Veröffentlicht in Mal über mich, Psychokram

Keiner aus Fünf

Ich muss gestehen, ich vermisse ihn, meinen Therapeuten. Gerade momentan, wo mir Vieles klar wird, ich Muster erkenne, die mir bisher verschlossen waren und die ich doch eigentlich wusste, nur nicht so richtig gefühlt habe, hätte ich gerne eine Gegenstimme.

Ich habe einen Plan und ich weiß nicht, ob er gut ist. Ich las gestern noch ein wenig quer, versuchte mir erneut klar zu werden über das Brauchen und Gebrauchtwerden. Die Familie ist da gerade ungeeignet. Die Söhne haben ihren eigenen Kram, sind zu jung und ich werde sicher nicht denselben Fehler machen wie meine Mutter, die mich zur Gesprächsfreundin und zum Sorgentelefon erkor, kaum, dass ich laufen konnte. Der Mann wittert immer Angriffe, versteht nicht, welche Rolle er in dem Komplex spielt. Das ist anstrengend und führt viel zu oft zu Streit.

Ich kriege das mit dem großen Deal nicht hin, der Ausgewogenheit zwischen Nehmen und Geben. Da ist eine Sucht, zu helfen und auch wieder nicht. Das ist typisch für Kinder, die so aufwuchsen wie ich. Die viel zu früh erwachsen wurden, versuchten sich abzunabeln und nicht durften.

Ich definiere mich über Leistung und über das Gebrauchtwerden, das ist klar und nicht leicht abzustellen. Es treibt mich zu Höchstleistungen und lässt mich auf tausend Hochzeiten tanzen. Daneben stehen aber noch die ganzen alltäglichen Probleme in der Warteschleife und oft ist das einfach zu viel. Es ist eigentlich immer zu viel. Irgendwann ist die Luft raus und dann geht gar nichts mehr.

Dann sitze ich rum, starre Löcher in die renovierungsbedürftigen Wohnzimmerwände und komme nicht in Schwung. Kaffee und Zigaretten, Zigaretten und Kaffee, während es immer später wird und meine Pläne für den Tag das Klo runterrauschen.

Mir ist klar geworden, dass die erste Person, um die ich mich kümmern muss, ich bin. Also Alice und an dieser Stelle finde ich den Alter Ego, den ich mir verpasst habe, recht praktisch.

Bisher habe ich immer darauf gewartet, dass mein Gegenüber irgendwann die Rechnung begleicht, die aufgelaufene Schuld abträgt. Doch das wird nichts. Warum auch immer. Mein Energiekonto ist tief in den roten Zahlen. Es gibt so vieles, was ich mir wünschte, worauf ich sogar ein Recht hatte und was mir einfach verwehrt wurde. Diese Bitternis begleitet mich und macht mich manchmal zänkisch und unglücklich. (Ich kann keinen Heiratsantrag im Fernsehen sehen ohne innerlich durchzudrehen)

Doch es ist mein Leben und auch, wenn ich manche Wünsche nicht selbst erfüllen kann, so ist das bei einigen doch möglich. Und da möchte ich ansetzen.

Die Fünf, mit denen ich mein Leben teile, werden es schwerlich verstehen und ich hätte gerne ein Konzept, ein Vorbild, einen gangbaren Weg.

Gerade fehlt er mir, der Therapeut. Doch auch er kann mein Leben nicht geraderücken. Das muss ich alleine.

Alice

Autor:

Nachdenkliches, Persönliches, manchmal Witziges oder Absurdes beschäftigen mich und landen ungefiltert in meinem Blog.

2 Kommentare zu „Keiner aus Fünf

  1. 51% sind meine, als mein eigener Mehrheitseigner. Um den Rest können sie die anderen kloppen, Abarbeitung nach Priorisierung 😉

    …der Ausgewogenheit zwischen Nehmen und Geben…
    Tja. Kann`ste nur selbst herausfinden. Aber – das Leben ist erst genug, darum wenigsten n Spruch dazu:

    Das Leben ist ein nehmen und geben.
    Mal übernimmt man sich,
    mal übergibt man sich.

    Grüße!

    PS: Ist der Mann auch ein Widder-Kind? (das Shirt letztens…)

    Gefällt 2 Personen

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