ABC-Etüde – Feueralarm

Zu den Etüden bei Christiane. Die Wortspende kommt von Ludwig Zeidler.

Eigentlich fange ich dieser Stelle immer sofort an, doch die erste des Jahres braucht ein wenig mehr Beachtung. Zumindest meine. Ich bin ruhiger geworden, also mein Blog. ich selber so gar nicht. Und ich befinde mich in einer Art Winterschlafmodus, was ich selbst ganz schön ärgerlich finde, allerdings gerade nicht wirklich ändern kann. Die neuen Worte sind etwas sperrig, was ich ziemlich gut finde und während ich hier so tippe, fällt mein Blick immer wieder auf die notierten Begriffe ohne eine Idee, wie ich sie einbauen kann.

Als der Feuermelder losgeht, befindet sich der Vater auf dem Klo. Bewaffnet mit der LieblingsApp genießt er den kurzen ruhigen Moment vor der stetig gewachsenen Familie und dem kleinen Schreihals, der letzte Woche geliefert wurde. Dieser wiederum brüllt Zetermordio, von dem schrillen Piepsen aus der gerade erreichten, doch leider sehr kurzen Tiefschlafphase gerissen, in welche in die Mutter mit viel Gesang, Milch und Schaukeln gebracht hatte.

Die Zwillinge im Garten zerlegen in einstimmiger Gemeinschaftsarbeit den neuen Sandkastenkipper, den die Oma vor drei Tagen anlässlich ihres Geburtstages mitgebracht hatte. Sie heben nur kurz den Kopf und betrachten neugierig die schwarzen Wolken, die aus dem Küchenfenster quellen, um dann ihr zerstörerisches Werk fortzusetzen.

Der Familienhund, Kummer und Lärm gewohnt, jault und verkrümelt sich in den Garten, wo er sich hinter den üppig blühenden Rhododendren ein sicheres Refugium geschaffen hat. Nachdem er einen Platz gefunden hat, wo niemand ihn aufspüren kann, brachte er Lieblingsdecke und Kauknochen raus und schleicht dorthin, wenn ihm alles zuviel wird. Wahrscheinlich wird er einfach eines Tages dort liegen bleiben, würde er denken, wenn er es könnte und ihm wird ein wenig weichmütig an der Stelle, wo er am liebsten gekrault wird.

Die Mutter schreckt auf und ist in ihrer Funktion die einzige, die den Alarm ernst nimmt. Der kurze Schlaf, den ihr noch von der Geburt erschöpfter und nun frisch leergetrunkener Körper ihr erlaubte, weicht abrupt dem familieninternen Schutztrieb. Sie hastet in die Küche, stellt den Ofen aus und kippt den schwarzstinkenden Kohleklumpen in das Spülbecken.

Sie wedelt mit dem Handtuch, um den Feuermelder zu besänftigen, spült etwas Wasser über das gebackene Brikett und versucht, das Geschrei aus dem Kinderzimmer zu ignorieren.

Sie wird eine Haushaltshilfe einstellen, beschließt sie und fügt in Gedanken so leise hinzu, dass sie es selbst kaum hören kann, bevor sie alle umbringt.

Alice

19 Kommentare Gib deinen ab

  1. Nati sagt:

    Familienleben pur…😂

    Gefällt 3 Personen

      1. Nati sagt:

        Und wer hält den Laden am Laufen….? Die Mutter wieder….🙄😂

        Gefällt 4 Personen

      2. Nati sagt:

        Ja…., wie immer und fast überall.

        Gefällt 1 Person

  2. Christiane sagt:

    Suuuper. Wenn das der Alltag ist, was ich vermute, hätte ich früher oder später auch Mordgedanken. Eher früher. 😉
    Gut, dass sie die Haushaltshilfe in Erwägung zieht. 😁
    Abendgrüße 😁🍷🍪👍

    Gefällt 3 Personen

    1. Jau, ich hatte in der heißen Phase vier unter 7Jahren… Ich weiß, wovon ich rede…😂 das Haus habe ich nicht abgefackelt, der Rest ist nah an der Wahrheit

      Gefällt 3 Personen

      1. Christiane sagt:

        Ach du Sch…ande 😉

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      2. Jepp… Aber inzwischen ist der Jüngste 18

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  3. Ja, und der Papa ist nur im wahrsten Sinne des Wortes der „Scheißkerl“??? So einfach ist die Welt?

    Gefällt 2 Personen

    1. Bei dreihundert Wörtern ist er kein Scheißkerl, sondern auf dem Klo. Und geht wahrscheinlich arbeiten, damit der Laden läuft, weil mit dem Neugeborenen kann die Mama gerade nicht. Und kleine Kinder nerven jeden Mal. 😂👍

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  4. puzzleblume sagt:

    Einen Hund, der seine Chilldecke mitgenommen hat, wohin er sich verziehen wollte, hatte ich auch mal. Schade, dass der Kindsvater im Wettrenenen auf den Brandherd nicht mit der Hose in der Hand Flagge gezeigt hat, seiner Fürsorge, meine ich, aber man kann wohl nicht alles haben.

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    1. Naja, vielleicht konnte er gerade nocht wirklich losrennen… meine Hundedame zieht auch ihre Decke durch die Gegend… Klasse, solche Fellnasen

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      1. puzzleblume sagt:

        Auch mit Zusammenknuddeln und dran Nuckeln? Machen wohl nicht viele, darum trifft das gerade meinen sentimentalen Nerv.

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      2. Eher durch die Gegend ziehen, um da zu liegen, wo sie alles überblicken kann

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  5. Wortman sagt:

    Das ist doch eine nette Geschichte 🙂

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      1. Wortman sagt:

        Immer gern geschehen.

        Gefällt 1 Person

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