4. Robust ist auch mein Unwort. Die Mutter – zart und fein, zu schade für diese Welt – bezeichnete mich stets so. Sie kannte mich nie und wollte dies auch gar nicht, da ich eh ihre größte Enttäuschung war schon durch mein falsches Geschlecht. Sei`s drum. Ich habe bald entschieden, sie hat mich gar nicht verdient.
    Schwach sein heißt abhängig sein, Weinen lädt jeden ein, dich weiter zu verletzen, so empfand ich es. Also war stark sein die Alternative um zu überleben und es hat auch gut funktioniert. Mein Inneres, das Zarte, Berührbare, Empfindsame war nur wenigen vorbehalten. Wenn das Innen nicht zum Außen passt, muss man sich entscheiden, was sichtbar sein soll. Letzten Endes muss ich dankbar sein, denn ohne diese Stärke und Durchhaltevermögen hätte ich womöglich die erste Ehe nicht überlebt oder zumindest die Folgen der Trennung nicht bewältigen können.
    Dennoch: Zu sehen, wie die Schwachen, auch wenn`s oft nur gespielt war, und auch die Intriganten, Rücksichtslosen mit weit weniger Schwierigkeiten durchs Leben gehen, hat mich gewaltig angezipft. Doch ein paar Versuche haben mir gezeigt, das bin ich nicht. Gehadert hab ich dennoch häufig mit den gefühlten Ungerechtigkeiten, doch meistens bin ich zufrieden mit meiner Entscheidung.

    Aus „Elfenseele“
    „In mir wohnt die Seele einer Elfe. Nein, nichts Flatterhaftes, da habt ihr was falsch verstanden, oder- na ja, wer kann das schon so ganz von sich weisen? Ich meine aber eher ihre Zartheit, das Empfinden und die Lebendigkeit.“
    „Wie man mich erkennen kann? Ich fürchte gar nicht – rein äußerlich lässt schwerlich etwas auf mein Elfenwesen schließen. Mein Körperbau ist eher kräftig, kantig, die Haare widerspenstig, das Kinn energisch, immer ein paar Pfunde zu viel. Und wenn ich mich auf einem Foto sehe, womöglich noch zusammen mit wahrhaft zarten Personen, so erschrecke ich mich vor mir selbst. Damit ich nicht vergesse, wer und was ich bin, meide ich Fotos, Blicke in Spiegel und Schaufensterscheiben. So kann es denn schon einmal vorkommen, dass ich, sollte ich aus Nachlässigkeit doch einen Blick tun, die nette Frau im Spiegel freundlich grüße. So kann`s gehen, wenn man sich selbst besser von innen kennt und das Innen nicht so recht zum Außen passt. Das Innen aber kenne ich genau, da bin ich richtig gut, da bin ich zart, da lebt die Elfenseele . Nicht wirklich einfach, aber umgekehrt wär`s schlimmer.“

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    1. Wunderschön und 3s hätten meine Worte seon können. Ja, die Entscheidung fällt nicht schwer, wobei es Zeiten gab, wo innen zu außen passte. Und da war ich auch anders, freier, zwar stark, aber eher wie Bambus als wie die deutsche Eiche. Ich möchte das leben dürfen, doch anderen macht es oft Angst, wenn ich die Knute weg packe. Seltsam oder? Ich habe beschlossen, die Elfe zu zeigen. Was soll schon passieren? Nur wie weiß ich noch nicht. Tausend Dank für deine Worte 🙏🍀🌷

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    2. Nati sagt:

      Aber warst du es nie leid immer nur die Starke sein zu müssen?

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      1. In der ersten Ehe nie. Da war ich dumme Nuss sogar stolz darauf alles, auch körperlich, allein bewältigen zu können und die Künstlerseele zu verschonen vor allem Unangenehmen. Bis ich gemerkt habe, wie sehr ich ausgenutzt und betrogen worden war. Zusammen mit den Kindern musste ich nur ich sein, weder besonders stark noch schwach.
        Erst bei meinem zweiten Mann konnte ich zum ersten Mal Tränen laufen, mich fallen lassen. Da kann ich auch mal sagen, ich kann das nicht alleine tragen, übernimm du jetzt. Als dann Nele so lange schwer krank war, musste ich wieder stark sein, denn es gab nur Kopf in Sand oder duchhalten sowohl für Nele als auch die Geschwister. Zu Unzufriedenheit war angesichts der sich über Jahre hinweg sich überschlagenden lebensbedrohlichen Ereignisse schlichtweg keine Zeit, obwohl es oftmals über meine Grenzen ging. Aber auch da hatte ich Unterstützung durch meinen Mann. Ich musste also nicht mehr alleine stark sein, sondern wir beide waren gefordert und haben es gemeinsam getragen.

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      2. Nati sagt:

        In manchen Situationen stellt sich nicht die Frage, man macht es einfach. Teilweise bis zum Anschlag oder drüber hinaus.
        Anders herum bedeutet für mich das Stark sein auch die Verantwortung zu tragen. Für alles und jeden.
        Die Kontrolle zu haben, damit auch alles funktioniert.
        Spätestens wenn man mal ausfällt, merkt man wie gut es auch ohne einem selbst geht. Auch wieder eine Situation aus die man lernen kann.
        Womöglich war ich deshalb in den letzten 20 Jahren nur an 2 Tagen ernsthaft krank dass ich das Bett hüten musste.
        Ein Thema welches man gut durchkauen kann, um seine eigenen Beweggründen zu durchleuchten.

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  5. dieterkayser sagt:

    Es tut überhaupt nicht weh und dauert nur 2 Sekunden

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  6. Ich habe seit gestern einen Impftermin, erst Anfang Juni aber es gibt endlich ein Datum, da die 2. Impfung bei BioNtech nach ca 6 Wochen stattfindet und dann noch ca 14 Tage vergehen bis ich vollen Schutz habe ist Mitte/Ende Juli für mich die Ziellinie dieser Pandemie.

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    1. Für mich endet sie Anfang Juli. Allerdings möchte ich meine Söhne geimpft wissen, Jonas hat allergisches Asthma, da möchte ich zu Beginn des Wintersemesters nichts riskieren

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