Tag 15/365 – Epiphanie

Ich musste googeln, um sicherzugehen, dass das Wort passt. Schließlich gebrauche ich es nicht täglich. Weder im allgrmeinen, noch im christlichen Zusammenhang. Neben dem Dreikönigstag, fand ich auch das, was ich erwartete, eine plötzliche, tiefe Erkenntnis.

Der vorgestrige Tag endete im Chaos. Gestern quälte mich dann Migräne, das hat man dann davon. Doch ich nahm sie sportlich, konnte mein gequälter Kopf dann doch in Ruhe denken. Eine Auseinandersetzung, besser zwei und ich steckte mittendrin. In einer Gesprächspause war ich kurz davor, meine Sachen zu packen und aus Abstandsgründen ins Hotel zu gehen. Geht nur nicht, Corona sei dank. Aber das war auch nicht notwendig, denn da schlich sich ein Gefühl in die ungepackten Koffer, das ich nicht mehr bewusst kannte.

Freiheit, die Freiheit, einfach das zu tun, was für mich am Besten ist. Unabhängig von Anhänglichkeiten und den Bedürfnissen anderer. Einfach aufstehen und sagen, dass es nun reicht und ich das tue, was ich möchte. Denn alle anderen tun es ja schließlich auch. Und für sie scheint es ganz normal.

Jetzt bin ich recht taff, zumindest normalerweise und diese notwendige Erkenntnis traf mich unvorbereitet. Und ich fragte mich, warum ich mir das antue, dieses selbstgewählte Einkerkern. Und ich musste erkennen, dass ich es nicht anders kenne, nicht anders kann, wenn da Menschen sind, die mich zu brauchen scheinen.

In meiner Kindheit war es notwendig, mein Leben den Bedürfnissen anderer unterzuordnen. Ich hielt die emotional instabile Mutter bei Laune und beschwichtigte den cholerischen Vater. Versuchte ich den Ausbruch, stand Drama im Raum. Zwischen der Ankündigung, ins Kinderheim zu kommen ( Wer sagt so was einer 5jährigen?) Und der Drohung, mich allein zu lassen, steckte ich fest. Eigener Wille oder Sterben, so einfach ist das als Kind. Ich wählte das Überleben.

Die Menschen blieben trotzdem nicht und ich empfand es jedes Mal als Erleichterung, wenn sie verschwanden. Mal ging ich, mal würde ich verlassen. Und trotz des Schmerzes, allein gelassen zu werden, fühlte ich mich gut.das enge Band um meine Brust zerriss und auf einmal war ich frei.

Tausend Tonnen Energiereserven wurden freigesetzt, warteten nur darauf, mich zu fluten. Es klingt einfach, doch das ist es nicht.

Gestern hat mein Körper mich lahm gelegt, gewarnt, mich für ein paar Stunden wimmernd abhängig gemacht. Doch der Gedanke hat sich festgesetzt und ich lasse ihn nicht mehr los.

Seitdem drehen sich meine Gedanken nur darum. Ich werde nicht weglaufen, nicht mehr. Doch ich wähle die Freiheit und werde lernen, sie mit anderen Menschen zusammen zu leben.

Wichtig ist das und für mich ganz neu. Eine plötzliche Erkenntnis, eine Epiphanie, überfällig, wichtig und sehr gut.

Es muss anscheinend nicht immer kompliziert sein.

Alice

4 Kommentare Gib deinen ab

  1. Liebe Alice
    Eben habe ich dir auf einen alten Artikel geantwortet- nun freue ich mich zu lesen, dass du offenbar einen Schlüssel gefunden hast. Auch wenn noch offen ist, wohin das Tor oder das Schlupfloch führt – ein Schlüssel!
    Sorge gut für dich!

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    1. Es ist ein Schlüssel, aber wie mit Seife überzogen, er rutscht mir immer aus den Fingern. Doch das Wissen, das es ihn gibt, das habe ich endlich. Also wird mir auch noch einfallen, wie ich ihn benutzen kann.
      Ganz liebe Grüße 🙂

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      1. Zur Antwort hatte ich Lust, dir ein Foto zu machen. Da ich es nicht hier einfügen konnte, ist ein kleiner Beitrag daraus geworden.

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      2. Ich habe ihn gerade gesehen, tausend Dank, das ist so süß 🙂

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