Rückhalt

Ich muss gestehen, dass ich esoterisch angehauchte Phasen habe. Meistens bin ich fast zu nüchtern, doch ab und an packt es mich und ich besinne mich auf dieses alte Wissen, was in meinem Bauch schlummert. Ein Buch fiel mir in die Hände bei der Suche nach der Auflösung alter Familienaufträge. Dass es etwas Systemisches sein muss, war mir klar. Dass aktuell keine Familienaufstellungen laufen, allerdings auch. Also suchte ich nach etwas, was ich alleine machen kann und fand eine Art „Familienaufstellung auf dem Papier“.

Ich begann zu lesen und zuckte ein wenig zurück. Kinesiologie, Pendel und Tensor blinkten mir entgegen und ich war versucht, dieses Buch recht schnell unter einem Stapel anderer Bücher verschwinden zu lassen. Andererseits sagte ich mir, dass es ja nun durchaus Lebensphasen gab, wo mir diese Herangehensweise gut geholfen hat. Und Probieren geht immer noch über Studieren.

Ich zückte das Pendel, was mir das Vertrauteste ist und ließ mich darauf ein. Zwei kleine Aufstellungen habe ich hinter mir, so richtig gelöst hat sich der Knoten nicht. Einiges ist mir klar geworden, womit ich absolut nicht gerechnet hätte. Es war so logisch, dass ich mich wirklich wunderte, warum ich da nicht eher drauf gekommen bin. Ob diese Technik wirklich – wie versprochen – rum um mich herum ebenfalls alles bereinigt, kann ich nicht sagen. Aber ich spüre eine Veränderung und eine Klarheit, die ich nicht erwartet hätte. Die schwurbeligen Nebelbänke verziehen sich und ich bekomme ein wenig Gefühl für mich zurück.

Vor allem wurde mir bewusst, dass mir – als Frau – tatsächlich der weibliche Rückhalt fehlt. Die weibliche Linie, die Tochter, die Mutter, die Großmutter hat bei mir nie wirklich existiert. Eher wurde das Frausein als Opferhaltung vorgelebt, als Abhängigkeit von Güte und Großzügigkeit anderer. Und wenn Durchsetzung gefordert war, schwappte alles in einen eher männlich aggressiven Tonus um, was mich stresste und sich falsch anfühlte.

Doch diese Linie existiert. Sie ist vielleicht nicht sichtbar, wie in anderen Familien und sie ist auch nicht besonders stabil. Doch sie ist da und ich kann sie im Hintergrund fühlen. Auch wenn diese Frauen lange vor mir lebten und ich noch nicht mal mehr ihre Namen weiß, sie sind da und sie geben mir Rückhalt.

Es ist ein wenig seltsam, muss ich gestehen und es hört sich auch seltsam an. Doch ich fühle mich weniger allein. Und das ist ein Anfang.

Alice

8 Kommentare Gib deinen ab

  1. Wortman sagt:

    So lange sich die Esoterik im Rahmen bewegt, ist gegen sie nichts einzuwenden.
    Ich beschäftige mich da auch mit – zumindest hin und wieder.

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    1. Es muss in der Waage bleiben, das denke ich auch. So ein bisschen über den Tellerrand schauen, schadet ja nicht 😉

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      1. Wortman sagt:

        Das sehe ich auch so.

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  2. Jeraph sagt:

    Ich hab da ja auch so eine Ader🤣. Und ich bin der Meinung so lang ich keinem schade. (Und in der Apotheke keinem ein Pendel und Gesundheitssteine verkaufen will) ists doch meine Entscheidung und wenn es mir gut tut, dann ist es mein Recht diese Ressource zu nutzen, ob sie jemand anderes nachvollziehen kann, kann mir gelinde gesagt hinten herum gehen. Ich verstehe auch manche Ressourcen der Anderen nicht, deshalb mach ich sie ihnen ja trotzdem nicht madig. 😉

    Frohes Neues liebe Alice! Ich wünsche dir ein lehrreiches Jahr, mit vielen spannenden Erfahrungen und manch einem Traum, der in Erfüllung geht 😘

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    1. Ich wünsche dir auch ein frohes neues Jahr, du Liebe. Ja, es schadet nicht, wenn man mal über den Tellerrand guckt. Und es geht ja auch tatsächlich niemanden was an 🙂

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