Veröffentlicht in Mal über mich, Psychokram

Lagerkoller und Schauspielschule

Der Lagerkoller greift um sich. Der eine Sohn darf ein Heizungsventil ersetzen, das im Weg war, der andere kommt aus Aufgabenmangel kaum aus dem Bett. Nur der Student und der Schüler haben einen einigermaßen geregelten Tag. Ich kämpfe mit Schatten und brüllte gestern den Mann an, das seine nicht meine Baustellen sind, Basta.

Gut, das Brüllen war nicht nötig, die Aussage schon. Ich sitze an der Schlüsselstelle in dieser Patchworkfamilie und alle sind der Meinung, dass Konflikte nur über mich laufen können. Als Richter oder Schlichter könnte ich Geld damit verdienen, doch hier habe ich da wenig Lust zu.

Alle Projekte stehen still, ich brassel ein bisschen vor mich hin, versuche mich an Tagesstrukturen und lobe mich für ein gemachtes Bett und eine saubere Küche.

Ehrlich sein, in erster Linie zu sich, ist hartes Brot. Es schließt Kritik ein, aber auch Lob. Das mit dem Lob ist schwerer, aber ich verstehe so langsam, warum ich so erschöpft bin ( und warum ich in manchen Lebenssituationen so unglaublich viel Energie hatte). Sisiphos fällt mir ein. Mein Mühlstein sind familiäre Beziehungen. Ich kette mich daran und Fälle jedes Mal wieder den gerade fast erreichten Berg hinunter.

Als ich gestern laut wurde, wackelte ein Schalter in meinem Kopf. Was ist, wenn mich das alles nichts angeht, oder nicht so viel auf jeden Fall. Erwachsene, die sich streiten, brauchen keinen dritten. Das habe ich als Kind schon missdeutet, als die Eltern mich in jeden Konflikt reinzogen, egal, ob untereinander oder mit dem Bruder. Nicht mein Zirkus, nicht meine Affen. Es muss auch ohne mich gehen.

Es wird nämlich auch ohne mich gehen müssen, irgendwann. Dann sollten sie üben, vernünftig damit umzugehen. Den entfernten Thermostaten habe ich nur kommentiert, darauf hingewiesen, dass er für den Ersatz zuständig ist. Das muss reichen, es ist kein Mensch zu Schaden gekommen. Dass das prinzipiell nicht geht, muss ich heute klären, unter vier Augen. Kaputtmachen ist Scheiße und wenn da Frust ist, muss das dennoch anders laufen. In der Garage liegt ein Sandsack, der ist das gewohnt.

Doch in der Situation wurde anderes erwartet und das war spürbar wie dicke Luft, engte mir die Brust ein und zog Energie ab. Regle das, stand im Raum und meine Lösung missfiel. Doch ich fand sie gut, ich brauche nicht noch mehr Stress.

Früher wollte ich Schauspielerin werden, übte mich in Rollenspielen. Ich suche mir jetzt ein schönes Kostüm aus, das zu mir passt. Die Beflissene, die Mediatorin und die Sorgenmacherin packe ich in den Kleidersack. Da dürfen sie gerne bleiben.

Alice

Autor:

Nachdenkliches, Persönliches, manchmal Witziges oder Absurdes beschäftigen mich und landen ungefiltert in meinem Blog.

4 Kommentare zu „Lagerkoller und Schauspielschule

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