Tag 98/365 – Sinnsuchend, mal wieder

Am Ende dreht sich alles um den Sinn. Man kann versuchen, es zu ignorieren, sich ablenken, sich zudröhnen von mir aus, doch zwischendurch steht jeder von uns vor dieser Frage. Selbst, wenn man es sich nicht eingestehen möchte, dort und nur dort versucht man, sich zu finden.

Ich kenne Menschen, die in jungen Jahren bereits Haus und sicheres Auskommen haben, die nachbarschaftsgerecht Wege anlegen, den Vorgarten pflegen, Karriere machen, sich binden, verpflichten, hoffen, dass das, was sie tun, zielführend ist oder einfach nur so agieren, weil sie meinen, dass es von ihnen erwartet wird.

Ich kenne Menschen, die sich selbst sabotieren, die jeden Erfolg umdrehen in ein Scheitern, die mit dem Po umwerfen, was die Hände erbaut haben, die chaotisch wie ein Pinball durch das Leben geschleudert werden, immer auf der Suche nach dem richtigen Weg, den sie sich selbst zuschaufeln, anstatt ihn zu beschreiten.

Ich kenne Menschen, die Angst haben vor dem Luft holen, weil jeder Atemzug sie näher an ihr Ende bringt, die sich nicht entscheiden können, sie selbst zu sein, weil sie lernten, dass das so nicht richtig ist. Die jede Herausfordung als Katastrophe wahrnehmen und lieber im Schrank hocken bleiben,eingepackt in Watte und betäubt.

Und, seien wir mal ganz ehrlich. Alle drei Typen und auch die hunderte, die ich nicht aufzählte werden alt werden und sterben. Daran geht kein Weg vorbei. Und ob wir es zufrieden und satt tun oder hungrig und traurig, das macht für mich sehr wohl einen Unterschied. Ob der junge Karrieremensch mit dem fetten Volvo inklusive Kindersitzen am Ende der ist, zu dem er bestimmt war zu werden, ist fraglich. Der Pingpongmensch findet vielleicht durch Zufall doch den richtigen Weg, wenn er ihn sich den nicht selbst verbaut. Und über den ängstlichen brauchen wir nicht zu reden.

Gäbe es eine Anleitung für das Leben, mitgeliefert bei der Geburt, wäre es sicherlich etwas einfacher. Doch jeder Weg sieht anders aus, auch wenn wir nach rechts und links gucken, abgucken wie in der Schule, um herauszufinden, ob wir nicht einfach nachlaufen sollen auf ausgetretenen Pfaden, die zwar nicht unsere sind, doch bequem zu gehen.

Ich stehe dauernd vor Gabelungen, gerade vor einer sehr großen und ich weiß nicht, wohin es mich treibt. Manches bleibt mir verwehrt, für Anderes bin ich zu alt, auch wenn das seltsam klingt. Ich höre eine leise Stimme, die mir die Wahrheit sagt, doch sie sagt auch oft Neues, gibt mir Tipps, die sich am nächsten Tag überholt haben. Lediglich eine grobe Richtung gibt sie vor. Und ob ich ihr trauen kann, weiß ich nicht.

Wir hängen an diesem Leben und wollen es so bequem wie möglich gehen. Traurig erleben wir, wenn Menschen vor den Zeit gehen, doch ist die Qualität des Lebens überhaupt in Jahre zu pressen? Ist Sicherheit und Bodenständigkeit das erklärte Ziel oder sind Träume wichtiger, egal wie lange sie dauern.

Ich war oft einer von den drei oben genannten Typen, mal der eine mehr, dann der andere. Gefunden habe ich mich dabei nicht, vielmehr jeden Tag ein bisschen mehr verloren. Müsste ich heute gehen, ich wäre mit dem Ergebnis nicht zufrieden. Deshalb bleibe ich noch eine Weile, so hoffe ich und schaue, was für Möglichkeiten ich noch habe.

Sinnsuchend, mal wieder, immer wieder. Ist auch wichtig.

Alice

13 Kommentare Gib deinen ab

  1. Grinsekatz sagt:

    Gebrauchsanleitung für das Leben – ja geil.
    Sach mal Bescheid, wenne die gefunden hast 🙂

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  2. Wortman sagt:

    Solche Leute kenne ich auch…

    Ich hatte letztens was interessantes gelesen:
    „…wir haben alle ein Land, dass wir beschützen möchten. Obwohl wir zerbrechen und zerfallen, können wir unser Land nicht aufgeben. Das liegt daran, dass dieses Land unser Leben ist…“

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    1. Da bin ich raus. Ich hänge nicht an der Scholle und meine Heimat trage ich in mir. Komisch, wie unterschiedlich manche ticken…

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      1. Wortman sagt:

        Besser als wenn alle gleich ticken würden 😉

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  3. Ich glaube, auf mich trifft das mit der „Angst zu atmen“ zu, Weniger wegen der Angst vor dem Ende eher vor dem was das Atmen anrichtet

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    1. Was kann dein Atem denn anrichten? Leben ist Risiko, Veränderung bringt uns weiter. Ja, Angst gehört dazu, ist eine Warnung, doch ihr zu viel Macht zu geben ist schrecklich. Ich weiß, wovon ich rede…

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  4. Raphael sagt:

    Wenn man den Status Quo ändern mag/will/muß,
    bedarf es vorab der Entscheidung zur Entscheidung.

    Darf ich wieder auf das Schild an deinem Blog verweisen?
    Nun gut, es darf gerne „überschlagen“, auch „gerechnet“ werden
    und das auch zeitig und doch mit Muße Und/oder wohlüberlegt.

    Doch sollte man definitiv einen Strich ziehen, bevor man gezwungen ist, den Stift aus der Hand zu geben …

    Alles Liebe,
    Raffa.

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    1. Ja genau, ohne sich zu entscheiden, das Leben zu leben, wird das nichts. Abwarten und Tee trinken ist wie sterben…

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