Tag 95/365 – Manches kann man nicht erklären

Der gestrige Abend war ernüchternd und auch wieder nicht. Das lag nicht daran, dass ich ein ordentliches Paket der Abzüge unters Volk gebracht hatte, die jetzt zur kontaktlosen Übergabe an einem sicheren Ort auf den Besitzer warten. Es lag auch nicht daran, dass ich mir den rechten Mittelzeh mit Schwung an einer Möbelkante stieß und der jetzt so lausig weh tut, dass ich davon wach geworden bin. Es lag nicht an der Vollkornsauerteigpizza, die wir, Ostern ignorierend, gemacht haben oder dass wir keine Eier gesucht haben. Es lag an einem Film, zu dem ich irgendwo einen Trailer gesehen habe und den ich besitzen musste.

Ich bin mittlerweile ein großer Freund von Netflix und Co. Nicht jeder Film muss in die inzwischen recht große Sammlung von Bluerays und DVDs aufgenommen werden. Doch es gibt so Filme, die müssen ins Haus kommen, genau wie manche Bücher, die ich einfach haben muss, damit ich sie ab und an streicheln und lesen kann.

Dieser Film heißt Ruben Brandt und ist ein Animationsfilm. Grob gesagt geht es um Kunstraub und er hat ein wenig den Charme dieser Cary Grant Filme. Doch eigentlich geht es nur um Kunst.

Acht Jahre hat ein ungarischer Künstler an diesem Film gearbeitet. Und als er vorbei war, war ich, wie erwähnt, ernüchtert. Nicht weil der Film schlecht war und meine Erwartungen nicht erfüllt wurden. Das Gegenteil war der Fall. Ohne ein Wort über die Bedeutung oder das Wesen der Kunst fallen zu lassen, habe ich es begriffen. Auf einmal war da dieses Gefühl und die Grenze zwischen Kunsthandwerk und Kunst war nicht mehr, wie in meiner bisherigen Vorstellung klein, weich und verwischt. Nein, sie war groß und gewaltig wie der Marianengraben, voller Tiefe und unglaublicher Fische. Es ist nach wie vor nicht in Worte zu fassen, was mir klar wurde, was ich erkannte in diesem phantasievollen Film, der uns alle etwas sprachlos zurückließ. Dieses Erschaffen neuer Welten, in denen es um eine ganz eigene Perfektion geht, die nur rudimentär etwas mit Handwerk zu tun hat.

Ernüchtert bin ich, weil ich mich auf der einen Seite sah und ich nicht glaube, dass ich zu Lebzeiten noch einmal über diesen Graben springen kann, mich ihm auch nur nähere. Und ich erkannte, dass ich meinen Kopf zu sehr einsperre, viel zu sehr an dem klebe, was vermeintlich richtig und normgerecht ist. Ich erkannte die Freiheit und das Leben in diesen Werken, die nicht auf Deko ausgerichtet sind, sondern auf Schöpfung.

Ich kann es nicht besser beschreiben, da ist jetzt eine leise Stimme in meinem Herzen, die mir einen Weg weist, auf dem ich mich wohler fühlen werde. Der Graben und das, was dahinter liegt, ist zu groß für mich, vollständig wachse ich da nicht hinein. Doch es ist ein Anfang, ein Verstehen, auch, wenn es mich erstmal auf den kalten Beton geworfen hat.

Alice

41 Kommentare Gib deinen ab

  1. Mindsplint sagt:

    Das macht mich neugierig… 🙂

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    1. Ist auch unbedingt empfehlenswert

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  2. Wortman sagt:

    Von dem Film hab ich noch nie gehört… vielleicht werde ich da mal einen Blick riskieren.
    Ja, Netflix ist schon eine feine Sache.
    Vollkornsauerteigpizza? *örks… das klingt nicht gut 😆

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    1. Schmeckt aber prima… vor allem mit Gemüse statt Salami. Zu dem Film gibt es diverse Trailer… muss man mögen

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      1. Wortman sagt:

        Ich schau mal bei YT nach einem Trailer.
        Ich brauch was richtiges auf der Pizza 😉

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      2. Mach das mal… 😉 und guten Appetit mit Salami und Schinken?

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      3. Nati sagt:

        Nichts geht über eine Gemüsepizza mit Thunfisch. 😋

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      4. Nicht so ganz vegan 😉

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      5. Nati sagt:

        Aber lecker.
        Probiere es mal aus wenn du Thunfisch magst.

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      6. Prinzipiell mag ich Fisch, nur alles, was aus der Dose kommt, hat zu viel Histamin, da leide ich drei Tage… aber ich kann ja mal frischen holen👍

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      7. Nati sagt:

        Das hört sich nicht gut an, da würde ich auch verzichten.

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      8. Wortman sagt:

        @Alice: Perfekt wäre die Pizza mit Sutchuk, Ei, rohem Schinken, milden Pepperoni und Paprika.

        @ Nati… Thunfisch *igitt *brrrr

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      9. Diese Knoblauchwurst packen meine Jungs immer drauf, da bin ich weniger ein Fan von. Aber das ist ja das schöne daran, jeder darf belegen, wie er möchte…

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      10. Wortman sagt:

        Das stimmt 🙂
        Gruß an Jungs. Die wissen, was gut ist 🙂

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      11. Nati sagt:

        Hahaha

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      12. Wortman sagt:

        Lach nur… 😉

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      13. Nati sagt:

        Komische Kombi deine Pizza Torsten.

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      14. Wortman sagt:

        Komisch bestimmt aber lecker 🙂

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      15. Nati sagt:

        Warum bestimmt?

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      16. Wortman sagt:

        Warum nicht? 😉

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      17. Nati sagt:

        Als hast du es so noch nicht gegessen.

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      18. Wortman sagt:

        Was meinst du?

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      19. Nati sagt:

        Du hast deine Mischung beschrieben, ich finde sie komisch.
        Du meintest es wäre bestimmt lecker.
        Also weißt du nicht ob es schmeckt.
        Ganz einfach Torsten. 😉

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      20. Wortman sagt:

        Da habe ich mich wohl falsch ausgedrückt. Das IST lecker 🙂

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      21. Nati sagt:

        Ok, jetzt passt es. Lach…
        Ich dachte du wüsstest nicht mehr was du gestern geschrieben hast. 😉

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      22. Wortman sagt:

        Ich hatte es über „Benachrichtigungen“ beantwortet. Da sieht man nicht, was man vorher getippt hatte.

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      23. Nati sagt:

        Hahaha, auch eine Antwort auf seniles Verhalten
        *frechgrins*

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      24. Wortman sagt:

        Bin ja nicht auf den Kopf gefallen 😆

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      25. Nati sagt:

        Zum Glück, wäre ja schlimm.
        Hättest doch mal eine Jungfrau fangen sollen. 😉

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      26. Wortman sagt:

        Wäre wohl besser gewesen… 😉

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      27. Nati sagt:

        Tja, jetzt musst du da durch wenn ich dich an deine Vergesslichkeit hochziehe….

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      28. Wortman sagt:

        So lange ich nicht vergesse, von der Arbeit nach Hause zu gehen, kann nix passieren 🙂

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      29. Nati sagt:

        😂😉

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  3. Nati sagt:

    Auch wenn ich den Film nicht kenne, war ich immer der Meinung dass jeder seinen Weg gehen soll, nicht den der anderen. Das eigene Talent kann sich am Besten entfalten wenn man sich frei macht von den Gedanken den anderen gefallen zu müssen oder einer Norm zu entsprechen. Man darf und soll etwas so tun wie man es selbst für richtig hällt, dann wird es einmalig schön und man ist mit Leib und Seele dabei.

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    1. Da hast du vollkommen recht. Doch oft schaut man mehr nach rechts und links und brüllt wie alle anderen Affen auch 🙈

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      1. Nati sagt:

        Das mache ich eher selten, weil ich meinen eigenen Kopf habe.
        Das steckt auch in dir, wenn ich deine Texte so lese wie du innerlich rebellierst und im Grunde deines Herzens weißt was dir gut tut und was nicht.
        In der Fotografie kannst du deinen ganz eigenen Stil entdecken und Stück für Stück verfeinern.

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      2. Ja. einen eigenen Kopf habe ich, ich lebe ihn tatsächlich nur zu selten. Da bist du ein gutes Stückchen weiter.

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      3. Nati sagt:

        Das war mir schon immer zu Eigen, welch ein Glück.
        Sonst ginge es mir heute nicht so gut.

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      4. Das ist prima… Da komme ich hoffentlich noch hin👍🍀

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  4. Lass Dich nicht entmutigen. Gutes Kunsthandwerk hat auch seinen Wert. Und Deine Fotos sind für mich schon richtige Kunst. Du hast „den Blick“.

    Mir geht es oft so, dass ich eine Idee für einen Blog-Eintrag habe, dann google ich ein bisschen herum und sehe, dass andere zu diesem Thema schon viel Interessanteres und Witzigeres und besser Formuliertes geschrieben haben. Manchmal vergesse ich dann meine Idee, aber oft schreibe ich mein Zeug trotzdem. Denn es ist immer schon Alles gesagt, aber noch nicht von mir, und es gibt nichts Neues unter der Sonne, aber immer wieder Noch-nie-Dagewesenes in meinem eigenen kleinen Universum…

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    1. Ja, so geht es mir auch, vieles ist schon erzählt und auch andere Geschichten sind ein bisschen wie meine, aber eben nicht meine…

      Gefällt 1 Person

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