Tag 129/365 – Nächster Schritt

Mal wieder Kopfweh weil der Mai dieses Jahr nicht den Wonnemonat gibt. Gleichzeitig in der nächsten Woche einen Berg Termine. Die Impfung steht an und nebenher das Kennenlernen der möglicherweise neuen Therapeutin. Nebenher Wiedereingliederung und ein Treffen zu einem Shootingvorgespräch, das mir sehr am Herzen liegt.

In der Folge war der Nachtschlaf eine Katastrophe, selbst Entspannungstechniken rüttelten mich nur noch mehr auf und heute war ich zu früh wach, um irgendwie ausgeschlafen zu sein. Doch tatsächlich war das nicht verkehrt, stille Zimmer, die nur von der Katze bevölkert werden, regen zum Denken an und plötzlich war es da, das nächste Puzzleteil.

Ich fragte mich nämlich, warum ich kein Puppenhaus habe, warum ich mir selbst keinen Rückzugsort gönne, warum ich so passiv, so angepasst, so klein geworden bin. Warum Wut nur Schuldgefühl auslöst und Nähe mich an meine Grenzen bringt.

Mir fiel auf, dass diese passiven Phasen, dieses Stillhalten, diese Abhängigkeiten in kleinen Dingen schon sehr oft auftraten. Dass ich teilweise komplett handlungsunfähig bin und ich frage mich, was ich damit bezwecke. Denn es ist nicht zufällig. Immer steht ein Ziel dahinter. Die Seele tut das, was sie meint, zum Überleben zu brauchen.

Wächst man, wie ich, sehr instabil auf, hat keinen Rückhalt, kann sich nicht auf die Menschen und deren Reaktionen verlassen, sucht man so lange, bis ein Weg sich zeigt, der zumindest einigermaßen zu funktionieren scheint.

Praktisch heißt das, sämtliche Autonomie in den Wind zu schießen, weil es der Mutter Angst machte ( zumindest solange sie es gebrauchen konnte). Es heißt, schwache Stellen beim Gegenüber zu lokalisieren und zu nutzen, da so zumindest ein Rest Kontrolle über die Situation gegeben ist. Cholerische Anfälle, die ich auslöste, kamen nicht unerwartet. Es heißt, abhängig zu ein, damit sich das Gegenüber meiner sicher fühlt, auch wenn mich das in Wut versetzt. Es heißt, Probleme zu haben, um nicht so stark zu scheinen und nicht belastet zu werden. Es heißt, brav den Teller leer zu essen, auch wenn kein Hunger da ist, um den anderen in Sicherheit zu wiegen, dass es mir gut geht. Es heißt, Ritualen zu folgen, die nicht meine sind, um Konflikte zu vermeiden. Es heißt, in prekären Situationen einzuspringen und Dinge zu regeln, die nicht meine sind, um die Mutter von mir abhängig zu halten.

Leider wächst sich das nicht aus, gelernt ist eben gelernt. Doch Klarheit ist ein Schritt in die richtige Richtung. Denn das, was ich gerade lebe, ist nur eine Kopie eines erlernten Musters, das mir damals Sicherheit gab. Heute brauche ich es nicht mehr.

Starker Tobak, sicherlich, doch was ich ebenfalls aus der Vergangenheit weiß, ist, dass es nicht unumkehrbar ist, dass es Wege aus dieser Zwickmühle gibt.

Alice

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