Veröffentlicht in Mal über mich, Psychokram, Schreiben

Support? Du nicht!

Die Kopfschmerzen haben sich verzogen, die ersten Klientenfragen sind beantwortet, die tägliche Rudereinheit absolviert. Ich schwitze ab und denke über die Klarheit nach, die der Sport mir bringt.

Ausnahmsweise lasse ich mich da nicht stören, reagiere unwirsch auf Fragen oder Ansprache. Vor und zurück und jeder Schweißtropfen löst etwas in mir.

Ich erinnere mich, erinnere mich an den Ballettunterricht mit 5, an die strenge Lehrerin, die meine Mutter einmal zur Seite nahm und über das kleine pummelige Mädchen sagte, dass ich Potential habe. Natürlich etliche Kilos leichter und mit viel Training, aber ich hätte das nötige Gefühl und die gute Muskulatur. Meine Mutter schüttelte den Kopf und lächelte verschämt. Ihre Tochter beim Ballett? Die soll doch nur etwas dünner werden.

Mit sieben schrieb ich Aufsätze in der Schule, der Klassenlehrer war begeistert, immer wieder durfte ich meine Geschichten vorlesen. Er prognostizierte meinen Eltern eine literarische Karriere. Sie schüttelten lächelnd den Kopf und hörten nur gute Noten.

In der fünften Klasse wurde ein lokaler Künstler unser Kunsterzieher. Er schlug meinen Eltern vor, mich auf eine spezielle Schule zu geben, die mein Talent fördert. Sie schüttelten lächelnd den Kopf. Ich male auch, sagte meine Mutter und flirtete ihn an.

Wenn nie einer glaubt, dass man etwas kann, außer ackern, dann glaubt man es irgendwann selbst nicht mehr. Selbst gute Leistungen stellen nicht zufrieden.

Und glaubt man nicht an sich, dann tun es andere auch nicht.

Aber es geht nicht um die Vergangenheit, sondern um meinen Antreiber, der mich bis heute nicht zur Ruhe kommen lässt und sucht. Irgendwas muss ich doch können, und wenn das jemand erkennt, dann werde ich sicher unterstützt, etwas daraus zu machen. So bin ich auf der Suche, getrieben mit einem Rest Verzweiflung und immer auf den Beweis aus, dass ich doch mehr kann, als ackern.

Alice

Autor:

Nachdenkliches, Persönliches, manchmal Witziges oder Absurdes beschäftigen mich und landen ungefiltert in meinem Blog.

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10 Kommentare zu „Support? Du nicht!

  1. Mir hilft bei Selbstzweifeln der Gedanke, dass ich nichts weiter bin als ein kurzes Flimmern im unendlichen Kosmos, völlig unbedeutend und dadurch völlig frei. Was ich kann oder nicht kann, was ich erreicht habe… es ist nicht von Belang. Irgendein großer Autor meinte einmal, das Leben sei wie ein Vogel, der durch das eine Fenster in einen Raum voller Menschen fliegt und durch das andre Fenster wieder hinaus. Mit diesem Bild kann ich viel anfangen.

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    1. Ja, das kann ich auch, das Bild gefällt mir. Und egal, wie mein Leben verlaufen wäre, es gäbe keine Garantie, dass ich in irgendetwas großartig bin. Auch das ist mir, ehrlich gesagt, egal. Besser möchte ich werden, aber das ist eine andere Geschichte. Was mich wurmt, ist dass ich nie gelernt habe, an mich zu glauben und mit dem, was ich kann, auch einfach mal zufrieden zu sein.

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  2. Bei Deiner Vielseitigkeit ist jeder weiterer Beweis unnötig. Du hast Dich doch damit schon vom Durchschnitt abgehoben. Und aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass Spitzenleistungen auf Kosten der anderen Interessen gehen. Auch nicht immer so toll..

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  3. Nunja, ein ruheloser Geist kann einen auch zu Höchstleistungen anspornen.
    Ist ein bekanntes Phänomen.
    Allerdings halte ich nichts davon, sich immer selbst alles madig zu machen und sich selbst zu geißeln für seine Selbstzweifel oder seine Vergangenheit zu betrauern.
    Kopf hoch, du hast doch Power in dir!

    Gefällt 1 Person

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