Beratungstunde

Ich hadere mit dem NaNoWriMo, das Buch, das ich begann hat sich totgelaufen, quasi selbst erwürgt. Mangelnde Vorbereitung rächt sich also doch, musste ich erkennen, wollte es mir aber nicht eingestehen.

Der Sohn brachte mich kaltlächelnd drauf und ich bin ihm sehr zu Dank verpflichtet. Wenn ich noch nicht für ein Buch bereit sei, dann schreibe halt Kurzgeschichten, sagte er und hat so recht. Der Plot ist das Entscheidende und wenn man nichts zu sagen hat, sollte man die Klappe halten. So einfach das scheint, so schwer ist es zu akzeptieren.

Es gibt Geschichten, die wollen erzählt werden, doch der hundertste unmotivierte Krimi, der auf Klischees rumsurft, muss es nicht wirklich sein. Vielleicht wird es im nächsten Jahr etwas oder zwischendurch, es kann mich niemand zwingen, nicht im Sommer einen Roman zu schreiben, wenn es mich packt. Vielleicht fällt mir ja noch was ein und ich greife die ersten Seiten wieder auf.

Mit der Motivation ist das so eine Sache, wenn etwas totgeritten ist, wird es schwer, ihm wieder Leben einzuhauchen. Auch das zu akzeptieren und sich nicht dafür zu kasteien, gehört einfach dazu.

Allerdings werden die Kurzgeschichten inzwischen länger, auch wenn ich die Etüden mit ihrer knackigen Wortbegrenzung nach wie vor sehr gerne bediene. Es muss nicht alles gesagt werden, vieles darf auch nur zwischen den Zeilen klingen. Und ich muss mir keine Namen ausdenken.

Das ganze Gedöns außerhalb der eigentlichen Geschichte geht mir auch als Leser auf den Geist. Ich erinnere mich an die Lektüre vom Namen der Rose. Ein phantastisches Buch und hervorragend geschrieben. Bis auf die eine Stelle, wo der junge Adson einen Raum betritt, der ihm Angst macht. Über mehr als zehn Seiten wird diese Katakombe, oder was auch immer es war, bis ins letzte Detail beschrieben. Es war tatsächlich nicht relevant für die Geschichte, es war langweilig. Nach zwei Seiten, durch die ich mich quälte, immer in der Hoffnung, dass es gleich weiter geht, blätterte ich Seite um Seite ungelesen, bis wieder etwas Interressantes passierte.

Umberto Eco wird seine Gründe gehabt haben, vielleicht habe ich die Szene auch einfach nicht verstanden mit meinen 15 Jahren, doch es gibt sie, diese Seitenfüller, wo nichts passiert und die am Ende die Geschichte langatmig machen.

Walter Moers füllte in seinem seiner Mythenmetzromane mehrere Seiten mit der Aneinanderreihung von brumli… Ich habe damals sehr gelacht und ich denke, dass er genau das meinte.

Manchmal ist es hilfreich, jemanden zu fragen, der Ahnung hat. Und der keine Probleme damit hat, die Wahrheit zu sagen. Ich, für meinen Teil, schließe nun dieses Kapitel und wende mich dem zu, was mir Spaß macht und was ich einigermaßen beherrsche. Vielleicht wird ja daraus ein Buch, ich würde mich freuen.

Alice

10 Kommentare Gib deinen ab

  1. Nati sagt:

    Manchmal ist es besser aufzuhören wenn man merkt dass es nichts bringt.
    Irgendwann ist der richtige Zeitpunkt da oder eben gar nicht.

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    1. Gerade spielen so viele Faktoren da mit hinein, da ist weniger einfach mehr

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  2. Wenn es sich für dich richtig anfühlt, dann ist es richtig und gut!
    Ich bin ja auch mehr bei den Kurzgeschichten, aus ähnlichen Gründen 😊

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    1. Jepp, man sollte auf die innere Stimme hören 😉

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  3. Das ist das Wichtigste, erkennen was geht und was nicht. Manchmal gehts alleine, manchmal braucht es einen TRITT

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  4. books2cats sagt:

    Deine Entscheidung ist jetzt sicher die richtige. Besser jetzt aufhören und was anderes machen, als sich durchzuquälen. Du schreibst so tolle Kurzgeschichten, da hat dein Sohn völlig Recht.

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    1. Die Hauptsache ist, dass es auch einfach keinen Spaß mehr machte – und das ist ein klares Signal.

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      1. books2cats sagt:

        Genau. Und Kreativität sollte auch Spaß machen.

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  5. Wortman sagt:

    Schade eigentlich… hätte dir gewünscht, du bekommst die 50k Worte voll. Vielleicht dann nächstes Jahr mit entsprechender Vorbereitung 😉
    Ich weiß schon, warum ich zwar davon rede aber nie anfange mit dem NaNoWri 😆

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