Veröffentlicht in Mal über mich

Ärger und Ravioli

Ich hasse es, wenn man mir gegenüber laut wird. Ich bin da empfindlich. Sofort bin ich wieder fünf und fühle mich für jeden Mist, der passiert ist, schuldig. Mindestens tausend Mal schon, habe ich es gesagt, die Ursachen erklärt, um eine Regulation der Reaktion gebeten, wenn man was aus dem Ruder läuft. Doch bisher hat es nichts gebracht, außer wiederkehrenden Entschuldigungen.

Schreien ist Gewalt. Und auch, wenn mir schon mal der Mund ausrutschte, es ist kein Kommunikationsmittel. Und wenn überhaupt, nur dann eingeschränkt akzeptabel, wenn das Gegenüber Mist gebaut hat, uneinsichtig ist oder dann selbst laut wird.

Angepampt zu werden, wenn nur eine blöde Einkaufskiste gesucht wird für den Wocheneinkauf, den man mal wieder nur mit Sohnesunterstützung leisten darf, weil erneut unpässlich, das ist kein Grund, keine Entschuldigung.

Ich bin immer noch sauer und habe keinen rechten Umgang damit gefunden. Geredet habe ich früher, mit Engelszungen, mich erklärt, um Verständnis, Mitgefühl, Rücksicht gebeten, ohne Erfolg. Also schwieg ich, was mit schwer fällt.

Ich zog mich zurück, baute weiter an der Lochkamera, kam der Wissenschaft dahinter ein Stück näher. Ich habe Formeln gefunden und grinse wie ein Honigkuchenpferd über die neuen Erkenntnisse. Was gelernt, das entschädigt mich für Vieles.

Und eine Tür aufgestoßen dabei, ein kleiner Blick hinter meine Kulissen. Da wartet etwas, jemand, endlich hervorzutreten, zu tun, zu sein, was ich nicht erwartet habe. Ich kann es nicht besser beschreiben. Doch als ich in dem alten Fotografiebuch blätterte, alte Bilder betrachtete, machte es hörbar „Klick“ und ich begriff. Mehr weiß ich nicht, kann ich selber noch nicht sagen. Es passiert was und das ist gut.

Der Tag endete besser, unterhaltsamer. Ich versprach gestern dem nudelliebenden Sohn selbstgemachte Ravioli. Der Teig wartete schon im Kühlschrank, das Raviolibrett ließ sich ohne Probleme finden.

Zwei Stunden bastelten wir daran herum, rührten die Spinat-Ricotta-Füllung, walzten widerspenstigen Teig, füllten, belegten, rollten, schnitten, pulten aus den Vertiefungen und kochten.

Sie waren hervorragend und die Arbeit hat sich gelohnt. Zwei auf der Habenseite, eins auf der Sollseite. Die Bilanz des Tages könnte schlimmer sein.

Heute steht ein ernstes Gespräch an und ein Testlauf der Lochkamera. Dann muss ich weitersehen.

Alice

Autor:

Nachdenkliches, Persönliches, manchmal Witziges oder Absurdes beschäftigen mich und landen ungefiltert in meinem Blog.

2 Kommentare zu „Ärger und Ravioli

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