Veröffentlicht in Mal über mich, Psychokram, Schreiben

Augen auf

Schon wieder wach, schon wieder um drei statt zu einer vernünftigen Uhrzeit. Der Versuch, sich einfach weiter einzurollen scheiterte und jetzt sitze ich hier, trinke den ersten Kaffee und versuche herauszufinden, was mir den Schlaf raubt.

Dinge, die nicht funktionieren gehören dazu. Der fehlbelichtete Film von gestern wurmt mich, doch so relevant ist das nicht, dass es mir den Schlaf rauben könnte. Die fehlende Kommunikation, die mich heute im professionellen Sektor etwas unsicher sein lässt, vielleicht. Die Termine, die mir aufoktroyiert wurden und von denen ich nur einen tatsächlich einsehe, eventuell. Das Strampeln, etwas hinzubekommen und nie zufrieden zu sein, mit Sicherheit.

Augen auf. Gerade würde ich lieber anderes schreiben, mich zynisch mit dem auseinandersetzen, was mir aufstößt, mich wieder auf das Fabulieren einlassen, unbedarft jonglieren mit Worten und Farbe. Doch ich krampfe, versuche und bin einfach unzufrieden. Es hakt an allen Enden und jede Handlung, die mich aus diesem Totpunkt herausholen soll, scheitert. Ich schaue verschämt zur Seite, verstecke, statt zu zeigen, was da ist. Es reicht nie, mir nicht.

Jede leise Kritik wird mit einer Verdopplung der Energie beantwortet. Ist die eine Baustelle ausgeräumt, kommt sofort jemand mit einer neuen um die Ecke. Mach du, ich kann nicht, kann nichts dafür. Mein Ärger wird mit Unverständnis registriert, ändern tut sich nichts. Am Ende landet die Aufgabe bei mir und die Verantwortung für das Scheitern anderer ebenfalls.

Ich sehe es und weiß noch keine Handhabe dagegen. Immer dasselbe, ich langweile mich gerade selbst, wenn die Gedanken sich drehen und ich immer vor der verschlossenen Tür stehe und nur daran kratze.

Ich habe es versucht, mit Ruhe und Abstand, ich habe die Hobbies gepflegt, gelernt, organisiert, mir Raum gegeben. Doch besser geht es mir nicht damit.

Ich bin nicht gut zu mir, nicht gut genug, so lange das, was ich schaffe, nicht reicht. Immer mehr, brüllt eine Stimme in mir und ich gebe ihr nach, will die beste, die schnellste, dir tollste sein. Und scheitere locker flockig an jeder selbstaufgestellten Hürde.

Ich beneide die, die sich morgens an ihr selbst gefertigtes Häufchen stellen, ein Foto davon machen und sich bei instagram damit feiern lassen. Selbstgemacht, ich, schaut her und die Welt antwortet adäquat. Ein Zeichen unserer Zeit vielleicht und doch auch ein gesundes Gefühl für die eigene Leistung. Und wenn etwas nicht klappt, zucken sie mit den Schultern und gehen ins Wochenende. Sie haben genug getan, Basta. Nur ich, ich kann nicht schlafen, sorge mich um die Lücken, die jemand anderes hinterließ.

Ich lade mir die Verantwortung der Welt auf die Schultern. Irgendwann mache ich die Augen zu und dann? Rückblickend ist das keine so tolle Bilanz.

Alice

Autor:

Nachdenkliches, Persönliches, manchmal Witziges oder Absurdes beschäftigen mich und landen ungefiltert in meinem Blog.

4 Kommentare zu „Augen auf

  1. Tja, ein „like“ kann ich da leider nicht hinterlassen. Nur der Wunsch, dass du doch mal mit dir und deinen erfüllten Aufgaben zufrieden sein kannst, und auch mal in Weekend gehen kannst. Weil du eben auch genug getan hast, Basta😉

    Ich wünsche dir nach diesem harkeligen Start trotzdem einen schönen Tag 😊

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      1. Das klingt nach nem guten Plan. Ich finde TB schreoben eine tolle Sache und habe gerade selbst wieder damit angefangen 🤣

        Sei geduldig mit dir! Du schaffst ganz viel, so wie ich dich hier lese😉 und deine Fotos sind oft so schön und einfach ganz anders.

        Gefällt 1 Person

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