Tag 51/365 – Belastungsgrenze

Bald ist ein Siebtel des Jahres rum und wir sitzen zu Hause. Also ich, weil ich krank bin und gerade nur wenig arbeiten könnte, andere im Homeoffice mit kleinen Kindern oder sehr allein.

Das alles ist nicht schön, bei all dem dreht sich mir langsam der Magen um. Die Angst lauert im Hintergrund. Immer wieder, immer noch. Manchmal rauscht ein Hauch von Normalität durch den Raum, doch meistens ist es seltsam.

Ich verfolge die Coronanachrichten. Hoffe auf Besserung, auf mehr Normalität. Ich weiß nicht, ob ich jemals wieder ohne Bedenken umarmen werde. Einfach so. Ich hoffe auf das Vergessen, wenn es vorbei ist.

Und dann lese ich Artikel von Eltern, die an ihrer Belastungsgrenze sind, weil die Kinder zu Hause sind. Ich lese von vereinsamten Kindern und Bildungsnotstand. Okay, arbeiten, wenn ein Zweijähriger im Hintergrund kräht oder die Katze mit dem Gulasch für das Mittagessen füttert, ist sicherlich nicht leicht. Doch man sollte sich vielleicht mal klarmachen, wie viel Prozent der Bevölkerung von solchen Situationen tatsächlich betroffen sind. Vielleicht bin ich blauäugig, aber ich kann mir nicht vorstellen, dass diese Situation, wie von der Regierung beschrieben, hinter fast jeder Tür lauert. Bemühe ich statista , finde ich 4% unter Sechsjährige, das ist nicht wirklich viel, sechs weitere Prozent sind unter 13. Und der Rest ist tatsächlich einigermaßen vernünftig. Meine waren auch schon mit sieben ruhig, wenn ich sie darum gebeten habe. Zumindest für eine Weile.

Immer mehr habe ich das Gefühl, dass es sich um ein bloßes Politikum handelt, dieses Schulöffnen und die Forderung nach Betreuung. Ob jemals tatsächlicher Bedarf abgefragt wurde, bezweifle ich. In Australien wurden wegen eines (!!!!) Falles zwei Millionen Menschen für eine Woche in den Lockdown geschickt. Sie lassen niemanden in das Land ohne Test und Quarantäne. Hier wird mit Inzidenzzahlen jongliert, Empfehlungen von Ärzten werden ignoriert, Öffnungen werden versprochen und statt Freiberufler zu unterstützen, wird für 2,8 Millionen von Frau Gebauer der Brockhaus abonniert. Was ist mit Wikipedia?

Es mag sein, dass es manchmal hart ist für Kinder und Erwachsene. Aber ich bezweifle den tatsächlichen Umfang des Dramas, der für Entscheidungen herangezogen wird.

Heute morgen las ich, dass Eltern am Ende seien. Und habe mich erinnert. An meinen Stall mit vier Kindern unter sieben Jahren, an Ferien, wo wir zu Hause bleiben mussten, weil kein Geld für Sommerurlaub drin war und der Garten ihr Freizeitpark. Klar war ich froh, wenn die Schule wieder normal lief, aber ich hätte auch noch eine gute Weile ausgehalten, weil Kinder zwar anstrengend sind, aber keine Belastung. Wer so argumentiert, sollte nicht versuchen, die Geburtenrate zu steigern und gleichzeitig Spielplätze schließen. Sich selbst zu widersprechen erhöht nicht gerade das Vertrauen, sondern irritiert.

Würden punktuell die Situationen unterstützt werden, wo tatsächlich Probleme bestehen und das Geld statt für unsinnige Brockhausonlinelizenzen für die Unterstützung von Menschen ausgegeben werden, deren Einkommen gerade wegbricht, könnten wir es noch eine Weile aushalten.

Zumindest bis die Mutanten vor den Toren abgezogen sind.


Alice

10 Kommentare Gib deinen ab

  1. juru77 sagt:

    3 – Jahres Lizenzen zu ordern zeugt vom Weitblick dieser regionalen Kultur Päpstin. Das deckt die Zeit bis zur Verfügbarkeit des Impfstoff es ab.. Den Verlag wird’s freuen und da könnte dieser sich auch mit einer kleinen Parteispende erkenntlich zeigen. Gehört sich einfach so.😀

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    1. Oder einen Platz im Aufsichtsrat… wäre ja nix Neues

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      1. juru77 sagt:

        Du schreibst ja ganz unverfroren, was ich denke! Ist aber auch verständlich für „die Zeit danach“ vorzusorgen. Schroederismus in gelb.😀

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      2. An den musste ich auch sofort denken 😅😅😅

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  2. Lars Döbler sagt:

    Zu Wiki hab ich inzwischen auch ein gespaltenes Verhältnis. Den sehen viele die Inhalte als die absolute Wahrheit. Und genau das mag ich bezweifeln.

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    1. Naja, Brockhaus ist zwar ein Name, aber die Weisheit haben sie auch nicht gepachtet. Man muss immer hinterfragen…

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      1. sigurd6 sagt:

        Stimmt schon. Jedoch habe ich zum Brockhaus weit mehr Vertrauen als zu Wiki. Da gucke ich kaum noch rein.

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  3. Drei Kinder sechs und zehn, allein erziehend, seit 100 Tagen im Home-Schooling. Stressig aber läuft, weil sie die Maßstäbe an die Situation angepasst hat. Viele Mitschüler sind über eine so genannte Notfallregelung weiter zur Schule gegangen, oft Familien wo noch nicht mal beide arbeiten.

    Ich hoffe dass wenn die so genannten vulnerablen Personen bald geimpft sind, die Krankenhäuser weniger belastet sind, dass dann eine geordnete Normalität (zB weiterhin Masken im ÖPNV und in Geschäften) stattfinden kann. Ende des Tages müssen wir auch uns mit der neuen Realität arrangieren

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    1. Irgendwie sind die ersten Worte des ersten Satzes verloren gegangen: eine Freundin von mir hat ihre Kinder zu Hause.

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    2. Natürlich geht so was, wenn es muss. Schön ist anders und ich hoffe auch, dass es bald besser wird, entspannter und vielleicht auch normaler. Die Sonne heute macht zumindest gute Laune, das ist ja wenigstens etwas.

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