Tag 130/365 – Es kühlt ab

Nicht nur das Wetter draußen hat sich entschlossen, die stechende Hitze des Sonntags aufzugeben, auch hier kühlt die Luft ab. Es ist zu erwarten, wenn Erwartungen im Raum stehen, die nicht erfüllt werden oder können. Dass ich mich weigerte, bei einer Bagatelle, den Notarzt zu spielen, mag dazu kommen. Abgesehen davon habe ich das Bauteil dafür fertig montiert, auch wenn ich keine Lust hatte.

Ich habe etwas gesagt, was ich selbst nicht wusste, bis ich es aussprach. Ich bin neidisch. Neidisch auf Menschen, die nicht in diesem Chaos aufwuchsen, deren Seele nicht so voller Narben ist, dass die Haut bei jeder Berührung schreit. Dabei überlege ich, ob ich klagen darf. Es geht schlimmer, es geht immer schlimmer.

Aufgenommen wurde es nicht so gut. Dem Gegenüber wurde klar, dass das ganze Jammern keine Berechtigung hat. Da wurde nicht geschlagen und gebrüllt, keine kleine Seele zurechtgebogen, dass sie passte in die kranken Köpfe von Menschen, die sich besser nie begegnet werden. Da würde gut aufgepasst und geliebt. Vielleicht ein wenig zu viel, ein wenig zu lange, doch diese Erinnerungen hätte ich lieber als den Blick unter dem Tisch heraus beim Ausweichen vor dem Kochlöffel.

Diese ganze „Ichbinnichtgutgenug“-Scheiße bricht mir tagtäglich den Hals, lässt mich vor jeder Aufgabe zurückschrecken. Es dehnt sich aus wie eine Blase, unfähig zu sein, sich unfähig zu fühlen, das ist nicht nur punktuell, das ist wie eine Pandemie, die sich auf alle Bereiche legt.

Da reicht es, wenn eine Macke auf einem quasi geschenkten Abzug angemeckert wird. Ich ahne, dass meine Arbeit nicht perfekt war und überlege für einen kurzen Moment alles hinzuschmeißen. Und wenn ich schon mal dabei bin, den ganzen anderen Mist hinterher. Nie werde ich in meinem Job Karriere machen, nie irgendwelche Anerkennung bekommen für das, was ich mache. Ich stehe gerade auf verlorenem Posten und von der anstehenden Wiedereingliederung habe ich Alpträume. Könnte tatsächlich kaum besser laufen. Die Welt eskaliert und es wäre schön, wenn gerade mal was klappen würde, einfach so.

Doch genug mit dem Gejammer, es bringt ja nichts. Vor morgen und der Impfung habe ich zusätzlich Angst. Was ist, wenn sie mich umbringt statt zu schützen. Die Wahrscheinlichkeit ist gering, natürlich. Doch daran denken muss ich dennoch. Die Dusche ruft und dann die Arbeit. Habt einen ruhigen Tag.

Alice

3 Kommentare Gib deinen ab

  1. Grinsekatz sagt:

    …Menschen, die sich besser nie begegnet wären…

    Habe ich auch mal gedacht. Greift aber zu kurz, irgendwie. In letzter Konsequenz gäbe es mich nicht, zumindest nicht so. Dann heißt es, Seelen, die wiederkommen sollen/müssen/wollen, würden sich ihre Erzeuger aussuchen, der anstehenden Lernaufgaben wegen. Bei so einem Satz kann man schon mal in Deckung gehen, manch einer greift dann zum nächstbesten Wurfgeschoss. Dennoch glaube ich daran, auch wenn er mir immer noch zumindest zeitweise zum Halse heraus hängt, der ganze Karma-Scheiß.

    In letzter Konsequenz gäbe es auch dich nicht, liebes Straßenkind. Kann sein, du hast Zeiten, in denen dir selbst das nicht so tragisch vorkommt, könnte ich gut verstehen, weil es mir ähnlich ging. Aber um dich herum sind eine Menge Menschen, denen du dann fehlen würdest, so, wie du bist, und das nicht wegen deiner Hilfsbereitschaft. Mir hier übrigens auch, wenn auch nur virtuell 🙂

    Wiedereingliederung – ich drück dir die Daumen!!

    L.G, Reiner

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    1. Bei dem Satz gehe ich regelmäßig in Deckung, vor allem wenn ich dann noch diverse bücher von dahlke dazu nehme. Mir geht es zumindest körperlich gut, denn dieser Satz greift ja noch weiter, was ihn recht grausam macht. Dennoch glaube ich wie du an ihn. Hilft vielleicht. Ob so viele auf meiner Beerdigung weinen? Ich glaube nicht. Kam allein, blieb allein, geh allein, ist auch Karma irgendwie. Halt die Ohren steif 🍀 und danke🌷🌷🌷

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  2. Raphael sagt:

    Was ist, wenn die Impfung,
    gemäß ihren eigenen Aussagen zur Dauerpflichtübung mutiert,
    ob der schon jetzt vorhandenen Mutationen …

    Und diese Dauerpflichtübungen die Voraussetzung sind,
    um zumindest einen Teil der beschnittenen Grundrechte wieder zurück zuerhalten …

    Auch wieder so ein „Zwangs“-Ding, wie wir es kennen,
    aus unserer Jugend gar, aus „Basar“-Beziehungen, aus …

    Wo ist nur die Liebe hin, welche in uns gelegt,
    samt der Gerechtigkeit und der Logik.
    Dieser aufbauende Dreiklang (Liebe/Gerechtigkeit/Logik) ist ja mittlerweile
    und scheinbar unbemerkt ausgetauscht
    … und läßt uns über kurz oder lang nicht nur ratlos und irritiert zurück.

    Es ist ein „geistiger Kampf“, welcher mit materiellen Mitteln geführt wird
    und doch sind wir und unsere Entscheidung gefragt,
    wem wir nachfolgen, wem wir es zulassen,
    daß er das/unser Leben bestimmt.

    Die Frage ist, ob es einen Exodus, einen Ausweg gibt
    und eben, ob wir bereit sind, diesen anfänglich wie scheinbar schweren Weg der Befreiung gehen wollen?

    Bleib wacker, wehrhaft und der Wahrheit verbunden,
    denn nur die Lügen lassen uns verzweifeln,
    auf so vielen Ebenen …

    Alles Liebe,
    Raffa.

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