Tag 96/365 – April

Es ist eigentlich ein schöner Monat, doch gerade zweifle ich ein wenig am Frühling. Es gab schon ein paar Tage, da dachte ich an den Sommer und flüchtete aus dem warmen Wintergarten. Doch gerade ist draußen Winter und außer , dass ich mit der Kamera raus möchte, regt sich bei mir klein Verlangen nach Frischluft. Das mag auch an der Erkältung liegen, die ich mir eingefangen habe und die zu Triefnase führt, was nicht auf Corona hinweist. Wenigstens etwas. Man wird ängstlich in dieser ätzenden Zeit, selbst ein kleiner Infekt lässt Ärgeres vermuten.

Menschen sterben an Erkältung, das wäre Stoff für eine Reihe postapokalyptischer Streifen, was für eine Ironie. Ansonsten bevölkere ich trotz Niesreiz die Dunkelkammer, die Abzüge machen sich nicht von alleine. Noch stehen sehr viele auf dem Plan und manchmal empfinde ich es als anstrengend, weil es ein Muss wird, ein Versprechen, das ich gab. Auch heute muss ich für 3 bis 4 Stunden abtauchen. Da bin ich dankbar für die beheizte Barytpresse, an der ich mir die Hände wärmen kann.

Während ich unten war, bestellte der Mann. Ich darf ihn nicht auf Amazon loslassen, vermute ich manchmal. Naja, sollten wir in der Wildnis mal festsitzen, haben wir jetzt neben dem tragbaren Klo auch noch ein Notzelt. Wozu auch immer. Ich habe mir derweil ein Geburtstagsgeschenk ausgeguckt. Da die Linhof Technika für mein Budget unbezahlbar ist, habe ich die Familie auf die Horseman angesetzt. Ein 60er Jahre Schmuckstück, eine alte Pressekamera, was für eine Freude.

Sonst? Ich dümple dahin, im dunklen Keller wird mir Vieles klar, was unter der Oberfläche gärte und während auf der Fensterbank der Dinkelsauerteig explodierte, blubberten bei mir unten so einige Verhaltensmuster hervor, die mich lähmten. Zuerst einmal, ich mache das gerne mit den Abzügen, es hätten aber auch ein paar weniger sein dürfen. Nur das habe ich nicht gesagt. Bei einer Stunde Arbeit für fünf Abzüge, werde ich noch etliche Stunden dort verbringen, die mich zwar lernen lassen, aber ansonsten auch einiges an purer Fließbandarbeit beinhalten. Ich hatte es nicht anders gewollt und tatsächlich hatte die ganze Aktion den Effekt, meine Belastbarkeit zu testen. Sie ist besser, was mich freut, auch wenn ich gerade noch mit dem Popo am Sofa klebe.

Während ich da so stand, belichtete, entwickelte, wässerte und trocknete, kam mir der Gedanke, dass dieses Verhalten mich seit ewigen Zeiten begleitet. Da ist so viel, was ich mir aufhalse, um zu gefallen, um gemocht zu werden, wo ich nicht nein sagen kann und mag, es einfach nicht tue und darauf vertraue, dass ich es schon irgendwie schaffe. Ich rede es mir schön, mache gute Miene zum Spiel, dessen Regeln ich aus der Hand gab.

Und wenn ich meine Vergangenheit so Revue passieren lasse, finde ich Vieles, viel zu vieles, was in dieses Muster passt. Sogar in Beziehungen, gerade in Beziehungen egal welcher Art, reagiere ich so. Da bleibt am Ende wenig Raum für mich, vielmehr interessieren mich die Bedürfnisse anderer so sehr, dass meine Wünsche weit dahinter zurück bleiben. Es wird Zeit, wieder die Kontrolle zurück zu erobern.

In meinem Kopf ist Wechselwetter, passt ja auch. Schließlich ist April.

Alice

5 Kommentare Gib deinen ab

  1. Wortman sagt:

    Habt ihr Größeres vor so mit Notzelt und Campingklo? 😆

    Gefällt 1 Person

    1. Also ich nicht 😅😅😅

      Gefällt mir

  2. Grinsekatz sagt:

    Sergeant Prepper ?
    Guten Morgen 🙂

    Gefällt 1 Person

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s