Tag 9/365 – Lernen

Mit dem Lernen ist das so eine Sache. Ich bin ja quasi vom Fach und kenne beide Seiten. Jetzt ist es ja so, dass sehr oft das Lernen als Teil der Jugend, von Ausbildung und Schule betrachtet wird. Irgendwann sind wir fertig und dann ist Schluss mit dem elendigen Schulbankdrücken. Diese Aussage habe ich schon oft zu hören bekommen und immer innerlich darüber gegrinst.

Ihr wisst und ich weiß, dass das niemals aufhört. Und das ist toll. Allerdings fallen die Lehrer weg und die Noten von eins bis sechs. Da ist irgendwann niemand mehr, der uns explizit sagt, ob etwas sehr gut oder ungenügend sind. Da sind wir auf uns selbst zurückgeworfen. Natürlich kann ich veröffentlichen, als Buch oder Beitrag in sozialen Medien. Und da sagen Menschen was dazu, lassen vielleicht ein Like da oder einen netten Kommentar. Oder, was auf der Seite mit den blauen Daumen inzwischen sehr üblich ist, sie verreißen es, warum auch immer.

Mich freut natürlich eine positive Beurteilung, ebenso wie damals eine der seltenen Einsen in der Schule, aber am Ende zählt ja nur, was wir selbst darüber denken. In meinem Kopf wird mein Bild nicht besser und ich sehe nach wie vor die Fehler, auch wenn es hundert Likes bekommt (hatte ich übrigens noch nie, nur nebenbei). Und auch nur von dieser Ehrlichkeit zu mir und über mein Werk, kann ich besser werden.

Was ich allerdings auch erwähnen sollte oder möchte. Das Werk bin nicht ich. ich hatte ein langes Gespräch mit einem jungen Menschen und der haderte sehr damit, dass er ja nichts wert sei, weil das Ergebnis seiner Bemühungen nicht so war, wie er es sich vorstellte. Mich hat das erschreckt, habe aber auch diesen kleinen Nadelstich gespürt, dass auch ich nicht so ganz frei davon bin. Dass das Werk zwar aus mir kommt und ein Teil von mir ist, aber mich nicht definiert. Im Handwerklichen ist das vielleicht noch etwas leichter zu akzeptieren. Meine Schweißnaht, selbstgemacht, hält nicht, dumm gelaufen, mach ich neu. Da steckt keine persönliche Identifikation drin. Im Bereich des künstlerischen Ausdrucks wird es schwerer, seine Persönlichkeit vom Ergebnis zu lösen.

Doch auch das ist ein Lernprozess. Und ich übe mich gerade darin, mir das zu verzeihen, was ich noch nicht kann. Um klar zu sehen und den Kopf freizukriegen für die vielen neuen Dinge, die es zu Lernen gibt.

Alice

11 Kommentare Gib deinen ab

  1. Mindsplint sagt:

    Sehr spannend. Berichte doch bei Zeiten mal, ob es dir gelingt und wie du sich dabei fühlst, ja? LG Bea

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    1. Ja, das wird bestimmt von Zeit zu Zeit Thema hier sein
      Liebe Grüße zurück
      Alice

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      1. Mindsplint sagt:

        Gutes Gelingen gewünscht… 😊

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  2. Wortman sagt:

    Vor Jahren habe ich mich auch noch leichter getan mit dem Lernen…

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    1. Naja, du musst ja keine Vokabeln mehr lernen…

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      1. Wortman sagt:

        Zum Glück nicht mehr 🙂

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  3. Christiane sagt:

    Das ist eine schwierige Kiste. Beim Entstehen des Werkes MUSS man sich meiner Meinung nach zwingend damit identifizieren, sonst wird es nicht gut, da hilft auch Routine nicht (sonst fehlt das Herz).
    Aber wenn man danach keinen Abstand dazu bekommen kann, sieht man die Fehler vermutlich und die Schwächen höchstwahrscheinlich nicht. Nicht leicht. Deshalb haben Autoren so häufig Testleser, die Feedback geben 🤔
    Interessanter Punkt, den du da aufbringst. 😁👍

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    1. Deswegen legen Autoren ihre Bücher auch manchmal ein halbes Jahr an die Seite. Ich kenne das auch, wenn ich mal in alte Geschichten von mir reinlese…

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  4. Lopadistory sagt:

    Lernen macht mir Freude, wenn ich damit meine Neugier stillen kann und diese Erkenntnisse speichert mein Gehirn für immer. Dröges Eintrichtern ist bei mir vergebene Lernmühe. Aber darüber hat ja schon die gute alte Birkenbihl doziert.🙂

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    1. Genau! Niemand kann mich zwingen, aber wenn ich will, bin ich nicht aufzuhalten…

      Gefällt 2 Personen

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