Veröffentlicht in Mal über mich, Philosophisches

Andersdenkend

Ich war nie gläubig im eigentlichen Sinne. Vielmehr habe ich mir meine eigene Suppe gekocht. Als Kind bin ich selbstverständlich getauft worden. Das war damals noch üblich und nur ganz selten hatten wir einen Mitschüler, dessen Eltern ihm die Religionszugehörigkeit überließen. Also ging ich auch brav zum Konfirmandenunterricht. Ich hatte das Glück, dass der Pfarrer sehr kritisch war und hinterfragte. Er war nicht typisch und dachte quer, ließ andere Gedankengänge zu und sagte auch einmal zu mir, dass ich mir das mit der Konfirmation vielleicht noch überlegen sollte.

Ich machte es trotzdem. Für die Eltern und die Geschenke. Die Argumente auf der Kriegenseite waren zu gut.

Mittlerweile bin ich ausgetreten, da war die Kirchensteuer ausschlaggebend. Was soll ich einen Verein unterstützen, der tatsächlich nicht meine Interessen vertritt.

Jüngst waren wir in Kevelaer. Ich bin dort in der Ecke aufgewachsen und fuhr früher häufiger dahin. Fasziniert betrachtete ich die Kapellchen und die Stöcke, die von Geheilten an der Decke hingen. Ein unbestreitbarer Hinweis, dass Glaube Berge versetzt und dieser alte Mann doch Wunder tut, wenn man nur genug glaubt.

Ist das Leben schwer und schränken Krankheiten einen massiv ein, kann das ein guter Rettungsanker sein. Es hilft vielleicht indirekt, zu heilen. Hoffnung ist eine starke Kraft. Das endgültige, unausweichliche des Todes macht Angst, auch mir. Ich kann mir nicht vorstellen, dass auch ich da durch muss und irgendwann vergessen, nur noch eine verwaschene Spur bin.

Ich hoffe, dass ich mich bis dahin damit aussöhne, es akzeptieren lerne und vielleicht sogar begrüße, wenn es so weit ist. Dass ich leichten Herzens Abschied nehmen kann und die Vorstellung, ein unbekanntes Terrain zu betreten, nicht fürchte, sondern neugierig bin. Dass da genug auf der Lebensseite war, um müde sein zu dürfen und ich satt bin.

Bis dahin ist hoffentlich noch eine Menge Zeit. Draußen scheint die Sonne. Ist doch schon mal ein Anfang.

Alice

Autor:

Nachdenkliches, Persönliches, manchmal Witziges oder Absurdes beschäftigen mich und landen ungefiltert in meinem Blog.

2 Kommentare zu „Andersdenkend

  1. auf god.fish habe ich kürzlich diese Gedanken gelesen:

    weil es das Universum gibt, weil es das Leben gibt, weil es alles gibt, gibt es vermutlich einen Sinn dafür, wozu und weshalb es alles gibt.
    denn wozu sollte sonst alles existieren?

    Liebe Grüsse
    Brig

    Liken

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