Tag 56/365 – Viel zu tun

Warten wir’s ab.

Immer noch Startschwierigkeiten am Morgen. Ich komme abends selten zur Ruhe und bin am nächsten Tag erstmal in der Uhr. Diese sofagebundene Warteschleife bis der Kreislauf und der Rest anspringen, mich auf Tätigkeiten ausrichten, nervt mich. Ich überlege, was ich ändern muss, damit sich das mitändert. So fühle ich mich nicht wohl, eher das Gegenteil ist der Fall.

Ich habe einen Verdacht, doch ich verstehe ihn nicht. Ein wirklich seltsamer Mechanismus greift im Hintergrund und lässt sich weder packen noch verstehen. Ich kenne ihn aus früheren, leichteren Phasen, wo ich das, was mich umtrieb, vielleicht als Melancholie und nicht als Depression identifizierte. Und er zieht einen Rattenschwanz hinter sich her, der mir nicht schmeckt.

Dabei brauche ich Action, fühle mich nur gut und lebendig, wenn ich anschiebe, mache und bewege. Allerdings nicht, damit andere nichts tun können, sondern einfach so, für mich. Da stecken Frust und Wut im Untergrund, ich merke, dass ich grätzig werde, sobald sich jemand auf meine Kosten ausruht, Kopf und Körper schont, und ich dafür mache.

Wobei ich das einschränken muss. Bis zu einem gewissen Punkt ist das okay und hängt auch davon ab, für wen und in welcher Situation. Nur, wenn es sich etabliert, wird es schwierig – für mich.

Heute ist einiges zu erledigen und im Hinterkopf rattert die ToDo-Liste durch. Ich habe Angst, etwas zu vergessen, zu enttäuschen, Fehler zu machen. Dabei ist meine Fehlerquote als Kontrollfreak eher gering. Und doch, dieses Gefühl, dass es an mir hängt, macht Angst und Wut.

In meinem erweiterten Hobbyraum steht allerdings etwas sehr Schönes an. Ich darf mich in Portraitfotografie üben. Und auch, wenn ich ein wenig Bammel habe, dass die Bilder nichts werden und ich jemanden enttäusche, das wird spannend und sicherlich auch total lustig.

Der Grund dieser Grätzigkeit und Lähmung ist eher zu Hause zu suchen, ist, wie so oft ein Kindheitsrelikt. Ich erinnere m7ch an dieses Gefühl. Da war Kontrolle, kein Support, kein Familienteam, keine Gemeinschaft, nur Menschen, die für sich das Beste taten. Kein Mitdenken, nur Erwartung und ein Daumen, der mir auf die Seele drückte. Mach, sonst werden sie traurig. Aber mach alleine.

Vielleicht tue ich mich deshalb mit Menschen schwer, mit welchen, die mir nahe stehen (könnten). Ich verlasse mich nicht, fühle mich mehr verlassen.

Straßenkind, das trifft es immer noch. Seltsam, mit welch klarem Blick mir das mal entgegengeschleudert wurde.

Ich habe es einmal anders erlebt, zumindest teilweise. Um dann festzustellen, dass diese Person tatsächlich die Kür aller Egotrips hinlegte. Ein Thema zum Bearbeiten. Mal wieder.


Alice

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