Veröffentlicht in Mal über mich, Psychokram

Nachtstundengedanken

Wenn ich nicht schlafen kann oder, wie heute, wieder früh wach bin, mich mit Kaffee, Kippen und Tabletspielen beschäftige und das Hirn im Hintergrund rattert, dann genieße ich die Ruhe. Alle schlafen, alle entspannen und sind im weitesten Sinne in Sicherheit. Ich muss nicht dasein, nicht reden, nichts machen.

Ich habe gestern einen interessanten Fehler gemacht und der beschäftigt mich. Ich habe einen Wunsch geäußert und ihn erfüllt bekommen.

Ein Fehler? Ja, ein Fehler, denn alle, die mir den Wunsch erfüllten, ließen sehr deutlich raushängen, dass es ihnen keinen Spaß machte und sabotierten auf haarsträubende Weise. Weggehen konnte ich nicht, es war ja meine Idee gewesen und das Bleiben wurde zur Qual.

Jetzt gibt es mehrere Möglichkeiten, damit umzugehen.

Die erste ist natürlich, darüber zu reden. Habe ich bereits. Mehrfach. Bringt nichts, denn den anderen sind ihre Bedürfnisse näher.

Die zweite ist, keine Wünsche mehr zu äußern, nur noch brav das zu machen, was andere toll finden, was manchmal gar nichts tun bedeutet. Kommt auch nicht wirklich in Frage, dafür ist mir tatsächlich die Lebenszeit zu schade.

Die dritte Möglichkeit beinhaltet, das, was ich gerne mache, ab sofort nur noch alleine zu tun. Das hat auf einer Seite den unbestreitbaren Vorteil, dass ich mich nicht mit gelangweilten Gesichtern auseinandersetzen muss, ich dieses Gefühl, eine Last zu sein, nicht erleben , ich nicht gegen Widerstände meinen erfüllten Wunsch feiern muss. Doch es ist langweilig und viele Dinge machen alleine wesentlich weniger Spaß.

Ein kleines Dilemma, oder?

Die vierte Möglichkeit ist, nach Leuten zu suchen, denen es mehr Spaß macht, was ich möchte und mich in solchen Situationen mit denjenigen herumzutreiben. Bisher die beste Lösung, allerdings macht Corona da einen Strich durch. Ich bin schon froh, dass ich das Atelier habe und dort manchmal abtauchen kann.

Gut, ich kann niemanden zwingen, das zu mögen, was ich mag. Aber dann sollen sie auch nicht mitmachen und lieber klar sagen, was Sache ist. Habe ich ihnen auch schon oft gesagt.

Was mich aber am meisten beschäftigt, ist, was es mit mir macht. Die Filme der anderen sind nämlich die Filme der anderen.

Emotional ist es die gesamte Produktpalette. Wut, Enttäuschung, traurig bin ich auch und ein Paket Schuldgefühle ist auch mit dabei. Damit muss ich klarkommen. Es ist ein sehr kindliches Gefühl. Ein bisschen so, als hätte ich mir eine bestimmte Barbiepuppe zum 8. Geburtstag gewünscht und bekäme eine Billigvariante aus dem Discounter. Da steckt viel drin, wo mir – als Achtjährige – die Kompetenz fehlt, mit umzugehen. Das Kind brüllt und ist Argumenten wenig zugänglich. Das macht es nicht wirklich leichter.

Schalte ich die leidlich Erwachsene dazu, kann ich würdigen, dass sie es versucht haben. Ich kann Ihnen vorwerfen, dass sie nicht ehrlich waren, was ihre Wünsche angingen und das sie es sabotierten, aber zu Beginn war es ganz okay.

Ich kann rausgehen aus solchen Situationen, das Drama abbrechen, anstatt darauf zu hoffen, dass es besser wird, wenn ich mich nur genug bemühe. Klingt ein bisschen nach Zickerei, aber ein Ende mit Schrecken… ihr wisst schon.

Darüber hinaus kann ich natürlich auch fies sein. Wie du mir, so ich dir, ist eine lauwarme Rache und darf nur vorsichtig dosiert werden. Der Schuss kann nach hinten losgehen, wie immer, wenn Emotionen der Ratgeber sind, aber mit kühlem Kopf serviert vielleicht nicht die schlechteste Variante, zumindest in Ausnahmefällen.

Und jetzt rollt die Welt auf Weihnachten zu, die absolute Wunscherfüllungszeit. Ich muss gestehen, dass ich mir bisher immer beide Beine ausgerissen habe für so ziemlich alle, die in meiner Umgebung Anspruch haben auf ein Beschenktwerden. Im Gegenzug kam da sehr wenig bis gar nichts. Ich habe trotzdem nicht locker gelassen, zumindest bisher.

Ein rechter Weg, der fair ist, auch mir gegenüber, fällt mir noch nicht ein. Aber dass es so nicht weitergehen darf, ist mir gestern klar geworden. Vielleicht war es doch tatsächlich ein guter Abend.

Alice

Autor:

Nachdenkliches, Persönliches, manchmal Witziges oder Absurdes beschäftigen mich und landen ungefiltert in meinem Blog.

6 Kommentare zu „Nachtstundengedanken

  1. Selbst kann ich es auch nicht ab, wenn bei Hilfe `ne Fresse gezogen wird. Macht allerdings auch nur sehr selten wer, weil meist klar gesagt wird, Lass`mich in Ruhe mit deinem Scheiß, hab` anderes zu tun…kann ich gut mit leben. Ohnehin – wenn ich et nich` mach`, macht et keiner. Auch so ein fragwürdiger Glaubens-Satz. Einzelkind-Syndrom oder so 🙂 Jedenfalls werde ich immer besser darin, Dinge liegen zu lassen. So wirklich wichtig ist nicht viel.

    Liebe Grüße.

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