Veröffentlicht in Mal über mich

Vorweihnachten

Dieses Jahr ist alles anders. Familienzusammenkünfte werden zum Risiko, die Weihnachtsmärkte fallen aus, der Nikolaus trägt Maske über dem Plastikbart.

Mehr, als im Sommer, trifft es die Menschen, sich nicht sehen, nicht gemeinsam feiern oder Glühwein trinken zu können. Der Weihnachtseinkauf läuft online, der Wahnsinn ändert sich, allerdings nur marginal.

Was mich an der ganzen Geschichte nachdenklich macht, ist, dass kaum jemand versucht, den Kontext zu sehen. Was ist Weihnachten, was bedeutet es für mich, was brauche ich tatsächlich, um das Jahr abschließen zu können. Gerade hier ist der Aufschrei, alles wie immer zu wollen, infantil und gefährlich. Und doch, selbst die Regierung bastelt daran, dass die Menschen möglichst ungestört ihren Ritualen folgen dürfen. Und niemand reduziert sich freiwillig.

Es ist der Anspruch, der mich stutzig macht, der sich schon in den Sommerurlauben zeigte, die auf jeden Fall per Flieger ins Ausland mussten, wo kein Verzicht oder ein Umdenken möglich war.

Ich persönlich bin gerade dabei, mich einzuigeln. Das versuche ich jedes Jahr, doch die Rituale anderer störten dabei. Große Geschenke wollten verschoben werden, gemeinsames Betrinken gehörte ebenso dazu wie Zwangswichteln mit Menschen, die ich nicht kenne. Eine Reduzierung auf die Kernfamilie, ein paar ruhige Tage, die tatsächlich zur Bilanz einladen, zum Rückblick, zum Luft holen, dafür wäre das eine gute Zeit.

Ich habe für mich verstanden, dass ich so nicht weitermachen kann, dass ich Ruhe brauche und die Wünsche der anderen an mich, eine Option werden müssen.

Bald ist der erste Advent, die Tage sind schon erschreckend kurz. Ich werde weiter Weihnachtsfuzzies malen und mein Atelier nutzen, versuchen wieder zu mir zu kommen und mich zu sortieren. Dabei ist weniger tatsächlich mehr.

Und in dieser lauten Welt schadet ein bisschen Rückzug gar nicht.

Alice

Autor:

Nachdenkliches, Persönliches, manchmal Witziges oder Absurdes beschäftigen mich und landen ungefiltert in meinem Blog.

6 Kommentare zu „Vorweihnachten

  1. Du hast so recht.
    Und weißt du, ich freue mich sogar auf die diesjährige Advent- und Weihnachtszeit, grad weil eben NICHT so viel möglich ist und man sich auf das wichtigste im kleinen Kreis, was sich durchführen lässt, beschränken MUSS. Bin aber auch eh kein Weihnachtsfan und kann auf den Stress und das Gedudel bestens verzichten.🤗

    Gefällt 2 Personen

  2. …Und niemand reduziert sich freiwillig…

    Da kommt wieder diese ganze Ego – Masche ans Tageslicht. Ich, ich, ich und nicht die Anderen.
    Wäre alles leichter, wenn man einmal das Denken anfangen würde.Nein, stattdessen werden weiter Parties gefeiert, alle Beschränkungen ignoriert – und diesen verdammten Leugnern sollte man die Krankenversicherung sperren.

    Gefällt 3 Personen

  3. Die „Spaßbremse aus China“ könnte es ermöglichen, dass die Weihnachtszeit endlich mal wieder eine besinnliche wird.

    Nur wird es auch sie nicht schaffen. Da diesem die Unvernunft vieler Menschen entgegensteht, wie der Sommer leider eindrucksvoll zeigte.

    Wir jedenfalls werden endlich mal wieder ein ruhiges Weihnachtsfest verbringen.

    Gefällt 3 Personen

  4. Reduziert und besinnlich, so ist Weihnachten seit Jahren für mich. Dafür kann man sich auch entscheiden, wenn alles andere stattfindet. Meine Rituale sind die Rauhnächte und das Ausräuchern. Brauche weder Weihnachtsmärkte, Weihnachtsfeiern noch Nikolaus und Weihnachtsmann. Doch mir tut es schon leid für die Menschen, denen das wichtig ist und vor allem für die Gruppen, denen noch mehr Einkommen wegbricht, die ihre Lebensgrundlage verlieren, da schon die Sommerfeste ausgefallen sind.

    Gefällt 6 Personen

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