Tag 68/365 – Getönt

Die Ansätze schreien nach Farbe. Meine Güte, das nervt mich. Würde ich mich grau wohl fühlen, ich würde den Mist lassen. Die meisten Männer färben auch nicht, wozu auch, bei ihnen wirkt es ja interessant. Doch ich kann mich noch nicht lösen, genausowenig, wie von dem Morgenkippen und dem dritten Kaffee.

Die Coronanachrichten treiben mir die Wut ins Gesicht. Prioritäten soll man setzen, aber nicht so. Warum wird ein Arzt in Homeoffice eher geimpft als ein pflegender Angehöriger. Warum werden Tode hingenommen, fatal. Alte zuerst leuchtet ein, doch wäre das Pflegepersonal geimpft, würden die sich meist gar nicht anstecken. Ich verstehe die Welt nicht und Wende mich ab, versuche mich auf das zu konzentrieren, was ich beeinflussen kann.

Veränderung steht an, nicht nur auf dem Kopf, auch sonst möchte ich Selbstdisziplin beweisen, lasse mittlerweile einige unschöne und ungesunde Angewohnheiten und das tut mir gut. Der Kopf klarer, der Schlaf tiefer, auch wenn der Rappel m7ch manchmal wieder überkommt, dieses Gefühl, als würde eine große, schwere Hand mich durchschütteln kurz bevor ich einschlafe. Dann schrecke ich hoch, schnappe verzweifelt nach Luft. Kein schönes Gefühl, auch wenn ich weiß, dass es nur Nerven sind, die leise blank liegen.

Ich brauche Veränderung, Tapetenwechsel. Der Älteste fällt aus der Familienversicherung, der Mann zieht ein Gesicht. Es ist, wie es ist. Warum auch immer, es ist, wie es ist. Die Haare müssen noch, ich weiß, doch noch ist das Sofa zu gemütlich. Gleich Wanne und Haarpampe, dann ins Atelier. Die nächste, die ich ablichten darf. Es wird lustig, das ahne ich schon. Jedes Mal anders, jedes Mal schön auf seine Art. Spannende Menschen und viele Pläne.

Heute kommt das Paket mit der Farbe für die Fotos. Auch was zum Tönen, sehr spannend. Sepiatoner und Lithentwickler für Anfänger. Ich mag Farben und ich mag Schwarzweiß.

Jeder Tag neu, so könnte es weiter gehen. Die Familie beäugt mich skeptisch, ich bin weg ohne Zeitlimit. Das muss heute so sein, das tut tatsächlich gut. Ist wie arbeiten light, Therapie f0r mich, kraftgebend, aufbauend mit jedem Bild, was gelungen aus der Suppe kommt. Weit weg vom Profi, oh, so weit. Doch ich kann was, was wichtiger ist als perfektes Licht. Sie vertrauen mir, ich darf nah ran, nicht nur bei den mutigen. Auch bei den zarten, sie genießen den Mittelpunkt und ich schaue hin, sehe, was nicht viele sehen.

Die Farbe ruft, 45 Minuten dauert die Prozedur, Filme tönen geht schneller und ist nachhaltiger. Ein neues Projekt, eine neue Idee. Ich will so viel, der Alltag frisst meine Seele auf. Wohin es geht, weiß ich nicht. Bunter sollen sie werden, die Jahre, die kommen. Mutiger, lustiger, intensiver. Ich schaue weg, wenn geschwächelt wird, nicht mein Problem.

Der Kaffee ist leer, ich muss los, auch wenn die Faulheit mich noch fesselt. Ein neuer Tag, es regnet. Wen stört es?

Alice

9 Kommentare Gib deinen ab

  1. Wortman sagt:

    Scheinst ja heute ordentlich beschäftigt zu sein 🙂

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    1. Farbe is aufm Kopp👍😅 der Rest folgt

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      1. Wortman sagt:

        *hehe* Stahlblau, Lila oder doch was normales? 🙂

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      2. Schwarz ist das neue bunt

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      3. Wortman sagt:

        Ah ok… Ich bin silber… das ist das neue alt 😆

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      4. Wäre ich ohne Farbe auch 😂👵

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      5. Wortman sagt:

        Ist das schlimm?

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      6. Ich sähe aus wie 100, also ja, schlimm!!!

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