Tag 94/365 – Geisterpenisse und Hefezopf

Der Hefezopf geht vor sich hin. Zumindest der Teig, der inzwischen Brioche ist und deshalb dauert. Auch, weil dieses Mal ein wenig Vollwert dabei ist. Die Mühle liefert nur solches Mehl und so langsam werden unsere Vorräte an ausgemahlenem dünn, Monatseinkauf und Pizza sei Dank.

Gestern verbrachte ich viel Zeit in der Dunkelkammer und überlege, einen ersten Schwung Bilder unters Volk zu bringen. Die zu retuschierenden bleiben noch bei mir. Die weißen Staubkornpünktchen und der Geisterpenis über dem Kopf einer Kollegin müssen unbedingt entfernt werden. Doch ich entlaste mich und meinen Schrank, mache den einen oder anderen vielleicht ein wenig osterglücklich und bekomme eine Übersicht, was noch zu tun ist. Gestern ging noch eine Riesenbestellung ein und ich fürchte, noch einmal Papier nachbestellen zu müssen.

Der Vorteil ist, dass ich inzwischen eine Megaroutine dort unten habe, die neue beheizbare Barytpresse, die vollkommen neuwertig für kleines Geld bei eBay erworben wurde, tut ihr Übriges.

Heute ist Ostern, was für mich wegen des Hefezopfes frühes Aufstehen bedeutet. Auch der Sauerteig gärt, dieses Mal mit einem Anteil Roggen im Tuppertopf. Dafür sind diese Dinger übrigens richtig gut. Gleich wird gefaltet und gewalkt, geflochten und vor sich hin gegangen. Feiertage sind nicht meins. Viel lieber würde ich im Keller verschwinden und ich bin recht froh, dass die Ostereiersuche mit den Kleinen inzwischen verwachsen ist. Auch Dekomäßig passiert hier weniger als nichts. Draußen blühen die Tulpen, das reicht mir.

Zur Innenschau habe ich gerade keine Lust. Das Thema von gestern steht noch auf dem Plan, stark sein kann auch anders sein, es muss nichts mit Leistung zu tun haben. Und doch ertappe ich mich in der Mühle, wenn ich gerade dem Keller entstiegen, dem Mann die Kreissäge aus den Händen winde und das überfällige Stück Arbeitsplatte im Hauswirtschaftsraum montiere. Tatsächlich hatte ich kein Vorbild, was die Sache erheblich erschwert. Mutter und Oma waren die Handwerker im Haus, mein Vater litt unter zwei linken Daumen, die er sich zusätzlich in den passenden Momenten verstauchte oder drei Stufen eine Leiter runterrutschte und sich dabei die Schulter brach.

Ich kann mir keine gebrochenen Knochen leisten, der einzige war ein angeknackster dicker Zeh, glücklicherweise im Sommer, wo Flipflops okay sind und resultierte aus einer Barfußaktion mit dem Exfreund und einer fünf Kilo schweren Schraubzwinge. Mit dem, der im Übrigen tatsächlich ein wirklich schlimmes Arschloch war und mich fast mein Leben kostete, gingen manche Dinge erstaunlich gut, auch Frausein, zumindest so weit ich es beherrsche. Anderes war schlimmer als schlimm und wenn ich daran denke, schmerzt die Demütigung immer noch unglaublich.

Das Haus schläft noch weitgehend, nur der Älteste hat schon nach dem Zopf geschaut, zufrieden, dass er in Mache ist. Kleine Rituale sind wichtig. Für große fehlt mir oft die Kraft.

Ich werde jetzt nach dem Teig schauen, die Osterfotopäckchen packen, später den Sohn von der Freundin einsammeln und noch einen Kaffee trinken.

Habt einen schönen Feiertag.

Alice

2 Kommentare Gib deinen ab

  1. Nati sagt:

    Osterzopf….😋
    Wird hier auch gleich produziert.
    Hab einen schönen Feiertag Alice.

    Gefällt 1 Person

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