Veröffentlicht in Mal über mich

Gebraucht

Ich brauche, doch ich will nicht brauchen. Gebraucht werden ist schön, doch irgendwann wird es anstrengend und nicht mehr zu bewältigen, wenn die Ansprüche in den Himmel wachsen.

Andererseits will ich brauchen, will dem Gegenüber das Gefühl vermitteln, dass er-sie-es wichtig ist für mich. Doch lasse ich mich darauf ein, kommt irgendwann die Angst. Und ist die vorbei, wird das Gebrauchtwerden zur untragbaren Aufgabe.

Jedes Mal und immer neu.

Dieses Mal ist anders, denke ich und hoffe, dass das stimmt. Die Ernüchterung ist groß, wenn es dann so weit ist und ich den Abstand aufsuche, um mir klar zu werden, über mich und mein Brauchen.

Mein Brauchen wird nämlich ausgesprochen selten erfüllt, bisher eigentlich nie so richtig. Und wenn ich mich darauf verlassen habe, sind die kalten Duschen wie Eissplitter in meinem Herzen.

Jedes Mal und immer neu.

Also gehe ich zwei Schritte weg oder drei. Antworte auf Anfragen ausweichend, melde mich als nicht (mehr) zuständig, verweise auf mein Brauchen, das bisher niemanden interessierte. Ich fange an zu erfüllen, doch gut fühlt sich das nicht an.

Er-sie-es nahm von mir, warum kann ich nie von ihm-ihr nehmen. Sie sind zufrieden, wenn ich mich selbst versorge und lauern darauf, dass ich genug habe, wieder voll bin und ihr Brauchen stille.

Jedes Mal und immer neu.

Das allererste Mal brauchte ich wirklich.

So was wie Aufmerksamkeit, Zuspruch, Vertrauen, Zuneigung, Zeit, Rückhalt (ganz wichtig) und einen Kämpfer an meiner Seite.

Sie waren überfordert, dabei wollte ich gar nicht viel. Sie sagten trotzdem, es sei zu viel.

Seitdem traue ich mich nicht mehr so richtig, zu brauchen. Stattdessen lasse ich mich gebrauchen.

Das, was ich bräuchte, ersetze ich durch Dinge, die ich mir selber geben kann. Die kosten zwar Geld oder Gesundheit, doch sie füllen die leere Stelle in meinem Bauch. Fühlt sich fast wie ein volles Herz an.

Aber nur fast.

Alice

Autor:

Nachdenkliches, Persönliches, manchmal Witziges oder Absurdes beschäftigen mich und landen ungefiltert in meinem Blog.

15 Kommentare zu „Gebraucht

  1. Wenn ich so richtig böse wäre, würde ich daran erinnern: „Geben ist seliger als Nehmen“..☺️ Und man gibt ja gerne – nur ausnutzen lässt man sich nicht ganz so gerne. Also verständlich! Sage denen die immer nur holen einfach dass deine Geschenkabteilung gerade geschlossen hätte…

    Gefällt 2 Personen

  2. Ja, Du schreibst mir aus dem altruistisch Verbogenen Herzen! Ich kenne das so gut. Ich fühle mich auch gerne gebraucht, aber letztendlich fühle ich mich am Ende dann doch oft eher benutzt. Eigentlich will ich so gerne daran glauben, dass alles, was ich für Andere tue, irgendwie zu mir zurückkommt und ich quasi eine genauso positive und wohltuende Gegenleistung erhalte – nicht als Tauschhandel, sondern aus Fairness und gegenseitiger Wertschätzung. Aber leider sind Andere oft viel weniger altruistisch und fair als ich und Du und die anderen Unverbesserlichen…
    Lass Dich nicht aussaugen!
    liebe Grüße
    Lea

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  3. Puh!
    Das ist schade!
    Bei mir war immer jemand da, wenn ich wirklich jemand brauchte. Allerdings oft Menschen, mit denen ich gar nicht gerechnet habe.
    Darum mache die Augen auf und schaue dich um. Vielleicht siehst du nur nicht, wer dich unterstützen will.

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    1. Oh, das wäre fein 😂 Deine Bemerkung erinnert mich an meine Begegnung mit einem Gerichtsvollzieher, der mich verwechslungstechnisch wegen einer Namensgleichheit aufsuchte. Ich habe entschieden, dass das sehr seltsame Menschen sind, auch wenn ich nie wieder von ihm hörte und er wohl meine Namensschwester fand. Aber so einen loszujagen, um die Schulden einzutreiben, wäre echt fein

      Gefällt 1 Person

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