Tag 58/365 – Equipment

Ich verstehe manchmal die Welt nicht und oft tut sie das Gegenteil für mich. Wie ihr wisst, fotografiere, schreibe und male ich in stetigem Wechsel, mit mehr oder weniger Erfolg. Manches gelingt richtig gut. An anderen Stellen krebse ich noch amateurhaft herum. Macht nichts, dazu ist das Lernen ja da.

Ich begann damals mit Abtönfarbe, weil sie billig war und Pinseln aus dem Farbkasten der Jungs geklaut. Ich schreibe nach wie vor mit Word oder dem vergleichbaren Open-Source-Programm und bearbeite mit den kostenlosen Versionen auch meine Bilder. Ich begann mit einer geschenkten analogen Kamera und dem Billigfilm von dm, der übrigens nicht schlecht ist und der nach wie vor meinen Kühlschrank füllt. Ich habe immer noch meine erste digitale Spiegelreflex am Start und auch, wenn sie vieles nicht kann, mit mir ist sie in guter Gesellschaft. Teure Kameras habe ich nur zwei und selbst die sind im Vergleich zu anderen eher mittelpreisig und er meiner Faszination für die alte Technik geschuldet, als dem Gebrauchswert. Meine Objektive waren immer dabei, tatsächlich ist nichts Besonderes darunter, untere Preisklasse. Und die am meisten benutzten Kameras kosten bei eBay einen Zehner.

Das ist alles okay, ich gebe auch so für das Verbrauchsmaterial genug aus und schiele nur sehr selten zu den Luxusvarianten. Doch manchmal erwischt mich das Kopfschütteln, wenn ich durch diverse Fotogruppen blättere. Das Equipment, das beschrieben wird, ist High End, keine Kamera unter 2000 Euro, die besten Objektive für einen Monatslohn, seltene Exoten oder die Variante mit dem All-Inclusive-Sorglospaket. Die Bilder damit entsprechen in etwa denen, die ich vor drei oder vier Jahren machte. Keine Komposition, belanglose Ausschnitte des Lebens. Zwar richtig belichtet, doch keins davon ist einen zweiten Blick wert.

Warum ich den Kopf schüttele? Meine angeborene Arroganz wahrscheinlich und die Tatsache, dass einige tatsächlich denken, das Equipment mache das Bild. Wahrscheinlich eher den Menschen, denn die Fotos wären mit dem Handy gemacht, genauso belanglos.

Ich stehe noch am Anfang und da fühle ich mich mit meiner kostengünstigen Variante ganz wohl. Ob ich jemals mehr brauche? Ich weiß es nicht. Ich würde wahrscheinlich, wenn die digitale durchgejuckelt ist, eine etwas hochwertigere kaufen, aber nur dann und das auch nur, um sie bis ans Ende ihrer Tage zu nutzen.

Vielleicht ist auch was verkehrt mit mir und ich sollte das Kopfwackeln lassen. Ändert ja auch nichts und sie geben immerhin nicht mein Geld aus.

Alice

17 Kommentare Gib deinen ab

  1. Wortman sagt:

    …dass einige tatsächlich denken, das Equipment mache das Bild…

    Das ist eine sehr verbreitete Meinung. Viele glauben sogar, dass man mir analogen Kameras nie das erreichen kann, was eine Digi hervorbringt.
    Liegt wohl eher daran, dass man „analog“ können muss… da bekommt man kein Bild in den PC – zumindest nicht auf direktem Weg.

    Ich persönlich habe auch noch nie Wert auf High End gelegt. Ich hatte analoge Minolta und No Names… aus dem unteren/mittleren Segment und meine Digis waren von Canon – auch aus dem „normalen“ Bereich. Bisher hat sich noch niemand über meine Bilder beschwert 😆

    Ich habe damals drei Versuche mit diesen Foto – Communities gemacht und hab es meist nicht länger als zwei Wochen ausgehalten… So wie es aussieht, hat sich vom Gelaber bis heute nicht viel geändert. 😆

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    1. Sie labern immer noch, die meisten zumindest. Ab und an findet man aber auch Hilfe und Tipps… da versuche ich, den nervtötenden Schwanzvergleich auszuhalten 😅

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      1. Wortman sagt:

        Dann viel Spaß beim aushalten 🙂

        Welchen Tipp ich damals mal mitgenommen hatte, war der, dass man mit farbigen Damenstrumpfhosen nette Effekte erzielen kann, wenn man ein Stück davon mit einem Gummiband über die Linse zieht.

        Gefällt 2 Personen

      2. 😅 das habe ich noch nie gehört. Lohnt sich sicher, das mal zu probieren

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      3. Wortman sagt:

        Bevor du eine Strumpfhose wegwirfst 😉

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      4. Ich trag die auch mit Löchern 😂🙈

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      5. Wortman sagt:

        *gröööööhlll

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  2. Nati sagt:

    Ich bin da ganz bei dir Alice.
    Was nutzt einem die beste Kamera wenn der Blick fürs Bild fehlt?
    Ich laufe lieber mit einer kleinen Kamera durch die Welt als mich mit einer Spiegelreflex abzuschleppen.
    Manche stehen halt auf High End, ich brauche es nicht. In keinem Bereich meines Lebens.

    Gefällt 2 Personen

  3. Das Motiv und der Fotograf machen das Bild, die Kamera ist nur das Werkzeug. Das Werkzeug kann noch so exklusiv sein wenn das Motiv mies ist oder der Fotograf sein Handwerk nicht versteht, wird es auch ein mieses Bild.

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  4. Was Kreativität tötet, ist die Automatik. Je mehr man selbst einstellen kann, desto besser. Die Kunst beim Fotografieren ist meiner Ansicht nach bewusst eingesetzte Unvollkommenheit. Und das geht mit einer teuren Superautomatikkamera eben nicht. Außer man stellt die Automatik ab.

    Mir fällt gerade ein, was Karl May mal über den „Westmann“ und seinen „Schießprügel“ geschrieben hat- der Jäger kennt sein Gewehr und trifft damit immer, während ein anderer sich damit höchstens ins Knie schießen könnte.

    Ich finde Deine Fotos jedenfalls wunderschön und sehr professionell – wenn Du mal einen Kalender machen würdest, täte ich den kaufen tun.

    Ich schreibe übrigens immer noch auf einem 10 Jahre alten Laptop…

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    1. Ich danke dir 🙏 ja, das Auge macht das Bild. Daran halte ich immer noch fest. Es muss ja nicht gleich eine Lochkamera sein… 😉

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  5. juru77 sagt:

    Vor lauter Materialverliebtheit wird oft das Wesentliche übersehen. Genau wie im Freizeitsport. Da kommen manche zum Volksradfahten mit Rennmaschinen, die ein Profi höchstens zu einer Zeitfahr Etappe nimmt. Und am ersten Hügel steigen die Möchtegerne ab und schieben..😊

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    1. Da könnte ich mich immer drüber beömmeln. Die winterspeckgeplagten mittelalten Herrschaften, denen ein anständiges Dreigängerad auch reichen würde..,,

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      1. juru77 sagt:

        😊😊

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  6. Liebe Alice, ich bin ganz bei Dir, auch eine viel bessere Kamera würde mich nicht automatisch viel bessere Fotos machen lassen, denn ich bin auf dieser Strecke ja blutiger Laie, aber je länger ich mit meiner Eier legenden Wollmilchsau übe, um so bessere Fotos gelingen mir. MANCHMAL. SELTEN.
    Mach weiter so und schau öfter mal Schulter klopfend in den Spiegel. Das stärkt das Selbstbewusstsein. Du hast soooooo viele beneidenswerte Talente!
    Liebe Grüße Hedwig

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    1. Ich danke dir, liebe Hedwig. Und das mit den Fotos wird automatisch besser, je mehr man macht, egal womit.
      Liebe Grüße
      Alice

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