Tag 19/365 – Prinzipiell

Prinzipiell finde ich alle Maßnahmen toll, die dazu führen, dass Menschen enger zusammenrücken. Abgesehen von der Coronaproblematik natürlich. Generationenübergreifendes Wohnen, Plätze und Räume begrüße ich. Doch ich habe ein Problem damit, wenn es mich einschränkt.

Meine wunderschöne Wahlheimat, der Ort, wo andere Urlaub machen, hat nämlich mit ziemlicher Sicherheit beschlossen, dass die Kirche und der Kirchplatz (Grünanlage, Falken, Fledermäuse) vor meinem Haus einem Altenheim weichen werden. Jetzt stehe ich dazu, wie oben beschrieben. Da ist die Nähe zum Kindergarten, da ist es grün, oder war es zumindest bis sie auf die Idee kamen, da einen Bunker hinzusetzen, die Nähe zur Stadt, alles gut. Ich kann es verstehen, doch ich kann es – für mich – nicht akzeptieren.

Ich möchte nicht aus dem Fenster auf einen mehrstöckigen Block schauen, muss ich gestehen. ich habe keine Lust auf eine dreijährige Riesenbaustelle, keinen Bock auf Straßensanierung, Parkplatzbau auf der Hundewiese und vorbeidonnernde Radlader. Gerne würde ich einen Mühlenbrockkrimi daraus machen, doch außer Geldgier kann ich keine Schuld finden. Die Idee ist prinzipiell gut – nur nicht für mich.

Wir sind laut, der Sohn spielt Schlagzeug, wir drehen das Radio bis zum Anschlag. Die Hunde bellen, naja, ab und an, aber besonders gerne, wenn jemand draußen vorbeigeht. Wir mögen Partys im Garten und Bibergrillen an Karfreitag. Und irgendwann ist das auch alles wieder möglich. Und da diese Stadt eine unangenehme Beschwerdekultur hat (ich hab hier schon Sachen erlebt, die glaubt mir keiner), sehe ich voller Sorge auf eine Menge ruhebedürftiger Menschen, wo um neun das Licht ausgeht, die an unserem Haus (und damit dem Tor und damit den Hunden) vorbeitapern und irgendwann wird das Ärger geben. Das ist so sicher, wie das Amen in der bald nicht mehr vorhandenen Kirche.

Was tun, sprach Zeus und legte sich zu Circe. Doch ich bin kein Gott und wenn der Mammon ruft, wird mir und meinen banalen Bedürfnissen sicherlich kaum Gehör geschenkt. Vielleicht ist das tatsächlich der Moment, über tiefergreifende Änderungen nachzudenken. Ein Wink des Himmels/Rathauses beispielsweise. Wo genau es hingehen soll, weiß ich nicht. Aber prinzipiell muss da was passieren.

Alice

7 Kommentare Gib deinen ab

  1. Lopadistory sagt:

    Es wird was passieren, aber es wird nicht gut sein …

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    1. Naja, vielleicht ist es ja eine Chance

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  2. juru77 sagt:

    Es gibt nur eine einzige Lösung. Als in Wiesbaden (einer Kurstadt) die US Army ihr Hauptquartier aufschlug (Heidelberg war froh die loszuhaben) und der Hubschrauberlärm, nicht nur tagsüber (um die Lizenzen zu erhalten müssen die Piloten auch nachts üben) überhand nahm dachten wir umgehend über eine Luftveränderung nach. Unser gerade frisch saniertes Haus fand in kürzester Zeit einen Käufer. Seit nunmehr 3 Jahren ist die Welt wieder in Ordnung.. 🙂

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    1. Ja, dahin gehen unsere Gedanken tatsächlich

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      1. juru77 sagt:

        Verständlich, die Alternative wäre lebenslang verminderte Lebensfreude. Blick auf den Osten lohnt sich: In MV brechen über 80 % der Lehramtsstudierende vorzeitig ab. Also eine echte Marktlücke. Und die Grundstücke sind derzeit auch noch relativ günstig zu haben..🙂

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  3. Grinsekatz sagt:

    Immer locker bleiben.
    Bis die soweit sind, sind deine Kinder aus`m Gröbsten raus 🙂

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